Die Illusion des unbegrenzten Geldes und die Fallen der Staatsfinanzierung

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Die Geschichte des Geldes ist stets eine Geschichte der Macht und der Versuchung, diese Macht zur unbegrenzten Finanzierung staatlicher Ausgaben zu nutzen. Immer wieder gab es Denkschulen, die glaubten, man könne die physikalischen und ökonomischen Gesetze der Knappheit einfach durch staatliche Dekrete außer Kraft setzen. Solche Ideen versprechen oft Wohlstand ohne Gegenleistung, führen in der Realität jedoch regelmäßig zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Verwerfungen. Ein genauerer Blick auf die grundlegenden Mechanismen der Geldschöpfung offenbart, warum bestimmte moderne geldpolitische Theorien in Wahrheit nur alte, längst widerlegte Irrlehren in neuem Gewand sind.

Das Gedankenexperiment eines abgeschlossenen Geldsystems

Begeben wir uns gedanklich in ein kleines, fiktives Fürstentum, dessen weiser Herrscher ein strenges Geldsystem auf der Basis von Gold eingeführt hat. In diesem Reich existiert eine exakt definierte und unveränderliche Menge dieses Edelmetalls. Es gibt weder neue Goldminen noch Außenhandel, wodurch die gesamte Geldmenge absolut begrenzt und unveränderlich bleibt. Der Herrscher agiert dabei als wohlmeinender Regent, der seine Untertanen nicht ausbeuten möchte, sondern ihnen eine stabile monetäre Ordnung sowie eine gute Infrastruktur bieten will. Für diese umfassenden Dienstleistungen erhebt er selbstverständlich Abgaben in Form von Steuern.

Die mathematische Unmöglichkeit der Zinszahlung

Doch nicht immer gelingt es den Bürgern, diese geforderten Abgaben pünktlich zu entrichten. In solchen Notlagen zeigt sich der Fürst großzügig und gewährt Kredite, allerdings verlangt er dafür einen Zins. Ist seine Geduld irgendwann erschöpft, bleibt dem säumigen Steuerzahler oft nur die Flucht in die Schulden bei einem wohlhabenden Mitbürger, der ebenfalls nur gegen Zins hilft, meist jedoch zu deutlich schlechteren Konditionen. Betrachtet man diesen Sachverhalt nicht aus der Perspektive eines Einzelnen, sondern systemisch, stellt sich eine fundamentale Frage zur Funktionsfähigkeit eines solchen Systems. Wenn die gesamte Geldmenge von vornherein streng limitiert ist, wie soll dann zusätzliches Geld für die Zinszahlungen entstehen?

Die systemische Falle der Knappheit

Selbst sehr erfahrene Wirtschaftswissenschaftler geraten ins Grübeln, wenn man ihnen diese scheinbar simple Frage stellt. Die Antwort darauf ist jedoch erschreckend einfach und vernichtend. Ein solches System kann auf Dauer schlichtweg nicht funktionieren. Ein simples Rechenbeispiel macht diese fatale Mechanik deutlich. Angenommen, der Fürst verleiht zehn Goldstücke und verlangt nach einem Jahr elf Stücke zurück, was den ursprünglichen Betrag plus einem Zehntel als Zins entspricht.

Die Unaufbringbarkeit der Schuldentilgung

Es existieren jedoch nur die ursprünglichen zehn Goldstücke im gesamten Königreich. Selbst wenn der Schuldner alles richtig macht und hart arbeitet, kann er das elfte Goldstück nicht beschaffen. Ohne vorhandene Goldreserven, die man auflösen könnte, und ohne Goldzufluss von außen, ist die Rückzahlung inklusive des geforderten Zinses schlichtweg unmöglich. Dasselbe gilt, wenn nicht der Fürst, sondern ein reicher Privatmann das Gold verleiht. Auch dann ist die Rückzahlung der Kredite samt Zinsen systemisch ausgeschlossen, zumindest für die Gesamtheit aller Schuldner.

Historische Lehren und religiöse Verbote

Diesen Zustand bezeichnet man als systemisches Zinsproblem oder als Zinsklemme. Früher sprach man in diesem Zusammenhang auch von Schuldknechtschaft, doch dieser Begriff ist historisch stark belastet. Er wurde in der Zeit des Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen und rassistisch konnotiert, weshalb man ihn heute unbedingt vermeiden sollte, da er versucht, ein rein systemisches Problem bestimmten Bevölkerungsgruppen anzulasten. Interessanterweise könnte das strikte Zinsverbot in manchen Religionen auf genau dieses strukturelle Dilemma zurückzuführen sein. Die meisten religiösen Regeln haben ihren Ursprung in einem Problem, das nur auf gesellschaftlicher Ebene beseitigt werden kann.

Die Lösung durch flexibles Kreditgeld

Wenn es also eine Vorschrift gibt, keine Zinsen zu verlangen, verhindert dies das hier beschriebene systemische Dilemma automatisch. Ein solches Verbot verhindert die Entstehung einer Zinsklemme. Auch abgeschwächte Regeln, wie das Verbot von Zinsen nur gegenüber Angehörigen der eigenen Glaubensgemeinschaft, ergeben vor diesem Hintergrund Sinn, da Fremde im Idealfall neues Geld in das ansonsten geschlossene System bringen. Die genaue Ursache der Zinsklemme liegt in der exogenen Begrenzung der Geldmenge. In einem solchen Knappheitsgeldsystem kann die Geldmenge nicht ausgeweitet werden, und damit können nie die Geldmittel entstehen, die zur Zahlung der Zinsen nötig wären.

Die Anpassung an die reale Wirtschaft

Das ändert sich grundlegend, wenn Kredite selbst als Geld akzeptiert werden und die Geldmenge sich flexibel der Wirtschaft anpasst. Das Geld entsteht dann aus wirtschaftlicher Aktivität und verschwindet wieder, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Entscheidend ist auch, dass sich der Zins in modernen Wirtschaften nicht willkürlich, sondern am Markt bildet. Ein marktwirtschaftlicher Zins richtet sich nach dem realen Wirtschaftswachstum. Das sorgt dafür, dass genau so viel Geld entsteht, wie für die realen Wirtschaftsaktivitäten nötig ist, wodurch das systemische Problem gelöst wird.

Die Rückkehr der willkürlichen Staatsfinanzierung

Eine funktionierende Kreditwirtschaft wird durch dieses systeminterne Geld überhaupt erst möglich. Wir haben nun verschiedene Formen des Geldes kennengelernt und müssen uns einer Denkrichtung zuwenden, die unser bisheriges Geldsystem abschaffen will. Diese Strömung möchte wieder ein willkürliches Herrschergeld ohne Selbstbindung einführen. Wenn man diesen Satz so ausspricht, würde jeder sofort verstehen, wie unsinnig dieses Vorhaben ist. Genauer gesagt hilft es allenfalls dem Herrscher vorübergehend, seine Untertanen auszubeuten.

Die Verschleierung durch moderne Begrifflichkeiten

Die hier zu behandelnde Ideologie sagt das jedoch nicht so deutlich, sondern verschleiert ihre Absichten und Methoden hinter einer vermeintlich modernen Geldtheorie. Sie nennt sich deshalb auch moderne monetäre Theorie, obwohl es sich konzeptionell um das alte und längst überkommen geglaubte Herrschergeld handelt, das sie propagiert. Diese Theorie verwendet den Trick, die Öffentlichkeit mit derartig verblüffenden Aussagen zu überraschen, dass man über die Beschäftigung mit den Details die Banalität der Grundaussagen übersieht. Man muss sich ausführlicher mit diesen Mechanismen befassen, um die wahren Hintergründe zu erkennen. Es handelt sich um eine Strategie der Ablenkung, die darauf abzielt, komplexe ökonomische Zusammenhänge durch einfache, aber falsche Versprechen zu ersetzen.

Historische Parallelen und dogmatische Verblendung

Die Geschichte dieser Ideologie ist eng verbunden mit Persönlichkeiten, die durch energischen Dogmatismus und originelle Konzeptualisierung ihrer Theorien Laien und sogar Fachfremde beeindruckten. Viele Menschen und insbesondere Politiker begrüßten damals eine Theorie, die vermeintlich eine Grundlage für die zunehmende Beliebtheit staatlich gesteuerten Geldes bot. Während früherer großer Kriege wurde solche Denkweise tatsächlich häufig verwendet, um zu beweisen, dass die Entwertung der Währung nichts mit den steigenden Preisen zu tun habe. Die Vertreter dieser Lehren glaubten in nahezu völliger Unkenntnis der bestehenden Literatur und der grundlegenden Logik, ihre Theorie biete nicht nur eine Alternative zum theoretischen Rohstoffgeldansatz, sondern die einzig mögliche Erklärung für die Existenz von Papiergeld. Dieser absurde Anspruch wurde weithin akzeptiert, obwohl es den Verfechtern dieser Lehre völlig misslang, eine nicht-metallistische Theorie des Geldwertes schlüssig auszuarbeiten.

Das Scheitern der Wertbegründung

Die Öffentlichkeit ließ sich blenden, weil die scheinbar einfachen Antworten auf komplexe Fragen verlockend waren. Letztlich bleibt es jedoch bei der Tatsache, dass eine unbegrenzte Ausweitung der Geldmenge ohne Rücksicht auf die reale Wirtschaftsleistung zwangsläufig in der Katastrophe endet. Die Geschichte lehrt uns, dass der Versuch, die Natur des Geldes durch staatliche Dekrete zu ignorieren, immer auf die Bürger zurückfällt. Wer die grundlegenden Regeln der Geldschöpfung missachtet, riskiert den Verlust des Wohlstands und die Zerstörung des wirtschaftlichen Gefüges. Solche theoretischen Konstrukte scheitern letztlich an der unveränderlichen Realität der ökonomischen Grenzen.

 

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