Lausitzer Geschichte: Die Durchdringung des sorbischen Kulturraumes durch das totalitäre Regime
Screenshot youtube.comDie Zeit nach dem Ende des Weltkrieges markierte einen tiefgreifenden Wendepunkt für die sorbische Minderheit im Osten Deutschlands. Was anfänglich als Phase des kulturellen Wiederaufbaus erschien, wandelte sich rasch in eine umfassende politische Unterwerfung unter das aufstrebende sozialistische System. Die herrschende Partei strebte danach, jeden Bereich des öffentlichen und privaten Lebens mit ihrer ideologischen Doktrin in Einklang zu bringen, wobei keine ethnische oder kulturelle Gruppe von diesem Prozess verschont blieb. Dieser historische Vorgang veränderte das soziale Gefüge der Region grundlegend und ersetzte traditionelle Gemeinschaftsstrukturen durch staatlich gelenkte Mechanismen der Überwachung und Anpassung.
Die politische Vereinnahmung der sorbischen Bewegung
Die regierende Partei durchdrang den sorbischen kulturellen Raum unmittelbar nach dem Kriegsende von außen mittels ihrer marxistisch-leninistischen Herrschaftsideologie. Diesen Prozess beschleunigte einerseits die sowjetische Besatzungsmacht, indem sie in ihrer Einflusszone die sozialistische Einheitspartei einseitig bevorzugte. Andererseits unterstützte auch die kommunistische Partei im benachbarten tschechoslowakischen Staat die Einbindung der Sorben in das totalitäre Machtgefüge. Das Bestreben führender Vertreter der sorbischen Bewegung, in den Nachkriegsjahren eine nationale Fraktion innerhalb der kommunistischen Partei zu bilden, wurde vom Parteivorstand in einer entscheidenden Sitzung in der Hauptstadt entschieden zurückgewiesen. Die Führung lehnte die Bildung einer sorbischen Sektion ab, da eine solche Regelung im Widerspruch zur Politik der Zusammenfassung aller fortschrittlichen Kräfte stand.
Die Entstehung einer neuen systemtreuen Elite
Aus diesem Grund gelang es der neuen nationalen Führungsschicht nicht, ein eigenständiges soziales Milieu aufzubauen, das durch eine nationale sorbische Komponente geprägt gewesen wäre. Diese Gruppe der sozialen Aufsteiger setzte sich aus Funktionären sorbischer Verbände, Angestellten kultureller Institutionen, neuen Lehrkräften und staatsnahen Künstlern zusammen. Sie sollte das gesellschaftliche Leben in der Lausitz bis zum Ende des Regimes prägen und erwies sich im Nachhinein als der eigentliche Träger des kommunistischen Systems. Diese Personen hatten außerhalb der Familie Institutionen der Sozialisation durchlaufen, die ihnen ein bestimmtes Maß an Loyalität gegenüber dem Gesellschaftssystem vermittelten. Der Einzelne musste seine ideologische Überzeugung in der Regel nicht aktiv unter Beweis stellen, sondern es reichte aus, dem Diktator nicht zu widersprechen.
Rituale der Anpassung und innere Zerrissenheit
Die Teilnahme an offiziellen Ritualen diente dazu, diese Loyalität immer wieder neu zu bekräftigen und die neu geschaffene kollektive Identität performativ zu wahren. Im sorbischen Bereich geschah dies durch aktive Teilnahme an Massenaufmärschen, Verbandstagungen und Festivals der sorbischen Kultur. Ebenso gehörten die Unterzeichnung von Ergebenheitsadressen an die Parteiführung und die öffentliche Distanzierung von Feinden der bestehenden Ordnung dazu. Dennoch war die innere Zerrissenheit bei etlichen dieser sogenannten sozialistischen Sorben deutlich spürbar. Ein Redakteur einer sorbischen Tageszeitung teilte zwar die Ansicht der Sicherheitsorgane bezüglich des negativen Einflusses des katholischen Klerus, wollte aber gleichzeitig nicht vollständig mit der Kirche brechen.
Der Konflikt zwischen Glaube und Systemtreue
Dieser Redakteur blieb Sorbe und Katholik, auch wenn er nicht streng gläubig war, da ein formaler Austritt aus der Kirche ihn bei der katholisch-sorbischen Verwandtschaft isoliert und seine Arbeit erschwert hätte. In den späteren Jahrzehnten vollzogen einige dieser neuen, sozialistischen Sorben, die in der Hochzeit des Stalinismus den Aufbau des Sozialismus als ihr Lebensziel erkoren hatten, eine öffentlich demonstrierte Rückwendung zu kirchlich bestimmten Elementen der Alltagspraxis. Ein Funktionär des sorbischen Dachverbandes ließ seinen verstorbenen Sohn beispielsweise kirchlich beerdigen, was in den internen Berichten der Sicherheitsorgane als Freisprechung von der kommunistischen Ideologie gewertet wurde. Auch ein bekannter sorbischer Künstler plante eine große katholische Hochzeit für seinen Sohn, die von einem Pfarrer als Höhepunkt im katholisch-sorbischen Leben bezeichnet wurde. Solche Handlungen zeigten, dass die ideologische Durchdringung nicht vollständig gelungen war.
Die zunehmende Überwachung kirchlicher Aktivitäten
Gegen Ende des Regimes registrierten die inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit im sorbischen Gebiet eine Zunahme kirchlicher Aktivitäten. Sie warnten eindringlich vor einer angeblichen Unterwanderung des sorbischen Dachverbandes, besonders durch katholische Gläubige. Ein Mitarbeiter des Verbandes, der selbst als inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig war, berichtete über eine Zusammenkunft einer christlichen Friedensorganisation in einem evangelischen Gemeindehaus. Er zeigte sich irritiert, dass auch bekannte Parteimitglieder und Wissenschaftler an dieser Veranstaltung teilnahmen, was er als Anzeichen einer wachsenden kirchlichen Anziehungskraft deutete. Als ein angesehener Parteiveteran und Nationalpreisträger später in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte, erklärte die Verbandsführung, dass dieser Person kein Dienst mehr erwiesen und keine Unterstützung mehr gewährt werden würde.
Der Nachwuchsmangel und die Kaderplanung
Der Schwund der Anhängerschaft des totalitären Regimes in der Aufbaugeneration konnte nicht mehr durch die nachfolgende, im Realsozialismus aufgewachsene Generation kompensiert werden. Zwar versuchte die zuständige Abteilung im Ministerium des Innern in Zusammenarbeit mit dem sorbischen Dachverband und den kulturellen Institutionen mittels Kaderplanung dem Nachwuchsmangel zu begegnen. Doch ließen sich zuverlässige Kandidaten nur noch aus den Reihen der Funktionäre, der Angestellten in den sorbischen Institutionen und aus der national entwurzelten Niederlausitz gewinnen. Als entscheidendes Auswahlkriterium erwies sich eine manifeste Systemloyalität, die anhand eines regimenahen Elternhauses, einer frühen Parteimitgliedschaft oder eines Auslandsstudiums im östlichen Ausland nachgewiesen werden konnte. Die neuen, reproduzierten sorbischen Funktionäre waren willens, das sorbische Leben gemäß den Vorgaben der Nationalitätenpolitik weiter zu gestalten und in den Dienst der Partei zu stellen.
Die Diskrepanz zwischen Inszenierung und Lebenswirklichkeit
Dabei ignorierten sie, dass die real existenten Sorben nicht Teil ihres Wirklichkeitskonstruktes waren, sondern allenfalls Systemloyalität vorspielten und sich ansonsten in Politikdistanz übten. Die Studentenschaft war gegen Ende des Regimes als soziale Gruppe unter den Sorben am weitesten von jeglicher echter oder gespielter Systemaffirmation entfernt. Sie entwickelte sich zu einer sorbisch-katholischen Intelligenz, die von den Sicherheitsorganen als potenzielle Gefahr für die etablierte Macht- und Funktionselite betrachtet wurde. Da vieles in der Gesellschaft doppelt besetzt war, existierte auch die konstruierte Kategorie der sorbischen Minderheit außerhalb des realen Sorbentums als permanente öffentliche Inszenierung. Ähnlich der Arbeiterklasse außerhalb der realen Arbeiterschaft lag deren Bedeutung darin, dass sie den Machtanspruch der Partei scheinbar legitimierte und für deren gesamte Gesellschaftspolitik maßgebend blieb.
Die Mythen um die finanzielle Förderung
Die Kosten dieser Inszenierung waren im Gegensatz zu deren propagandistischem Nutzen minimal und beliefen sich in der Hochzeit der Förderung des sorbischen Kulturlebens auf eine Summe, die den Ausgaben für zoologische und botanische Gärten im Staatshaushalt entsprach. In der Öffentlichkeit wurde hingegen eine Subventionssumme kolportiert, die in starkem Maße von der Realität abwich und in westlichen Darstellungen mit einer enormen Geldmenge beziffert wurde. Die von Partei und Staat aufgebauschte Unterstützung der Institutionen suggerierte das Bild einer gehätschelten Minderheit, die vermeintlich erst im Sozialismus ihre Daseinsverwirklichung gefunden habe. Diese Darstellung wurde auch nach dem gesellschaftlichen Umbruch weiter tradiert und ist bis heute fest in der Vorstellungswelt der Zeitgenossen verankert. Manche betonten die angeblich wohlwollende Behandlung der slawischen Minderheit, während andere anmerkten, dass die Sorben stets als Vorzeigeminderheit missbraucht worden seien.
Die kirchliche Kritik am Sonderstatus
Die Sentenz vom Sonderstatus der Sorben, welche von Partei und Staat zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik erfolgreich in das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein implementiert wurde, fand sogar in der staatsfernen katholischen Kirchenführung ihre Reproduzenten. Die Bischöfe und Bischöflichen Kommissare erhoben Einspruch gegen das neue Schulgesetz, weil die Kinder durch den weltanschaulichen Gehalt der sozialistischen Staatsschule in Gegensatz zur Erziehung im elterlichen Hause gebracht würden. Zugleich appellierten sie an die Traditionen des deutschen Humanismus, zu denen Toleranz vor der Gesinnung und den Gefühlen anderer gehörte. Missverständlich schrieben sie weiter, dass in einer solchen Toleranz das Eigenrecht der völkischen Minderheit der Sorben im Schulgesetz in vollem Umfang garantiert sei. Sie fragten, warum Millionen von Christen diese Toleranz versagt werde, die man berechtigterweise den eine sehr geringe Minderheit bildenden Sorben gewähre.
Die pragmatische Mitgliedschaft in den Massenorganisationen
Die Rede vom Sorbenbonus erwies sich als ein gelungenes Propagandakonstrukt der Partei- und Staatsführung, das sich mit der Lebenswelt vieler Menschen überschnitt. Allerdings entsprach die Wahrnehmung der sorbischen Minderheit durch die Institutionen in der ostdeutschen Gesellschaft nicht der Lebenswirklichkeit der Sorben als Volk. Die Sorben selbst waren in ihrer überwiegenden Mehrheit Christen und demzufolge allen Benachteiligungen als Gläubige unterworfen. Im Gegensatz zu den Christen deutscher Nationalität war es ihnen jedoch nicht möglich, weltanschauliche Impulse in ihrer Muttersprache aus den freiheitlich-demokratischen gesellschaftlichen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland zu empfangen. Wer diesen Staat verließ, den exkludierte die offizielle Repräsentanz der sorbischen Minderheit aus dem kulturellen Leben der Sorben.
Das Missverhältnis zwischen Führung und Basis
Verantwortlich für die Inszenierung des Sorbenbildes zeichneten seit der Reorganisation des Dachverbandes im Sinne der Partei in erster Linie die Kader dieser Organisation. In den Leitungsgremien, beginnend mit den Kreisvorständen, waren seit der frühen Phase des Staates überproportional viele Parteimitglieder vertreten. Unter den gewöhnlichen Mitgliedern in den Kreisverbänden dürfte der Anteil von Parteimitgliedern kaum die Marke von fünf Prozent überschritten haben. Das Missverhältnis zwischen kommunistischer Führung und apolitischer Basis drückte sich extrem in den nationalen Hochburgen aus, wo in einem Kreisverband mit einer sehr großen Anzahl an Mitgliedern, die nahezu ausschließlich katholische Gläubige waren, lediglich eine geringe Anzahl an Genossen existierte. Im aus einigen Dutzend Personen bestehenden Kreisvorstand dagegen waren zwölf Parteimitglieder und von sieben Mitgliedern des Kreissekretariats gehörten fünf dieser Partei an.
Die Motive der einfachen Mitglieder
Ähnlich wie bei allen Massenorganisationen des Staates begründeten auch die Mitglieder des sorbischen Dachverbandes ihre Zugehörigkeit zur Organisation pragmatisch. Zum einen nahmen sie immaterielle und materielle Leistungen in Anspruch, zum anderen konnten sie ein gesellschaftliches Engagement bekunden. Dieses Engagement schützte vor politisch-ideologischen Zudringlichkeiten und minimierte berufliche Behinderungen. Hinzu kam, dass sie sich in der Tradition des demokratischen Verbandes wähnten, der bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gegründet worden war. Ein systemtreuer Informant lieferte eine anschauliche Charakteristik des gesellschaftlichen Handelns eines gewöhnlichen Mitglieds, indem er über einen Redaktionskollegen berichtete, der sich gesellschaftlich nicht betätigte, außer seiner Mitgliedschaft in einem Chor und in der Ortsgruppe des Verbandes.
Die geheimdienstliche Überwachung und Normverletzungen
Registrierten die offiziellen oder inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Normverletzungen im öffentlichen Raum, ergriffen die zuständigen hauptamtlichen Mitarbeiter die Initiative. Sie widmeten sich den inkriminierten Personen mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Instrumentarium geheimdienstlicher Mittel. Dies geschah in der Regel konspirativ, sodass die Betroffenen von den operativen Maßnahmen keine Kenntnis erlangten. Ohne Bedenken durften die Mitarbeiter der Staatssicherheit in die Privatsphäre anderer Personen eindringen, da die Tätigkeit der Sicherheitsorgane unabdingbar für die Aufrechterhaltung der kommunistischen Ordnungswelt war. In dieser wurde dem einzelnen Individuum kein kategorischer Eigenwert zugesprochen, sondern die Partei hatte ein unbeschränktes Zugangsrecht gegenüber der Sphäre des Privaten und des Individuellen.
Das mehrstufige System der Vorgangsbearbeitung
Seitens des Ministeriums für Staatssicherheit erfolgte die Bearbeitung feindlich-negativer Personen in einem mehrstufigen System unter der Bezeichnung Vorgang. Die Vorgangsbearbeitung war für die Staatssicherheit die unmittelbarste Form der Arbeit am Feind. Die Dienststellen wurden angewiesen, alle Unterlagen über Personen, die im Zusammenhang mit einer feindlichen Tätigkeit registriert waren, zu überprüfen und das gesammelte Material in Einzel- oder Gruppenvorgängen zusammenzufassen. Im Rahmen des politisch-operativen Zusammenwirkens hatte die Staatssicherheit unbegrenzt Zugriff auf alle Akten der Parteien und Massenorganisationen, der staatlichen Behörden und der Volkspolizei. Bei all diesen Stellen war das dort lagernde Material einzusehen, wenn notwendig, wegzunehmen oder zu fotokopieren.
Die Eskalation der operativen Maßnahmen
Mit der Einführung des Überprüfungsvorganges wurde als anfängliche Stufe der operativen Bearbeitung eine Akte über eine Person oder eine Gruppe von Personen angelegt, die im Verdacht der Ausübung einer feindlichen Tätigkeit standen. Bestätigte sich der Verdacht auf Feindtätigkeit, wurde in einer folgenden Stufe ein Operativer Vorgang angelegt, der unter einem Decknamen geführt wurde. Der Abschluss eines Einzelvorganges erfolgte bei Verhaftung der bearbeiteten Person und die Einstellung bei Nichtbestätigung des Materials. Die Verhaftung eines Betroffenen erfolgte in der Regel völlig unerwartet, wobei der in Haft Genommene über die Gründe im Unklaren gelassen wurde. Verhaftungssituationen waren so zu gestalten, dass der Betroffene davon ausgehen musste, durch eigenes Verschulden in diese Lage gekommen oder durch eine bestimmte Person verraten worden zu sein.
Die Verschärfung der Überwachungsmethoden
Nach Verhaftung der feindlich-negativen Person durch die hauptamtlichen Mitarbeiter wurde in einer weiteren Stufe ein Untersuchungsvorgang angelegt, in welchem man alle Unterlagen bis zur Urteilsverkündung durch die Gerichte erfasste. Damit keine geheimdienstlichen Informationen nach außen gelangten, wurde festgelegt, dass nur diejenigen Dokumente an die Justiz zu übergeben seien, die nach der Strafprozessordnung notwendig waren. Später wurde für die Erfassung des Materials über jede Sache der Überprüfung des primären Materials bei Verdacht von Feindtätigkeit eine Akte Vorlauf-Operativ angelegt. Im Zuge von Bemühungen um eine Verwissenschaftlichung der operativen Tätigkeit kam es zur Einführung einer neuen Vorgangsart, der Operativen Personenkontrolle. Die Einführung dieser Kontrolle war Ausdruck des expandierenden Überwachungssystems, von dem nunmehr auch Personen vorbeugend erfasst wurden, die früher nicht systematisch überwacht worden waren.
Die Methoden der Zersetzung
Die Operative Personenkontrolle hatte insgesamt dazu beizutragen, feindlich-negative Handlungen rechtzeitig zu erkennen und wirksam zu unterbinden. Hierbei spielte der Begriff der Zersetzung eine zentrale Rolle, der sich in der Deutschen Demokratischen Republik nicht mehr gegen Institutionen, sondern gegen einzelne Personen und Gruppen richtete. Die Leiter der operativen Diensteinheiten hatten zu gewährleisten, dass bei politisch-operativer Notwendigkeit Zersetzungsmaßnahmen als unmittelbarer Bestandteil der offensiven Bearbeitung angewendet würden. Dazu gehörten die systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, die Organisierung beruflicher und gesellschaftlicher Misserfolge sowie die zielstrebige Untergrabung von Überzeugungen der Person. Ebenso wurden Misstrauen und gegenseitige Verdächtigungen innerhalb von Personengruppen erzeugt oder bestehende Rivalitäten durch zielgerichtete Inanspruchnahme persönlicher Schwächen verstärkt.
Die praktische Umsetzung der Zersetzungsmaßnahmen
Bei der Durchführung der aufgeführten Zersetzungsmaßnahmen sollten vorrangig zuverlässige, für die Lösung dieser Aufgaben geeignete inoffizielle Mitarbeiter eingesetzt werden. Für die hauptamtlichen operativen Mitarbeiter wurden als Handlungsanleitung bewährte Mittel und Methoden der Zersetzung angeführt. Diese sollten entsprechend den konkreten Bedingungen des jeweiligen Vorganges schöpferisch und differenziert angewendet, ausgebaut und weiterentwickelt werden. Mittel und Methoden, die breite Anwendung fanden, waren die Heranführung von inoffiziellen Mitarbeitern, die als Vertrauenspersonen legendiert waren. Ebenso wurden anonyme oder pseudonyme Briefe, Telegramme, Telefonanrufe und kompromittierende Fotos verwendet, um Gerüchte über bestimmte Personen einer Gruppe zu verbreiten oder eine Dekonspiration von Abwehrmaßnahmen vorzutäuschen.
Die Archivierung operativer Unterlagen
Über den gesamten Zeitraum von vier Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft lässt sich das Ausmaß der Aktivitäten des Ministeriums für Staatssicherheit und des Arbeitsgebietes der Kriminalpolizei im sorbischen Bereich nach den Kriterien Sozialgruppe und Devianzform zusammenfassen. In die Betrachtung wurden diejenigen Personen aufgenommen, die von operativen Vorgangsarten betroffen waren und in deren Akten Einblick genommen werden konnte. Nicht berücksichtigt wurden hingegen Personen, über die lediglich Ermittlungsberichte vorlagen oder über die Akten aus einem Sicherungsvorgang in die Allgemeine Personenablage gelangten. Die Diensteinheiten bewahrten diese als operativ-bedeutsam angesehenen Unterlagen zumeist in der Zentralen Materialablage auf. Damit standen sie bei sogenannten Speicherüberprüfungen von Personen in kurzer Zeit zur Verfügung und konnten als Ausgangsmaterial für operative Vorgangsarten dienen.










