John Adams und die Bürde der frühen amerikanischen Republik

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Die Übernahme der höchsten Staatsmacht nach der Ära George Washingtons stellte eine gewaltige Herausforderung für jeden Nachfolger dar. In den jungen Jahren der amerikanischen Republik prallten unterschiedliche gesellschaftliche Entwürfe und politische Visionen hart aufeinander. Der Übergang von einer von einer überragenden Persönlichkeit geprägten Führung zu einer institutionalisierten Regierung testete die Widerstandskraft der neuen Verfassung. In dieser Phase der Unsicherheit musste sich der zweite Präsident der Vereinigten Staaten behaupten, dessen eigene Persönlichkeit und politische Überzeugungen tiefgreifende Spuren hinterließen.

Die Zerreißprobe der Nachfolge

Die Nachfolge Washingtons anzutreten, war schwer genug. Für John Adams wurde es aber besonders schwer, nicht allein, weil er mit seiner kleinen, rundlichen Gestalt viel weniger präsidentenhaft erschien als der stattliche General. Vielmehr wirkte der puritanische Neuengländer von seiner ganzen Art her polarisierend. Er bildete intellektuell geradezu den Gegenpol zu dem von der Revolution bestärkten Drang der Amerikaner nach mehr Gleichheit und Demokratie. Dabei steht außer Frage, dass Adams zu den begabtesten und moralisch integersten Männern der Gründergeneration gehörte.

Der Theoretiker der politischen Wissenschaft

Anders als der Praktiker Washington war er ein Theoretiker der Politik, der die großen Autoren von Aristoteles bis Montesquieu studiert hatte. Er konnte staatsrechtliche Abhandlungen auf hohem Niveau verfassen. Er glaubte, das Geheimnis der politischen Wissenschaft, das er mit dem Begriff Gleichgewicht umschrieb, entschlüsselt zu haben. Diese Einsicht wollte er zum Nutzen der Union anwenden. Demokratie war für ihn nur eine von mehreren Größen in der politischen Gleichung.

Die Notwendigkeit einer natürlichen Aristokratie

Die Demokratie musste gerade auch im republikanischen Staat durch das aristokratische und das monarchische Element in Form von Senat und Präsidentschaft ausbalanciert werden. Zweifellos dachten viele gebildete und begüterte Amerikaner ähnlich, wenn auch nicht so systematisch wie Adams. Sie hielten sich in der Öffentlichkeit aber meist zurück. Sie überließen ihm die undankbare Aufgabe, einer zunehmend antielitären Bevölkerung die Notwendigkeit einer natürlichen Aristokratie zu predigen. Als Präsident agierte Adams gar nicht einmal erfolglos.

Ein Amt als ständige Krise

Das historische Urteil über ihn wird zwangsläufig durch diese Diskrepanz zwischen seinem Weltbild und dem generellen Meinungsklima seiner Zeit mitbestimmt. Für John Adams hätte die Präsidentschaft die Krönung einer glanzvollen Laufbahn als Jurist, Politiker und Diplomat sein können. Stattdessen erschienen ihm die vier Jahre im höchsten Amt aus der Rückschau manchmal wie ein Alptraum. Er fürchtete, als Versager abgestempelt zu werden. Unter seiner Führung geriet das Land in eine außenpolitische Dauerkrise.

Der innere Parteienstreit

Im Innern nahm der Parteienstreit geradezu paranoide und hysterische Formen an. Am Ende verweigerten die Wähler ihm das Vertrauen. Trotz allem blieb Adams überzeugt, in den entscheidenden Punkten richtig gehandelt und ein notwendiges Opfer für das öffentliche Wohl gebracht zu haben. Unbändiger Ehrgeiz und selbstlose Opferbereitschaft waren zwei Seiten ein und derselben außerordentlich komplexen Persönlichkeit. Diese Widersprüche treten uns aus den Briefen und Tagebüchern entgegen.

Die puritanische Rigorosität

In diesen Dokumenten vertraute Adams mit puritanischer Strenge seine Gedanken, Wünsche, Ängste und Selbstzweifel an. Am 30. Oktober 1735 wurde er als Sohn eines Farmers und angesehenen Bürgers in Braintree in Massachusetts geboren. Er wuchs in einem ländlichen, aber sehr bildungsbeflissenen Milieu auf. Nach dem Studium in Harvard schlug er die juristische Laufbahn ein. Er brachte es zu einem der angesehensten Anwälte Bostons.

Die Heirat und der Weg in die Politik

Im Jahr 1764 heiratete er Abigail Smith, eine selbstbewusste Pfarrerstochter, die ihm intellektuell durchaus gewachsen war. Auf seine Karriere bedacht, beteiligte er sich zunächst eher zurückhaltend an der Protestbewegung gegen England. Im Jahr 1770 verteidigte er sogar mit Erfolg die britischen Soldaten, die beschuldigt wurden, in Boston ein Massaker unter der Zivilbevölkerung angerichtet zu haben. Gewalttätige Demonstrationen waren ihm zumindest ebenso zuwider wie die aus seiner Sicht unhaltbaren Rechtsansprüche des englischen Parlaments. Unter dem Einfluss seines Cousins Samuel Adams schloss er sich dem radikalen Flügel der Patrioten an.

Der Bewunderer der englischen Verfassung

Er blieb aber stets ein Bewunderer der alten englischen Verfassung, wie sie von der Whig-Opposition in England selbst hochgehalten wurde. Als Delegierter auf den Kontinentalkongressen arbeitete er energisch auf die Unabhängigkeit hin. Im Konföderationskongress gehörte er allen wichtigen Ausschüssen an. Im Jahr 1778 ging er erstmals zusammen mit seinem Sohn John Quincy auf diplomatische Mission nach Europa. Dort stand er allerdings im Schatten von Benjamin Franklin.

Die Verfassung von Massachusetts

Nach der Rückkehr im Jahr 1779 entwarf er eine neue Verfassung für den Staat Massachusetts. Diese verwirklichte in ihren Grundzügen sein Ideal der gemischten und begrenzten Regierungsform durch eine starke Exekutive, ein Zweikammersystem und eine unabhängige Justiz. Bekannt wurde sein Ausspruch, dass es darum gehe, eine Regierung der Gesetze und nicht der Männer zu schaffen. Adams war einer der drei amerikanischen Delegierten, die in Paris den Frieden mit England aushandelten. Im Jahr 1785 wurde er zum ersten Gesandten der Vereinigten Staaten in London ernannt.

Die gelehrte Abhandlung und die Kritik

Hier verfasste er auch eine gelehrte Abhandlung über konstitutionelle Fragen, die einige der amerikanischen Staatenverfassungen als unausgewogen und zu demokratisch kritisierte. Ihr Einfluss auf die Verfassungsdebatte der Jahre 1787 und 1788 war nicht sehr groß. Sie trug ihrem Autor in der Heimat jedoch heftige Schelte von radikalen Republikanern ein. Interessanterweise stimmte Adams privat mit diesen Antiföderalisten darin überein, dass die neue Bundesverfassung die Gewaltentrennung vernachlässige. Dies betraf insbesondere die Trennung zwischen Präsident und Senat.

Das reizbare Temperament

Seine Eigenwilligkeit und sein reizbares Temperament brachten Adams immer wieder in Schwierigkeiten. Sie machten aber auch gerade den Reiz seines Charakters aus. Dem aufgeklärten Skeptizismus in religiösen Dingen entsprach im politischen Leben ein geradezu masochistisches Misstrauen. Er hatte das beständige Gefühl, verletzt und ungerecht behandelt zu werden. Dabei hungerte er nach öffentlicher Anerkennung und Ruhm wie seine calvinistischen Vorfahren nach Erlösung.

Ein Bündel von Widersprüchen

Schon die Zeitgenossen erlebten Adams als ein Bündel von Widersprüchen. Er war ein Mensch, der gleichzeitig überheblich und selbstzweiflerisch, nachtragend und großzügig sein konnte. Trotz vieler pessimistischer Anwandlungen bewahrte er sich einen tiefgründigen Sinn für Humor. Im Jahr 1788 kehrte Adams nach Massachusetts zurück, wo sein Name umgehend für die Präsidentschaft ins Gespräch gebracht wurde. Er selbst rechnete sich gegen Washington wenig Chancen aus.

Das Amt des Vizepräsidenten

Es bereitete ihm keine übermäßige Enttäuschung, als er mit dem Amt des Vizepräsidenten vorliebnehmen musste. In dieser Funktion hatte er wenig politischen Einfluss, da Washington ihn selten zu Rate zog. Als Präsident des Senats konnte er aber bei Stimmengleichheit den Ausschlag geben. Das tat er in einer ganzen Reihe von Fällen, und zwar stets im Sinne einer Stärkung der Bundesregierung und der Exekutive. Außerdem assistierte er dem Präsidenten bei protokollarischen Anlässen.

Der Spott über die Kleidung

Dort erregte er vor allem durch seine Kleidung Aufsehen, denn er trug Perücke, umgürtetes Schwert, Kniehosen und Seidenstrümpfe. Als er in der Senatsdebatte dafür plädierte, den Präsidenten mit dem Titel seiner Hoheit anzureden, fühlten sich seine Kritiker in ihrem Verdacht bestärkt. Man warf ihm vor, durch die langen Aufenthalte an europäischen Höfen korrumpiert worden zu sein. Thomas Jefferson drückte es so aus, dass Adams zum Aberglauben an Erbmonarchie und Aristokratie bekehrt worden sei. Adams selbst verstand sich als Republikaner.

Die Vision der monarchischen Republik

Er machte aber keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten auf längere Sicht eine monarchische Republik wie England werden würden. Geringen Respekt vor der öffentlichen Meinung bewies er auch mit seinen im Jahr 1791 veröffentlichten Schriften. Darin kritisierte er die Französische Revolution zu einer Zeit heftig, als sie von der Mehrheit der Amerikaner noch enthusiastisch begrüßt wurde. Die letzten Sympathien der Republikaner und Jeffersons Freundschaft hatte er sich damit verscherzt. In den Nord- und Mittelstaaten blieb er aber angesehen genug.

Die Wiederwahl und das neue Parteiensystem

Von den Wahlmännern wurde er im Jahr 1792 wiederum mit der zweitbesten Stimmenzahl im Amt bestätigt. In der Folgezeit betrachtete Adams die Vizepräsidentschaft nur noch als Warteposition für die höchste Ehre. Als Washington schon Ende 1795 andeutete, dass er nicht wieder kandidieren würde, verständigten sich die föderalistischen Kongressabgeordneten auf Adams als Nachfolger. Mit dem Wahlkampf von 1796, der bereits in 16 Staaten geführt wurde, trat die Entwicklung des amerikanischen Parteiensystems in ein neues Stadium. Inzwischen gehörten auch Kentucky, Tennessee und Vermont der Union an.

Der harte Wahlkampf

Föderalisten und Republikaner agierten als zunehmend fester gefügte Koalitionen von Interessengruppen. Sie unterschieden sich in ihrer Ideologie und Programmatik deutlich. Die Republikaner stellten Jefferson und Aaron Burr als Kandidaten auf. Sie mobilisierten erstmals im größeren Stil die einfachen Amerikaner, also die Handwerker, Farmer und Einwanderer. Ihre Presse attackierte Adams als englandhörigen Monarchisten, der die Errungenschaften der Revolution zunichtemachen wollte.

Der knappe Sieg

Unter diesen Umständen war der Ausgang ungewiss, zumal auch führende Föderalisten Zweifel an der Eignung des als eitel und leicht reizbar bekannten Adams hegten. In der Tat setzte sich Adams nur knapp gegen Jefferson durch, dem zwei zusätzliche Wahlmännerstimmen zum Sieg gereicht hätten. Dass der Hauptrivale des Präsidenten nun Vizepräsident war, zeigt an, wie wenig die Verfassungsväter mit nationalen Parteien gerechnet hatten. Jefferson nahm das Amt denn auch gar nicht wahr, sondern zog sich auf seinen Landsitz Monticello zurück. Im Jahr 1804 trug dann die Verfassungsänderung den gewandelten innenpolitischen Verhältnissen Rechnung, die den Wahlmännern die separate Stimmabgabe für Präsident und Vizepräsident vorschrieb.

Die Amtseinführung und der fatale Fehler

Bei seiner Amtseinführung am 4. März 1797 versprach Adams Kontinuität und Versöhnung. In einer Geste des Respekts gegenüber dem Vorgänger behielt er Washingtons letztes Kabinett komplett bei. Diesen Schritt bezeichnete er rückblickend als seinen größten Fehler. Zu spät fand er heraus, dass die Loyalität der meisten Minister weniger ihm als Alexander Hamilton gehörte. Hamilton versuchte von seiner New Yorker Anwaltskanzlei aus die Fäden zu ziehen.

Der unabhängige Mittler

Wie Washington sah sich Adams als allein dem Gemeinwohl verpflichteter Präsident über den Parteien und Fraktionen. Dazu hatte er eine ganz spezifische Konzeption der Präsidentschaft entwickelt, die er nun umzusetzen begann. Aus seiner Sicht musste der Präsident hauptverantwortlich für die Stabilität des gesamten Staatswesens sorgen. Er musste sich entweder gegen die zu Irrationalität neigenden Volksmassen oder gegen die auf Macht und Reichtum versessene Elite stellen. Aus dieser Vorstellung ergab sich für die Regierungspraxis eine erstaunliche Mischung von Machtentfaltung und Passivität.

Die Abwesenheit aus der Hauptstadt

Adams hatte eigentlich kein Programm, für dessen Verwirklichung er arbeiten musste. Deshalb fand er auch nichts dabei, dass er gut die Hälfte des Jahres fern der Hauptstadt Philadelphia in Massachusetts verbrachte. Andererseits konnte er durchaus schnell und energisch entscheiden, wenn er das Gleichgewicht bedroht glaubte. Adams interessierte sich nicht allzu sehr für ökonomische Dinge. Seiner Ansicht nach untergrub übertriebener Wohlstand doch nur die republikanischen Sitten.

Die Sicherung der Neutralität

In der Amtseinführungsrede bezeichnete er die Sicherung der amerikanischen Neutralität als seine Hauptaufgabe. Die Außenpolitik rückte auch sofort ins Zentrum, denn der Jay-Vertrag hatte zwar den Frieden mit England gesichert. Dafür verschlechterten sich ab Herbst 1796 die Beziehungen zu Frankreich rapide. Die Franzosen gingen nach ihrer einseitigen Kündigung der Allianz dazu über, den amerikanischen Handel in der Karibik und auf dem Atlantik massiv zu behindern. Daraus entwickelte sich ein unerklärter Seekrieg, der die Gemüter in Amerika immer mehr erregte.

Die diplomatische Mission nach Paris

Im Mai 1797 entschloss sich der Präsident gegen die Opposition extremer Föderalisten, drei Sondergesandte nach Paris zu schicken. Sie sollten im Stil der bisherigen Missionen eine Verhandlungslösung suchen. Erst sechs Monate nach ihrer Abreise traf ein Bericht der Abordnung in Philadelphia ein. Danach hatte der französische Außenminister die amerikanischen Diplomaten durch Mittelsmänner wissen lassen, dass Verhandlungen nur möglich seien. Man verlangte eine stattliche Geldsumme, einen Kredit für Frankreich und eine Entschuldigung des Präsidenten für frankreichfeindliche Äußerungen.

Der Vorfall mit den Buchstaben

Dieser Vorfall ging in die Geschichte ein, weil Adams in dem vom Kongress angeforderten Bericht die Namen der Mittelsmänner durch Buchstaben ersetzen ließ. Die Zumutungen lösten in Amerika ehrliche Empörung aus. Sie wurden von den Föderalisten und eine Zeitlang auch von Adams noch weiter hochgespielt, um die Kriegsstimmung zu schüren. Man wollte Rüstungsmaßnahmen treffen und den innenpolitischen Gegner schwächen. Im Kongress setzte die föderalistische Mehrheit den Bau von Kriegsschiffen und die Errichtung eines Marineministeriums durch.

Die Aufrüstung und die repressiven Gesetze

Zudem wurde die Aufstellung einer bis zu 50.000 Mann starken Armee einschließlich der dafür nötigen Steuererhöhungen durchgesetzt. Darüber hinaus verabschiedete der Kongress im Sommer 1798 vier Gesetze gegen Ausländer und Aufruhr. Diese erschwerten Einwanderern die Einbürgerung und die politische Betätigung, was sich vor allem gegen Franzosen und englandfeindliche Iren richtete. Zudem stellten sie öffentliche Kritik an der Regierung und dem Präsidenten unter Strafe, um die rabiate Parteipresse der Republikaner mundtot zu machen. Adams hatte diese repressiven Gesetze zwar nicht angeregt, doch er unterzeichnete und führte sie aus.

Die verzahnte Bedrohung

Er handelte sie allerdings nicht mit letzter Konsequenz und Härte aus. Äußere Bedrohung und innerer Streit waren nun ineinander verzahnt. Die Föderalisten warfen ihren Gegnern vor, mit Frankreich im Bunde zu sein. Die Republikaner, die ihre Hochburgen im Süden hatten, kündigten für den Fall eines Krieges Widerstand bis hin zur Sezession an. Je länger die Krise andauerte, desto mehr begann der Präsident allerdings daran zu zweifeln, dass er auf dem richtigen Kurs war.

Der Streit um das Armeekommando

Dazu trug eine Kontroverse über das Armeekommando bei. Diese endete damit, dass er gegen seinen Willen Hamilton als ranghöchsten Offizier unter Washington akzeptieren musste. Nun traute er Hamilton zu, ihn in ein kriegerisches Abenteuer treiben zu wollen. Hamilton wolle damit den eigenen Ehrgeiz befriedigen und Eroberungspläne in Louisiana und Florida verwirklichen. Psychisch angegriffen durch eine schwere Krankheit seiner Frau fühlte er sich immer mehr von Feinden umringt.

Die einsame Friedensentscheidung

Seine Frau Abigail fand wenig Gefallen an dem glanzvollen Elend der Präsidentschaft und blieb häufig in Massachusetts. Deshalb war er erleichtert, als ab Herbst 1798 über diplomatische und inoffizielle Kanäle französische Friedenssignale eingingen. Ohne sein Kabinett zu konsultieren, teilte er dem Kongress am 18. Februar 1799 mit, dass er beabsichtige, eine neue Verhandlungsdelegation nach Paris zu schicken. Trotz heftigster Proteste von radikalen Föderalisten hielt er an diesem Entschluss fest. Sie warfen ihm Wankelmütigkeit, Feigheit und Verrat vor, und es war sogar von geistiger Verwirrung die Rede.

Der Triumph des Friedens

Um den Widerstand föderalistischer Senatoren gegen die Friedensmission zu brechen, drohte er sogar seinen Rücktritt an. Dieser Schritt hätte ihrem Erzfeind Jefferson zur Präsidentschaft verholfen. Die Kriegshysterie flaute daraufhin rasch ab, auch wenn sich der Beginn der Verhandlungen noch monatelang hinauszögerte. Im Oktober 1800 kam es zum Abschluss eines für die USA vorteilhaften Vertrags mit dem napoleonischen Frankreich. Den Senat ratifizierte diesen Vertrag noch in der Amtszeit von Adams.

Die klassische Sichtweise und die Realität

Adams mochte es scheinen, als habe er, ganz im Sinne seiner Theorie, zunächst mit Hilfe der repressiven Gesetze eine Pöbelherrschaft verhindert. Dann habe er durch seine einsame Entscheidung im Konflikt mit Frankreich die hochmütige Geldaristokratie in die Schranken gewiesen. Diese klassische Sichtweise wurde aber den politischen und gesellschaftlichen Realitäten der Vereinigten Staaten an der Schwelle zum 19. Jahrhundert kaum noch gerecht. Adams hatte seinem Land einen Krieg erspart, aber er saß nun zwischen allen Stühlen. Die Aussicht auf Wiederwahl war praktisch zerstört.

Die Spaltung der Partei

Eine Versammlung föderalistischer Kongressabgeordneter unterstützte zwar Ende 1799 seine Bewerbung. Doch die Spaltung der Partei vertiefte sich noch, als Adams die Gefolgsleute Hamiltons aus dem Kabinett hinauswarf. Dies war ein letzter Schlag gegen den Mann, den er in einem seiner unbeherrschten Momente als prinzipienlosen Intriganten und ausländischen Bastard bezeichnet hatte. Seine Frau sah in Hamilton einen zweiten Bonaparte. Danach fühlte sich Adams frei genug, den Farmer John Fries zu begnadigen.

Der öffentliche Affront

Fries war als Anführer einer kleinen Steuerrebellion zum Tode verurteilt worden, und die Anhänger Hamiltons wollten an ihm ein Exempel statuieren. Hamilton revanchierte sich, indem er Adams im Wahlkampf öffentlich die Befähigung für das Präsidentenamt absprach. Dieser beispiellose Affront schadete ihm selbst aber mindestens so sehr wie Adams. Bei der Wahl unterlag Adams den republikanischen Kandidaten Jefferson und Burr relativ knapp. Adams respektierte den Wahlausgang und wies die Vorstellung weit von sich, man müsse die Machtübernahme der Republikaner gewaltsam verhindern.

Der Umzug in die neue Hauptstadt

Die letzten Monate als Präsident verbrachte Adams in Washington, wohin die Regierung gemäß dem Hauptstadtgesetz von 1790 im Frühjahr 1800 verlegt worden war. Dieser Umzug ließ sich leicht bewältigen, da die gesamten Unterlagen aller Ministerien in sieben großen Kisten Platz fanden. Abigail war die erste Ehefrau des Präsidenten im neuen Palais. Sie kritisierte das Gebäude als viel zu groß, schlecht möbliert, unzureichend beleuchtet und unmöglich zu heizen. Ihr Mann flehte den Segen des Himmels auf das Haus herab.

Die letzten politischen Weichenstellungen

Er betete, dass nur ehrliche und weise Männer unter diesem Dach regieren mögen. Adams sorgte aber auch noch für zukünftigen Konfliktstoff, indem er zahlreiche Richterstellen mit Föderalisten besetzte, die der ausgehende Kongress per Gesetz geschaffen hatte. Am wichtigsten war aber zweifellos die Entscheidung, seinen letzten Außenminister John Marshall zum Obersten Bundesrichter zu ernennen. Diese Entscheidung wirkte sich langfristig im Sinne einer Stärkung der Bundesregierung und der Exekutive aus. Wenige Stunden vor der Amtseinführung Jeffersons am 4. März 1801 verließ Adams die Hauptstadt.

Der Weg in den Ruhestand

Er war der erste Präsident, der abgewählt worden war, und reiste unbemerkt in Richtung Neuengland ab. Mit 65 Jahren fühlte sich der Expräsident zu alt und zu schwach, um in den Anwaltsberuf zurückzukehren oder ein neues Amt anzustreben. Er lebte aber noch 25 Jahre als erfahrener Staatsmann in Quincy bei Boston. Er hatte also viel Zeit und Muße, über seine Erfahrungen, die amerikanische Revolution und den Gang der Geschichte insgesamt nachzudenken. Literarisch-philosophische Qualität erreichten diese Reflexionen in einem intensiven Briefwechsel.

Die Versöhnung und das historische Vermächtnis

Diesen Briefwechsel begann er im Jahr 1811 mit seinem ehemaligen Antagonisten Jefferson, was ihn die Bitterkeit der Niederlage überwinden half. Nachdem er im Jahr 1824 noch die Wahl seines Sohnes zum Präsidenten erlebt hatte, starb er am 4. Juli 1826. Dieser Tag war der 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, und er starb nur wenige Stunden vor Jefferson. Dieses erstaunliche Zusammentreffen trug sehr dazu bei, den Mythos von den Gründervätern zu festigen. Heute gilt John Adams zu Recht als ein bedeutender Staatsmann, doch diese Wertung gründet sich auf die gesamte Lebensleistung und nicht auf seine Präsidentschaft.