Die Illusion der sicheren Altersvorsorge und die Realität der Finanzmärkte

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Die aktuelle gesellschaftliche Debatte um die finanzielle Absicherung im Alter wird von großen Unsicherheiten, widersprüchlichen Versprechen der Finanzbranche und 1 allgemeinen Verunsicherung der Bevölkerung geprägt. Viele Beschäftigte verlassen sich blind auf die Hochglanzbroschüren der diversen Anbieter und ahnen nicht, welche enormen Risiken sich hinter den scheinbar sicheren Verträgen verbergen. Der genaue Blick auf die Mechanismen der globalen Kapitalmärkte offenbart jedoch das System, das eher den Profit der Institutionen als die Existenz der Sparer schützt. Die nachfolgenden Ausführungen beleuchten diese fatale Diskrepanz zwischen der beworbenen Sicherheit und der tatsächlichen Marktdynamik umfassend.

Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Garantie

Die auf dem aktuellen Wertpapierkontoauszug von Jan Springer, dem Beschäftigten der Metallbranche, aufgeführten finanziellen Kennzahlen wirken auf den ersten Blick durchaus ansprechend. Statt auf staatlich geförderte Einzelverträge zu setzen, hat der 30 Jahre alte Angestellte vor genau 5 Jahren den Weg der betrieblichen Versorgung gewählt. Über seinen Arbeitgeber fließen jährlich 2 150 Euro in den entsprechenden Topf, was exakt 4 Prozent seines Jahresbruttogehaltes entspricht. Im Dezember 2012 weist das Konto das individuelle Versorgungskapital von 12 200 Euro aus, was zunächst auf eine sehr erfolgreiche Anlagestrategie hindeutet.

Die gesetzliche Rückgewährpflicht als trügerische Sicherheit

Die ausgewiesene Mindestleistung von 10 750 Euro liegt jedoch spürbar unter dem eigentlichen Gesamtwert und offenbart die wahren Bedingungen. Bei diesem Betrag handelt es sich schlicht um das bisher eingezahlte Geld, welches der Anbieter gesetzlich gewährleisten muss. Zum Rentenbeginn haben Sparer schließlich den gesetzlichen Anspruch auf die vollständige Rückgabe ihrer eingezahlten Beiträge. Wer beim Erreichen des Ruhestandsalters lediglich die eingezahlten Summen zurückerhält, hat unter Berücksichtigung der Inflation faktisch massive Verluste gemacht.

Die Abhängigkeit von spekulativen Markterfolgen

Folglich müssen sich die Versicherten darauf verlassen, dass ihr Anbieter mit dem anvertrauten Kapital erfolgreiche Spekulationen an den Märkten durchführt. Bisher konnte der gewählte Topf in den 5 Anlagejahren immerhin 1 450 Euro an Wertsteigerungen für den Angestellten erwirtschaften. Entscheidend bei derartigen Vorsorgeprodukten ist stets die Kluft zwischen der garantierten Auszahlung und der möglichen Gesamtrente. Diese Spannbreite variiert enorm und hängt von der Kostenstruktur, dem Anlageglück sowie optionalen Zusatzvereinbarungen ab.

Das undurchdringliche Dickicht der Finanzprodukte

Konsumenten sehen sich hier mit kaum zu überblickenden Angeboten und schier undurchdringlichen Zusatzregelungen konfrontiert. All diese Faktoren machen den objektiven Vergleich der einzelnen Offerten für den Laien nahezu unmöglich. Die Lücke zwischen dem angesparten Kapital und der Mindestleistung spielt bei allen Produkten 1 zentrale Rolle. Diese Differenzierung ist das grundlegende Prinzip von spekulationsbasierten Geldanlagen und fällt bei langen Anlagehorizonten besonders stark ins Gewicht.

Die Fragwürdigkeit absoluter Sicherheitsversprechen

Von absoluter Sicherheit kann man an den Finanzmärkten ohnehin niemals sprechen, da hier stets Erwartungen und Hoffnungen im Spiel sind. Der Gesetzgeber hat die Garantieverpflichtung zur Rückgewährung der Beiträge bewusst festgezurrt, um die Kundschaft nicht zu verschrecken. Bei dem schwersten Zusammenbruch der internationalen Kapitalmärkte wäre jedoch selbst diese Kapitalerhaltungsgarantie nicht einlösbar. Solche politischen Versprechen erweisen sich in echten Krisensituationen oft als wertlos, wie historische Bankzusammenbrüche eindrucksvoll bewiesen haben.

Die Strategien der Finanzindustrie und das Prinzip der Börsenhoffnung

Die Finanzbranche ignoriert diese Risiken weitgehend und setzt weiterhin auf funktionierende Börsen, die langfristig hohe Renditen versprechen. Dynamischen jungen Menschen wird suggeriert, dass regelmäßiges Ansparen direkt in 1 sorgenfreie Rentenzeit mündet. Die sogenannte Seligkeit im Alter verhält sich dabei stets proportional zum eingegangenen Risiko. Wer höhere Renditen fordert, erhält fondsbasierte Produkte, während konservative Personen herkömmliche Versicherungen bekommen.

Die verschleierte Darstellung von Garantien und Risiken

Betrachtet man das Beispiel von dem 30 Jahre alten Alleinverdiener mit 2 Kindern, der 1 800 Euro jährlich anlegt, wird die Problematik deutlich. Die sich ergebenden Angebote klaffen weit auseinander, was in bunten Werbeprospekten jedoch geschickt verschleiert wird. Meist wird der hohe Erwartungswert fett gedruckt, während der enttäuschende Garantiewert in verschämter Kleinschrift erscheint. Kommt es an den Börsen zu heftigen Rückschlägen, fällt die garantierte Rente bei fondsgebundenen Modellen deutlich mickriger aus als bei konservativen Varianten.

Das ständige Austarieren zwischen Rendite und Risiko

Ganz gleich, um welche Form der staatlich geförderten oder betrieblichen Vorsorge es sich handelt, der Anleger muss stets Rendite und Risiko austarieren. Die börsenfixierte Anlageform wird in der Hoffnungsposition immer besser abschneiden, jedoch in der Sicherheitsposition schlechter dastehen. Der Versorgungsfonds unseres Beispielsarbeitnehmers gehört dabei zu den risikoreicheren Varianten. Es handelt sich um das von Beschäftigten ausgegliederte Sondervermögen zur Finanzierung der betrieblichen Altersversorgung.

Die globale Dimension und die Schwankungsanfälligkeit der Märkte

In Deutschland existiert diese Form der betrieblichen Vorsorge erst seit dem Jahr 2002. Weltweit halten derartige Versorgungsfonds Werte von geschätzten 20 000 000 000 000 Dollar. Diese gigantische Summe entspricht etwa dem 8-fachen der deutschen Wirtschaftsleistung. Mit ihrem hohen Volumen und dem Zwang zur Renditemaximierung tragen diese Fonds massiv zur Schwankungsanfälligkeit der Börsensysteme bei.

Die gezielte Erzeugung von Angst als Geschäftsmodell

Diese Fonds sind jedoch nur ein Baustein im Gefüge der gezielten Panikmache um die angebliche Notwendigkeit privater Vorsorge. Diese Angstmaschine bedient sich des Begriffs der Versorgungslücke, der in Suchmaschinen 100.000 Treffer erzeugt. Die meisten dieser Einträge sind direkt mit Offerten der Finanzindustrie zur Schließung dieser Lücke verknüpft. Historisch betrachtet erinnert dies an den Ablasshandel, bei dem die Kirche über das schlechte Gewissen der Menschen enorme Summen kassierte.

Die moderne Variante des historischen Ablasshandels

Wer heute privat vorsorgt, erleichtert ebenfalls sein Gewissen, wobei nun die Finanzindustrie die Gewinne einstreicht. Es handelt sich um das altüberlieferte Geschäftsmodell, bei dem man den Menschen Angst vor der Zukunft macht. Anschließend präsentiert man die scheinbare Zauberlösung in Form diverser Vorsorgeverträge. Der Staat wird dabei zusätzlich als Geldgeber durch Zulagen und Steuererleichterungen eingespannt.

Die reale Bedrohung durch Altersarmut

Als bitterer Nebeneffekt dieser ganzen Angelegenheit erweist sich die Tatsache, dass das Problem der Altersarmut sehr real ist. Dieses Problem betrifft nicht nur südeuropäische Staaten, sondern längst auch die hiesige Bevölkerung. Laut Berechnungen des Arbeitsministeriums werden Beschäftigte mit 2.500 Euro Bruttogehalt und 35 Jahren Vollarbeitszeit ab 2030 nur die Grundsicherung erhalten. Mehr als ein Drittel aller vollbeschäftigten Personen verdient weniger als diesen kritischen Schwellenwert.

Das Scheitern der privaten Vorsorge für Geringverdiener

Das Gegenrezept der marktwirtschaftlichen Hardliner lautet stets private Altersvorsorge. Dieser Vorschlag ist geradezu zynisch, da Geringverdiener trotz staatlicher Zuschüsse kaum angemessene Eigenbeiträge aufbringen können. Selbst wenn diese Menschen Sparbeiträge leisten, nützt ihnen die private Vorsorge im Falle der späteren Grundsicherung nichts. Die staatliche Grundsicherung wird nämlich strikt um die private Altersvorsorgerente gekürzt, was den Spareffekt komplett zunichtemacht.

 

How to whitelist website on AdBlocker?

How to whitelist website on AdBlocker?

  1. 1 Click on the AdBlock Plus icon on the top right corner of your browser
  2. 2 Click on "Enabled on this site" from the AdBlock Plus option
  3. 3 Refresh the page and start browsing the site