Die Frage nach der richtigen Geldmenge – Wie exogenes und endogenes Geld die Wirtschaft beeinflussen

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In der Geschichte des wirtschaftlichen Denkens gibt es kaum eine Frage, die so beständig und so leidenschaftlich diskutiert wurde wie diejenige nach der Natur des Geldes und nach der Menge, in der es einer Volkswirtschaft zur Verfügung stehen sollte. Bereits im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert erkannte ein schottischer Moralphilosoph und Nationalökonom, dass eine Bank, die einem Kaufmann einen soliden Wechsel diskontiert, diesem damit lediglich einen Teil jenes Betrages vorstreckt, den der Kaufmann andernfalls als bares Geld ungenutzt in seiner Kasse hätte liegen lassen müssen, um fällige Forderungen begleichen zu können. Die Rückzahlung des Wechsels am Verfalltag erstattet der Bank ihren Vorschuss samt Zinsen zurück, und die Kassen einer auf solche Geschäfte beschränkten Bank gleichen einem Teich, aus dem zwar beständig Wasser abfließt, in den aber ebenso beständig die gleiche Menge wieder hineinströmt, sodass der Teich ohne jede weitere Sorge stets gleich voll bleibt. Diese frühe Einsicht in den Kreislaufcharakter des Geldes bildet den Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen zur Geldproduktion und zur Frage, wie viel Geld eine Wirtschaft tatsächlich benötigt.

Die beiden grundlegenden Formen des Geldes

Nachdem in vorangegangenen Betrachtungen die Herstellung von Geld und seine Werthaltigkeit untersucht wurden, richtet sich der Blick nun auf die Frage, welche Menge an Geld überhaupt erzeugt werden sollte und welche Mechanismen dabei wirken. Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können, muss zunächst zwischen zwei grundlegend verschiedenen Geldformen unterschieden werden, die jeweils völlig unterschiedliche Eigenschaften und Wirkungen aufweisen. Die erste Form ist das sogenannte exogene Geld, also jenes Geld, das von außen in die Wirtschaft hineingetragen wird und dessen Menge nicht von den wirtschaftlichen Akteuren selbst bestimmt werden kann. Zu dieser Kategorie gehören Sachgeld, frühe Formen des Tauschgeldes, das von Fürsten geprägte Geld sowie moderne digitale Knappheitswährungen, deren Menge durch einen festgelegten Algorithmus begrenzt ist. Die zweite Form ist das endogene Geld, also jenes Geld, das innerhalb des Wirtschaftssystems selbst entsteht und dessen Menge sich nach den Bedürfnissen der wirtschaftlichen Akteure richtet.

Das endogene Geld und seine Spielarten

Das endogene Geld umfasst das sogenannte Fiatgeld, dessen Wert nicht durch eine physische Unterlegung gesichert ist, sondern auf dem Vertrauen der Nutzer und der Autorität des ausgebenden Staates beruht, sowie das Surrogatgeld, das als Stellvertreter für eine andere Wertform fungiert und häufig in Gestalt von Schuldscheinen oder Kreditvereinbarungen auftritt. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Geldformen liegt in der Art ihrer Entstehung und in der Frage, wer über ihre Menge entscheidet. Während exogenes Geld durch eine äußere Instanz oder durch natürliche Knappheit begrenzt wird und die Wirtschaftsteilnehmer seine Menge nicht beeinflussen können, entsteht endogenes Geld aus den Transaktionen und Kreditbeziehungen der Wirtschaftsteilnehmer selbst. Diese Unterscheidung ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis der folgenden Ausführungen, da sich die Wirkungen beider Geldformen auf das Preisniveau und die wirtschaftliche Aktivität grundlegend voneinander unterscheiden. Die folgenden Betrachtungen greifen die bisherigen Erkenntnisse auf und wenden sie auf ein anschauliches Beispiel an, um die Zusammenhänge greifbar zu machen.

Ein einfaches Beispiel mit drei Wirtschaftsteilnehmern

Zur Veranschaulichung der Problematik betrachten wir eine denkbar einfache Wirtschaft, in der es genau drei Teilnehmer gibt, die wir der Kürze halber mit den Buchstaben A, B und C bezeichnen wollen. Der Teilnehmer A besitzt etwas, das der Teilnehmer B gerne haben möchte, doch leider verfügt B über nichts, was im Gegenzug für A von Interesse wäre. Der Teilnehmer C wiederum begehrt das, was B besitzt, doch in umgekehrter Richtung besteht kein entsprechender Wunsch. Die gleiche Situation ergibt sich zwischen C und A, sodass ein geschlossener Kreislauf entsteht, in dem jeder etwas besitzt, das ein anderer haben möchte, ohne dass ein direkter paarweiser Tausch möglich wäre. Der Wunsch nach dem jeweiligen Gut kann dabei aus einem reinen Konsummotiv heraus entstehen, es könnte aber ebenso gut der Fall sein, dass durch den Tausch überhaupt erst ein Produktionsprozess in Gang gesetzt wird, durch den die gesamte Gemeinschaft reicher wird.

Der Ringtausch und die Rolle des Geldes als Vermittler

Da kein paarweiser Tausch möglich ist, könnten die drei Teilnehmer einen Ringtausch durchführen, bei dem jeder seine Ware an den nächsten weitergibt und dafür die gewünschte Ware vom vorhergehenden erhält. Man könnte einen solchen Ringtausch theoretisch durch eine übergeordnete Instanz organisieren lassen, und Anhänger einer geldfreien Tauschwirtschaft empfehlen auch genau dieses Vorgehen. Unsere reale Wirtschaft ist jedoch anders organisiert, denn dort werden die paarweise möglichen Geschäfte durchgeführt, und als Gegenleistung wird ein Anrechtsschein vergeben, der bei einer anderen Gegenseite eingelöst werden kann. Diese Anrechtsscheine sind nichts anderes als das Geld, und durch die Zwischenstufe des Geldes wird keine zentrale Planungsinstanz notwendig, da jeder Teilnehmer lediglich seine eigenen Geschäfte im Blick behalten muss. Bei dieser Organisationsform wissen die Beteiligten nichts von den jeweils anderen Geschäften, sondern interessieren sich ausschließlich für ihre eigenen beiden Transaktionen.

Die dezentrale Organisation der Wirtschaft

Der Teilnehmer A sieht lediglich sein Geschäft mit B und sein Geschäft mit C, während ihm das Geschäft zwischen B und C nicht nur gleichgültig ist, sondern er auch gar nichts davon weiß und auch nichts davon zu wissen braucht. Es handelt sich somit um eine dezentrale Organisationsform, in der kein einzelner Akteur einen vollständigen Überblick über alle Vorgänge in der Wirtschaft besitzt oder besitzen muss. Diese Dezentralität ist eine der großen Stärken der geldbasierten Marktwirtschaft, da sie es ermöglicht, dass Millionen von Teilnehmern unabhängig voneinander handeln und dennoch ein geordneter Austausch von Gütern und Dienstleistungen stattfindet. Jeder Teilnehmer benötigt lediglich das Vertrauen, dass sein Anrechtsschein von einem anderen Teilnehmer akzeptiert wird, und dieses Vertrauen reicht aus, um den gesamten Kreislauf in Gang zu halten. Die Komplexität der Gesamtwirtschaft wird auf diese Weise in kleine, überschaubare Einzeltransaktionen zerlegt, die jeder Teilnehmer eigenständig bewältigen kann.

Die Muscheln als exogenes Knappheitsgeld

Stellen wir uns nun vor, diese drei Personen bildeten die gesamte Wirtschaft, und sie nutzten einzigartige Muscheln als ihr Tauschmittel, von denen es genau drei Stück gibt. Ihr Besitz ist stets das Kennzeichen dafür, dass der Besitzer der Muschel in der Vergangenheit eine Vorleistung erbracht hat und nun einen Anspruch gegen die Allgemeinheit besitzt, für diese Vorleistung eine andere Leistung zurückzuerhalten. Mit anderen Worten sind diese drei Muscheln das Geld in dieser Gruppe aus drei Personen, und die Geldmenge ist völlig fixiert, weil es die Muscheln nur in dieser begrenzten Anzahl gibt. Es handelt sich um sogenanntes Knappheitsgeld, dessen Menge durch keine wirtschaftliche Aktivität vermehrt werden kann und das daher von außen, also exogen, gegeben ist. Den drei Waren der Gesamtwirtschaft stehen somit exakt drei Muscheln gegenüber, und die Marktpreise seien so bemessen, dass jede Ware als Preis genau eine Muschel hat.

Das Problem der ungleichen Geldverteilung

Damit ist das Preisniveau fixiert, und da jeder Preis in Bezug auf die Muscheln angegeben wird, ist das System auch frei von Ausnutzungsmöglichkeiten durch Preisdifferenzen. Wenn jede der drei Personen genau eine Ware und eine Muschel besitzt, geht die Rechnung auf, und alle Geschäfte können problemlos abgewickelt werden. Doch diese gleichmäßige Verteilung ist keineswegs immer gegeben, denn es könnte beispielsweise sein, dass der Teilnehmer B kurz zuvor den beiden anderen einen Gefallen getan hat und dafür jeweils eine Muschel erhalten hat. In diesem Fall besitzt B derzeit alle drei Muscheln, während A und C über keine einzige Muschel verfügen, obwohl sie Waren besitzen, die von anderen nachgefragt werden. Diese ungleiche Verteilung des vorhandenen Geldes führt dazu, dass die Geschäfte nicht gleichzeitig abgewickelt werden können, und genau hier beginnt das eigentliche Problem, das die folgende Betrachtung lösen soll.

Die langsamen Transaktionskosten des Ringtauschs

Um alle Geschäfte abwickeln zu können, müsste man die Transaktionen des Ringtauschs langsam nacheinander durchführen, da nur eine einzige Muschel als Zahlungsmittel zur Verfügung steht. Die eine Muschel, die den Preis für eine der drei Waren darstellt, müsste nun reihum erst an den Teilnehmer A gegeben werden, der sie dann an den Teilnehmer C weitergibt, welcher sie wiederum an den Teilnehmer B übergibt. Im Gegenzug fließt jeweils die Ware in die entgegengesetzte Richtung, und am Ende hat jeder der drei Teilnehmer die gewünschte Ware erhalten, während alle Muscheln wieder bei der Person B angelangt sind. Wir erkennen, dass dieses Vorgehen erhebliche Transaktionskosten verursachen würde, da der Zeitbedarf für die drei nacheinander auszuführenden Geschäfte sehr hoch wäre und die Wirtschaft in dieser Zeit gleichsam stillsteht. Die knappe Geldmenge erzwingt eine sequenzielle Abwicklung, die weit weniger effizient ist als eine gleichzeitige Erfüllung aller Wünsche.

Die Lösung durch Schuldscheine und gleichzeitige Abwicklung

Wesentlich besser wäre es, wenn alle drei Geschäfte gleichzeitig abgewickelt werden könnten, ohne dass die Teilnehmer auf die knappen Muscheln warten müssten. Dies wäre möglich, indem der Teilnehmer A dem Teilnehmer C einen Schuldschein über eine Muschel ausstellt und sofort dessen Ware in Empfang nimmt, ohne eine physische Muschel übergeben zu müssen. Der Teilnehmer C gibt gleichzeitig dem Teilnehmer B einen Schuldschein und nimmt dessen Ware in Empfang, sodass alle drei Transaktionen zeitgleich erfolgen können. Wir kennen diesen Vorgang bereits aus der Geschichte des Trappers und des Schusters, in der ebenfalls Schuldscheine als Zwischenstufe der Zahlung verwendet wurden. Durch diese Vorgehensweise wird die knappe Geldmenge gleichsam vervielfacht, ohne dass tatsächlich neue Muscheln geschaffen werden müssten, denn die Schuldscheine erfüllen dieselbe Funktion wie die Muscheln selbst.

Die Gleichwertigkeit von Muscheln und Schuldscheinen

Wird das Geschäft auf diese Weise abgewickelt, sind zusätzlich zu den physisch existierenden drei Muscheln nun zwei Schuldscheine vorhanden, die auf Muscheln lauten. Durch diese Schuldscheine versprechen die Teilnehmer A und C, in Zukunft eine Leistung zu erbringen, und dieses Versprechen wird von den anderen Teilnehmern als Zahlungsmittel akzeptiert. Wir erinnern uns nun daran, dass auch die Muscheln selbst ein Zeichen für erbrachte Vorleistungen sind und somit für eine Schuldbeziehung stehen. Mit anderen Worten stehen die Muscheln genauso für eine Schuldbeziehung wie die Schuldscheine auch, denn in beiden Fällen hat jemand eine Vorleistung erbracht und besitzt ein Zeichen, das diesen Sachverhalt gegenüber den anderen Personen nachweist. Aus einer rein stofflichen Betrachtungsweise sind nur die Muscheln Geld und die Schuldscheine sind bloße Stellvertreter, doch in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung sind beide völlig gleichwertig.

Die Unterschiede zwischen exogenem und endogenem Geld

Die Unterschiede zwischen den Muscheln als exogenem Geld und den Schuldscheinen als endogenem Geld sind dennoch bedeutsam und verdienen eine genauere Betrachtung. Die Schuldscheine können sich auf Waren oder Dienstleistungen beziehen, die noch nicht erstellt sind, sondern für deren zukünftige Erstellung lediglich ein Versprechen vorliegt. Die Muscheln hingegen sind exogen gegeben, das heißt, ihre Menge wurde von außen festgelegt und kann durch die Wirtschaftsteilnehmer nicht verändert werden, während die Schuldscheine endogen, also aus dem Wirtschaftsprozess selbst heraus, entstanden sind. Schließlich sind die Muscheln universell austauschbar, da jede Muschel einer anderen gleicht, während sich die Schuldscheine noch auf konkrete Personen beziehen und daher nicht ohne weiteres untereinander getauscht werden können. Diese drei Unterschiede bilden den Kern der Unterscheidung zwischen exogenem und endogenem Geld und erklären, warum beide Formen unterschiedliche Wirkungen auf die Wirtschaft entfalten.

Die Rolle der Banken bei der Normierung von Schuldbeziehungen

Erinnern wir uns nun an die Vorgänge im Bankwesen, die in vorangegangenen Überlegungen bereits ausführlich behandelt wurden. Die Banken machen das mitunter langfristige Versprechen eines Wirtschaftsteilnehmers zu etwas, womit schon in der Gegenwart gearbeitet werden kann, und produzieren auf diese Weise Liquidität, die ohne ihr Zutun nicht vorhanden wäre. Die vom Bankwesen ausgegebenen Schuldscheine sind dabei immer gleich gestaltet, ganz gleichgültig, ob sie sich auf existierende Muscheln oder auf andere Sachwerte beziehen oder ob sie einen Kredit auf diese Werte darstellen. Die Banken normieren die individuellen Schuldbeziehungen und machen sie dadurch untereinander austauschbar, sodass jeder Schuldschein genauso gut ist wie jeder andere. Das durch die Banken entstehende Geld unterscheidet nicht mehr nach Herkunft zwischen ursprünglichem Geld und Stellvertretergeld, sondern alles sind gleichwertige Banknoten, die von jedem Teilnehmer gleichermaßen akzeptiert werden.

Die Beschleunigung der Wirtschaft durch Bankkredite

Wenn die Wirtschaftsteilnehmer also statt individueller Schuldscheine einen Bankkredit aufnehmen, dann entsteht neues Geld, mit dessen Hilfe die realen Geschäfte sehr viel schneller abgewickelt werden können als bei einer Knappheit an Zahlungsmitteln. Mit einem funktionierenden Bankwesen würde man die Wirtschaft auf die bekannte Weise organisieren, dass Banken die individuell ausgegebenen Schuldscheine als Sicherheiten annehmen und dagegen von ihnen geschaffenes Standardgeld aushändigen. Auf diese Weise normieren die Banken die Schuldscheine unterschiedlicher Qualität und schaffen eine einheitliche Währung, die von allen Teilnehmern akzeptiert wird. Wenn die entgegennehmende Bank etwa die Information hat, dass einer der drei Teilnehmer ein unsicherer Kandidat ist, der die Forderung eventuell verspätet oder nicht in voller Höhe bezahlen wird, dann gibt sie ihm weniger Standardgeld für den von ihm ausgestellten Schuldschein als den anderen Teilnehmern. Damit kalkuliert die Bank ihr privates Wissen in die Preisgestaltung ein und sorgt dafür, dass der Rest der Wirtschaft sich um dieses Problem nicht mehr zu kümmern braucht.

Die Entstehung von Kreditgeld auch in starren Systemen

Dies sind die Vorgänge bei der Produktion des Fiatgeldes noch einmal im Schnelldurchlauf betrachtet, und insbesondere erkennt man hier, dass auch bei einem Vollgeldsystem ein erheblicher Anreiz besteht, dass spontan ein Kreditgeldsystem entsteht. Dieses Kreditgeld kann informell sein, wie im vorliegenden Beispiel mit den Schuldscheinen, es kann aber auch durch ein organisiertes Bankwesen geschaffen und verwaltet werden. In jedem Fall wird das Vorhandensein von Kreditgeld die Transaktionen in der Wirtschaft erheblich vereinfachen und beschleunigen, da die Teilnehmer nicht mehr auf die knappe Menge des exogenen Geldes angewiesen sind. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass selbst in einem rigiden Standard wie einem digitalen Vollgeldsystem, dessen Menge algorithmisch begrenzt ist, ein Kreditgeld als weitere Schicht entsteht. Die menschliche Kreativität und das Bedürfnis nach effizienter Abwicklung von Geschäften sorgen dafür, dass sich neben jedem starren Geldsystem früher oder später eine flexible Kreditschicht bildet.

Die Frage nach der inflationären Wirkung des Surrogatgeldes

Wirkt das neu entstandene Geld im vorliegenden Beispiel nun inflationär, oder handelt es sich um eine neutrale Erleichterung des Handels? Bei naiver Betrachtung zählt man vorübergehend fünf Geldeinheiten, obwohl nach wie vor nur drei Waren existieren, und man könnte deshalb den Schluss ziehen, dass dies unweigerlich zu einem Anstieg der Preise führen müsse. Die Preise der Waren, ausgedrückt in Muschelgeld, müssten demnach um mehr als die Hälfte des ursprünglichen Wertes steigen, da nun fünf Zahlungseinheiten auf drei Waren treffen. Aber ist dies tatsächlich eine angemessene Betrachtung der Vorgänge, oder greift diese Schlussfolgerung zu kurz? Das hinzugekommene Surrogatgeld ist zwar nach der durch die Banken produzierten Austauschbarkeit nicht mehr von anderen Geldformen unterscheidbar und hat damit tatsächlich die umlaufende Geldmenge erhöht, doch es dient lediglich der Abwicklung realer Geschäfte.

Die Lehre von den real gedeckten Wechseln

Nachdem diese Geschäfte abgeschlossen sind, verschwindet das dafür benötigte Geld auch wieder, indem die Kredite zurückgezahlt werden und die Schuldscheine ihre Gültigkeit verlieren. Aus diesem Grund betrachtete die Lehre von den real gedeckten Wechseln im neunzehnten Jahrhundert die Geldsurrogate wie Handelswechsel nicht als echtes Geld, obwohl diese Theorie großen Wert auf eine reale Unterlegung des Geldes legte. Sie schrieb den Geldsurrogaten keine inflationäre Wirkung zu, und zwar deshalb, weil diese Form der Zahlungsmittel immer klar unterlegte Geschäfte hat und somit eher als Schmierstoff der Wirtschaft angesehen werden kann, der die Handelsaktivitäten vereinfacht. Zudem verschwindet dieses Geld immer sofort wieder, sobald der zugrunde liegende Vorgang abgeschlossen ist und die Kreditbeziehung durch Rückzahlung aufgelöst wird. Dies ist der Grund für das Ergebnis, dass bei endogenem Geld nicht primär seine Menge für die Preisinflation verantwortlich ist, sondern die Frage, ob es durch reale Gegenwerte gedeckt ist.

Das statische Modell des Gleichgewichtsauktionators

Kehren wir für die obige Sichtweise noch einmal auf das Modell des Gleichgewichtsauktionators zurück, in dem ein Auktionator einen Vektor mit Preisen ausruft und so lange anpasst, bis der Markt geräumt ist und Angebot und Nachfrage übereinstimmen. Dieses Modell basiert bekanntlich auf einer statischen Betrachtung und tut so, als würde die Wirtschaft in diesem einen Betrachtungsmoment eingefroren und dann alle realen Werte vollständig verkonsumiert. In dieser Situation würden tatsächlich den realen Waren mehr Geldeinheiten gegenüberstehen als in einer Welt ohne Surrogatgeld, und die Preise müssten entsprechend steigen. Deshalb ist in einer solchen statischen Welt auch keine Bank möglich, und es gibt keine Schuldbeziehungen und somit auch keine Handelswechsel, da alles gleichzeitig abgewickelt wird. Es wird der Zustand betrachtet, nachdem alle geplanten Tauschgeschäfte abgeschlossen sind, und zu jenem Zeitpunkt sind bereits alle Schulden entweder getilgt oder verfallen.

Die Grenzen der statischen Betrachtung

Ebenso kann es in diesem eingefrorenen Zustand keine Investitionsprojekte mehr geben, und es wird keine Liquidität mehr zur Abwicklung von Geschäften benötigt, weil alle bereits abgeschlossen sind. Dann zählt tatsächlich nur noch die vorhandene Geldmenge für das Preisniveau und bestimmt den Niveaufaktor des Preisvektors, der die Relation zwischen Geldmenge und Warenmenge abbildet. Diese Sicht lässt sich aber nicht unmittelbar auf eine dynamische Welt übertragen, in der Geschäfte zeitlich nacheinander stattfinden und in der die Zukunft eine Rolle spielt. In einer dynamischen Welt ist Geld keine abstrakte Verrechnungseinheit, sondern ein Ausdruck von Schuldbeziehungen, die von ihrer Natur her auf die Zukunft bezogen sind und daher einen Zeitablauf voraussetzen. Dem Kreditgeld steht also durchaus eine Ware gegenüber, wenn auch eine, die noch nicht zwingend im Besitz desjenigen ist, der den Kredit aufnimmt, und die vielleicht sogar noch nicht einmal produziert ist, aber mit großer Sicherheit produziert wird.

Das Wesen des Kredits als Versprechen auf zukünftige Werte

Genau das ist ja das Wesen des Kredits, nämlich das Versprechen, einen realen Wert zu beschaffen oder sogar zu erschaffen, der in der Zukunft liegt und durch die gegenwärtige Transaktion ermöglicht wird. In unserem Beispiel hat die Person A der Person C versprochen, das Gut zu beschaffen, das sie als Gegenleistung für die Lieferung ihrer Ware haben wollte. Dieses Versprechen ist der Kredit, und das Versprechen wird auch eingelöst, weil der Teilnehmer A mit dem Teilnehmer B bereits den Vertrag geschlossen hat, durch den er die Ware beschafft. Die Schuldbeziehung ist somit durch eine reale Transaktion gedeckt, die in der Zukunft stattfinden wird und die den Wert des Schuldscheins garantiert. Es stimmt zwar, dass hier übergangsweise die Geldmenge erhöht ist, doch diese Geldmenge ist endogen entstanden und löst sich im Zeitablauf auf, indem die Begleichung des vereinbarten Geschäfts stattfindet.

Das Rückflussprinzip und die Anpassung der Geldmenge

Diese Geldmenge passt sich dem Liquiditätsbedarf an, und genau dies ist eine wesentliche Eigenschaft des Fiatgeldes, die allen anderen Geldkonstruktionen fehlt und die es von exogenem Knappheitsgeld grundlegend unterscheidet. Im Gegensatz zu den exogen gegebenen Muscheln, die Knappheitsgeld sind und deren Menge nicht verändert werden kann, ist die Geldmenge im vorliegenden Beispiel endogen und richtet sich nach den Erfordernissen des Handels. Offensichtlich gelten hier andere Prinzipien der Bewertung als bei exogenem Geld, und die einfache Gegenüberstellung von Geldmenge und Warenmenge greift zu kurz. Der eben beschriebene Vorgang, dass das Kreditgeld sofort wieder verschwindet, nachdem es seine Aufgabe erfüllt hat, ist unter dem Namen des Rückflussprinzips bekannt. Es wurde ursprünglich auf abgeleitetes Surrogatgeld bezogen, weil es aus der Lehre von den real gedeckten Wechseln stammt, die sich noch auf Metallgeld bezog.

Die Bedeutung des Rückflussprinzips in der modernen Geldwirtschaft

Die damalige Theorie sagte also sinngemäß das Gleiche wie die vorliegende Betrachtung, begründete es aber damit, dass für die Preisinflation nur echtes Geld zählt, was damals mit Metallgeld gleichgesetzt wurde. In einer Welt ohne Metallunterlegung spielt das Rückflussprinzip eine dominierende Rolle, weil alles Geld auch wieder verschwinden kann oder, in technischer Sprache ausgedrückt, sterilisiert werden kann. Deshalb wäre es unsinnig, einfach das umlaufende Geld zu zählen, um daraus die inflationäre Wirkung zu erschließen, da ein erheblicher Teil dieses Geldes aus Kreditbeziehungen stammt, die in Kürze wieder aufgelöst werden. Die Menge des umlaufenden Geldes zu einem bestimmten Zeitpunkt sagt wenig über die tatsächliche Inflationsgefahr aus, da entscheidend ist, ob dieses Geld durch reale Gegenwerte gedeckt ist und ob es nach Abschluss der Transaktionen wieder aus dem Verkehr gezogen wird. Eine Betrachtung, die lediglich die Geldmenge zählt und in Beziehung zur Warenmenge setzt, greift daher zu kurz und verkennt die dynamische Natur des endogenen Geldes.

Die Quantitätstheorie und ihre Grenzen

Genau dies geschieht jedoch in der sogenannten Quantitätstheorie des Geldes, die davon ausgeht, dass ein direkter und proportionaler Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau besteht und dass eine Erhöhung der Geldmenge zwangsläufig zu einer entsprechenden Erhöhung der Preise führt. Diese Theorie betrachtet das Geld als eine neutrale Größe, die lediglich wie ein Schleier über der realen Wirtschaft liegt und deren relative Preise nicht beeinflusst, sondern nur das allgemeine Preisniveau verschiebt. Sie übersieht dabei die dynamische Natur des Kreditgeldes und die Tatsache, dass endogenes Geld aus realen Transaktionen entsteht und mit diesen wieder verschwindet. Die Quantitätstheorie vermag daher die komplexen Zusammenhänge zwischen Geldschöpfung, Kreditvergabe und Preisentwicklung nicht angemessen zu erfassen und liefert ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Vorgänge in einer modernen Geldwirtschaft. Die folgende Betrachtung wird sich daher eingehender mit dieser Theorie und ihren Annahmen auseinandersetzen und ihre Grenzen aufzeigen.

 

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