Die positive Psychologie: Wie eigenverantwortliches Denken den Weg zu einem erfüllten und gesunden Leben ebnet

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Die Frage, was den Menschen im Innersten zusammenhält und was ihn befähigt, ein gelingendes Leben zu führen, beschäftigt die Menschheit seit jeher. Während frühere Zeitalter diese Suche vor allem in der Religion, in der Philosophie oder in der Gemeinschaft verorteten, hat die moderne Wissenschaft begonnen, das menschliche Erleben mit den Mitteln der Forschung zu durchleuchten. Lange Zeit richtete sich der Blick der Fachleute dabei fast ausschließlich auf das Leid, auf das Kranke und auf das, was im Innersten eines Menschen aus dem Gleichgewicht geraten war. Erst in den vergangenen Jahrzehnten vollzog sich ein grundlegender Wandel in der Betrachtungsweise, der den Fokus auf das Gelingen, auf die Stärke und auf die Quellen des Wohlbefindens lenkte. Dieser Wandel eröffnet jedem einzelnen Menschen die Möglichkeit, das eigene Erleben aktiv zu gestalten und dem Glück einen festen Platz im Alltag einzuräumen.

Der lange Schatten des Leidens in der Geschichte der Seelenkunde

Über viele Jahrhunderte hinweg hat sich die Wissenschaft von der menschlichen Seele vor allem mit düsteren Themen auseinandergesetzt. Besonders im neunzehnten und im zwanzigsten Jahrhundert richtete sich die Aufmerksamkeit der Forschenden nahezu ausschließlich auf Erscheinungen wie Angst, Zorn, Schwermut und seelische Erkrankungen. Die gesamte Fachsprache, die in dieser Zeit entstand, war von Begriffen des Mangels, des Verlustes und der Störung geprägt. Man untersuchte, was den Menschen krank machte, was ihn quälte und was ihn an der Entfaltung hinderte. Die positiven Regungen der Seele, wie Freude, Dankbarkeit, Staunen oder innere Ruhe, fanden in dieser Betrachtung kaum Beachtung und wurden allenfalls als Abwesenheit von Leid definiert.

Warum die Hinwendung zum Positiven unerlässlich ist

Niemand bestreitet, dass die Auseinandersetzung mit seelischem Schmerz und mit krankhaften Zuständen von großer Bedeutung ist und weiterhin bleiben muss. Dennoch drängt sich eine entscheidende Frage auf, die lange Zeit unbeantwortet blieb. Wenn seelische Erkrankungen mit negativen Empfindungen einhergehen und wenn die Wechselwirkung zwischen Geist und Körper keineswegs bloße Einbildung ist, dann muss auch die umgekehrte Richtung gelten. Positive Gefühle müssten demnach ebenfalls einen messbaren Einfluss auf das körperliche und seelische Wohlbefinden ausüben. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre haben genau diesen Zusammenhang eindrucksvoll bestätigt und gezeigt, dass Gefühle und körperliches Befinden in einer ständigen Wechselbeziehung stehen.

Die heilende Kraft der Freude und des Lachens

Es entspricht einer alten Volksweisheit, dass herzliches Lachen eine heilsame Wirkung auf den gesamten Organismus besitzt. Diese Erkenntnis ist längst nicht mehr nur eine Redewendung, sondern wurde durch die Forschung vielfach untermauert. Wer lacht, setzt eine Kette von Vorgängen im Körper in Gang, die das Spannungsgefühl verringern, die Abwehrkräfte stärken und das allgemeine Wohlbefinden heben. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass schwere Erkrankungen einfach durch gute Laune vertrieben werden könnten. Vielmehr geht es darum, der positiven Seite des Erlebens bewusst mehr Raum zu geben und sie als Ergänzung zur Behandlung des Leidens zu begreifen.

Die eigene Haltung als Schlüssel zum Wohlbefinden

Es ist von großer Bedeutung, an der eigenen inneren Einstellung und an der persönlichen Sichtweise auf die Welt zu arbeiten. Wer lernt, positive Empfindungen bewusster wahrzunehmen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, verändert damit grundlegend die Art, wie er den Alltag erlebt. Die Positivität wird auf diese Weise von einem flüchtigen Moment zu einem beständigen Begleiter, der in jeder Lebenslage Orientierung bietet. Mehrere wissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen, die sich häufig glücklich fühlen, in ihrem Beruf erfolgreicher sind und über deutlich mehr Lebensenergie verfügen. Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass diese Menschen im Durchschnitt länger leben und sich einer besseren körperlichen Gesundheit erfreuen.

Negative Gefühle als stille Energieräuber

Der Grund für diese Unterschiede liegt darin, dass negative Empfindungen wahre Energiefresser darstellen. Sie zehren an den Kräften, rauben den Schlaf und verengen den Blick auf das, was möglich wäre. Man kann sich diesen Vorgang wie eine dunkle Wolke vorstellen, die sich langsam über dem eigenen Haupt zusammenballt und immer größer wird. Mit der Zeit wächst sie so sehr an, dass sie das gesamte Blickfeld ausfüllt und kein Sonnenstrahl mehr hindurchdringt. Weil diese Wolke dem Betroffenen auf Schritt und Tritt folgt, entsteht das beklemmende Gefühl, keinen Ausweg zu finden und diesem drückenden Schatten niemals entrinnen zu können.

Die Falle der erlernten Hilflosigkeit

In dieser Lage greifen viele Menschen zu Erklärungen, die ihnen die eigene Ohnmacht bestätigen. Sie reden sich ein, das Leben meine es eben nicht gut mit ihnen, oder sie glauben, ihnen sei das Glück schlicht nicht in die Wiege gelegt worden. Solche Sätze werden zu festen Überzeugungen, die sich wie Mauern um das eigene Erleben legen und jede Veränderung im Keim ersticken. Man richtet sich in der eigenen Unzufriedenheit ein und hält sie für ein unveränderliches Schicksal. In Wahrheit jedoch verbirgt sich hinter dieser scheinbaren Ergebenheit ein Zustand, den die Fachwelt als erlernte Hilflosigkeit bezeichnet und der durchbrochen werden kann.

Martin Seligman und die Entdeckung des erlernbaren Optimismus

Der amerikanische Seelenforscher Martin Seligman hat in seinen grundlegenden Arbeiten nachgewiesen, dass eine positive Grundhaltung kein angeborenes Geschenk ist, das man entweder besitzt oder entbehrt. Er zeigte vielmehr, dass Optimismus eine Fähigkeit darstellt, die jeder Mensch erlernen und einüben kann. Damit legte er das Fundament für eine neue Richtung innerhalb der Seelenkunde, die er als positive Psychologie bezeichnete. Diese Richtung nimmt einen bedeutungsvollen Stellenwert im Leben der Menschen ein, sofern diese bereit sind, sich auf ihre Erkenntnisse einzulassen. Die zentrale Botschaft lautet, dass der Weg zu einer lichteren Grundhaltung nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern von der eigenen inneren Arbeit.

Der erste Schritt: Die bewusste Entscheidung für das Licht

Sobald ein Mensch die Entscheidung trifft, in seinem Leben Platz für die Erkenntnisse der positiven Psychologie zu schaffen, beginnt ein spürbarer Wandel. Die drückenden Regentropfen der dunklen Wolke verlieren an Kraft und fühlen sich nicht mehr so lähmend an wie zuvor. Man kann förmlich dabei zusehen, wie die Wolke ein wenig an Umfang verliert und der Himmel wieder ein Stück weiter wird. Dieser Prozess erfordert keine dramatischen Umbrüche, sondern beginnt mit kleinen, bewussten Schritten im Alltag. Die Entscheidung, dem Positiven Raum zu geben, ist dabei kein einmaliger Akt, sondern eine tägliche Erneuerung, die mit der Zeit zur Gewohnheit wird.

Die fünf Säulen des persönlichen Glücks

Die positive Psychologie stützt sich auf ein gedankliches Gerüst, das als die fünf Säulen des Glücks bezeichnet wird. Diese fünf Säulen bilden das tragende Fundament für ein Haus, das aus Zufriedenheit, Gesundheit, Erfolg und innerer Erfüllung errichtet wird. Ob ein Mensch sich glücklich fühlt oder nicht, hängt nur zu einem geringen Teil von äußeren Gegebenheiten ab. Der weitaus überwiegende Anteil des eigenen Wohlbefindens liegt in der persönlichen Verantwortung und in der eigenen Gestaltungskraft. Es ist daher eine freie Entscheidung jedes Einzelnen, ob er glücklich sein möchte und wie er mit den Widrigkeiten des Lebens umgeht.

Glück als bewusste Wahl im gegenwärtigen Augenblick

Wer für sich entscheidet, glücklich sein zu wollen, muss nicht auf die nächste Beförderung im Beruf warten oder auf den Besitz eines neuen Wagens, eines neuen Hauses oder auf den nächsten Urlaub. Das Glück ist nicht an äußere Bedingungen geknüpft, die erst erfüllt sein müssen, bevor man es sich gestattet, Freude zu empfinden. Man kann in diesem Augenblick, hier und jetzt, die Entscheidung treffen, das Leben als etwas Wertvolles zu betrachten. Mit dieser inneren Haltung verändert sich die gesamte Wahrnehmung, und man beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man wird gleichsam zum Gestalter des eigenen Lebens, der die Musik bestimmt, die den eigenen Tag begleitet, anstatt nur auf die Klänge zu reagieren, die andere vorgeben.

Das Modell der fünf Grundpfeiler im Einzelnen

Die fünf Säulen, auf denen dieses Gebäude des Wohlbefindens ruht, lassen sich in einem zusammenhängenden Modell beschreiben, das in der Fachwelt weit verbreitet ist. Die erste Säule umfasst die positiven Empfindungen, also alle Gefühle der Freude, der Dankbarkeit, der Hoffnung und der inneren Wärme, die das Leben bereichern. Die zweite Säule beschreibt die tiefe Hingabe an eine Tätigkeit, bei der man vollständig im gegenwärtigen Tun aufgeht und die Zeit um sich herum vergisst. Die dritte Säule widmet sich den zwischenmenschlichen Beziehungen, denn der Mensch ist ein Wesen, das echte Verbundenheit und tragfähige Bindungen braucht, um aufzublühen. Die vierte Säule fragt nach dem Sinn, nach dem Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein und mit dem eigenen Wirken einen Beitrag zu leisten.

Die fünfte Säule und das eigene Haus des Glücks

Die fünfte Säule schließlich umfasst das Erreichen selbstgesetzter Ziele und das Erleben von Wirksamkeit, also das Bewusstsein, etwas aus eigener Kraft geschaffen und vollendet zu haben. Zusammen bilden diese fünf Grundpfeiler ein tragfähiges Gerüst, auf dem sich ein gesundes, erfülltes und von innerer Stärke geprägtes Leben aufbauen lässt. Die Bausteine für dieses persönliche Haus des Glücks liegen in den Erkenntnissen der positiven Psychologie bereit und stehen jedem Menschen zur Verfügung. Es liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung eines jeden Einzelnen, diese Bausteine aufzunehmen und daraus sein eigenes Gebäude zu errichten. Man kann dieses Haus nach den eigenen Wünschen, nach den eigenen Vorstellungen und nach dem eigenen Empfinden gestalten und darin ein Leben voller Zufriedenheit, Gesundheit und echtem Erfolg führen.

Die Einladung zur täglichen Praxis der Selbstgestaltung

Die positive Psychologie ist keine flüchtige Modeerscheinung und kein vorübergehender Trost für schwierige Tage, sondern ein fundiertes Wissensgebäude, das zum dauerhaften Gebrauch einlädt. Sie verlangt keine besonderen Voraussetzungen, keine außergewöhnlichen Gaben und keine äußeren Genehmigungen, sondern lediglich die Bereitschaft, den eigenen Blick zu schulen und die eigenen Gedanken zu lenken. Jeder Tag bietet unzählige Gelegenheiten, die fünf Säulen im Kleinen zu üben, sei es durch einen Moment der Dankbarkeit, durch vertieftes Tun, durch ein ehrliches Gespräch, durch die Frage nach dem eigenen Sinn oder durch das Setzen eines kleinen Zieles. Wer diese Praxis in seinen Alltag einwebt, wird feststellen, dass die dunkle Wolke nicht verschwindet, aber dass sie ihre erdrückende Macht verliert. Glücklich zu sein bleibt am Ende eine Entscheidung, und es ist die ureigenste Entscheidung eines jeden Menschen, sie jeden Tag aufs Neue zu treffen und damit das eigene Leben von Grund auf zu verwandeln.

 

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