Der trügerische Schein des staatlich verordneten Geldes

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Die Geschichte der menschlichen Zivilisation ist untrennbar mit der Entwicklung von Tauschmitteln verbunden, wobei staatliche Eingriffe in das Geldwesen stets tiefgreifende soziale Verwerfungen nach sich zogen. Wenn Herrschende die alleinige Kontrolle über die Währung erlangen, nutzen sie diese Macht häufig zur geheimen Enteignung der Bevölkerung, was in der Vergangenheit regelmäßig zu dramatischen Wirtschaftskrisen führte. Diese Betrachtung ordnet das Geschehen als warnendes Zeugnis über die Gefahren unbegrenzter finanzieller Macht ein.

Die Schrecken der plötzlichen Geldentwertung

Von allen wirtschaftlichen Nöten erschien den Bewohnern historischer Reiche keine Plage so unheimlich wie der plötzliche und vollständige Wertverlust der Währung. Dieser schleichende Verfall hinterließ tiefen Unfrieden in den Familien, nährte den Hass zwischen Gläubigern und Schuldnern und stürzte weite Teile der Gesellschaft in Hunger und bittere Armut. Ehrsame Bürger verfielen dem Spieltrieb und dem Alkohol, während wohlerzogene Lehrkräfte und Prediger ihre Ämter verloren und einst wohlhabende Familien am Ende mittellos darniederlagen. Solche Zustände bedrohten in dicht besiedelten Regionen die Städter letztlich mit dem Hungertod und stürzten die gesamte Ordnung in heilloses Chaos.

Die blinden Teilnehmer des täglichen Handels

Im örtlichen Handel zwischen Stadt und Land wurde das frisch geprägte Geld jedoch zunächst ohne Zögern angenommen und mit erhöhtem Schwunge umgesetzt. Die breite Masse erkannte nicht, dass die verschiedenartigen Münzen, mit denen sie täglich bezahlte, ihr unter der Hand zu wertlosem Blech geworden waren. Nur die klügeren Köpfe, welche das wahre Ausmaß des Betrugs ahnten, wurden häufig zu stillen Komplizen beim unredlichen Wucher der Mächtigen. Diese Beschreibung des dramatischen Währungszerfalls ereignete sich bereits während großer europäischer Kriege in ferner Vergangenheit, als findige Händler das Geldwesen systematisch ausplünderten.

Der Unterschied zwischen dezentralem und staatlichem Geld

Betrachtet man die theoretischen Grundlagen, benötigt jedes dezentral entstandene Universaltauschmittel zwingend Produktionskosten, um überhaupt den Tauschwert aufweisen zu können. Jedes frei verfügbare Gut wie gewöhnliches Papier wäre als Tauschmittel völlig ungeeignet, da niemand auf andere wertvolle Güter verzichten würde, um es einzutauschen. Dieses Argument verliert jedoch seine Gültigkeit, sobald der Herrscher das Geldwesen an sich reißt und die Währung nach eigenem Ermessen in Umlauf bringt. Der mächtige Regent könnte theoretisch die Währung einführen, deren Herstellung keinerlei Ressourcen verschwendet, sondern völlig kostenlos erfolgt.

Die Illusion der kostenlosen Geldschöpfung

Er müsste lediglich dafür sorgen, dass stets die passende Menge an Zahlungsmitteln im Umlauf verbleibt. Die eingesparten Produktionskosten für das Sachgeld ohne eigenen inneren Nutzen ließen sich dann anderweitig produktiv verwenden. Aus der Sicht der einfachen Bevölkerung entstehen jedoch trotzdem massive Kosten, nämlich in Form des Münzgewinns, den der Herrscher abschöpft, oder durch die Erhebung von Steuern. Jeder wohlmeinende Regent könnte solche Einnahmen für die Allgemeinheit verwenden, indem er Straßen, Bildungseinrichtungen und Schutzmauern errichtet.

Die produktive Verwendung von Ressourcen

Solche Infrastrukturprojekte würden den Reichtum der Städte mehren und die Bewohner vor feindlichen Angreifern bewahren. Anstatt wertvolle Edelmetalle sinnlos auszugraben und wieder zu vergraben, würden die Aufwendungen für das Geldwesen in die sinnvolle und produktive Richtung gelenkt. Bei gütigen Herrschern klingt dieser Gedanke nicht nur überzeugend, sondern erweist sich in der Theorie auch als funktionierend. Es würden sich natürliche Tauschverhältnisse zwischen dem Geld und den realen Gütern einstellen, die sich an den tatsächlichen Herstellungskosten orientieren.

Die fatale Realität machthungriger Regenten

Das Geld bliebe durch das maßvolle Verhalten des Herrschers werthaltig, und selbst wenn dieser den gewissen Luxus für sich beanspruchte, wäre dies immer noch vorteilhaft für das Gemeinwesen. Der kritische Punkt dieser Theorie liegt jedoch in der zwingenden Voraussetzung des wohlmeinenden Fürsten, der tatsächlich das Wohl aller im Sinn hat. Reale Herrscher entsprechen im Regelfall nicht diesem Ideal, selbst wenn sie sich selbst etwas anderes einreden. Wahre Machthaber verlangen erst nach gewissem Luxus und bald darauf nach unvergleichlichem Prunk, der die Staatskassen endgültig leert.

Der unstillbare Durst nach Pracht und Macht

Es werden prunkvolle Sommerresidenzen errichtet und bald darauf gigantische Paläste, die den Reichtum des Volkes verschlingen und die Ressourcen jahrelang binden. Zudem werden Eroberungsfeldzüge gestartet, die lediglich dem persönlichen Ruhm des Herrschers dienen, während die Untertanen auf ihren Lebensstandard verzichten müssen und oft ihr Leben für sinnlose Kriegsführung opfern. Um diese verschwenderische Politik zu rechtfertigen, werden teure Organisationen aufgebaut, welche die Entscheidungen der Mächtigen der Bevölkerung schmackhaft machen sollen. Regt sich dennoch Widerstand gegen die ungerechte Verteilung, wird die organisierte Streitmacht auch im Landesinneren gnadenlos gegen die Kritiker eingesetzt.

Die Grenzen der Leidensfähigkeit

Fast immer ist solche Entwicklung die direkte Folge der ungezügelten Anhäufung von Macht, die jede Kontrolle von außen vermissen lässt. Eigentlich müsste solche Ausbeutung durch die natürliche Leidensbereitschaft der Einwohner begrenzt werden, da irgendwo feste Grenzen existieren. Wenn das Volk zu stark ausgeplündert wird, lässt sich die teure Politik auf Dauer nicht mehr aufrechterhalten, da schlichtweg die Mittel für die Bezahlung der Söldner fehlen. Irgendwann begehrt die hungernde Bevölkerung auf und verweigert den Gehorsam.

Das Dilemma der unbeobachtbaren Geldmenge

Das grundlegende Problem unbegrenzten Herrschergeldes besteht darin, dass die geldpolitischen Handlungen der Mächtigen für die Öffentlichkeit unbeobachtbar bleiben. Die Verwender des Geldes wissen deshalb nicht, wie viel neues Geld der Fürst aktuell in Umlauf bringt und welche gewaltigen Gewinne er somit abschöpft. Wenn er unbegrenztes Papiergeld ausgibt, kann er beliebige Zahlen darauf drucken, ohne dass dies sofort auffällt. Solche Situation verwandelt sich in das Herrscherdilemma, in dem sich der Mächtige frei entscheiden kann, ob er zahlreiche oder wenige Ressourcen von seinen Untertanen eintreiben will.

Die Versuchung zur geheimen Enteignung

Die Untertanen durchschauen solches Spiel jedoch schnell und wissen, dass der Fürst das Geld nach Belieben verändern kann. Sie erkennen, dass er auf dem unbeobachteten Weg des Gelddruckens immer mehr reale Werte für sich abzweigen wird. Deshalb betrachten vernünftige Untertanen Münzen aus wertlosem Blech genau als das, was sie in Wahrheit sind: nutzloses Metall. Genau aus diesem Grund wäre der Gedanke an reines Papiergeld über den größten Teil der Menschheitsgeschichte völlig abwegig gewesen.

Die Ablehnung des wertlosen Papiers

Frühe Experimente mit solchem Geld in fernen östlichen Reichen endeten stets in dem dramatischen Währungszerfall, was reisende Händler mit großem Erstaunen in ihren Berichten festhielten. In der Realität verhalten sich wirtschaftliche Akteure jedoch nicht vollständig vernünftig, sondern agieren oft stark kurzsichtig. Die Information über neu geschaffenes Geld verbreitet sich nicht sprunghaft, sondern in dem langsamen Prozess der allmählichen Erkenntnis. Anders als in statischen Lehrbüchern springt das Verhalten nicht sofort in das neue Gleichgewicht, sondern die Menschen erlernen vernünftiges Handeln erst durch zunehmende Erfahrung mit der jeweiligen Krise.

Der schleichende Beginn der Geldentwertung

Beginnt man die Beschreibung solcher Dynamik in der weitgehend statischen Wirtschaft, haben sich stabile Preise und die beständige Geldmenge etabliert. Der Herrscher hat die Gewinne aus der Geldschöpfung bisher für nützliche Infrastruktur und nur für wenig eigenen Luxus verwendet. Tritt nun besondere Notlage ein, in der der Fürst den erhöhten Bedarf an realen Gütern hat, ändert sich das Verhalten schlagartig. Das klassische Beispiel für solchen erhöhten Bedarf ist der ausbrechende Krieg, der enorme Mengen an Material verschlingt.

Die Umleitung von Ressourcen für den Krieg

Ressourcen, die normalerweise für den zivilen Konsum zur Verfügung stehen, werden zwangsweise zur Aufrechterhaltung des Heeres umgelenkt. Es stehen folglich reduzierte Arbeitskräfte und reduzierte Materialien für die zivile Wirtschaft zur Verfügung, was den Wohlstand der Bürger schmälert. Der Herrscher könnte solche Verknappung sichtbar machen, indem er die Abgaben für die Bevölkerung erhöht, was jedoch extrem unpopulär wäre. Zudem würde solche Maßnahme den feindlichen Mächten Informationen über die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und damit über die militärische Stärke verraten.

Die Flucht in die geheime Geldschöpfung

Deshalb hat der Fürst den starken Anreiz, sich die zusätzlichen Ressourcen möglichst unbemerkt zu verschaffen. Da die von ihm ausgegebene Geldmenge von den anderen Wirtschaftsteilnehmern und von den militärischen Feinden nicht direkt beobachtbar ist, kann er sie heimlich und stetig erhöhen. Man nennt solche Situation das verdeckte Fehlverhalten, das auf der ungleichen Verteilung von Wissen basiert. Der Herrscher kann die unbeobachtbare Handlung vornehmen, die ihn selbst besserstellt, in der Regel jedoch zu Lasten der ahnungslosen anderen Spieler.

Das verdeckte Fehlverhalten der Mächtigen

Wenn solche ungleiche Wissensverteilung allgemeines Wissen ist, müssen die schlechter informierten Bürger davon ausgehen, dass der Mächtige die für ihn vorteilhafte Option wählt. Bei kurzsichtigen Erwartungen führt dies zunächst zu der langsamen Erhöhung des Preisniveaus, die sich jedoch bald als feste Erwartung verfestigt. Um sich jetzt noch reale Güter durch Geldschöpfung aneignen zu können, müsste der Fürst die nominale Geldmenge noch schneller erhöhen. Die neue Geldmenge muss schneller steigen als die Erwartungen der Bevölkerung vorhersagen, denn bei der erwarteten Erhöhung verlangen die Anbieter sofort die höheren Preise.

Die rasante Beschleunigung des Währungszerfalls

Folglich steigt nicht nur die Geldmenge selbst, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der solche Geldmenge ausgeweitet wird. In der Realität kennt man diesen nach einiger Zeit auftretenden Effekt der immer schneller ansteigenden Teuerung als den ultimativen Währungszerfall. Solcher Zustand ist letztlich dadurch gekennzeichnet, dass es keine externe Begrenzung der Geldmenge mehr gibt und alle Teilnehmer weitgehend vernünftige Erwartungen entwickelt haben. Jeder Geldnutzer weiß, dass die neu emittierte nominale Geldmenge nicht direkt beobachtbar ist, und da der Fürst dies weiß, erhöht er sie bis ins Unermessliche.

Der finale Kollaps der Tauschverhältnisse

Das wiederum erwarten die anderen und handeln sofort danach, was die Währung endgültig ruiniert. Als direkte Folge lässt der Fürst die Geldmenge gegen den absoluten Tiefpunkt wachsen, während der Tauschwert bezüglich realer Güter gegen den absoluten Tiefpunkt sinkt. Häufig wird solcher dramatische Zustand als geschwundenes Vertrauen beschrieben, obwohl geänderte Erwartungen die weitaus treffendere Bezeichnung für das Phänomen wären. Die Menschen haben lediglich die Realität erkannt und ihr Handeln konsequent an die unausweichliche Entwertung angepasst.

Die ewige Lehre aus der Geschichte des Geldes

Die Betrachtung dieser historischen und theoretischen Zusammenhänge offenbart die zeitlose Gefahr, die von der Monopolisierung des Geldwesens ausgeht. Solange die Schöpfung von Zahlungsmitteln in den Händen weniger Mächtiger liegt, bleibt die Versuchung zur geheimen Enteignung der Bevölkerung allgegenwärtig. Wahre Stabilität kann nur dort entstehen, wo die Geldmenge transparent und für alle nachvollziehbar geregelt ist, damit sich solche verheerenden Zyklen der Gier und der Enttäuschung nicht ewig wiederholen. Das Volk muss stets wachsam bleiben, um die eigene wirtschaftliche Freiheit vor den Übergriffen des Staates zu bewahren.

 

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