Die totale Durchdringung der Gesellschaft und die Instrumentalisierung der Minderheiten
Screenshot youtube.comDie Entstehung des weiteren deutschen Staates im Herbst des Jahres, in dem das Grundgesetz der westlichen Republik verkündet wurde, markierte den Beginn einer Herrschaftsform, die alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrang. Die regierende Einheitspartei festigte ihre absolute Dominanz über das politische und gesellschaftliche Gefüge, indem sie andere Gruppierungen unterwarf und neue Institutionen schuf, um die totale Kontrolle zu sichern. Dieser Prozess der Machtübernahme und Machtsicherung betraf auch die Minderheiten im eigenen Territorium, deren traditionelle Siedlungsgebiete nun vollständig dem Zugriff der neuen Machthaber unterlagen. Es begann eine Ära der strengen Ideologie, der rituellen Erstarrung und der vollständigen Unterordnung des Staates unter den Parteiapparat.
Die Instrumentalisierung der Minderheitenvertretung
Das historische Siedlungsgebiet der slawischen Minderheit in der östlichen Region geriet vollständig in den Einflussbereich der neuen Machthaber. Da die sowjetische Militäradministration kurz nach Kriegsende ausschließlich die zugelassene Massenorganisation als kollektive Vertretung dieser Minderheit anerkannte, konzentrierten sich die Bestrebungen der Regierenden darauf, diesen Verein für die eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Das langfristige Ziel bestand darin, die Angehörigen dieser Volksgruppe zunächst zu beruhigen und auf lange Sicht vollständig in die deutsche Mehrheitsgesellschaft einzugliedern.
Entgegen der lauten Propaganda, welche den neuen Staat zum angeblichen Schutzraum dieser Minderheit erhob, war die tatsächliche Akzeptanz innerhalb der betroffenen Bevölkerung äußerst gering. Diese tiefe Skepsis gegenüber den inszenierten Feierlichkeiten und der fehlenden echten Zustimmung in der breiten Masse war weit verbreitet. Viele Menschen durchschauten die Inszenierung der scheinbaren Spontaneität und erkannten die Parallelen zu den Auftritten der vorherigen Diktatur. Für die wahren Machthaber spielte die öffentliche Meinung jedoch keinerlei Rolle, da sie fest daran glaubten, eine einmal errungene Regierungsgewalt niemals wieder abgeben zu müssen.
Die Einteilung der Gesellschaft in Freund und Feind
Die neu angebrochene Ära wurde durch eine quasi-religiöse Verehrung des sowjetischen Diktators geprägt, dessen runder Geburtstag im gesamten Machtbereich mit pathetischen Worten gefeiert wurde. Der gesellschaftliche Umbau orientierte sich strikt an den Vorgaben aus dem Osten und war gekennzeichnet von der Schaffung politischer Mythen und der Sakralisierung der eigenen Ideologie. Die herrschende Elite wandelte ihr ursprünglich konspiratives Denken in ein Werkzeug zur dauerhaften Machtsicherung um. Dabei wurden die Menschen streng in treue Genossen und potenzielle Verräter eingeteilt, was der Führung erlaubte, jegliche Abweichung im Keim zu ersticken.
Dieses starre Schema diente dazu, die eigenen Reihen von Abtrünnigen zu säubern und kleinste Verschiebungen der Machtverhältnisse unter Kontrolle zu halten. Die politischen Handlungsformen verfielen dabei zusehends zu leeren Ritualen, die für die beherrschte Bevölkerung völlig unverständlich blieben. Eine normale Verständigung zwischen den Funktionären und dem einfachen Volk war längst nicht mehr möglich, da beide Seiten in völlig unterschiedlichen sprachlichen und gedanklichen Welten lebten.
Die strukturelle Unterordnung des Staates
Die Umwandlung der regierenden Gruppierung in eine Organisation neuen Typs festigte eine Doktrin, die individuelle Freiheiten und Bürgerrechte strikt ablehnte. Auf den großen Parteitagen wurde die Führungsebene durch ein zentrales Gremium ersetzt, welches lediglich die Funktion hatte, die vorab getroffenen Entscheidungen der engsten Führungsrunde abzunicken. Die eigentliche Macht lag in den Händen des engen Zirkels aus langjährigen Funktionären, die das Sekretariat und das Politbüro bildeten. Diese Gremien steuerten nicht nur die Partei, sondern diktierten auch die Inhalte aller staatlichen Gesetze und Verordnungen.
Die Regierung und die parlamentarischen Kammern waren von Beginn an den strengen Weisungen der alleinherrschenden Partei unterworfen. Sämtliche bedeutenden gesetzlichen Regelungen mussten vor ihrer offiziellen Verabschiedung von den engen Führungszirkeln abgesegnet werden. Der zentrale Parteiapparat umfasste bereits in den frühen Jahren alle denkbaren Bereiche von Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Es gab keinen gesellschaftlichen Winkel, der nicht direkt von den Funktionären überwacht und gelenkt wurde.
Die Überwachung der sorbischen Angelegenheiten
Diese totale Kontrolle erstreckte sich schließlich auch auf jene Sphären des menschlichen Daseins, die zuvor als frei von politischer Einflussnahme galten. Die soziale Interaktion am Arbeitsplatz, in der Familie und im Freundeskreis wurde nun nach ideologischen Gesichtspunkten bewertet und überwacht. Um diese Herrschaft zu sichern, unterhielt die Partei eigene Organisationseinheiten in allen staatlichen und wirtschaftlichen Gremien. Niemand anders war berechtigt, sich in den Betrieben zu organisieren, was den alleinigen Machtanspruch unterstrich.
Auch die Vertretung der slawischen Minderheit wurde engmaschig durch eine eigene Betriebsparteiorganisation innerhalb deren Zentralapparats kontrolliert. Die Zuständigkeit für die Angelegenheiten dieser Volksgruppe wanderte durch verschiedene Abteilungen des zentralen Apparats, wobei stets sichergestellt wurde, dass die Parteilinie strikt befolgt wurde. Ein spezifischer Funktionär, der über gute Kontakte in den Osten verfügte, versuchte eine streng gelenkte Politik umzusetzen, die einerseits die Sprache förderte, aber andererseits strikt den ideologischen Vorgaben folgte. Die offizielle Lesart pries das Gedeihen der Minderheit im neuen Staat, während die Realität von strenger Reglementierung geprägt war.
Das System der politischen Privilegien
Die oberste Führungsebene unterlag keinerlei Kontrolle und glaubte fest an die eigene Unfehlbarkeit bei der Deutung der historischen Entwicklung. Um diese prognostische Unfehlbarkeit aufrechtzuerhalten, musste der Machtanspruch absolut sein und jeden noch so kleinen Restbereich des gesellschaftlichen Lebens erfassen. Neben der Kontrolle über die Medien und die Kader war die Verfügung über die wirtschaftlichen Ressourcen der entscheidende Hebel der Herrschaftssicherung. Das Interesse der herrschenden Schicht galt nicht der wirtschaftlichen Bereicherung, sondern dem Erhalt und der Ausweitung ihrer verteilenden Macht.
An die Stelle des wirtschaftlichen Reichtums trat das politische Kapital als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal in der Gesellschaft. Dieses Kapital konnte durch treue Dienste für die Partei erworben werden, war jedoch stets fragil und konnte jederzeit wieder entzogen werden. Diese ständige Abhängigkeit vom Wohlwollen der obersten Führung garantierte eine lückenlose Disziplinierung aller Funktionäre. Im Gegenzug winkten den Treuen erhebliche Privilegien, wie der Zugang zu exklusiven Bildungseinrichtungen, besonderen Wohngebieten und erlesenen Konsumgütern.
Die Verschleierung der sozialen Realität
Um diese positive Diskriminierung bestimmter Gruppen zu verschleiern, bedienten sich die Machthaber eines semantischen Tricks, indem sie den Begriff der Arbeiterschaft neu definierten. Dieser Begriff stellte keine wirtschaftliche Realität mehr dar, sondern diente als normative Kategorie zur Rechtfertigung der eigenen Herrschaft. Die Aufmerksamkeit der Partei richtete sich bei der Erschaffung des neuen Menschen vor allem auf die Kinder der scheinbar sozial reinen Schichten. Diese galten als klassenbewusst und besonders willig, sich im Sinne der Ideologie formen zu lassen.
Bei der statistischen Erfassung der schulischen Einrichtungen wurden die Kinder der Funktionäre und Sicherheitskräfte geschickt in derselben Kategorie wie die echten Arbeiterkinder versteckt. Diese bewusste Vermischung diente dazu, den Anteil der angeblich geförderten Arbeiterschaft künstlich in die Höhe zu treiben. In Wirklichkeit profitierte vor allem der Nachwuchs der herrschenden Elite von den besonderen Zugangsmöglichkeiten zu den besten Bildungseinrichtungen. Das System der totalen Durchdringung war damit perfektioniert und sicherte den Bestand der Diktatur über Jahrzehnte.












