Die umfassende Bewertung von Unternehmen an der Börse
Screenshot youtube.comDie Bewertung von Unternehmen an der Börse ist ein komplexes Unterfangen, das weit über das bloße Betrachten von Kurscharts hinausgeht. Anleger suchen stets nach verlässlichen Methoden, um den wahren inneren Wert eines Unternehmens zu ermitteln und fundierte Entscheidungen für ihr Depot zu treffen. In einer Welt, die von ständigen wirtschaftlichen Schwankungen und globalen Verflechtungen geprägt ist, gewinnt die systematische Untersuchung von Rahmenbedingungen, Marktumfeldern und betrieblichen Kennzahlen eine immer größere Bedeutung. Dieser Ansatz ermöglicht es, kurzfristige Marktschwankungen von langfristigen wirtschaftlichen Realitäten zu unterscheiden und so die eigenen finanziellen Ziele sicherer zu verfolgen.
Die Grundprinzipien der fairen Bewertung
Die systematische Untersuchung eines Unternehmens dient dem Ziel, dessen wirtschaftliche Verfassung präzise einzuschätzen. Sie beruht auf der Grundannahme, dass jedes Unternehmen einen inneren und fairen Wert besitzt, an den sich der Börsenkurs langfristig angleichen muss. Entspricht der ermittelte faire Wert in etwa dem aktuellen Börsenkurs, gilt das Unternehmen als angemessen bewertet. Liegt der berechnete innere Wert jedoch deutlich über dem aktuellen Börsenkurs, werten Experten dies als klares Kaufsignal.
Die Mechanik der Kursanpassung
In einem solchen Fall sind die Anteilsscheine unterbewertet und sollten sich in der Zukunft nach oben bewegen. Umgekehrt deutet ein Börsenkurs, der weit über dem ermittelten Wert liegt, auf bald fallende Kurse hin. Die Ermittlung dieses fairen Wertes erfolgt durch die Auswertung verschiedener Kennzahlen aus der Gesamtwirtschaft, der jeweiligen Branche und dem Unternehmen selbst. Diese Vorgehensweise unterteilt sich in drei große Bereiche, die man vom Groben ins Detail betrachten kann.
Die globale Betrachtungsebene
Zunächst beschäftigt sich der Anleger mit den nationalen und internationalen Beziehungen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Unternehmens einschätzen zu können. Dieser Schritt erfordert die Berücksichtigung aller Faktoren, die einen Einfluss auf die weltweiten Wirtschaftstätigkeiten des Unternehmens haben. Dazu gehört insbesondere die globale Zinspolitik der Länder, in denen das Unternehmen aktiv ist. Man muss beachten, in welchen Ländern eine eventuelle Produktion ausgelagert ist und wo Produkte wieder eingeführt werden müssen.
Der Einfluss der Währung und Zinsen
Es ist entscheidend zu prüfen, ob Freihandel besteht oder sogar zusätzliche Zölle erhoben werden. Auch die Geldpolitik der einzelnen Zentralbanken hat auf diese globalen Faktoren einen großen Einfluss. Müssen Gewinne in Fremdwährungen etwa immer wieder in US-Dollar oder Euro gewechselt werden, kann der Wechselkurs Gewinne stark schmälern, aber auch noch einmal vergrößern. Außerdem hat die Zinspolitik auch einen direkten Einfluss auf den Kaufkurs der Aktie.
Die Auswirkungen auf Investitionen und Rohstoffe
Niedrige Zinsen gehen oft mit steigenden Märkten einher. Auch wirkt sich der Zinssatz darauf aus, ob und inwieweit ein Unternehmen eventuell Schulden aufnimmt, um neues Geld für Forschung oder Entwicklung und Wachstum zur Hand zu haben. Hohe Zinsen können im Umkehrschluss dazu führen, dass Unternehmen die Investitionen zurückfahren. Signale hierfür kommen vor allem von den Pressekonferenzen der Zentralbanken.
Die Rolle der Notenbanken und Rohstoffpreise
Aber auch kleinere Kommentare von Mitgliedern der amerikanischen Notenbank oder der Europäischen Zentralbank können große Bewegungen auf den Märkten auslösen. Ebenfalls kann sich ein Blick auf Rohstoffpreise lohnen. Vor allem Firmen im produzierenden Gewerbe sind von stabilen Preisen für die Rohstoffe ihrer Produkte abhängig. Im nächsten Schritt, wenn die globale Analyse soweit abgeschlossen ist, geht man eine Ebene tiefer und sieht sich die Branche an, in der das Unternehmen tätig ist.
Die Untersuchung der Branche
Dabei sollte man sich vor allem einmal strukturelle Aspekte und die jeweiligen Abhängigkeiten vom Konjunkturverlauf ansehen. Dazu schaut man sich zunächst einmal an, welche Konkurrenten und Wettbewerber das Unternehmen hat. Es ist wichtig zu klären, wie viele Wettbewerber es gibt, wie groß deren Marktanteil ist und welche ergänzenden Güter diese anbieten. Man muss prüfen, ob das eigene Unternehmen noch andere Güter anbietet, welche die Konkurrenz nicht im Portfolio hat.
Wettbewerber und Marktdynamiken
Was macht die Branche im Moment sonst? Gibt es neue Entwicklungen, in denen das beobachtete Unternehmen führend ist oder hinterherhinkt? Was treibt die Branche um? Gibt es sonst noch Spezialprodukte, in denen das Unternehmen vielleicht kaum Konkurrenz hat?
Zyklische und antizyklische Muster
Außerdem muss man schauen, ob die Branche des Unternehmens eher zyklisch oder antizyklisch ist. Bei zyklischen Unternehmen und Branchen erwirtschaften diese am meisten, wenn die Konjunktur eines Landes allgemein gut läuft. Antizyklische Branchen profitieren in Zeiten, in denen die Konjunktur sich eintrübt. Teilweise gibt es auch Unternehmen, die immer ein wenig vor dem Konjunkturhochpunkt bereits ihren Hochpunkt erreichen und dann wieder schlechter laufen.
Politische Eingriffe und Branchendaten
Vergleichen Sie dazu die Daten mit der Konjunktur in der Vergangenheit. Außerdem hat natürlich auch die Politik eines Landes Einfluss auf einige Unternehmen. Als Beispiel soll hier die Rüstungsindustrie gelten, welche natürlich bei einem Krieg besser läuft als die meisten anderen Branchen. Andere Branchen, wie die Energie- und Versorger-Branche, werden bei politischen Entscheidungen wie dem Kohleausstieg oder der Energiewende allgemein belastet.
Steuern, Subventionen und Lagerbestände
Teilweise eingeführte extra Steuern oder auch Werbeverbote wie für die Tabakindustrie sind weitere Beispiele, welche sich negativ auf ganze Branchen auswirken können. Andererseits sind Begünstigungen wie Subventionen oder Steuerreduzierungen antreibend für eine Branche. Weiterhin können Daten wie Lagerbestände oder Auftragslage einen Hinweis darauf geben, wie es gerade um die Branche steht. Hohe Lagerbestände deuten auf eine niedrigere Nachfrage an Produkten vom Verbraucher hin und weniger Aufträge auf einen Abschwung in der Konjunktur.
Die Hilfe von Wirtschaftsinstituten
Dabei helfen können von Wirtschaftsexperten und Wirtschaftsinstituten veröffentlichte Berechnungen und Daten zu verschiedenen Branchen und der Konjunktur. Auch führen diese immer wieder Umfragen unter Firmenchefs durch, um einen Rückschluss auf die derzeitige Lage zu erhalten. Zum Beispiel sind diese Daten der New Yorker Wirtschaftsindex, der deutsche Konsumklimaindex oder auch Bruttoinlandsprodukt-Prognosen und der Einkaufsmanagerindex. Wenn man sich nun auch mit der Branche des auserwählten Unternehmens ausreichend beschäftigt hat, kommt man zur Unternehmensanalyse an sich.
Die qualitative Unternehmensanalyse
Zuerst schaut man sich dabei die qualitative Seite dieser an. Dieser qualitative Teil beleuchtet dabei im Prinzip alles, was sich nicht berechnen oder in Zahlen fassen lässt. Dazu zählen die Produktpalette oder auch die Unternehmenskultur und einfach das Geschäftsmodell. Außerdem spielt es auch eine Rolle, ob die Produktion sehr aufwändig ist oder ob das Unternehmen vielleicht gar nicht produziert, sondern nur Dienstleistungen anbietet.
Das Management und die Mitarbeiter
Ist das Management des Unternehmens vertrauenswürdig? Handelt es sich vielleicht noch um eigene Inhaber, welche das Unternehmen wie ihre Westentasche kennen, oder wurde es bereits von spekulativen Investmentfonds aufgekauft, welche nur an Profit, aber nicht an anderen Dingen interessiert sind? Wie ist das Verhältnis zu Mitarbeitern und den Gewerkschaften? Ein schlechtes Verhältnis kann sich zum Beispiel in Streiks entladen.
Die quantitative Unternehmensanalyse
Dieser Teil der Analyse beschäftigt sich nun mit den harten Zahlen und den reinen Fakten. Hier geht es um die Bilanz, das Kurs-Gewinn-Verhältnis und weitere wichtige Kennzahlen. All diese Daten dienen dazu, das Unternehmen genau mit anderen vergleichen zu können. Nur so lässt sich die wirtschaftliche Situation in der Firma exakt benennen und in den Markt einordnen.
Der Vergleich mit anderen Unternehmen
Bei der genauen Betrachtung der Bilanz achten erfahrene Anleger penibel auf das Verhältnis von Eigenkapital zu geliehenem Kapital. Ein Unternehmen, das nur geringe Schulden hat, übersteht wirtschaftliche Krisen weitaus besser als ein hoch verschuldeter Konzern. Die kurzfristige Liquidität stellt sicher, dass der Betrieb jederzeit fähig ist, seine fälligen Verbindlichkeiten problemlos zu begleichen. Fehlen die nötigen flüssigen Mittel, droht schnell der Gang in den Ruin oder die Aufnahme neuer Kredite zu ungünstigen Konditionen. Daher bildet eine solide finanzielle Substanz das unverzichtbare Fundament für jedes langfristige und nachhaltige Wachstum.
Die Bedeutung der Ertragskraft und marktorientierter Bewertungskennzahlen
Neben der reinen Substanz spielt die tatsächliche Ertragskraft eine entscheidende Rolle bei der Ermittlung des inneren Wertes. Der erwirtschaftete Gewinn im Verhältnis zum aktuellen Börsenpreis verrät ungeschminkt, ob ein Wertpapier gerade günstig oder eher teuer zu haben ist. Stetig steigende Ausschüttungen an die Anteilseigner zeugen von einem gesunden Geschäftsmodell und einer starken Marktposition. Wer diese harten Fakten nüchtern miteinander vergleicht, erkennt schnell die wahren Perlen unter den zahlreichen Angeboten am Markt.













