Die Einzigartigkeit der Banken: Wie Geldschöpfung, Sparen und Investieren zusammenhängen und warum das Bankwesen kein gewöhnliches Geschäft ist
Screenshot youtube.comDie Frage, was Banken tatsächlich tun und wodurch sie sich von allen anderen Unternehmen unterscheiden, beschäftigt die Wirtschaftswissenschaft seit vielen Jahrzehnten. Lange Zeit herrschte die Vorstellung vor, Banken seien lediglich Vermittler zwischen denen, die Geld übrig haben, und denen, die Geld benötigen. Erst in jüngerer Vergangenheit wurde durch empirische Untersuchungen zweifelsfrei nachgewiesen, dass Banken in der Lage sind, individuell Geld aus dem Nichts zu schaffen, und dass sie sich dadurch grundlegend sowohl von anderen Finanzinstituten als auch von gewöhnlichen Unternehmen unterscheiden. Die folgenden Ausführungen widmen sich der Frage, wie dieses scheinbare Paradoxon aufzulösen ist, warum Sparen und Investieren auf der realen Ebene stets zusammengehören und auf welche Weise die Geldschöpfung der Banken diesen Zusammenhang nicht aufhebt, sondern ihm vielmehr dient. Dabei wird deutlich, dass die Verwirrung um das Bankwesen vor allem aus einer Vermischung der realen und der monetären Ebene herrührt und dass ein genauer Blick auf die Bilanz der Banken das Rätsel löst.
Die weitverbreitete Vorstellung vom Kreditgeschäft der Banken
Die am weitesten verbreitete Vorstellung über das Kreditgeschäft der Banken besteht darin, dass sie die Spareinlagen der Sparer einsammeln und diese gesammelten Mittel an die kreditsuchenden Marktteilnehmer weitergeben. In diesem Bild fungiert die Bank als eine Art Sammelstelle, die das Geld der einen entgegennimmt und es den anderen zur Verfügung stellt, ähnlich einem Wassertank, der von der einen Seite gefüllt und von der anderen Seite geleert wird. Dies ist auch die Rolle, die den Banken in der neoklassischen Wirtschaftstheorie zugewiesen wird, und sie prägt das Verständnis ganzer Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern und Studenten. Es gibt auf der einen Seite Sparer, die ihre Mittel aufbewahren und für die Zukunft sichern wollen, und auf der anderen Seite gibt es Marktteilnehmer, die genau diese Mittel verwenden möchten, um ein Geschäft aufzubauen oder eine Investition zu tätigen. Die Sparer geben deshalb die aufzubewahrenden Mittel an diese anderen Wirtschaftsteilnehmer weiter, die sie verwenden und in der Zukunft samt einem Aufschlag zurückzahlen werden.
Auf der realen Ebene beschreibt dieser Vorgang einige Sachverhalte, die schlechterdings nicht zu bestreiten sind und die seit jeher Gültigkeit besitzen. Es kann nur dann investiert werden, wenn irgendwer in der Gegenwart spart und auf den unmittelbaren Verbrauch von Gütern verzichtet. Denn für eine Investition sind reale Werte notwendig, auf die daher jemand zunächst verzichten muss, damit sie für einen anderen Zweck verfügbar werden. Anschaulich gesprochen verhält es sich mit dem Saatgut so: Man kann es entweder direkt aufessen und damit den augenblicklichen Hunger stillen, oder man kann es aussäen und auf die künftige Ernte warten. Beides gleichzeitig geht nicht, und wer isst, kann nicht mehr säen, und wer sät, muss den augenblicklichen Verzicht in Kauf nehmen.
Die Überbrückung der Zeit durch Investitionsprojekte
Um Werte über einen längeren Zeitraum aufzubewahren und sie in die Zukunft zu retten, sind Investitionsprojekte nötig, durch die jemand in der Zukunft die dann zu verbrauchenden Mittel neu erzeugt. Anschaulich gesprochen verdirbt Saatgut, das lediglich im Keller aufbewahrt wird, und es geht verloren, ohne dass jemand einen Nutzen davon gehabt hätte. Damit man in einer weiter entfernten Zukunft etwas von dem Wert hat, muss es jemand aussäen, damit durch den zukünftigen Ertrag die Werte tatsächlich in die Zukunft transferiert worden sind. Das Investitionsprojekt ist somit das Werkzeug, mit dem der Mensch die Zeit überbrückt und gegenwärtige Werte in künftige Werte verwandelt. Ohne diesen Vorgang der Aussaat und der Ernte gäbe es keine Möglichkeit, den gegenwärtigen Verzicht in einen zukünftigen Gewinn umzuwandeln.
Wenn derjenige, der das Investitionsprojekt durchführt, und derjenige, der sparen will, unterschiedliche Personen sind, muss der Sparer die Mittel an den anderen abgeben, damit dieser das Investitionsprojekt überhaupt durchführen kann. Das kann er entweder tun, indem er sich am Kapitalmarkt den passenden Partner sucht und zum Beispiel dessen Schuldverschreibungen erwirbt. Auf diese Weise gibt er dem anderen einen Kredit, und dieser verwandelt die aufzubewahrenden Werte durch seine Arbeit in die Zukunft und zahlt sie dann zurück, wobei er im Erwartungswert noch etwas für sich selbst behält, damit sich die Investition auch für ihn lohnt. Diese direkte Verbindung zwischen Sparer und Unternehmer ist der einfachste Weg, Ersparnisse in Investitionen zu verwandeln. Sie setzt jedoch voraus, dass beide Seiten einander finden und sich über die Bedingungen einig werden.
Weil die Suche am anonymen Markt jedoch erhebliche Kosten verursacht und mit Unsicherheit verbunden ist, kann der Sparer sein Geld auch zur Bank bringen, die dann jemanden mit einem geeigneten Investitionsprojekt sucht und die Vermittlung übernimmt. Tatsächlich ist dieser Weg in der Regel besser und für den Sparer vorteilhafter, denn er ist jetzt vom Risiko eines einzelnen Unternehmers abgeschirmt und besitzt eine höhere Flexibilität hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem er über seine Mittel verfügen kann. Er bringt also sein Geld zur Bank, die kümmert sich um gute Investitionsprojekte für die Zwischenzeit, und der Sparer holt sein Geld wieder ab, wann immer er es braucht. Die Bank übernimmt dabei das Risiko, das aus der unterschiedlichen Laufzeit der Einlagen und der Kredite entsteht, und sie schützt den Sparer vor den Unwägbarkeiten des einzelnen Geschäftsvorhabens. Diese Vermittlerfunktion ist der eigentliche Kern des Bankwesens und der Grund, warum Banken seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle in jeder Volkswirtschaft spielen.
Die Geldschöpfung und die Frage nach der Einlage
Auf der realen Ebene ist der eben beschriebene Sachverhalt völlig klar und war auch über viele Jahrzehnte in der Wirtschaftstheorie unbestritten. Niemand stellte in Frage, dass Sparen die Voraussetzung für Investieren ist und dass reale Werte nur dann in die Zukunft transferiert werden können, wenn jemand in der Gegenwart auf ihren Verbrauch verzichtet. Aber seit einigen Jahren verbreitet sich eine Sichtweise, nach der dies alles nicht zutreffe und die herkömmliche Beschreibung des Bankwesens grundlegend falsch sei. Denn wenn wir uns die Vorgänge bei der Geldschöpfung ansehen, stellen wir fest, dass die Bank bei der Kreditvergabe neues Geld erschafft und vermeintlich gar keine Einlagen braucht, um Kredite zu vergeben. Die Bank schreibt dem Kreditnehmer einen Betrag gut, der zuvor nicht existierte, und es scheint, als entstehe das Geld gleichsam aus der Luft.
Waren also Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern einfach nur unfähig, diesen Zusammenhang zu sehen, und haben sie jahrzehntelang ein falsches Bild des Bankwesens gezeichnet? Sind Banken vielleicht doch keine Vermittler zwischen den Sparern und den Unternehmern, wie wir so lange dachten und wie es in jedem Lehrbuch steht? Oder liegt der Fehler woanders, nicht in der Beschreibung der realen Vorgänge, sondern in der Art und Weise, wie wir über Geld und Buchhaltung denken? Diese Fragen haben zu einer tiefgreifenden Verunsicherung geführt und das Vertrauen in die herkömmliche Wirtschaftstheorie erschüttert. Um sie zu beantworten, muss man genau hinsehen und die verschiedenen Ebenen des Geschehens sorgfältig voneinander trennen.
Die Vermischung der realen und der monetären Ebene
Die Verwirrung kommt daher, dass in der Argumentation die reale und die monetäre Sphäre miteinander vermischt wurden, als handele es sich um ein und dasselbe. Die reale Ebene ist nach wie vor unbestritten und wird auch durch die Erkenntnis der Geldschöpfung nicht widerlegt: Investition und Sparen sind immer identisch, obgleich sie nicht zwingend von derselben Person ausgeführt werden müssen. Sparer und Unternehmer können getrennte Personen sein, und es ist genau die Funktion der Kapitalmärkte und der Banken, diese Trennung zu ermöglichen und beide Seiten zusammenzubringen. Dass in dem Prozess des Sparens und Investierens auch noch Geld als Zahlungsmittel entsteht und wieder untergeht, ist eine ganz andere Sache, die auf einer anderen Ebene stattfindet. Dieser Vorgang spielt sich auf der monetären Ebene ab und widerspricht der Funktion der Bank als Vermittler zwischen Sparer und Unternehmer in keiner Weise.
Im Gegenteil begünstigt die Geldschöpfung diese Vermittlerfunktion sogar und macht sie erst in vollem Umfang möglich. Geld ist nicht der reale Wert selbst, sondern gut konstruiertes Geld kann geeignet sein, in einen solchen realen Wert eingetauscht zu werden, wenn die Bedingungen stimmen und das Vertrauen in die Währung intakt ist. Geld kann also als Schmiermittel das reale wirtschaftliche Handeln vereinfachen und beschleunigen, indem es den Tausch von Gütern und Diensten erleichtert, der ohne Geld umständlich und langsam wäre. Indem das Geld entsteht und wieder untergeht, also gleichsam sterilisiert wird, hilft es anderen, reale Werte zu erzeugen und zu verbrauchen, ohne dass diese Werte mit dem Geld selbst identisch wären. Aber diese Werte sind nicht das Geld selbst, und wer Geld mit Reichtum verwechselt, begeht einen fundamentalen Denkfehler, der zu falschen Schlüssen über das Wesen des Bankwesens führt.
Das Beispiel vom Pelzjäger, vom Schuster und vom Wirtshausbesitzer
Um den Zusammenhang zwischen Sparen, Investieren und Geldschöpfung anschaulich zu machen, sei ein einfaches Beispiel herangezogen, das die wesentlichen Vorgänge auf das Nötigste reduziert. Ein Pelzjäger kommt mit einer gewissen Menge an gegerbtem Leder in die Stadt und möchte sich einen Abend im Wirtshaus gönnen und dort Branntwein trinken. Das Leder ist seine Ersparnis, denn er hat lange dafür gearbeitet, es aber nicht selbst verbraucht, sondern aufbewahrt. Er gibt diese Ersparnis an einen Schuster weiter, der damit ein Investitionsprojekt verfolgen will, nämlich die Herstellung von Schuhen, die er in der Zukunft verkaufen wird. Wenn die Schuhe fertiggestellt und verkauft sind, gibt der Schuster dem Pelzjäger etwas von dem Erlös zurück, und der Kreislauf schließt sich. Der Pelzjäger finanziert also mit seiner Ersparnis die Schuhherstellung, und würde er nicht in Vorleistung treten oder hätte er nicht gespart, könnte der Schuster nicht arbeiten, denn ihm fehlte das Material.
Dieser Sachverhalt bleibt immer derselbe, egal wie er im Detail ausgestaltet ist und welche Zwischenstationen eingeschaltet werden. Es ist gleichgültig, ob der Pelzjäger und der Schuster direkt einen Vertrag miteinander schließen oder ob der Pelzjäger sein Leder zu einem Vermittler bringt und dieser den Vertrag mit dem Schuster abschließt. Es ist auch unerheblich, wie dieser Vermittler den Vorgang in seinen Büchern verbucht und welche Belege er ausstellt. Wenn sich der Vermittler als Bank verhält und Schuldscheine ausgibt, die von allen Beteiligten als Geld akzeptiert werden, so ist das umso besser für den reibungslosen Ablauf des Wirtschaftslebens. Aber dass diese so ausgegebenen Schuldscheine, die wir Banknoten nennen, allgemein akzeptiert werden, ändert in keiner Weise das zugrunde liegende Geschäft, demzufolge der Pelzjäger mit seiner Ersparnis den Schuster finanziert hat und die Bank ein Vermittler zwischen den beiden ist.
Die Banknote als Brücke zwischen Sparen und Konsum
Diese Konstruktion ermöglicht es allerdings, dass der Pelzjäger jetzt unmittelbar in das Wirtshaus gehen kann und dort die Banknote weitergibt, um seinen Branntwein zu trinken, ohne warten zu müssen, bis der Schuster seine Schuhe fertiggestellt und verkauft hat. Danach finanziert der Wirtshausbesitzer den Schuster und nicht mehr der Pelzjäger, denn er hat ja die Banknote als Zahlungsmittel akzeptiert und damit dem Schuster einen Vorschuss gewährt. Das merken die beiden jedoch gar nicht, weil die Bank zwischen ihnen und der Gegenseite des Geschäfts, dem Schuster, steht und die beiden Seiten voneinander abschirmt. Das ist die eigentliche Aufgabe eines Vermittlers: Er schützt die eine Seite vor den Risiken und Unsicherheiten der anderen Seite und ermöglicht so Geschäfte, die ohne ihn nicht zustande kämen. Die Bank steht gleichsam in der Mitte und hält die Fäden in der Hand, ohne dass die Beteiligten am einen und am anderen Ende des Fadens einander kennen müssten.
Auf diese Weise wird auch die unterschiedliche Fristigkeit überbrückt, die darin besteht, dass der Pelzjäger und der Wirtshausbesitzer unmittelbar konsumieren möchten, das Investitionsprojekt des Schusters aber eine längere Zeit in Anspruch nimmt, bis die Schuhe gefertigt und verkauft sind. Das Risiko, das aus dieser Fristeninkongruenz entsteht, trägt die Bank, und es ist ihre Aufgabe, dieses Risiko durch eine umsichtige Geschäftspolitik zu beherrschen. Eine reine Zahlungsfähigkeitsklemme, die hieraus entstehen kann, soll durch das Verhalten der Zentralbank verhindert werden, die als letzte Instanz dafür sorgt, dass das System nicht ins Stocken gerät. Die Bank übernimmt somit nicht nur die Vermittlung zwischen Sparer und Unternehmer, sondern auch die Verwandlung kurzer Fristen in lange Fristen und die Übernahme des Risikos, das mit dieser Verwandlung einhergeht. Diese Leistung wird häufig unterschätzt, ist aber für das Funktionieren einer arbeitsteiligen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.
Die Aktivseite der Bilanz und der reale Gegenwert des Geldes
Aber wie hängen die Einlagen des Sparers mit den Investitionen zusammen, wo doch die Bank bei der Vergabe eines Kredits das ausgegebene Geld gar nicht gegen die Spareinlagen auf der Passivseite der Bilanz bucht? Natürlich muss man dort suchen, wo die Bank ihre Werte auflistet und nicht dort, wo die Verbindlichkeiten stehen. Und die Werte stehen auf der Aktivseite der Bilanz, auf jener Seite, die das Vermögen und die Forderungen der Bank ausweist. Dort steht das Leder als Vermögensgegenstand, und es steht dort auch dann noch, wenn der Schuster es schon an sich genommen hat, denn dann behält die Bank es noch als Sicherheit für den gewährten Kredit. Dieser Vermögensgegenstand ist es, der die Bank befähigt, eine Banknote auszugeben, die vom Wirtshausbesitzer akzeptiert wird, denn er weiß, dass dieser Banknote ein realer Gegenwert gegenübersteht, um den sich die Bank kümmern muss und nicht er.
Dieser Vermögensgegenstand wiederum ist das Leder, das die Ersparnis des Pelzjägers war und die dieser nun unmittelbar in Branntwein umwandeln kann, ohne einen Schuster suchen zu müssen und ohne warten zu müssen, bis der gefundene Schuster sein Investitionsprojekt fertiggestellt hat. Der Pelzjäger hat mit seinem Leder, also seiner Ersparnis, das Investitionsprojekt des Schusters überhaupt erst ermöglicht, und die Bank hat ihm dafür eine Banknote gegeben, die er sofort ausgeben kann. Natürlich kann auch der Schuster selbst eine Ersparnis gebildet haben, vielleicht hat er ein Grundstück geerbt oder weitere Vorräte und Werkzeuge erworben, die die Bank als Sicherheit akzeptiert. Dann kann er sich auf der Grundlage dieser realen Werte verschulden, und er war selbst der Sparer, der die Mittel für seine eigene Investition bereitgestellt hat. Aber auf irgendeinem Weg verwandelt die Bank stets Ersparnisse in Kredite und damit in umlaufendes Geld.
Die Bank als Vermittler und der wahre Ursprung des Geldes
Die Bank ist also sehr wohl ein Vermittler zwischen Sparern und Unternehmern, und die Kreditvergabe hängt sehr wohl von den Ersparnissen ab, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Man muss nur an der richtigen Stelle der Bilanz nachsehen, nämlich auf der Aktivseite, wo die realen Werte und Sicherheiten verzeichnet sind, die den ausgegebenen Banknoten und den gewährten Krediten zugrunde liegen. Die Schuldscheine, die wir Banknoten nennen, kommen zwar buchungstechnisch aus dem Nichts, aber ihnen steht das reale Vermögen der Sparer gegenüber, das in Form von Sicherheiten und Investitionsprojekten in der Bilanz der Bank verankert ist. Man sieht nur nicht mehr auf den ersten Blick, dass es das Vermögen der Sparer ist, weil es zwischenzeitlich in Investitionsprojekten steckt, die durch die Spareinlagen überhaupt erst ermöglicht wurden. Das Geld, also die Banknoten, bezieht seinen Tauschwert aus den Investitionen, die durch die Ersparnisse ermöglicht wurden, und nicht aus sich selbst.
Die Buchungstechnik, die neues Geld schafft und die so viel Verwirrung stiftet, lässt sich am besten anhand der geschichtlichen Entwicklung des Bankwesens nachvollziehen und verstehen. Denn erst im Laufe der Jahrhunderte hat sich jene doppelte Buchführung herausgebildet, die es den Banken ermöglicht, gleichzeitig eine Forderung und eine Verbindlichkeit zu schaffen und dabei Geld in Umlauf zu bringen, das zuvor nicht existierte. Diese Entwicklung war kein bewusster Akt der Täuschung, sondern das Ergebnis einer langen Reihe von Verbesserungen und Anpassungen, die das Bankwesen leistungsfähiger und das Wirtschaftsleben reibungsloser machten. Wer die geschichtlichen Wurzeln dieser Buchungstechnik kennt, versteht auch, warum die Geldschöpfung der Banken kein Widerspruch zu ihrer Vermittlerfunktion ist, sondern deren logische Ergänzung und Vollendung. Die historische Betrachtung zeigt, dass die scheinbare Schöpfung aus dem Nichts in Wahrheit die Sichtbarmachung realer Werte in einer Form ist, die den Tausch und die Arbeitsteilung erleichtert.


















