Die Evolution der Mensch-Tier-Beziehung und der Aufstieg des menschlichen Egos

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Die historische Entwicklung des Zusammenlebens von Mensch und Tier offenbart einen tiefgreifenden Wandel der gesellschaftlichen und philosophischen Paradigmen. Was einst als gleichberechtigtes Miteinander in der natürlichen Welt begann, mündete in einer radikalen Hierarchie, die das Tier zum bloßen Objekt menschlicher Begierden degradierte. Diese Transformation spiegelt nicht nur ökonomische Notwendigkeiten wider, sondern auch die sich ständig verändernden religiösen und wissenschaftlichen Weltbilder unserer Spezies. Der folgende Text beleuchtet die Ursprünge dieser Entfremdung und die Mechanismen, mit denen der Mensch seine Dominanz über die Natur legitimierte.

Die biochemischen Grundlagen der emotionalen Bindung

Betrachten wir die Interaktion zwischen einem prachtvollen Vogel und einem menschlichen Betrachter, verarbeiten unsere biologischen Rechenwerke unbewusst Daten über Proportionen und Farben. Daraus entstehen Gefühle der Anziehung oder der Abneigung. Während Schweine und andere Tiere nicht die Extreme von Mitleid oder Grausamkeit kennen, teilen alle Säugetiere ein zentrales Gefühl der Mutter-Kind-Bindung. Säugetiermütter lieben ihren Nachwuchs so sehr, dass sie ihm Nahrung aus dem eigenen Körper gewähren. In der Wildnis haben Ferkel oder Welpen ohne diese Bindung kaum Überlebenschancen.

Die Leugnung emotionaler Bedürfnisse in der Forschung

Die Wissenschaft brauchte viele Jahre, um diese biologischen Tatsachen anzuerkennen. Noch vor nicht allzu langer Zeit bezweifelten Psychologen selbst beim Menschen die Wichtigkeit der emotionalen Bindung. Die vorherrschende verhaltensorientierte Lehre behauptete, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern würden ausschließlich durch materielle Belohnung bestimmt. Kinder, die nach Wärme verlangten, galten als verwöhnt. Erziehungsexperten warnten davor, den Nachwuchs zu umarmen, da dies zu unsicheren Erwachsenen führe.

Die grausamen Ratschläge der Vergangenheit

Berühmte Gelehrte der ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts rieten Eltern kategorisch von körperlicher Nähe ab. Sie empfahlen, den Nachwuchs niemals auf den Schoß zu nehmen und nur einmal täglich kurz auf die Stirn zu küssen. Beliebte Fachzeitschriften erklärten, das Geheimnis guter Erziehung liege in strikter Disziplin und strengen Zeitplänen. Wenn ein Baby vor der üblichen Zeit nach Nahrung verlangte, sollte man es schreien lassen, ohne es zu trösten.

Die Erkenntnis der emotionalen Notwendigkeit

Erst in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts setzte sich die Erkenntnis durch, dass emotionale Bedürfnisse zentral sind. In grausamen Experimenten trennte die Forschung junge Affen von ihren Müttern und bot ihnen eine milchspendende Metallattrappe und eine weiche Stoffattrappe ohne Nahrung an. Die Babys klammerten sich verzweifelt an die stoffliche Mutter, da sie nach emotionaler Nähe hungerten. Diese Tiere wussten, dass Säugetiere nicht vom Essen allein leben, sondern der Berührung bedürfen.

Die Tragödie der modernen Tierhaltung

Heute blicken wir mit Befremden auf die Erziehungsratschläge der Vergangenheit zurück. Wenn es jedoch um andere Säugetiere geht, stellen wir das Offensichtliche weiterhin in Abrede. Die Fleisch- und Milchindustrie basiert darauf, dass man die grundlegendste emotionale Bindung im Tierreich kappt. Zuchtsauen und Milchkühe werden immer wieder besamt, doch der Nachwuchs wird kurz nach der Geburt weggenommen. Was die Forschung einigen Affen antat, widerfährt jährlich einer unvorstellbar großen Menge an Tieren.

Die religiöse Rechtfertigung der Ausbeutung

Die Bauern rechtfertigten ihr Verhalten im Namen neuer Götterlehren, die mit der landwirtschaftlichen Revolution aufkamen. Diese Glaubenssysteme behaupteten, das Universum sei eine Theokratie, die von großen Göttern regiert werde. Im Zentrum dieser neuen Religionen stand das Verhältnis zwischen Menschen, Pflanzen und Nutztieren. Der alte Götterglaube richtete sich an Bauern, und die wichtigsten Feiertage waren Erntefeste. Der alte Tempel in Jerusalem ähnelte eher einem Schlachthof als einem stillen Gebetsort.

Der Wandel vom Naturglauben zur Götterherrschaft

Frühere Lehren von der beseelten Natur stellten das Universum als ein großes Schauspiel mit unzähligen Akteuren dar. Elefanten, Flüsse und Geister hatten ihre eigene Rolle in diesem kosmischen Stück. Die neuen Götterlehren verwandelten das Universum jedoch in ein düsteres Drama mit nur noch zwei Hauptdarstellern. Der Rest der natürlichen Besetzung wurde zur stummen Kulisse degradiert. Die Götter machten deutlich, warum der Mensch alle anderen Organismen beherrschen sollte.

Der Mensch als Krone der Schöpfung

Im neuen göttlichen Drama wurde der Mensch zum zentralen Helden, um den sich das gesamte Universum drehte. Die Götter statteten ihn mit der Macht aus, über den Rest der Schöpfung zu herrschen. Der neue Glaube vertrat die Ansicht, dass nur der Mensch eine unsterbliche Seele besitze. Weil das Schicksal dieser Seele den Kern des Kosmos bildet, sind Tiere lediglich Komparsen. Die Menschen wurden zur Krone der Schöpfung, während alle anderen Organismen an den Rand gedrängt wurden.

Der Pakt zwischen Mensch und Gottheit

Die Götter mussten zudem zwischen dem Menschen und dem Ökosystem vermitteln. Im alten Naturglauben redete jeder direkt mit jedem, doch im neuen Götterglauben wurden alle nicht-menschlichen Wesen zum Schweigen gebracht. Wenn man wollte, dass die Bäume mehr Früchte trugen, musste man die Götter um Hilfe bitten. Die Götter versprachen Frieden und Fruchtbarkeit, vorausgesetzt, die Menschen erbrachten eine Gegenleistung. Das war der Kern des landwirtschaftlichen Paktes, der auf Kosten des übrigen Ökosystems ging.

Die blutigen Rituale der Antike

Dieser Pakt erforderte immense Opfer, wie man noch heute bei bestimmten Festen in fernen Ländern beobachten kann, wo eine unvorstellbar große Menge an Tieren geschlachtet wird. Auch die alte Mythologie erläutert die Details dieses Deals. Als die Götter eine große Flut schickten, um die Welt zu zerstören, merkten sie erst, dass niemand mehr übrig war, der ihnen Opfer bringen konnte. Nach der Flut opferte der Überlebende sofort Tiere, und die Götter rochen den wohlgefälligen Duft. Diese Geschichte wurde zu einem Gründungsmythos der Agrarwelt.

Die Sintflut als Beweis der menschlichen Überlegenheit

Traditionelle Auslegungen betrachteten die Sintflut als Beleg für die Überlegenheit des Menschen und die Wertlosigkeit der Tiere. Der Überlebende wurde beauftragt, das Ökosystem zu retten, um die gemeinsamen Interessen von Göttern und Menschen zu wahren. Nicht-menschliche Organismen haben keinen Eigenwert und existieren einzig und allein unseretwegen. Die heiligen Schriften halten es für völlig in Ordnung, sämtliche Tiere als Strafe für die Verbrechen des Menschen auszurotten. Die Texte konnten sich kein Szenario vorstellen, in dem die Götter die Menschen auslöschen und sich an den Tieren erfreuen.

Die Verantwortung und die Grenzen des Mitleids

Gleichwohl verfügen die alten Götterlehren über tierfreundliche Überzeugungen, die dem Menschen Verantwortung auferlegen. So wurde den Gläubigen befohlen, Nutztiere ruhen zu lassen und unnötiges Leid zu vermeiden. Eine Erzählung berichtet von einem weisen Lehrer, der ein Kalb vor dem Schlachthof wegschob und kein Mitleid zeigte. Daraufhin bestrafte ihn Gott mit einer schmerzhaften Krankheit, die erst endete, als der Lehrer Mitleid mit hilflosen Ratten zeigte. Andere Glaubensrichtungen bewiesen noch größere Empathie und verboten das Töten jedes fühlenden Wesens.

Die universelle Hierarchie der Ausbeutung

Dennoch fanden alle landwirtschaftlichen Religionen Mittel, um die Höherwertigkeit des Menschen zu rechtfertigen. Sie behaupten, eine natürliche Hierarchie berechtige den Menschen dazu, andere Tiere zu nutzen. Ein bestimmter östlicher Glaube erklärt Kühe für heilig, verschafft der Milchindustrie aber die ultimative Rechtfertigung. Die Menschen gingen einen Pakt ein, der ihnen die Macht über andere Tiere verlieh. Dieser kosmische Pakt spiegelte die Alltagsroutine des bäuerlichen Lebens wider.

Der Verlust der natürlichen Verbindung

Jäger und Sammler hatten sich nicht als höherwertige Lebewesen betrachtet, da ihr Überleben vom Respekt vor den Tieren abhing. Bauern hingegen lebten in einer Welt, die von menschlichen Träumen und Gedanken geprägt war. Ein Bauer lernte früh, ein Pferd zu reiten und einen Ochsen anzutreiben. Es war verführerisch zu glauben, solche Aktivitäten würden den himmlischen Willen widerspiegeln. Die landwirtschaftliche Revolution war somit eine ökonomische und eine religiöse Revolution zugleich.

Die Verwandlung der lebendigen Welt in Eigentum

Dieser antike Prozess lässt sich noch heute bei Gemeinschaften beobachten, die von der Jagd zur Landwirtschaft übergehen. In der Sprache eines indischen Stammes heißt ein Lebewesen mit einzigartiger Persönlichkeit auf eine bestimmte Weise. Wilde Elefanten und Bären besitzen diese Persönlichkeit, während Kühe und Hühner als bloße Besitztümer gelten. Die Degradierung der Tiere zu Eigentum machte bei den Nutztieren nicht halt. Die meisten Agrargesellschaften behandelten verschiedene Klassen von Menschen ebenfalls wie bloßes Eigentum.

Das Vorbild des Bauernhofs für die menschliche Gesellschaft

So wie Bauern ihre Tiere nicht konsultierten, dachten Herrscher nicht daran, die Bauern nach ihrer Meinung zu fragen. Wenn ethnische Gruppen aufeinandertrafen, sprachen sie dem jeweils anderen oft das Menschsein ab. Die Anderen als Untermenschen darzustellen, war der erste Schritt zur Ausbeutung. Der Bauernhof wurde zum Prototyp neuer Gesellschaften mit aufgeblasenen Herren und minderwertigen Rassen. Über allem thronte ein großer Gott, der diesem Arrangement seinen Segen erteilte.

Die wissenschaftliche Revolution und das Schweigen der Götter

Als die moderne Wissenschaft aufkam, führte dies zur nächsten Revolution in den Beziehungen zwischen Mensch und Tier. Während der landwirtschaftlichen Ära hatte die Menschheit die Tiere und Pflanzen zum Schweigen gebracht. In der wissenschaftlichen Revolution brachte die Menschheit nun auch die Götter zum Schweigen. Die Welt war nunmehr eine Alleinherrschaft, in der der Mensch mit sich selbst sprach. Nachdem er die stummen Gesetze der Natur entschlüsselt hatte, verfuhr er damit nach seinem eigenen Belieben.

Der Mythos des isolierten Genies

Die Forscher der Neuzeit entwickelten ihre eigenen Mythen, die schamlos alte Legenden plagiierten. Ein berühmter Mythos erzählt von einem Gelehrten, dem ein Apfel auf den Kopf fiel, woraufhin er die Schwerkraft entdeckte. Diese Geschichte stellt den alten Mythos vom Sündenfall auf den Kopf. Im neuen Garten ist der Mensch der einzige Akteur, und die Natur folgt blinden Gesetzen. Niemand bestraft den Forscher für seine Neugier, stattdessen wird die Menschheit mächtiger.

Der Mensch als neuer Schöpfer

Im alten Paradies wurden die Menschen für ihren Wunsch nach Erkenntnis bestraft und vertrieben. Im neuen Paradigma der Wissenschaft bestraft niemand den Forscher, sondern die Menschheit begreift das Universum besser. Tatsächlich ist der Schöpfer in diesem neuen Mythos der Mensch selbst. Wenn die Früchte der Wissenschaft reif sind, wird die Spezies über göttliche Fähigkeiten verfügen.

Der Menschheitsglaube als neue Weltreligion

Die wissenschaftliche Revolution brachte menschzentrierte Lehren hervor, in denen die Menschen an die Stelle der Götter traten. Die Grundüberzeugung dieser neuen Lehren lautet, dass der Mensch über einen einzigartigen und heiligen Wesenskern verfügt. Alles, was im Kosmos geschieht, muss entsprechend seiner Wirkung auf den Menschen bewertet werden. Während der alte Götterglaube die traditionelle Landwirtschaft im Namen der Götter rechtfertigte, rechtfertigt der neue Menschheitsglaube die moderne Industrie im Namen des Menschen.

Die industrielle Ausbeutung im Namen des Fortschritts

Die industrielle Landwirtschaft heiligt die Bedürfnisse des Menschen und lässt alles andere außer Acht. Sie interessiert sich nicht für die Tiere, denn ihnen fehlt die Heiligkeit des menschlichen Wesens. Die Wissenschaft erlaubt es modernen Firmen, die Tiere extremen Bedingungen zu unterwerfen. In der Vergangenheit hätten überfüllte Ställe tödliche Seuchen ausgelöst, die kein Gott hätte verhindern können. Dank der Erkenntnisse über Krankheitserreger und Heilmittel ist es heute möglich, zahllose Tiere in Käfige zu zwängen.

Das ethische Paradoxon der modernen Zeit

Als die Menschen neu über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier nachdachten, gerieten diese Praktiken in die Kritik. Plötzlich zeigen wir Interesse am Schicksal niederer Lebensformen, vielleicht weil wir selbst kurz davorstehen, eine solche zu werden. Wenn maschinelle Systeme übermenschliches Denkvermögen erlangen, sollten wir sie dann mehr wertschätzen als Menschen? Wäre es in Ordnung, wenn ein künstliches Bewusstsein die Menschen ausbeuten würde? Wenn wir das ablehnen, warum ist es dann moralisch vertretbar, Schweine auszubeuten?

Die Suche nach dem einzigartigen Funken

Verfügen die Menschen neben höherer Intelligenz über einen magischen Funken, der sie von Tieren und Maschinen unterscheidet? Wenn ja, woher stammt dieser Funke, und warum sind wir sicher, dass ein künstliches Bewusstsein ihn niemals erlangen kann? Wenn ein solcher Funken nicht existiert, gibt es dann irgendeinen Grund, menschlichem Leben einen besonderen Wert zuzuschreiben? Was genau an uns ist es, das uns so intelligent macht, und wie wahrscheinlich ist es, dass nicht-menschliche Wesen uns überholen? Die Zukunft wird zeigen, wie die Beziehungen zwischen Mensch und Übermensch aussehen könnten.

 

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