Der gläserne Alltag: Was Ihr Google-Konto über Sie weiß und wie Sie gegensteuern

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Kaum ein anderer Konzern begleitet den digitalen Alltag so umfassend wie Google, denn seine Dienste reichen von der Suche über Karten und Filme bis hin zum Bezahlen. Erst im Zusammenspiel mit dem Mobiltelefon wird deutlich, welches Ausmaß an Informationen Sie freiwillig oder unbewusst preisgeben. Die gemeinsame Klammer all dieser Angebote ist das Google-Konto, in dem die Spuren zusammenlaufen und ein erstaunlich vollständiges Bild Ihres Lebens ergeben. Dieser Artikel erklärt, welche Daten dort gesammelt werden, was sie über Sie verraten und mit welchen Stellschrauben Sie gegensteuern.

Ein Markt, der fast alles abdeckt

Nimmt man die Zahlen von Ende 2019 als Maßstab, wird die Ausnahmestellung des Konzerns schnell greifbar. Das hauseigene Programm Google Chrome zum Aufrufen von Internetseiten erreichte damals einen Marktanteil von knapp 50 Prozent. Rund 87 Prozent aller Mobiltelefone wurden mit dem Betriebssystem Android betrieben, das ebenfalls aus dem Hause Google stammt. Deutlich über 90 Prozent der Suchanfragen liefen über die Google-Suchmaschine, und hinzu kommen zahlreiche weitere Dienste, die den Alltag durchdringen. All diese Angebote sind über das Google-Konto miteinander verbunden, sodass die Informationen nicht getrennt, sondern gebündelt betrachtet werden können.

Ihre Daten im Google-Konto

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mindestens einen Google-Dienst nutzen und dafür irgendwann ein Konto angelegt haben, ist äußerst hoch. Ist das der Fall, dann liegen aus einer wohlwollenden Perspektive betrachtet alle Ihre Daten praktisch an einem einzigen Ort. Die Seite Ihr Konto ist dabei die zentrale Übersicht, über die Google Ihnen Zugang zu den gespeicherten Informationen gewährt. Zumindest gewährt der Konzern Einblick in jene Daten, die Sie sehen sollen, während intern abgeleitete Erkenntnisse dem Benutzer verborgen bleiben. Was das System aus Ihren Spuren ableitet, bleibt also der Sicht des Nutzers entzogen.

Ein Einbrecher liest mit

Um zu veranschaulichen, wie viel hier preisgegeben wird, darf wieder der gedachte Einbrecher herhalten, der allerdings nur Ihre Kontodaten zur Kenntnis nehmen müsste. Wo Sie wohnen, erfährt er unmittelbar aus den hinterlegten Kontodaten, und Ihr Google-Kalender verrät ihm, dass Sie in zwei Wochen im Urlaub sind. Dass Hin- und Rückflug leicht verschoben sind, hat das System aus Ihrer elektronischen Post im Google-Postdienst ausgelesen, sodass sich der Zeitraum für einen Einbruch in Ihre Wohnung grob abschätzen lässt. Wer ganz sicher gehen will, findet zudem heraus, dass Sie genau in der Mitte des Urlaubs eine Schifffahrt auf eine einsame Insel gebucht haben. Diese Reise hatten Sie zunächst lange über die Google-Suche gesucht und anschließend über den Bezahldienst des Konzerns bezahlt.

Der Standortverlauf verrät die Gegenwart

Natürlich könnte es sein, dass Sie die Reise kurzfristig stornieren, weshalb der gedachte Einbrecher eine aktuellere Quelle braucht. Wenn er ganz sicher sein will, dass Sie bei seinem Besuch nicht zu Hause sind, genügt ihm ein Blick auf Ihren Standortverlauf. Dieser zeigt Ihre Position relativ aktuell an und macht damit auch kurzfristige Änderungen Ihrer Pläne sichtbar. Das Beispiel ist bewusst zugespitzt, denn ein solches Ausspähen setzt voraus, dass Dritte Zugang zu Ihrem Konto erhalten. Dennoch führt es eindrücklich vor Augen, wie dicht das Netz der Informationen ist, das Sie über Jahre hinweg weben.

Die Menge der Daten ist die eigentliche Botschaft

All die beschriebenen Informationen liegen bei Google in Ihrem Konto, und dennoch ist das geschilderte Szenario eher unwahrscheinlich. Es setzt voraus, dass Google die Daten nicht ungeordnet weiterteilt und dass Sie Ihr Passwort weder verlieren noch weitergeben und das Konto nicht unbefugt übernommen wird. Dennoch zeigt das Gedankenexperiment, dass die schiere Menge an unterschiedlichen Informationen, die über Jahre mitgeführt werden, nahezu über alle Bereiche Ihres Lebens Aussagen zulässt. Die gute Nachricht dabei ist, dass Sie sich relativ schnell einen Überblick verschaffen können, welche Daten Google über Sie gespeichert hat. Zugleich können Sie durchaus Einfluss auf die gespeicherten Daten nehmen und die Sammlung gezielt begrenzen.

Die Privatsphäreprüfung als zentraler Anlaufpunkt

Innerhalb der Google-Einstellungen ist die Privatsphäreprüfung die zentrale Anlaufstelle, um die eigene Datensammlung zu ordnen. Hier können Sie viele Einstellungen deaktivieren, wobei das stets eine Vertrauensfrage bleibt. Sie können zwar Funktionen abschalten und bestehende Daten löschen, haben aber keine Möglichkeit, selbst zu überprüfen, ob dies wirklich umgesetzt wird. Es ist nicht anzunehmen, dass im Geheimen weiter Daten erhoben werden, denn das wäre zumindest in Europa im Zusammenhang mit der Datenschutz-Grundverordnung nicht zulässig und mit hohen Bußgeldern bewehrt. Rein technisch allerdings wäre ein solches heimliches Mitschreiben möglich.

Internet- und Anwendungsaktivitäten im Griff

Die Aufzeichnung der Internet- und Anwendungsaktivitäten fasst alles zusammen, was im Zusammenhang mit den Google-Diensten steht. Dazu gehören die Suche, die Nutzung des Kartendienstes und der Besuch des Ladens für Anwendungsprogramme. Sie können diese Erfassung entweder vollständig deaktivieren oder einschränken, indem Sie die entsprechende Einstellung ändern. Vordefinierte Bereiche lassen sich zudem jederzeit manuell löschen, wenn Sie einzelne Spuren tilgen wollen. Wer der Datenflut grundsätzlicher Herr werden will, aktiviert das automatische Löschen und wählt zwischen drei Monaten, 18 Monaten und unbegrenzter Speicherung bis zum manuellen Löschen.

Manuelles Löschen bleibt möglich

Unabhängig von der automatischen Regelung können Sie Ihre Aktivitäten auch zentral von Hand löschen. Die nötigen Handgriffe sind Teil der Kontoeinstellungen und erfordern nur wenig Übung. Wichtig ist vor allem die Erkenntnis, dass Sie der Erfassung nicht ausgeliefert sind, sondern jederzeit eingreifen können. Je nach Wunsch bleibt die Sammlung damit auf ein für Sie vertretbares Maß begrenzt.

Den Standortverlauf gezielt steuern

Über die Verwaltung des Standortverlaufs können Sie die Erfassung mit dem Schalter neben dem Begriff Standortverlauf vollständig ausschalten. Dabei stoßen Sie auf eine Besonderheit, denn der Standortverlauf kann über jedes mobile Gerät erfasst werden. Folglich lässt sich die Funktion für jedes Gerät, das mit den Google-Diensten verbunden ist, einzeln aktivieren und deaktivieren. So behalten Sie die Hoheit darüber, welches Gerät Ihre Bewegungen meldet und welches nicht.

Kryptische Gerätebezeichnungen entschlüsseln

Die Bezeichnungen der Geräte sind an dieser Stelle mitunter ein wenig kryptisch, denn unter anderem bei Geräten von Samsung werden die internen Modellbezeichnungen verwendet. Wenn Sie den Standortverlauf nur für eines der Geräte ausschalten wollen, müssen Sie dessen Namen daher erst einmal herausfinden. Die passende Bezeichnung ermitteln Sie entweder in den Einstellungen des Geräts selbst. Alternativ führt eine Google-Suche nach der Modellbezeichnung schnell zum Ziel.

YouTube-Verlauf und Werbepersonalisierung

Wenn Sie YouTube nutzen, das ebenfalls ein Dienst von Google ist, protokolliert der Konzern sowohl die Suchanfragen im Suchfeld als auch die angesehenen Filme. Auch diese beiden Aufzeichnungen können Sie ausschalten und damit Ihre Sehgewohnheiten vor der Speicherung bewahren. Ebenfalls lässt sich die Personalisierung der Werbung aktivieren oder deaktivieren. Wer nun denkt, damit die Menge der Werbung beeinflussen zu können, unterliegt einem Irrtum. Festlegen lässt sich lediglich, ob die Werbung an den personenbezogenen Daten ausgerichtet wird, die Google von Ihnen besitzt.

Ein beängstigend genaues Interessenprofil

Besonders aufschlussreich ist die Liste der Annahmen, die Google aufgrund Ihrer Nutzung der Dienste trifft und die unter den Werbeeinstellungen steht. Ganz detailliert sehen Sie dort Ihre Vorlieben, Ihre Interessen und soziodemografische Informationen, und es ist beängstigend, wie genau diese Angaben sind. Wenn Sie passendere Werbung möchten, können Sie einzelne Faktoren durch Antippen verändern oder über die Deaktivierung entfernen. Werbung bekommen Sie trotzdem, denn nur die Ausrichtung ändert sich. Bei deaktivierter Personalisierung sind die Anzeigen dann eben deutlich weniger relevant für Sie, falls Sie Werbung überhaupt als relevant ansehen.

Sucheinstellungen mit größerer Wirkung

Weitaus mehr Relevanz als die Werbeeinstellungen haben die Einstellungen der Suche, die Sie in der Privatsphäreprüfung ganz unten unter den ähnlichen Einstellungen finden. Neben verschiedenen technischen Einstellungen zur Nutzung der Google-Suche können Sie hier festlegen, ob Ihre Suchergebnisse an das Profil angepasst werden sollen, das Google von Ihnen erstellt hat. Wenn Sie dies deaktivieren, beeinflusst das zwar nicht die Bevorzugung bezahlter Treffer in der Ergebnisliste. Es sorgt aber für ein neutraleres Suchergebnis, das weniger von Ihrem Profil gefärbt ist. Gerade diese Neutralität kann im Alltag den Unterschied machen.

Andere Aktivitäten regelmäßig prüfen

Google entwickelt sich ständig weiter, und so finden Sie unter den anderen Aktivitäten eine Vielzahl weiterer Daten, die Sie in den Diensten hinterlassen. Nehmen Sie sich deshalb regelmäßig Zeit und schauen Sie sich an, was sich verändert hat und welche Daten neu hinzugekommen sind. Sollten hier neue Dienste automatisch so konfiguriert sein, dass sie Daten sammeln, können Sie das schnellstmöglich wieder deaktivieren. Diese wiederkehrende Kontrolle ist der beste Schutz dagegen, dass die Sammlung unbemerkt wächst.

Aktivitätsdaten vollständig löschen

Ihre Aktivitätsdaten können Sie im Google-Konto manuell entweder für einen selbst gewählten Zeitraum oder gleich komplett löschen. Öffnen Sie dazu im Navigationsbereich links oben den Punkt Daten und Personalisierung und wählen Sie unter Aktivität und Zeitachse den Eintrag Meine Aktivitäten. Rechts oben finden Sie unter den drei Punkten den Befehl Aktivitäten löschen nach und können unter Nach Datum löschen über den Abwärtspfeil die gesamte Zeit auswählen. Hier lassen sich auf Wunsch einzelne Aktivitäten an- oder abwählen, bevor Sie den Vorgang mit dem Befehl Löschen abschließen. Damit ist die Sammlung in einem Schritt auf den von Ihnen gewünschten Stand gebracht.

Persönliche Daten anpassen und schützen

In der Kontoübersicht finden Sie links in der Optionsleiste unter Persönliche Daten den Zugriff auf Ihre persönlichen Angaben. Viele davon sind verpflichtend, dennoch können Sie sie verändern und bei vielen festlegen, wer sie sehen darf. Kontrollieren Sie diese Daten regelmäßig, denn wenn Sie das Profil vor Jahren angelegt haben, sind einige dieser Daten vielleicht falsch. Andere Angaben waren früher öffentlich sichtbar, können aber heute auf privat gesetzt werden und sind dann nicht mehr allgemein einsehbar. Auf diese Weise können Sie Ihren öffentlichen Fingerabdruck deutlich verringern.