Der bewusste Umgang mit den eigenen Gefühlswelten
Screenshot youtube.comDie Beschäftigung mit der eigenen inneren Gefühlswelt gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines jeden Menschen auf dem Weg zu mehr innerer Ausgeglichenheit. Oft werden unangenehme Empfindungen verdrängt, was jedoch langfristig zu einer enormen inneren Anspannung führt. Wer lernt, diese Regungen wahrzunehmen und anzunehmen, erschließt sich ein gewaltiges Potenzial für das persönliche Wachstum. Die folgenden Ausführungen zeigen auf, wie sich der Alltag gestalten lässt, um eine gesunde Beziehung zu den eigenen Empfindungen aufzubauen.
Die innere Mannschaft der Empfindungen
Es ist im Alltag wesentlich leichter, negative Regungen zuzulassen, als dies in der Theorie klingt. Diese Empfindungen sind es schlichtweg nicht gewohnt, wahrgenommen zu werden. Man kann sie sich wie einen Ersatzspieler auf der Bank vorstellen, der stets nur zuschauen muss, während die anderen Akteure auf dem Feld gefeiert werden. Es gilt, auch diesen stillen Begleitern den Platz auf dem Spielfeld zu gewähren, damit sie ihre Stärken zeigen dürfen. Denn auch sie besitzen wichtige Funktionen und unterstützen dabei, die eigenen Ziele zu erreichen.
Das Führen eines emotionalen Tagebuchs
Um Empfindungen benennen zu können, müssen sie zunächst einmal bekannt sein. Oft erscheinen negative Regungen wie ein riesiges Monster, das sich keiner genauen Definition fügt. Ein Tagebuch für die eigenen Gefühle bietet sich an, um die täglichen Regungen festzuhalten. Dabei dürfen selbstverständlich auch die positiven Momente ihren Platz finden. Bevor diese Eintragungen erfolgen, müssen die Empfindungen im Körper jedoch erst einmal bewusst gespürt werden.
Das Reiten auf der inneren Welle
Jede Empfindung, die sich im Körper ausbreitet, geht mit einer körperlichen Reaktion einher. Man kann sich diese Regung wie eine Welle vorstellen, die sich langsam aufbaut, einen Höhepunkt erreicht und schließlich wieder im Meer der Emotionen verschwindet. Der Auslöser liegt wie ein Unterwasservulkan auf dem Grund dieses inneren Meeres. Je nach erlebtem Ereignis setzt dieser Vulkan eine bestimmte Welle in Bewegung. Die Kunst besteht nun darin, sich wie ein Wellenreiter auf diese Bewegung einzulassen.
Die bewusste Wahrnehmung des Ist-Zustandes
Es geht nicht darum, die Welle zu besiegen, sondern auf ihr zu gleiten und gesunde Reaktionen zu finden. Dafür muss die erste körperliche Regung erkannt werden, die auf die Welle folgt. Es bieten sich einige grundlegende Fragen an, um den gegenwärtigen Zustand zu erfassen. Dabei ist zu klären, welche Empfindung gerade spürbar ist und wo im Körper sie sich zeigt. Zudem ist es wichtig zu beschreiben, wie sich diese Regung anfühlt und welche erste Handlungsbereitschaft sie auslöst.
Der konstruktive Umgang mit aufwallenden Emotionen
Bei der Beantwortung dieser Fragen steht eine reine Bestandsaufnahme im Vordergrund, ohne jegliche Bewertung. Nehmen wir das Beispiel der Wut, die sich wie eine gewaltige Welle aufbaut. Wer vor Wut um sich schreit oder Dinge umherwirft, verliert auf dem Surfbrett das Gleichgewicht und stürzt ins Wasser. Wer die Regung hingegen komplett unterdrückt, bewegt sich gar nicht und geht ebenfalls unter. Es bedarf eines gesunden Mittelweges, um die Energie konstruktiv zu nutzen.
Körperliche Ausdrucksformen zur Regulation
Ein gesunder Umgang kann beispielsweise darin bestehen, fest mit dem Fuß auf den Boden zu stampfen. Auch das Schreien in ein Kissen oder das wilde Tanzen zur Musik helfen, die aufgestaute Energie abzubauen. Das bewusste Schütteln des Körpers oder der Wechsel in einen anderen Raum ermöglichen ebenfalls eine Distanzierung. Ein Spaziergang an der frischen Luft tut ein Übriges, um die innere Welle auszureiten. Diese gesunden Reaktionen müssen individuell für jede Empfindung neu erarbeitet werden.
Die Reflexion der eigenen Reaktionsmuster
Das tägliche Festhalten der Empfindungen und der gewählten Reaktionen schärft den Blick für die eigenen Muster. Ein neues Buch für diese Aufzeichnungen kann zusätzlich motivieren, die Praxis regelmäßig fortzuführen. Im Anschluss lässt sich reflektieren, wie in Zukunft auf bestimmte Reize reagiert werden soll. Die Analyse der Auslöser hilft dabei, die wahren Ursachen für das innere Empfinden zu entdecken. Manchmal breiten sich negative Regungen aus, ohne dass der genaue Grund sofort ersichtlich ist.
Die Suche nach den wahren Ursachen
Sich den eigenen Empfindungen ausgeliefert zu fühlen, steht einer gesunden Beziehung zu sich selbst im Weg. Eine solche Beziehung erfordert stets eine Begegnung auf Augenhöhe. Je greifbarer die inneren Zustände werden, desto näher rückt dieses Ziel. Beim Aufkommen einer unangenehmen Regung gilt es innezuhalten und zu fragen, was genau gefühlt wird und wo im Körper dies geschieht. Die entscheidende Frage lautet, welches Ereignis unmittelbar vor dem Aufkommen der Empfindung geschehen ist.
Das Erkennen wiederkehrender Muster
Diese drei Fragen helfen enorm, den wahren Ursprung der Empfindung aufzuspüren. Je häufiger diese Analyse durchgeführt wird, desto eher lassen sich Ähnlichkeiten in bestimmten Situationen erkennen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, die entsprechenden Auslöser in Zukunft zu meiden oder besser mit ihnen umzugehen. Die eigenen Empfindungen sind keine Feinde, sondern Boten, die auf innere Bedürfnisse hinweisen. Wer seine inneren Mechanismen kennt, kann konstruktiv mit ihnen zusammenarbeiten.
Die Aufarbeitung vergangener Prägungen
Vielleicht regt sich immer dann großer Unmut, wenn andere Personen Hilfe anbieten möchten. Die Ursache dafür könnte in der Vergangenheit liegen, in der das eigenständige Ausprobieren von Dingen untersagt wurde. Ständige Kommentare über die eigene Schwäche verletzen und erzeugen logischerweise Abwehrhaltungen. Solche Erkenntnisse mögen im ersten Moment schmerzhaft sein, doch sie bilden den unverzichtbaren Ausgangspunkt für eine Heilung. Nur wer die Wurzeln kennt, kann die Beziehung zu den eigenen Empfindungen nachhaltig verbessern.
Die Visualisierung der inneren Begleiter
Um die Empfindungen noch greifbarer zu machen, bietet es sich an, ihnen Namen und Gesichter zu geben. Zwar besitzen Gefühle bereits sprachliche Bezeichnungen, doch die tiefere Charakteristik bleibt oft verborgen. Es geht darum, zu erfassen, was eine spezifische Regung auszeichnet und wie sie sich anfühlt. Menschen verschließen sich oft vor den eigenen Empfindungen, weil sie sich angesichts der inneren Wucht klein und machtlos fühlen. Ein Kennenlernen auf einer neuen Ebene schafft hier Abhilfe.
Die Gestaltung des inneren Panoramas
Wenn man eine unbekannte Person trifft, stellt man sich vor und hört zu, um eine gemeinsame Basis zu schaffen. Die eigenen Empfindungen kennen den Menschen dagegen bereits sehr genau und wissen, welche inneren Knöpfe sie drücken müssen. Um eine Beziehung auf Augenhöhe zu etablieren, sollten diese Begleiter visualisiert werden. Bei der Wut könnte man sich fragen, wie sie definiert wird, wann sie spürbar ist und welche Farbe sie besitzt. Das Malen eines Bildes oder die Vergabe eines individuellen Namens machen das abstrakte Empfinden fassbar.
Der Dialog mit den personifizierten Regungen
Wenn die Wut beispielsweise den Namen eines kleinen Zwerges trägt, der ein Feuer entzündet, lässt sich diese Figur im Geiste beobachten. Man kann sich gedanklich an ein kleines Lagerfeuer setzen und verstehen, warum dieser Zwerg das Feuer entfachen wollte. Lässt man dieser Figur völlig freien Lauf, droht ein verheerender Waldbrand, der dem eigenen Wohlbefinden massiv schadet. Das Benennen und Gestalten gilt für alle bekannten Regungen, die sich der Kontrolle entziehen. Dazu zählen Empfindungen wie Ärger, Angst, Scham, Zorn, Eifersucht, Traurigkeit, Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen, Hilflosigkeit und Enttäuschung.















