Die Erschaffung des Herrschergeldes und die Mechanismen der versteckten Enteignung
Screenshot youtube.comDie wirtschaftspolitische Debatte über die Grenzen staatlicher Geldschöpfung beschäftigt die Gesellschaft seit vielen Jahrzehnten. Bestimmte wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen fordern heute, dass der Staat sein Geld unbegrenzt selbst erschaffen darf, um damit öffentliche Aufgaben zu finanzieren. Diese Forderung läuft letztlich darauf hinaus, das bestehende Geld in ein reines Herrschergeld zu verwandeln, bei dem politische Entscheidungsträger nach eigenem Ermessen über die Kaufkraft der Bürger bestimmen. Um die weitreichenden Konsequenzen einer solchen ungebremsten Geldvermehrung zu verstehen, ist es notwendig, die grundlegenden Mechanismen der Geldentwertung und der versteckten Enteignung Schritt für Schritt zu untersuchen.
Die unbeschränkte Macht der Gelderschaffung
Wenn ein Familienoberhaupt eigene Spielkarten als Zahlungsmittel einführt, erzielt es damit einen unmittelbaren Vermögensvorteil durch die reine Erschaffung dieses Tauschmittels. Diese selbst geschaffenen Karten stellen ein konzeptionell unbegrenztes Herrschergeld dar, das keinerlei natürlicher Begrenzung unterliegt. Sämtliche theoretischen Modelle zur unbegrenzten Staatsfinanzierung laufen letztlich darauf hinaus, das bestehende Geld in ein solches Herrschergeld umzuwandeln. Die Befürworter dieser Lehren beklagen daher stets die institutionellen Grenzen, die genau diese unbegrenzte Geldschöpfung verhindern sollen. Sie verschleiern diesen fundamentalen Zusammenhang und behaupten fälschlicherweise, ihre Aussagen würden bereits für das heutige Geldsystem gelten.
Die natürlichen Grenzen der Arbeitskraft und die Illusion der Schuld
Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen, betrachten wir die endliche Arbeitskraft der Kinder in diesem Modell. Es existiert eine völlig natürliche Obergrenze dafür, wie viel körperliche Anstrengung die Kinder theoretisch erbringen können, ganz gleich wie stark man sie motiviert oder antreibt. Durch das Ausgeben der Karten eignet sich das Familienoberhaupt reale Werte an, wobei bei fehlender Begrenzung ein enormer Anreiz zur persönlichen Bereicherung entsteht. Früher oder später wird es mehr Karten ausgeben als die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Familie erlaubt. In einer Übergangsphase kauft es sich Luxus und sichert sich die Loyalität einflussreicher Personen, um die eigene Machtstruktur zu stützen.
Die unvermeidbare Geldentwertung und der Systemkollaps
Irgendwann äußert sich dieser übermäßige Verbrauch in einer massiven Geldentwertung, was zum Zusammenbruch des gesamten Systems führt. Die Familienmitglieder erkennen erst spät, dass sie verarmt sind und systematisch ausgebeutet wurden. Die Vertreter der modernen geldtheoretischen Lehren werfen nun Nebelbomben, um diese fatalen Entwicklungen zu verschleiern. Sie argumentieren, dass die Kinder durch die Ausgabe der Karten vorab Arbeit geleistet hätten und das Familienoberhaupt sich in einer Schuldbeziehung befinde. Aus dieser zynischen Perspektive sind die Karten nichts anderes als eine gestundete Steuerschuld, die der Vater erst am Monatsende einfordert.
Die Rückkehr zu feudalen Abhängigkeitsverhältnissen
Weil das Beispiel von einer Familie handelt, wird oft übersehen, dass hier ein reines Fronsystem beschrieben wird. Das Familienoberhaupt betrachtet sich als Patriarch, dem natürlicherweise die gesamte Arbeitskraft der Untergebenen zusteht. Er erkennt die erbrachte Arbeit nicht als Vorleistung an, für die er sich revanchieren müsste, wie es unter normalen Menschen üblich ist. Die Regierung benötigt in diesem Denken nichts zurückzuzahlen, sondern kann einfach Steuern verlangen. Das Familienoberhaupt muss zwingend ein Kartenungleichgewicht aufweisen, also Karten ausgeben, bevor die Abgaben fließen, damit überhaupt ein Tauschmittel im Umlauf existiert.
Die Verdrängung der privaten Geldschöpfung
Dieser Punkt entsteht durch die erzählte mittelalterliche Geschichte des Herrschergeldes und birgt eine große Falle. In unserem heutigen Geldsystem entsteht der weitaus größte Teil des Geldes im privaten Sektor durch die Kreditvergabe der Banken. Die modernen Geldtheoretiker versuchen mit allen Mitteln, diesen Sachverhalt zu leugnen und idealerweise die private Geldschöpfung komplett zu beseitigen. Wenn das Familienoberhaupt ständig mehr Karten ausgibt als es Abgaben einnimmt, häuft es gewaltige Schulden an. Auch hier wird eine weitere Falle aufgebaut, indem behauptet wird, der Staat könne kein Plus machen, weil er der einzige Geldemittent sei.
Die Möglichkeit staatlicher Vermögensbildung
Diese Behauptung ist schlichtweg falsch, denn der Staat könnte problemlos einen Staatsfonds bilden und freie Mittel im Ausland anlegen. Ein bekanntes norwegisches Modell zeigt eindrucksvoll, dass eine solche Vermögensbildung durchaus möglich ist. Der Staat könnte sich zudem an Unternehmen im Inland beteiligen und die Gewinne für die Zukunft verwenden, etwa durch lukrative Infrastrukturprojekte. Es gibt weit mehr Beteiligungen als nur Schulden, was von den Geldtheoretikern jedoch konsequent geleugnet wird. Dieser Trick dient allein dazu, Staatsschulden als etwas Positives darzustellen, obwohl sie eben nicht das alleinige Geld darstellen.
Die Notwendigkeit freier Marktpreise
In dem bisherigen Modell existieren keine echten Marktpreise, sondern nur willkürlich vom Familienoberhaupt festgelegte Werte für die Arbeiten. Wenn diese Preise nicht stimmen, werden manche Arbeiten gar nicht erst erledigt, weil andere Tätigkeiten aus Sicht der Kinder günstiger sind. Es muss zwingend einen freien Markt geben, damit sich gerechte Preise bilden können. Dafür können die Kinder die Karten auch untereinander tauschen, wodurch sich ein natürlicher Ausgleich ergibt. Ein Kind kann eine Zeit lang aussetzen, während ein anderes in dieser Zeit einen gewaltigen Kartenpuffer aufbaut.
Der wahre Wert des Tauschmittels
Die Kinder können auch andere Dinge gegen Karten handeln, etwa ein Spielzeug verkaufen, wodurch die Karten zu echtem Geld werden. Die Werthaltigkeit dieser Karten resultiert jedoch ausschließlich aus der tatsächlichen Arbeitskraft der Kinder. Karten, für die niemals Gegenleistungen erbracht werden, besitzen auch keinen tatsächlichen Gegenwert. Wenn das gesamte reale Vermögen der Kinder ansteigt, etwa durch viele Geschenke von Verwandten, kann die Kinderwirtschaft wachsen. Sie können dann zusätzliche Karten absorbieren, weil den Karten mehr reale Tauschgüter gegenüberstehen.
Die heimliche Enteignung durch Geldvermehrung
Allerdings schöpft das Familienoberhaupt dieses Wachstum ab, denn es erhält die Gegenleistungen der Kinder durch den Münzgewinn und nicht durch eigene Leistungen. Eigentlich müsste bei einer wachsenden Wirtschaft die Kaufkraft der gesparten Karten für die Kinder spürbar steigen. Wenn die Kaufkraft stattdessen gleich bleibt, bedeutet dies, dass sich das Familienoberhaupt den Kaufkraftzuwachs mit Hilfe des Münzgewinns aneignet. Faktisch bekommt es also die Geschenke an die Kinder, weil diese die entsprechende Arbeitskraft abliefern müssen. Die Kinder merken dies jedoch nicht, da die Steuern vermeintlich unverändert bleiben.
Der Trugschluss der rechnerischen Zahlungsfähigkeit
Rechnerisch kann das Familienoberhaupt so viele Karten herstellen, wie es will, und formal nie zahlungsunfähig werden. Wenn die Zahl der Karten aber die Abgabenschuld und den realen Wert der Spielzeuge übersteigt, verlieren sie ihren Tauschwert. Es entsteht eine massive Preissteigerung, die die Ersparnisse vernichtet. Die Vertreter der modernen Lehren betonen zwar immer, es sei unmöglich, in selbst emittierter Währung zahlungsunfähig zu werden. Dies stimmt jedoch nur rechnerisch, nicht aber tatsächlich, denn die Menge der hergestellten Karten sagt nichts über den realen Güterempfang aus.
Der finale Kollaps der Geldillusion
Es handelt sich um ein reines Ablenkungsargument, das den wahren Kern geschickt verschleiert, indem ständig das Wort rechnerisch verwendet wird. Wenn immer mehr Karten emittiert werden, bleibt nur die Möglichkeit, die Abgaben zu erhöhen und die Aneignung realer Werte sichtbar zu machen. Die Hoffnung der Kinder, durch aufgesparte Karten in Zukunft weniger arbeiten zu müssen, wird auf diese Weise brutal zerstört. Es bleibt bei der einfachen Erkenntnis, dass Staatsschulden unweigerlich zu späteren Steuern führen. In dem Modell gibt es keinen Mechanismus zur Begrenzung der Emission und niemanden, der den Wert überprüft.
Die Forderung nach unabhängigen Kontrollinstanzen
Das Familienoberhaupt kann also einfach weiter Karten ausgeben, um über die sichtbaren Steuern hinaus Arbeitsleistung zu erhalten. Dies funktioniert so lange, bis den Kindern die Illusion auffällt und sie glauben, ihre Karten durch Nichtstueren abfeiern zu können. Da das Oberhaupt dann keine Arbeitsleistung mehr erhält, muss es die Abgaben erhöhen und die Karten offiziell entwerten. Irgendwann sind die Erhöhungen ausgereizt, die Illusion verschwindet und die Karten verlieren ihren Wert komplett. Es wäre daher zwingend nötig gewesen, institutionelle Schranken zu errichten, die die Emission einer strengen Prüfinstanz unterziehen.
Das düstere Bild der Plantagenwirtschaft
Um die Tragweite noch deutlicher zu machen, verlegen wir das Setting von der harmlosen Familie zu einer Plantage mit Sklavenarbeitern. Der Aufseher gibt für abgegebene Baumwolle Pflückscheine aus und verlangt jeden Abend eine bestimmte Anzahl, um den Schlafsaal nutzen zu dürfen. Was passiert, wenn der Aufseher immer mehr Scheine druckt und den ausgegebenen Betrag pro Lieferung verdoppelt? Solange der Preis für den Schlafsaal konstant bleibt, brauchen die Arbeiter weniger Baumwolle zu pflücken. Es hat eine Geldentwertung stattgefunden, die sich an dieser Stelle unübersehbar zeigt.
Die Gesetzmäßigkeiten der Geldmenge
Es wird Anpassungsprozesse an die neuen Preise geben, und im Endzustand wird alles rechnerisch teuer sein. Da das hier verwendete Geld von außen vorgegeben ist, gilt grundsätzlich die Quantitätstheorie in ihrer allgemeineren Form. Wenn die Arbeiter sparen und einen Puffer aufbauen, wird nicht das gesamte Geld preiswirksam. Ein interessanter Effekt hierbei ist, dass die Wirkung der Abgaben umso kleiner wird, je mehr Scheine im Umlauf sind. Wenn das ausgegebene Geld gegen unendlich geht, gehen die Steuern gemessen daran gegen null.
Die überraschende Einigkeit der Lehrmeinungen
Man könnte also grundsätzlich die gleiche Wirkung des Geldruckens erzielen, wenn der Aufseher die Abgaben komplett abschafft. Aus Sicht der modernen Geldtheorie heißt dies, dass das Geld ohne Steuern nichts wert ist. Aus Sicht der klassischen Volkswirtschaftslehre heißt dies, dass bei unendlicher Geldmenge das Geld nichts wert ist. Beide Ergebnisse stimmen völlig überein und beweisen die gleiche grundlegende Wahrheit. Heißt das im Umkehrschluss, dass wir weniger Abgaben zahlen, wenn es eine Geldentwertung gibt?
Die versteckte Steuererhöhung durch Geldentwertung
Nein, denn unser tatsächliches Steuersystem hat eine Vorkehrung dagegen eingebaut, damit der Staat keine Einnahmen verliert. Während es im Beispiel eine fixe Abgabe ist, sind die Steuern bei uns prozentual und erhöhen sich automatisch bei Geldentwertung. Wegen der Steuerprogression erhöhen sie sich sogar überproportional, was als kalte Progression bezeichnet wird. Dies wird von den meisten Menschen nicht verstanden, sodass der Staat durch die Geldentwertung unbemerkt die Steuern erhöht. Während der höchste Steuersatz in den 1980er Jahren noch etwa das 15fache des durchschnittlichen Einkommens betrug, beginnt er im Jahr 2025 bereits bei weniger als dem 2fachen des mittleren Einkommens.













