Die antike Stadt zwischen Pracht und Gestank
Screenshot youtube.comDas Leben in den frühen Großstädten der Antike war von einem gewaltigen Gegensatz geprägt. Einerseits errichteten die Herrscher monumentale Bauwerke aus Marmor, die ihren Machtanspruch unterstrichen. Andererseits kämpften die einfachen Bewohner tagtäglich mit den hygienischen Herausforderungen einer dicht gedrängten Metropole. Die Bewältigung von Abwasser und Schmutz stellte die Verwaltung vor immense logistische und technische Probleme.
Der extreme Gegensatz zwischen Arm und Reich
Im Jahr 46 v. Chr. feierte der mächtige Feldherr seinen Triumph über die Gallier mit einem prunkvollen Umzug durch das Zentrum der Stadt. Strahlend weiße Gewänder, goldene Standarten und der Duft von Weihrauch bestimmten das Bild der festlich geschmückten Prachtstraßen. Doch nur wenige Schritte abseits der Route verwandelte sich das Bild in einen Albtraum aus bröckelndem Putz und zerissener Kleidung. In den engen Gassen der armen Viertel herrschte ein beißender Gestank nach Rauch, Urin und billigem Fett.
Das tägliche Überleben in den Slums
Kinder spielten in dem herumliegenden Abfall, während aus den offenen Fenstern laute Rufe drangen und Kranke vor sich hin röchelten. Dieser harte Übergang verdeutlichte die extremen sozialen Unterschiede der antiken Weltstadt. Wer über Reichtum verfügte, bewohnte ein weitläufiges Anwesen auf dem Hügel hinter hohen Mauern. Diese Oberschicht besaß ausreichend Platz und Personal, das für Sauberkeit sorgte.
Der private Luxus und die öffentliche Plage
Die Reichen genossen sogar einen eigenen Wasseranschluss, aus dem das kühle Nass direkt in die Häuser floss. Bei anhaltender Trockenheit hatten jedoch die öffentlichen Brunnen den Vorrang vor dem privaten Luxus. Stand der Wind ungünstig, wehten die Ausdünstungen der vielen Menschen und Gewerbe bis in die vornehmen Häuser. Um die Raumluft zu verbessern, entzündete man in diesen Fällen wohlriechende Harze und Hölzer.
Die Massen in der lauten Metropole
Die Schönen und Reichen bekamen von diesem Elend meist nichts mit, da sich die armen Massen in den unteren Lagen der Stadt zusammendrängten. Dort lebten possesslose Arbeiter, die ihr Land verloren hatten, sowie Zugewanderte, die ihr Glück suchten, aber scheiterten. Hinzu kamen Handwerker, Lehrer und Ärzte, die hart für ihren täglichen Unterhalt arbeiteten. Der riesige Moloch produzierte jeden Tag enorme Mengen an Schmutz, Lärm und Gestank.
Der Beginn der unterirdischen Infrastruktur
Die Bewohner und die Staatsführung gaben sich große Mühe, den gröbsten Schmutz aus den Wohngebieten zu entfernen. Ein legendärer König soll den größten unterirdischen Kanal angelegt haben, der zunächst die sumpfigen Senken zwischen den Hügeln entwässerte. Mit dem überschüssigen Wasser transportierte der offene Graben die Abfälle der frühen Bewohner direkt in den Fluss. Dieser ursprüngliche Spatenstich für ein gewaltiges Entwässerungssystem erfolgte bereits im Jahr 600 v. Chr.
Die mythologische Verehrung der Kanalisation
Die mythischen Herrscher jener Frühzeit wurden alle mit der Errichtung wichtiger öffentlicher Bauten in Verbindung gebracht. Der Name des gewaltigen Abwasserkanals leitete sich von einer etruskischen Göttin ab, die später mit der Liebesgöttin gleichgesetzt wurde. Auf dem Hauptplatz errichteten die Römer dieser Schutzpatronin ein kleines Heiligtum. Im Laufe der Zeit wurde das unterirdische Netzwerk immer weiter ausgebaut, um den Bedürfnissen der rasant wachsenden Stadt gerecht zu werden.
Die Spülung durch die Aquädukte
Das Wasser der zahlreichen Aquädukte wurde über die Thermen und öffentlichen Toiletten in die Kanalisation geleitet. Im 3. Jahrhundert nach Christus speisten elf gewaltige Leitungen die Stadt mit frischem Nass. Diese Wassermassen spülten die unterirdischen Stollen gründlich durch und verhinderten gefährliche Verstopfungen. Beim großen Flussübergang im Süden der Stadt ergoss sich die braune Brühe schließlich in den Strom.
Die ästhetische Gestaltung der Abwasserdeckel
Die Staatsführung investierte enorme Summen, um die Infrastruktur nicht nur funktional, sondern auch optisch ansprechend zu gestalten. Wie moderne Systeme benötigte das Netzwerk Schächte, durch die das Wartungspersonal in den Untergrund steigen konnte. Als Abdeckung dienten kunstvoll verzierte Marmorplatten, die das Regenwasser von den Straßen ableiteten. Ein solcher steinerner Deckel hat sich bis in die heutige Zeit erhalten und zieht als kuriose Touristenattraktion Besucher an.
Das Staunen der griechischen Gelehrten
Antike Reisende interessierten sich weniger für steinerne Kuriositäten, sondern bewunderten das Wunder des Abwassersystems. Ein griechischer Geschichtsschreiber betonte, dass die wahre Größe des Reiches in den Aquädukten, den Straßen und der Kanalisation sichtbar werde. Ein anderer Gelehrter aus derselben Epoche lobte die Weitsicht der Bauherren, die an alles gedacht hätten. Er beschrieb die überdachten Abwasserkanäle als so breit, dass sogar beladene Wagen hindurchfahren könnten.
Der rechtliche Schutz der Infrastruktur
Bei einem solchen Aufwand war es selbstverständlich, dass der Staat die Kanalisation streng vor Missbrauch und Beschädigung schützte. Ein Urteil aus der Zeit der Republik verfügte, dass jegliche Beeinträchtigung der öffentlichen Leitungen sofort rückgängig gemacht werden müsse. Private Baumaßnahmen oder eine unsachgemäße Entsorgung von Abfällen führten regelmäßig zu Schäden am System. Die Juristen der hohen Kaiserzeit definierten den Begriff des Kanals sehr weit und schlossen alle Röhren und Leitungen mit ein.
Die Rechte bei Reparaturen und Bauvorschriften
Das Gesetz räumte den Eigentümern weitreichende Rechte ein, um notwendige Reinigungsarbeiten durchführen zu können. Für solche Wartungsarbeiten durften Bauherren sogar die Fußböden von Nachbarhäusern aufbrechen, sofern sie die Kosten trugen. Denn ohne regelmäßige Instandhaltung drohten gesundheitsschädliche Gase und schwere Schäden an den Gebäuden. Auch die Anlage privater Entwässerungssysteme wurde streng überwacht, um Straßen und Nachbargrundstücke zu schonen.
Die Regulierung der Gewässer und Gewerbe
Das Bauen an Flüssen war ebenfalls streng reguliert, um den Schiffsverkehr und die Anlegestellen nicht zu behindern. Diese Vorschriften galten auch für kleinere Gewässer, die der Abwasserentsorgung dienten. Bereits im 3. Jahrhundert vor Christus erließen die Zensoren ein Gesetz, das sich speziell an die Textilbranche richtete. Die Walker nutzten Urin als Reinigungsmittel und waren daher für massive Geruchs- und Schmutzemissionen verantwortlich.
Die hohe Beamtenhierarchie der Hygiene
Der Gesetzgeber trieb großen Aufwand, um die Sauberkeit der Kanalisation und der Gewässer zu gewährleisten. Für die reibungslose Abwasserentsorgung war in der Kaiserzeit ein hochrangiger Beamter zuständig. Dieser Verantwortliche für den Flusslauf und die städtische Kanalisation war stets ein enger Vertrauter des Herrschers. Er musste zuvor das höchste Amt der senatorischen Laufbahn bekleidet haben.
Der Briefwechsel über den stinkenden Fluss
Im Jahr 104 nach Christus übertrug der Kaiser dieses wichtige Amt einem bewährten Freund, der sich bereits als Präfekt der Staatskasse ausgezeichnet hatte. Dieser erfahrene Verwalter wurde später Statthalter in einer fernen Provinz im heutigen Kleinasien. Bei einem Besuch in einer Küstenstadt fiel ihm ein großes Hygieneproblem auf, das er dem Kaiser umgehend meldete. Die schöne Hauptstraße wurde von einem offenen Kanal flankiert, der sowohl das Auge als auch die Nase der Bürger beleidigte.
Die Überdachung als Gesundheitsmaßnahme
Der Statthalter bat den Kaiser um Erlaubnis, den übelriechenden Fluss vollständig zu überbauen. Der Kaiser stimmte diesem vernünftigen Vorschlag sofort zu und vertraute auf die effiziente Umsetzung durch seinen Beamten. Beide wussten genau, dass der Gestank nicht nur eine ästhetische Zumutung war, sondern die Gesundheit der Bewohner gefährdete. Jahrzehnte später bestätigte ein berühmter Arzt diese Annahme, indem er die Ausdünstungen großer Städte als schädlich für die Luft bezeichnete.
Die Reinigung des Hauptflusses
Der Mediziner ahnte noch nichts von krankheitserregenden Mikroben, machte aber die übelriechenden Dünste für die schlechte Luft verantwortlich. In der Hauptstadt beförderte der gewaltige Kanal den Schmutz zwar aus den Wohnvierteln, doch im Fluss landete er dennoch. Es handelte sich um enorme Mengen an Abfällen, die die gewaltige Einwohnerschaft jeden Tag in den Strom spülte. Ein Kaiser ließ das Flussbett deshalb gründlich säubern, da sich durch die Verunreinigung das Wasser staute und Überschwemmungen auslöste.
Die Verbesserung der Luft durch mehr Wasser
Ein hoher Beamter für die Wasserversorgung lobte rund 100 Jahre nach Christus einen anderen Kaiser für dessen weitsichtige Baumaßnahmen. Dieser Herrscher hatte die Wassermenge in der Stadt signifikant erhöht, was nicht nur den Mangel behob, sondern auch die Sauberkeit förderte. Das überschüssige Wasser spülte die Kanäle gründlich durch und machte die Luft über der Stadt deutlich reiner. Die Ursachen jener schweren Dunstglocke, die über der Metropole hing, seien durch diese Maßnahme beseitigt worden.
Die Realität der Luftverschmutzung
Möglicherweise schmeichelte der Beamte dem Kaiser hier ein wenig, um die eigenen Leistungen ins rechte Licht zu rücken. Dass die Luft in der Stadt bei den Zeitgenossen in einem schlechten Ruf stand, darf man den Autoren jedoch glauben. Kein römischer Schriftsteller scheint jemals einen entspannten Spaziergang am Flussufer unternommen zu haben. Wie es roch, wenn ein Gewässer zum offenen Abwasserkanal für eine Weltstadt mutierte, erlebten die Londoner im ungewöhnlich heißen Sommer des Jahres 1858.
Der große Gestank und das Umdenken
Eine Wolke übelriechender Gase legte sich über die britische Hauptstadt und zwang die Menschen, sich mit Tüchern vor dem Gesicht über die Brücken zu bewegen. Der enorme Gestank hielt die Metropole monatelang fest im Griff und erzwang ein politisches Umdenken. London erhielt als Pionier der modernen Großstädte daraufhin ein gewaltiges Kanalisationssystem, das die Abfälle weit um die Stadt herumleitete. So weit waren die antiken Baumeister zur Zeit der römischen Kaiser freilich noch nicht.
















