Die Mechanismen der Finanzspekulation und die Illusion der Marktsicherheit
Screenshot youtube.comDie weltweiten Finanzmärkte haben sich über viele Jahrzehnte zu einem hochkomplexen Geflecht entwickelt, das bei oberflächlicher Betrachtung stabil und leistungsfähig erscheint. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein System, das durch ständige Schwankungen, riskante Wetten und eine immense Geldvermehrung geprägt ist. Die Akteure an diesen Märkten haben Instrumente geschaffen, die reale wirtschaftliche Werte von den eigentlichen Gütern entkoppeln und reine Spekulation ermöglichen. Diese Entwicklungen haben in der Vergangenheit zu verheerenden wirtschaftlichen Einbrüchen geführt, deren Folgen die gesamte Gesellschaft zu tragen hatte. Um die zugrundeliegenden Mechanismen dieser Krisen zu verstehen, ist es notwendig, die Funktionsweise der Forderungsweitergabe, die Messung von Marktschwankungen sowie die Versuche zur Regulierung des Eigenhandels und der Geldschöpfung detailliert zu betrachten.
Die fatalen Folgen der Forderungsweitergabe
Die Umwandlung von Forderungen in handelbare Papiere gehört zu den uralten Verfahren, die bereits in der Antike in Form einfacher Schuldscheine Anwendung fanden. Im modernen Finanzwesen bedeutet dieser Vorgang die Erstellung von Urkunden, die bestimmte Zahlungsansprüche dokumentieren. Über die Zeit wurde dieses einfache Prinzip stark verfeinert und ausgeweitet. Wenn Staaten Anleihen in gewaltigem Umfang herausgeben, werden diese Gesamtsummen durch Sammelurkunden verbrieft, wodurch kleinere handelbare Einheiten entstehen. Dasselbe Verfahren gilt für Unternehmensanteile, die in kleine Nennwerte aufgeteilt werden.
Die pure Risikoabwälzung auf ahnungslose Käufer
Für den einzelnen Anleger spielt die physische Existenz dieser Urkunden jedoch keine Rolle, da er lediglich einen digitalen Auszug über seine Anteile erhält. Die technische Abwicklung dieser gewaltigen Papiermengen übernehmen spezielle Dienstleister im Hintergrund. Im Zusammenhang mit der großen Finanzkrise des Jahres 2007 erlangte dieses Verfahren eine traurige Berühmtheit. Damals wurden vor allem Immobilienfinanzierungen in Pakete geschnürt und weiterverkauft. Unter diesen Krediten befanden sich besonders riskante Darlehen, die an völlig kreditunwürdige Personen vergeben wurden.
Die Messung der zukünftigen Marktschwankungen
Um immer neue Umsätze zu generieren, schnürten gierige Wertpapierhändler diese faulen Kredite zu großen Bündeln und statteten sie mit offiziellen Papieren aus. Diese Schuldenpakete wurden anschließend weltweit an ahnungslose Anleger verkauft. Als der Immobilienmarkt zusammenbrach, trafen die Verluste die gesamte Weltwirtschaft, da die riskanten Papiere global verteilt waren. Viele Beobachter und auch damalige Regierungsvertreter unterschätzten die gewaltige Sprengkraft dieser Forderungsverkäufe völlig und hielten die Krise zunächst für ein Problem einer Region. Das eigentliche Problem bestand jedoch in der puren Risikoabwälzung.
Der Teufelskreis der Spekulation
Die ursprünglichen Kreditgeber trugen das Ausfallrisiko nicht mehr selbst, sondern schoben es auf die Käufer der Papiere ab, die am Ende mit leeren Händen dastanden. Ein weiteres zentrales Problem der heutigen Kapitalmärkte ist die ständige und zunehmende Schwankungsanfälligkeit der Finanzinstrumente. Diese Kursschwankungsbreite wird von spekulativ ausgerichteten Marktteilnehmern nicht als Warnsignal begriffen, sondern als willkommene Gelegenheit zur Gewinnmaximierung genutzt. Um das Ausmaß dieser Schwankungen zu messen, vergleichen Analysten verschiedene Wertpapiere miteinander. Selbst wenn zwei Aktien über diesen bestimmten Zeitraum den gleichen Gesamtwertzuwachs verzeichnen, können die täglichen Ausschläge völlig unterschiedlich ausfallen.
Die Angst der Anleger als handelbares Gut
Ein spekulativ eingestellter Händler bevorzugt dabei das Papier mit den stärksten täglichen Schwankungen, da sich hier in kurzer Zeit hohe Gewinne erzielen lassen. Allerdings trägt er dabei stets das Risiko ebenso hoher Verluste. Da sich Spekulanten nicht auf die Vergangenheit verlassen wollen, nutzen sie Instrumente, die die zukünftige Schwankungsbreite vorhersagen sollen. Diese implizite Schwankungsanfälligkeit wird aus den Preisen von Kauf- und Verkaufsoptionen abgeleitet, da diese Preise die Risikoerwartungen der Anleger widerspiegeln. Für die großen Börsenindizes werden täglich entsprechende Schwankungsindizes veröffentlicht.
Die unzureichende Umsetzung der Handelsbeschränkungen
Nach dem Zusammenbruch dieser großen amerikanischen Bank im Jahr 2008 schnellte dieser Unsicherheitsindex für den deutschen Leitindex von 30 auf 80 Punkte hoch und markierte diesen historischen Höchststand. In der Regel entwickeln sich der Basisindex und sein Schwankungspendant gegenläufig. Steigen die Kurse, sinkt die gemessene Unsicherheit, und bei schlechter Marktstimmung steigt der Unsicherheitsindex. Durch die zunehmende Gier nach schnellen Gewinnen nimmt die Schwankungsanfälligkeit an allen globalen Märkten stetig zu. Spekulanten sehen in dieser steigenden Unsicherheit lediglich diese Chance und weiten ihre riskanten Geschäfte weiter aus, wodurch die Schwankungen noch zusätzlich angeheizt werden.
Die Gefahr des unregulierten Eigenhandels
Dies erzeugt diesen gefährlichen Teufelskreis, der die Märkte immer instabiler macht. Den Händlern reicht das Jonglieren mit schwankenden Papieren jedoch längst nicht mehr aus. Sie setzen direkt auf die Unsicherheitsindizes selbst, um Gewinne zu erzielen. Wer auf fallende Kurse wetten will, kauft Produkte, die von steigenden Unsicherheitswerten profitieren, und umgekehrt. Auf diese Weise wird die Angst der Anleger selbst zum handelbaren Gut und zum Objekt der Spekulation.
Die Einstufung systemgefährdender Institute
Um diesen Spekulationswahnsinn einzudämmen, wurde die Idee dieser gesetzlichen Begrenzung des Eigenhandels von Banken entwickelt. Diese Regel, benannt nach diesem ehemaligen Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank, zielt darauf ab, dass Finanzinstitute ihre riskanten Wetten auf eigene Rechnung stark einschränken. Banken sollten sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe, die Betreuung von Kundenaufträgen, konzentrieren und keine gefährlichen Positionen mit dem Geld der Sparer aufbauen. Diese Forderung löste diesen massiven Widerstand bei den Wertpapierhändlern und ihren Lobbyisten aus. Die gesetzliche Umsetzung dieser Beschränkungen erfolgte durch dieses umfassende amerikanische Bankengesetz, blieb jedoch weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.
Der mathematische Multiplikator der Geldvermehrung
Den Instituten wurde erlaubt, bis zu drei Prozent ihres harten Kernkapitals weiterhin für spekulative Eigengeschäfte zu verwenden. Diese Lücke im Gesetz reichte aus, um massive Verluste zu ermöglichen. So verlor diese größte amerikanische Bank im Frühjahr 2012 mehr als zwei Milliarden Geldeinheiten durch komplizierte Wetten auf den Ausfall von Unternehmensschulden. Dieser Skandal zeigte deutlich, dass die verbliebenen Schlupflöcher für riskante Geschäfte ausreichen. Die Brisanz solcher Eigengeschäfte wird besonders vor dem Hintergrund der generell zu geringen Eigenkapitalausstattung der Banken deutlich.
Das Prinzip der hundertprozentigen Reserve
Ein hoher Anteil an spekulativen Aktivitäten mit schwer kalkulierbaren Ausfallversicherungen kann zu extremen Liquiditätsengpässen führen, die das gesamte Institut gefährden. Wer gegen diese strenge Begrenzung dieses Spekulationswahnsinns ist, ignoriert die offensichtlichen Realitäten des Finanzsystems. Politische Vertreter, die für vollkommen unregulierte Märkte eintreten, begünstigen lediglich den Aufbau dieses gigantischen globalen Wettbüros. Zwar konnte die betroffene Bank den massiven Verlust von zwei Milliarden Geldeinheiten noch verkraften, doch bei höheren Verlusten oder dieser Serie von Fehlspekulationen wäre das Institut unweigerlich zusammengebrochen. Genau dieses Szenario würde die gesamte Weltwirtschaft in diese neue Krise stürzen.
Die Beendigung der ungebremsten Geldvermehrung
Daher wird diese Bank von diesem internationalen Rat für Finanzstabilität als systemgefährdend eingestuft. Aufgrund ihrer schieren Größe und ihrer auf Spekulation ausgerichteten Struktur müssen solche Institute in Zukunft strengere Eigenkapitalanforderungen erfüllen, um diesen erneuten Kollaps zu verhindern. Ein weiterer entscheidender Hebel zur Eindämmung von Finanzkrisen liegt in der Art und Weise, wie Geld überhaupt erst entsteht. Banken können über ihre Kreditvergabe die Geldmenge nahezu ungehemmt vermehren. Lediglich dieser minimale Mindestreservesatz der europäischen Zentralbank bremst diesen Prozess leicht.
Die Bekämpfung von Finanzblasen durch Vollgeld
Die Banken müssen diesen kleinen Teil der Einlagen als Reserve halten, um zahlungsfähig zu bleiben. Das Potenzial zur Geldschöpfung sinkt mit steigendem Reservesatz und steigt mit sinkendem Satz. Dieses Potenzial wird durch diesen einfachen mathematischen Multiplikator ausgedrückt, der sich aus der Division von 100 durch den Reservesatz ergibt. Würde die Zentralbank diesen Reservesatz von 10 Prozent festlegen, könnten die Kreditinstitute die Geldmenge verzehnfachen. Bei dieser Pflichtreserve von 20 Prozent wäre lediglich diese Multiplikation mit 5 möglich.
Die vollständige Herausnahme der Banken aus der Geldschöpfung
Da die Zentralbank aktuell lediglich diese Mindestreserve von diesem einzigen Prozent verlangt, liegt der Multiplikator bei 100. Das bedeutet, dass aus dieser ursprünglichen Einlage theoretisch dieses 100-fache an neuem Geld geschaffen werden kann. An diesem Punkt setzt die grundlegende Idee des Vollgeldes an. Der Begriff steht für dieses Gegenmodell zur aktuellen Politik, nämlich für diesen Mindestreservesatz von 100 Prozent. In diesem System wäre der Geldschöpfungsmultiplikator auf 1 begrenzt, und Kreditvergaben wären nur noch in Höhe der tatsächlich vorhandenen Einlagen möglich.
Die wirksame Waffe gegen die Exzesse der Finanzmärkte
Die Banken wären aus der Geldschöpfung vollständig herausgenommen, und die zentrale staatliche Stelle würde die Geldmenge kontrollieren. Bei dieser Kundeneinlage von 100 Euro müsste die Bank die volle Summe als Barreserve halten und dürfte keinen Cent als Kredit weiterreichen. Derzeit wandert das durch diesen Kredit geschaffene Geld als Einlage zur nächsten Bank, die wiederum den Großteil als neuen Kredit vergibt. Dieser Mechanismus würde sich theoretisch unendlich fortsetzen und die Geldmenge gewaltig aufblähen. Mit der Einführung des Vollgeldes würde dieser Prozess direkt bei der ersten Bank enden, da sie die volle Summe als Reserve unterhalten müsste.
Die endgültige Verhinderung systemischer Krisen
Die Banken wären bei der Kreditvergabe vollständig außen vor und könnten kein zusätzliches Giralgeld mehr erschaffen. Gegen dieses System wird oft das Argument vorgebracht, dass diese zentrale staatliche Stelle die Kreditversorgung nicht kompetent steuern könne. Zwar ist diese Steuerung zweifellos schwierig, aber das Vollgeld bietet diese äußerst wirksame Waffe gegen die Exzesse an den Finanzmärkten. Letztendlich ist es diese maßlos übertriebene Kreditvergabe der Banken für fragwürdige Zwecke, die zur Bildung von gewaltigen Finanzblasen führt. Wenn die Banken keine Kredite mehr an spekulative Fonds oder an völlig kreditunwürdige Immobilienkäufer vergeben können, wird die Entstehung neuer systemischer Krisen wirksam verhindert.
















