Die globale Militärmacht und ihre historischen Schatten

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Die Betrachtung der weltweiten Sicherheitsarchitektur offenbart häufig ein Spannungsfeld zwischen offizieller Selbstdarstellung und historischer Realität. Wenn führende Militärmächte ihre Einsätze rechtfertigen, berufen sie sich meist auf friedenssichernde Maßnahmen oder den Schutz demokratischer Grundwerte. Eine tiefgehende Analyse der vergangenen Jahrzehnte zeigt jedoch, dass die tatsächlichen Handlungen oft im krassen Widerspruch zu diesen hochtrabenden Prinzipien stehen. Besonders die Ausrichtung von Streitkräften auf weltweite Projektion von Macht wirft grundlegende Fragen nach Völkerrecht und moralischer Verantwortung auf.

Die weltweite Aufteilung in Einflusszonen

Das zuständige Ministerium der Vereinigten Staaten verfolgt jedoch offensichtlich andere Prioritäten, die weit über die Landesgrenzen hinausreichen. Anstatt die eigene Heimat zu schützen, agieren die dortigen Streitkräfte als weltweite Eingreiftruppen, die ihre Macht in allen Winkeln der Erde projizieren. Schon vor vielen Jahrzehnten wurde festgestellt, dass diese Macht den gesamten Erdball in verschiedene Einflusszonen unterteilt.

Die feste militärische Struktur der globalen Befehlszentralen

Diese theoretische Unterteilung wurde längst in eine feste militärische Struktur überführt. Es existieren feste Befehlszentralen für Europa, Afrika, das Zentrum der Welt, den Süden, den Norden und den indopazifischen Raum. Mit dem Schmelzen der Poleisen wird sicherlich bald auch eine eigene Kommandozentrale für die arktische Region eingerichtet. Eine Zentrale für die digitale Kriegsführung existiert bereits, und die Errichtung einer Kommandostelle für die Galaxis scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Die Anmaßung der globalen Kommandostrukturen

Die Maßlosigkeit dieses Vorgehens wird besonders deutlich, wenn man sich vorstellt, wie andere Staaten reagieren würden. Würde der chinesische Staatschef eine eigene Kommandozentrale für Lateinamerika gründen und hohe Offiziere mit der Sicherung der Region zwischen Mexiko und Argentinien beauftragen, gäbe es in Washington einen gewaltigen Aufschrei. Kein anderer Staat auf der Welt würde sich jemals erlauben, solche weitreichenden militärischen Strukturen auf fremden Kontinenten zu etablieren.

Die finanziellen und infrastrukturellen Dimensionen

Fast die Hälfte aller weltweiten Rüstungsausgaben wird von den Vereinigten Staaten getätigt. Der Haushalt für das Jahr 2019 überstieg die Grenze von 700 Milliarden Dollar, wobei allein die Steigerung zum Vorjahr das gesamte russische Rüstungsbudget übertraf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein beispielloses Netzwerk aus militärischen Einrichtungen geschaffen. Aktuell unterhält die Militärmacht rund 800 Stützpunkte in über 80 Ländern, wobei kein anderer Staat eine Basis auf amerikanischem Boden besitzt.

Die Präsenz in autoritären Systemen

In mehr als der Hälfte dieser 80 Staaten herrschen repressive und autoritäre Regime. Diese Vorliebe für undemokratische Systeme durchzieht die gesamte Geschichte seit 1945 und reicht von Harry Truman bis zu Donald Trump. Kenner der Materie kritisieren zu Recht, dass die tägliche Unterstützung von Gewaltherrschern ein nationaler Skandal sein sollte. Dies gilt besonders für ein Land, das sich selbst als Vorreiter der Demokratie bezeichnet.

Die Einmischung in die westliche Hemisphäre

Entgegen aller demokratischen Bekenntnisse wurden zahllose Regierungen gestürzt oder Befreiungsbewegungen zerschlagen. Brutale Diktaturen erhielten Unterstützung, während ausländische Politiker ermordet oder Wahlen manipuliert wurden. In der westlichen Hemisphäre, die seit der Monroe-Doktrin im besonderen Fokus steht, gibt es kaum einen Staat, der von dieser Einmischung verschont blieb. Militärputsche und wirtschaftliche Ausbeutung prägten das Geschehen in Guatemala, Chile, Haiti, Nicaragua und vielen weiteren Staaten der Region.

Die brutale Niederschlagung auf den Philippinen

Die frühe Kriegsgeschichte der Nation begann bereits an der Wende zum 20. Jahrhundert mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg. Während dieses Konflikts wurde ein Aufstand auf den Philippinen blutig niedergeschlagen und das Land annektiert. Die dortigen Truppen verübten Massaker, die an die Gräueltaten Jahrzehnte später in Asien erinnerten. Ganze Landstriche wurden entvölkert, und es erging der Befehl, alle Personen über zehn Jahre zu töten. Eine Stadt mit 17000 Einwohnern wurde vollständig ausgelöscht, ohne dass es Überlebende gab.

Die Entwicklung zur aggressivsten Kriegsmaschine

Wissenschaftler werfen der Nation vor, kriegsbesessen zu sein und die aggressivste Kriegsmaschine der Geschichte zu unterhalten. Dieser Apparat betreibt seit Jahrzehnten einen Luftkrieg, der sich nicht um Recht oder Moral schert. Es wurden sämtliche Kategorien von Massenvernichtungswaffen entwickelt und eingesetzt. Dazu gehören konventionelle, atomare, biologische und chemische Waffen sowie wirtschaftliche Sanktionen als fünfte Kategorie.

Der vernichtende Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg

Beim Luftkrieg gegen Japan im Zweiten Weltkrieg wurde keinerlei Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen. Im März 1945 warf die Luftwaffe fast 1700 Tonnen Brandgel auf Tokio ab. Die unmittelbare Opferzahl belief sich auf 100000 Menschen. Über 60 japanische Städte ereilte das gleiche Schicksal, bis der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki das Ende des Krieges besiegelte.

Der verheerende Vernichtungskrieg in Korea

Fünf Jahre später folgte ein Vernichtungskrieg in Korea, der keine zivilen Ziele aussparte. Neben Flächenbombardements setzte man großflächig Brandgel ein und nutzte biologische Kampfstoffe. Die geflogenen Einsätze umfassten den Abwurf von fast 700000 Tonnen Munition. Der Architekt der Brandbombenattacken auf Japan bestätigte später, dass fast jede Stadt in Nord- und Südkorea niedergebrannt wurde. Dabei wurden über eine Million koreanische Zivilisten getötet und mehrere Millionen vertrieben.

Die unklare Gesamtopferzahl des Koreakonflikts

Die genaue Gesamtopferzahl dieses Krieges ist bis heute nicht abschließend geklärt. Schätzungen gehen von zwei, drei oder sogar fünf Millionen Toten aus, wobei die Mehrheit Zivilisten waren. Weniger als ein Jahrzehnt später begann eine neue Phase der Gewalt in Vietnam, Laos und Kambodscha. Dort wurden acht Millionen Tonnen Bomben abgeworfen, was der Sprengkraft von 640 Atombomben entspricht.

Die Perfektionierung der Flächenbombardierung in Indochina

Die Flächenbombardierung wurde gegenüber den vorherigen Kriegen systematisch perfektioniert. Große Zonen wurden mit schweren Bombern attackiert, gefolgt von dem Einsatz von Streumunition und Weißphosphor. Insgesamt wurden über 373000 Tonnen Brandgel über dem Land abgeworfen. Zudem flogen Maschinen tausende Einsätze, um toxische Substanzen zu versprühen und Ernten zu vernichten. Diese Aktionen kontaminierten riesige Gebiete und vergifteten mindestens vier Millionen Menschen.

Das Mantra der unterschiedslosen Gewalt

Das Zielen auf alles, was sich bewegte, wurde zu einem Leitspruch, der das unterschiedslose Abschlachten legitimierte. Der Befehl für ein massives Bombardement in Kambodscha wurde mit der Anweisung weitergegeben, alles abzuwerfen, was auf irgendetwas fliegt. In Laos steuerte die Geheimorganisation zwischen 1964 und 1973 das größte Luftbombardement pro Kopf der Geschichte. Dabei wurden über zwei Millionen Tonnen Munition eingesetzt und ungefähr zehn Prozent der laotischen Bevölkerung getötet.

Die systematischen Massaker an der Zivilbevölkerung

Zu dieser Kreuzigung Südostasiens trugen auch zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung bei. Das Massaker von My Lai im März 1968 ist das bekannteste Beispiel, stellte jedoch keinen Einzelfall dar. Militärische Einheiten hatten ihre eigenen dunklen Geheimnisse, die erst durch investigative Journalisten ans Licht kamen. Plötzlich trauten sich auch andere Berichterstatter aus der Deckung und bestätigten vergleichbare Vorfälle.

Die diskrepante Opferbilanz und fehlende Reue

Der Krieg in Südostasien kostete circa fünf Millionen Menschen das Leben, während die eigenen Verluste bei 58000 Soldaten lagen. Allein durch ein geheimes Folterprogramm wurden 40000 Vietnamesen umgebracht. Der damalige Präsident stellte fest, dass keine Reparationen angebracht seien, da die Zerstörungen wechselseitig gewesen seien. Kritiker hielten dem entgegen, dass es völlig absurd sei, so zu tun, als hätten vietnamesische Bomber amerikanische Städte zerstört oder Kinder vor Brandgel fliehen müssen.

Das kollektive Vergessen der grausamen Historie

Heute erinnern sich die Amerikaner nur vage an diese Ereignisse, was durch eine bewusste Begrifflichkeit gefördert wird. Auch der Koreakrieg gilt als vergessen, weil seine Brutalität nie die nötige öffentliche Aufmerksamkeit fand. Um Ziele durchzusetzen, bedurfte es nicht immer einer direkten Intervention, wie das Beispiel Indonesien zeigt. Dort vernichteten Armee und Milizen in den Jahren 1965 und 1966 bis zu drei Millionen Menschen. Zehn Jahre später gab es aus Washington grünes Licht für die Invasion von Ost-Timor, was weitere 100000 Inselbewohner das Leben kostete.

Das Massaker auf der Straße des Todes

Im zweiten Golfkrieg 1991 massakrierte die Weltpolizistin viele Zehntausend Iraker, die sich im Rückzug befanden. Auf der Straße des Todes wurden diese Menschen gnadenlos abgeschlachtet, um die unbegrenzte Macht zu demonstrieren. Der damalige Präsident setzte sich gegen den Rat seines Generals durch, um das eigene Vietnam-Trauma zu überwinden. Berichterstatter beschrieben, wie amerikanische Flieger den Konvoi einkesselten und stundenlang bombardierten. Es war ein einseitiges Gemetzel an Zehntausenden wehrloser Menschen, das selbst erfahrene Soldaten an die Gräuel in Vietnam erinnerte.

Die rücksichtslose Folter im Irak nach 2003

Rücksichtslose und rassistische Folter prägte auch das Vorgehen im Irak nach der Invasion im Jahr 2003. Ehemalige Soldaten erinnerten sich Jahre später an Albträume über die Misshandlungen in provisorischen Lagern. Gefangene wurden geschlagen, getreten und sexuell erniedrigt, während ihre Familien bei nächtlichen Überfällen weinend zurückblieben. Nach der Freilassung wurden die Opfer in der Wüste ausgesetzt und von den Tätern zum Spaß durch Schüsse in die Luft zusätzlich traumatisiert. Investigative Reporter wiesen später darauf hin, dass geheimes Material im Pentagon noch weitaus schlimmere Verbrechen beweist.

Die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Realität

Es stellt sich die Frage, wie diese Macht trotz alledem den Nimbus einer Kraft für Freiheit und Menschenrechte genießen kann. Während die diskreten Aktionen Russlands in der Ukraine ein Dauerthema sind, bleiben die eigenen Verbrechen im öffentlichen Bewusstsein unsichtbar. Ein Präsident konnte wöchentlich Tötungslisten für den Drohnenterror absegnen und dennoch als Friedensfürst gefeiert werden. Selbst auf einem großen Kirchentag wurde dieser Chef-Drohnenmörder bejubelt, ohne dass seine eigenen Worte über seine Tötungsfähigkeiten irritierten.

Der Triumph der Propaganda und die Gefahr der Amnesie

Die Antwort auf dieses Rätsel liegt im fantastischen Erfolg der westlichen Propaganda. Diese Macht schafft es, historische Fakten unter Verschluss zu halten und andere Sachverhalte völlig disproportional zu skandalisieren. Wer die Macht über die Geschichte besitzt, besitzt auch die Macht über die Gegenwart und die Zukunft. Diese erzeugte Geschichtsvergessenheit stellt die größte Kriegsgefahr dar, da sie die Menschen grenzenlos manipulierbar macht.