Das Funktionieren des Geldsystems und seine Steuerung

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

In einer modernen Volkswirtschaft ist das Geldsystem ein zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen Ordnung und Grundlage für den Austausch, die Investitionen und das Wachstum. Es ist eine komplexe Struktur, in der staatliche Institutionen, insbesondere die Zentralbank, sowie private Banken eine entscheidende Rolle spielen. Das Verständnis darüber, wie Geld entsteht, wie es verteilt wird und welche Mechanismen die Geldmenge steuern, ist essenziell, um die Funktionsweise der Wirtschaft zu begreifen. Dieses Wissen ist auch wichtig, um die Zusammenhänge zwischen staatlicher Geldpolitik, Banken und dem Vertrauen der Bevölkerung in das System zu verstehen. Im Folgenden wird erläutert, wie das Geldsystem aufgebaut ist, welche Arten von Zahlungsmitteln existieren, wie das Geld durch die Banken geschaffen wird und welche Grenzen für die Geldschöpfung bestehen.

Der staatliche Monopolanspruch auf das Geld

In jeder Volkswirtschaft besitzt der Staat ein Monopol auf die Ausgabe und Kontrolle des Geldes. Dieses Monopol ist historisch gewachsen und wird heute durch die Zentralbank ausgeübt. Die Zentralbank ist die Institution, die das Recht hat, physisches Bargeld in Form von Banknoten und Münzen zu schaffen und in Umlauf zu bringen. Dieses Monopol auf die Geldschöpfung ist ein wesentliches Element der Stabilität und Steuerung der Wirtschaft, weil es dem Staat erlaubt, die Geldmenge gezielt zu beeinflussen und damit wirtschaftliche Prozesse zu steuern. Trotz aller Privatisierungsbestrebungen und Diskussionen um alternative Währungen bleibt das Monopol auf die Notenpresse und die Ausgabe von Bargeld eine hoheitliche Angelegenheit. Die Zentralbank wirkt dabei als Hüterin der Geldwertstabilität und sorgt dafür, dass das Geldsystem funktionsfähig bleibt, indem sie die Geldmenge reguliert und bei Bedarf anpasst. Diese Kontrolle ist entscheidend, um Inflation zu vermeiden und die Kaufkraft des Geldes langfristig zu sichern.

Gesetzliche Zahlungsmittel: Bargeld und Buchgeld

Gesetzliche Zahlungsmittel bestehen aus den beiden grundlegenden Formen Bargeld und Buchgeld. Bargeld umfasst die physischen Zahlungsmittel, die in Form von Münzen und Banknoten vorliegen und von der Zentralbank ausgegeben werden. Die Münzen werden in der Regel von den Staaten selbst hergestellt, während die Banknoten von der Zentralbank gedruckt werden. Das Bargeld gilt als unmittelbares Tauschmittel, das überall akzeptiert werden kann, und ist in der Regel nur durch die Zentralbank oder in begrenztem Maße durch die Staaten ausgegeben. Wenn in den Medien oder in Artikeln die Rede davon ist, dass die »Notenpresse angeworfen« wurde, ist damit meistens die Erhöhung des Bargeldumlaufs gemeint. In der Realität steht diese Form des Geldes heute jedoch nur noch für einen kleinen Teil des gesamten Geldvolumens, denn der Großteil des Geldes existiert in Form von Buchgeld. Dieses Buchgeld wird elektronisch verwaltet und besteht auf Konten bei Banken in Form von Guthaben. Es ist die hauptsächliche Form des Geldes, das in täglichen Transaktionen verwendet wird, sei es beim Einkauf, bei Überweisungen oder bei Online-Transaktionen. Das Buchgeld ist inzwischen der bedeutendste Faktor im Geldsystem geworden, weil es den Großteil des Geldumlaufs ausmacht und den Alltag der meisten Menschen prägt.

Die Rolle der Banken bei der Geldschöpfung

Die Banken spielen eine entscheidende Rolle bei der Schaffung von Buchgeld, was oft überraschen mag, da sie in ihrer Funktion auch als Vermittler im Zahlungsverkehr auftreten. Tatsächlich können Banken durch die Vergabe von Krediten neues Geld in Form von Buchgeld schaffen, was den Geldumlauf erheblich beeinflusst. Dieser Prozess ist vergleichsweise einfach und effizient. Wenn eine Bank einem Kunden, der beispielsweise Herr Meier heißt, einen Kredit gewährt, wird auf seinem Konto ein Guthaben in Höhe des Kreditbetrages gutgeschrieben. Dieser Vorgang führt dazu, dass neues Buchgeld entsteht. Das Geld kann anschließend im Wirtschaftskreislauf zirkulieren, zum Beispiel beim Kauf eines Autos, wobei das Geld auf das Konto des Autohauses überwiesen wird. Dieses wiederum kann das Geld für weitere Kredite oder Investitionen verwenden, was die Geldmenge weiter erhöht. Das System ist so aufgebaut, dass die Kreditvergabe der Banken die Hauptquelle für die Ausweitung der Geldmenge ist, wobei das Geld im Kreislauf immer wieder zirkuliert und sich vervielfacht. Diese Fähigkeit der Banken, durch Kreditvergabe Geld zu schaffen, macht sie zu den wichtigsten Akteuren in der Geldwirtschaft und ist eine treibende Kraft hinter dem Wachstum der Geldmenge in einer Volkswirtschaft.

Die Begrenzung durch die Mindestreserve

Obwohl das Potenzial der Geldschöpfung durch Kreditvergaben enorm ist, unterliegt es einer wesentlichen Begrenzung durch die sogenannten Mindestreservesätze, welche von der Europäischen Zentralbank festgelegt werden. Diese Reserve ist ein Anteil der Kundeneinlagen, den die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen, um ihre Geschäfte durchführen zu können. Das bedeutet, dass nur der verbleibende Teil der Einlagen für weitere Kredite zur Verfügung steht, was die maximal mögliche Geldschöpfung einschränkt. Der sogenannte Geldschöpfungsmultiplikator gibt an, wie oft das Geld im Idealfall vervielfacht werden kann. Er wird berechnet, indem man 100 durch den jeweiligen Mindestreservesatz teilt. Bei einem Mindestreservesatz von einem Prozent ergibt sich ein Multiplikator von 100, was bedeutet, dass theoretisch das Geld im System bis zu hundertfach vervielfacht werden kann. Bei einem höheren Satz, beispielsweise 2 Prozent, sinkt der Multiplikator auf 50, bei 10 Prozent auf 10. Das zeigt, dass mit steigenden Mindestreservesätzen die Fähigkeit der Banken, Geld zu vermehren, deutlich abnimmt. Gegenwärtig liegt der Mindestreservesatz bei nur einem Prozent, was bedeutet, dass die Geldmenge theoretisch um das Hundertfache erhöht werden könnte. Dieser Wert ist zwar nur eine theoretische Maximalzahl, doch verdeutlicht er das enorme Steigerungspotenzial, das im System steckt. Es gibt immer wieder Vorschläge, den Mindestreservesatz deutlich zu erhöhen, um die Geldmenge besser zu steuern und eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern. Im Extremfall könnte ein vollständiger Ausschluss der Geldschöpfung durch eine Erhöhung auf hundert Prozent erreicht werden, was den sogenannten Vollgeldansatz bedeutet. In einem solchen System dürften Banken nur noch mit dem Geld arbeiten, das sie tatsächlich besitzen, was der Funktionsweise eines jeden normalen Unternehmens entspricht. Für die Banken wäre dies jedoch eine erhebliche Einschränkung ihrer Geschäfte, da sie keine neuen Kredite mehr vergeben könnten und somit ihre Einnahmequellen erheblich reduziert würden. Diese Maßnahme würde die Geldschöpfung auf null setzen, was in der Praxis kaum umgesetzt wird, da sie die Funktionsfähigkeit des Systems stark beeinträchtigen würde. Es ist eine Abwägung notwendig zwischen der Kontrolle der Geldmenge und der Funktionsfähigkeit der Banken, wobei die aktuelle Regelung mit einem niedrigen Mindestreservesatz das enorme Potenzial für eine expansive Geldschöpfung offenhält, das bislang nur teilweise genutzt wird.

 

How to whitelist website on AdBlocker?

How to whitelist website on AdBlocker?

  1. 1 Click on the AdBlock Plus icon on the top right corner of your browser
  2. 2 Click on "Enabled on this site" from the AdBlock Plus option
  3. 3 Refresh the page and start browsing the site