Die verborgenen Wurzeln der amerikanischen Außenpolitik

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Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist geprägt von einer Vielzahl von Entwicklungen, die oftmals im Widerspruch zu der offiziellen Darstellung stehen, wonach das Land sich in erster Linie durch eine Politik der Zurückhaltung und Isolation auszeichnete. Diese Sichtweise wurde über viele Jahrzehnte in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Lehrbüchern vermittelt, doch bei genauer Betrachtung der historischen Fakten zeigt sich ein anderes Bild. Bereits in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit, die im späten achtzehnten Jahrhundert vollzogen wurde, zeichnete sich eine deutliche Tendenz zur Expansion und zur Durchsetzung eigener Interessen ab. Diese Entwicklung wurde durch militärische, politische und wirtschaftliche Maßnahmen begleitet, die auf eine Kontrolle über das eigene Gebiet hinausgingen und die Grundlagen für das moderne imperialistische Denken legten. Es ist notwendig, diese frühen Phasen der amerikanischen Geschichte im Kontext ihrer zeitlichen und politischen Hintergründe zu betrachten, um die tatsächliche Ausrichtung der Außenpolitik zu verstehen, die sich schon damals deutlich von der heute oft propagierten Zurückhaltung unterschied.

Die Anfänge der Expansion: Die Unterdrückung indigener Völker

Schon bei der Gründung der Vereinigten Staaten und während ihrer ersten Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit zeigte sich, dass die Entwicklung des jungen Staates stark durch eine aggressive Expansion geprägt war. Ein zentrales Element dieser Expansion war die systematische Zerschlagung und Vertreibung der indigenen Völker, die seit Jahrhunderten auf dem Gebiet lebten und teilweise über gesellschaftliche Strukturen verfügten, die durchaus den Kriterien eines Staates entsprachen. Diese Völker, die die ersten Bewohner des Kontinents waren, wurden zu Beginn der amerikanischen Geschichte die ersten Opfer der territorialen und politischen Machtansprüche der Siedler und der neuen Regierung. Die Regierung der jungen Nation schloss unzählige Verträge mit verschiedenen indigenen Nationen, insgesamt etwa 800 Abkommen, die jedoch in den meisten Fällen nur auf dem Papier existierten. Mehr als die Hälfte dieser Verträge, rund 430, wurden niemals vom Kongress ratifiziert, dennoch wurden die indigenen Völker zur Einhaltung dieser Abmachungen verpflichtet, obwohl die tatsächliche Durchsetzung in der Regel ausblieb. Die Realität zeigte, dass die Vereinigten Staaten die Verträge nur selten ernst nahmen und die indigenen Völker immer wieder betrogen und verraten wurden. Die Folgen waren katastrophal: Die einst weitverbreiteten Populationen der Ureinwohner, die einst zwischen zwanzig und fünfzig Millionen Menschen umfassten, wurden durch Gewalt, Krankheiten und Vertreibungen auf ein Minimum reduziert. Bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren nur noch etwa 250.000 Ureinwohner übrig, was die verheerenden Auswirkungen der kolonialen und expansionistischen Politik aufzeigt. Diese brutale Durchsetzung der territorialen Ansprüche war jedoch nicht nur von militärischer Gewalt geprägt, sondern auch von einer ideologischen Haltung, die die indigenen Völker als Wildlinge oder Barbaren bezeichnete, obwohl es belegbare Hinweise darauf gibt, dass die frühen amerikanischen Führer die kulturelle Organisation der indigenen Nationen durchaus bewunderten und sich sogar an ihnen orientierten. Die föderale Regierungsform der Irokesen-Konföderation wurde beispielsweise studiert und empfohlen, um das eigene Regierungssystem zu verbessern. Dieses historische Faktum zeigt, dass die Expansion nicht nur auf militärischer Gewalt beruhte, sondern auch auf einer komplexen Auseinandersetzung mit den politischen und kulturellen Strukturen der indigenen Völker.

Das Streben nach Westen: Manifest Destiny und der Traum vom Kontinent

Im Laufe der Zeit entwickelte sich in den Vereinigten Staaten eine Ideologie, die unter dem Begriff des Manifest Destiny bekannt wurde. Diese Vorstellung suggerierte, dass es eine vorbestimmte und göttliche Mission sei, das Land im Westen zu erobern, zu kontrollieren und zu vereinen. Bereits die frühen Unabhängigkeitskämpfer, die um George Washington versammelt waren, hatten ihre politischen und territorialen Vorstellungen über die ursprünglichen Grenzen hinaus erweitert. Sie sahen die Westgrenze im Westen am Mississippi und träumten von einer Ausdehnung, die den gesamten Kontinent umfassen sollte. Diese Vision wurde immer wieder bekräftigt, wobei die politischen Führer und die Öffentlichkeit die Überzeugung hegten, dass die Vereinigten Staaten dazu bestimmt seien, die größte Nation auf dem Kontinent zu werden. Bereits in den 1820er Jahren war die Rede von einer Erweiterung bis zu den Rocky Mountains, und später, im Verlauf des 19. Jahrhunderts, wurde die Idee, den Kontinent bis zu den Pazifikküsten zu kontrollieren, immer dominant. Die Propaganda dieser Zeit war voll von euphorischen Aussagen über das unermessliche Wachstumspotenzial des Landes, und es wurde offen über die Eroberung weiterer Gebiete gesprochen. Die Expansion wurde als eine Art Schicksal angesehen, das den amerikanischen Bürgern und der Nation insgesamt bestimmt sei. Präsidenten und Kolumnisten forderten immer wieder, die Grenzen nach Westen zu verschieben, bis die ganze Hemisphäre unter amerikanischer Kontrolle stehen sollte. Diese expansive Haltung wurde sogar in offiziellen politischen Äußerungen vertreten, die von einer zukünftigen Kontrolle über das gesamte Gebiet vom Isthmus von Panama bis zur Behringstraße sprachen. Das Streben nach territorialer Erweiterung wurde in dieser Zeit zur zentralen Triebkraft der amerikanischen Außenpolitik und spiegelte den Glauben an eine überlegene Mission wider.

Die Ideologie des Überflusses und die Vernichtung der indigenen Kulturen

Diese expansive Haltung wurde begleitet von einer tief verwurzelten Überzeugung, dass Amerika eine besondere Bestimmung habe, die Welt zu führen und den menschlichen Fortschritt voranzutreiben. Diese Idee wurde häufig als die „Nation des menschlichen Fortschritts“ bezeichnet, die dazu berufen sei, überall auf der Welt ihre Werte, ihre Kultur und ihre Herrschaft zu verbreiten. Dabei war die tatsächliche Realität oft brutal und von der Vernichtung der ursprünglichen Bewohner geprägt. Die Ureinwohner wurden systematisch verdrängt, in Reservate gedrängt, durch Krankheiten dezimiert und mit Gewalt unterworfen. Die Politik der Expansion war somit eng verbunden mit rassistischen Vorstellungen, die die amerikanische Gesellschaft und ihre Führer von der Überlegenheit und Auserwähltheit überzeugt hatten. Diese Überzeugungen wurden auch in öffentlichen Reden und politischen Strategien immer wieder deutlich. Die Überzeugung, dass Amerika dazu bestimmt sei, die führende Nation der Welt zu werden, wurde zum treibenden Motor für eine Politik der Ausdehnung, die die ursprüngliche Bevölkerung und deren Kulturen vernichten sollte, um Platz für die Expansion der amerikanischen Macht zu schaffen.

Militärischer Imperialismus und die Darstellung fremder Völker

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die militärische Expansion der Vereinigten Staaten immer wieder als notwendig zur Bekämpfung von Bedrohungen und zur Wahrung der nationalen Interessen dargestellt. Obwohl die offizielle Rhetorik gelegentlich die Bekämpfung des Terrorismus oder den Schutz der Zivilbevölkerung betonte, waren die tatsächlichen Motive oft viel direkter: Es ging um die Durchsetzung amerikanischer Interessen auf Kosten anderer Völker. Diese wurden häufig in abwertender Weise dargestellt, wobei Begriffe wie „Wilde“, „Banditen“ oder „Fanatiker“ verwendet wurden, um die Gegner zu diskreditieren und die eigene Überlegenheit zu betonen. Besonders in Lateinamerika war die Haltung der USA geprägt von einer klaren Überlegenheit, die sich in zahlreichen Interventionen manifestierte. Der venezolanische Präsident Cipriano Castro und die kolumbianische Regierung wurden von amerikanischer Seite herabgesetzt und als unfähig dargestellt, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. Bereits im frühen 19. Jahrhundert äußerte sich ein bedeutender lateinamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer kritisch gegenüber den USA und warnte vor deren Einfluss auf den Kontinent, was die tiefe Skepsis gegenüber den amerikanischen Expansionen verdeutlicht. Die amerikanische Außenpolitik war stets von einer Haltung geprägt, die den Schutz eigener Interessen und die Durchsetzung der eigenen Machtstellung zum Ziel hatte, wobei die Methoden von militärischer Gewalt bis zu politischen Einflussnahmen reichten.

Der Einfluss im Nahen Osten und die Kontrolle über die Energiequellen

Parallel zu den Interventionen in Amerika und in der Karibik begannen die Vereinigten Staaten, ihre Einflusszonen auf entfernten Kontinenten deutlich auszuweiten. Besonders im Nahen Osten, in Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum wurden in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts Abkommen geschlossen, um die Kontrolle über bedeutende Ressourcen wie Öl zu sichern. Diese Abkommen dienten vor allem amerikanischen Unternehmen, die ihre Position auf den Weltmärkten stärken wollten, und führten zu einer strategischen Kontrolle über die wichtigsten Ölquellen. Das sogenannte Red Line Agreement von 1928 war ein Meilenstein in dieser Entwicklung, da es die Zusammenarbeit und die Aufteilung der Ölquellen im Mittleren Osten regelte und die amerikanische Einflussnahme auf die Region festigte. Später, im Jahr 1944, wurde das Anglo-American Petroleum Agreement unterzeichnet, das die Verteilung der Ölvorkommen zwischen den USA und Großbritannien regelte. Präsidenten wie Franklin D. Roosevelt erklärten den Iran offen zum Besitz der Vereinigten Staaten, während andere Ölfelder in Irak, Kuwait und Saudi-Arabien unter amerikanischem Einfluss standen. Die Kontrolle über die Energiequellen wurde zu einem zentralen Ziel der amerikanischen Außenpolitik, um die eigene wirtschaftliche Macht zu sichern und militärische Strategien zu untermauern. Das Streben nach einer ungehinderten Kontrolle über die wichtigsten Ressourcen auf der Weltgeschichte ist eine Folge dieser strategischen Zielsetzung.

Militärische Interventionen und offene Sprache der Machtpolitik

Obwohl die Vereinigten Staaten in ihrer langen Geschichte nur in wenigen Fällen offizielle Kriegserklärungen abgaben, war ihre Außenpolitik immer durch eine Vielzahl von militärischen Einsätzen, Interventionen und Einflussnahmen geprägt. Diese reichten von groß angelegten Kriegen bis zu subtileren Formen der Einflussnahme, bei denen politische, wirtschaftliche und militärische Mittel eingesetzt wurden, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Bei all diesen Maßnahmen wurde selten eine geheime Agenda verfolgt, vielmehr wurde offen und ehrlich die Verteidigung der amerikanischen Interessen und die Durchsetzung der eigenen Macht erklärt. Die Sprache war dabei oft direkt und unmissverständlich, wobei es vor allem um den Schutz von Besitz, Einfluss und militärischer Präsenz ging. Bereits kurz nach der Unabhängigkeit wurde deutlich, dass die amerikanische Außenpolitik eine Politik der Macht und des Einflusses ist, bei der die Grenzen zwischen Verteidigung und Imperialismus oftmals fließend sind. Diese Tradition hat sich bis in die Gegenwart fortgesetzt, wobei die USA immer wieder durch militärische Interventionen und Einflussnahmen ihre globale Präsenz demonstrieren und sichern.