Überwachung und Einschüchterung sorbischer Proteste in der DDR

Die Staatssicherheit behandelte öffentliche Kritik unter Sorben häufig nicht als politischen Widerspruch, sondern als feindliche Tätigkeit. Ein anonymer Briefschreiber im Kreis Kamenz, ein Müllermeister mit Forderungen nach mehr sorbischer Selbstständigkeit, katholische Akademiker und Geistliche gerieten deshalb ins Visier der Sicherheitsorgane. Die überlieferten Vorgänge zeigen, wie Überwachung, Denunziation und beruflicher Druck eingesetzt wurden, um abweichende Stimmen zu erfassen und zu isolieren.

Die Suche nach dem anonymen Briefschreiber

Zwischen März 1961 und August 1965 gingen im Kreis Kamenz 7 Postkarten und 2 Briefe mit regimekritischem Inhalt ein. Sie richteten sich an den Kreisrat, die örtliche Redaktion der Sächsischen Zeitung und das Volkspolizeikreisamt. Der unbekannte Verfasser griff zunächst Schwierigkeiten in der Landwirtschaft auf und wandte sich später gegen die sozialistische Entwicklung und die Bildung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften. Am 24. Juni 1965 leitete die Kreisdienststelle der Staatssicherheit den Operativen Vorgang Aufbau ein, um den Schreiber aufzuspüren.

Eine weitere Postkarte war am 21. Mai 1965 aufgegeben worden. Die Ermittler vermuteten zunächst Georg Sauer aus Ralbitz, einen Bauern und Mitglied einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Das MfS beschrieb den gesuchten Verfasser als über 60 Jahre alt, als Besitzer eines Hofes und eines Waldstücks sowie als überzeugten Katholiken mit guten Kenntnissen der Landwirtschaft im sorbischen Gebiet. Auch Sauers politische Stellung, seine Kontakte zu Geistlichen und seine Mitgliedschaft in der CDU und im Kreistag machten ihn für die Ermittler verdächtig.

Verdacht ohne tragfähigen Schriftvergleich

In Berichten inoffizieller Mitarbeiter wurde Sauer als jemand beschrieben, der in Versammlungen vergleichsweise fortschrittlich auftrete, im kleineren Kreis aber kritisch spreche. Verdächtig erschien den Sicherheitsorganen außerdem, dass er seit 1961 versucht hatte, seine Ämter abzugeben und schriftliche Auskünfte über sich verweigerte. Ein Vergleich seiner Handschrift mit den anonymen Schreiben ergab jedoch, dass er diese nicht verfasst hatte. Der Verdacht gegen ihn ließ sich damit nicht halten.

Daraufhin suchten hauptamtliche MfS-Mitarbeiter in den Gemeinden Ralbitz-Naußlitz, Cunnewitz, Schönau, Schmerlitz und Zerna-Rosenthal weiter. Sie arbeiteten dabei mit Bürgermeistern, dem Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei und politisch zuverlässigen Einwohnern zusammen. Die Beamten ließen Schriftproben mit Eintragungen in den Unterlagen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften vergleichen. So geriet der Landwirt und spätere Rentner Nikolaus Schneider aus Zerna in den Fokus.

Nikolaus Schneider und die öffentliche Vorführung

Bis September 1965 hatten die Ermittler 316 Personen überprüft und 123 kollektive Einschätzungen eingeholt. In einem Nachweisbuch über geleistete Arbeitsstunden in der Genossenschaft Zerna fanden sie Schriftzüge, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit dem anonymen Schreiber zuordneten. Die zuständige Abteilung der Bezirksverwaltung Dresden verzichtete dennoch auf ein Ermittlungsverfahren. Als Gründe galten Schneiders hohes Alter und sein schlechter Gesundheitszustand.

Stattdessen veranstaltete das MfS am 31. März 1966 eine Einwohnerversammlung in Zerna. Der Leiter der Kreisdienststelle Kamenz erklärte dort, westlicher Rundfunk und westliches Fernsehen hätten Schneider beeinflusst und zu feindlichen Handlungen verleitet. Schneider selbst war nicht anwesend; sein Sohn Benno nahm für ihn Stellung. Er erklärte, sein Vater sei durch westliche Sendungen beeinflusst worden, und stellte die Möglichkeit, ohne Gerichtsverfahren etwas wiedergutzumachen, als besondere Leistung des Arbeiterstaates dar.

Die Sicherheitsorgane werteten den Protest damit nicht als Reaktion auf tatsächliche Missstände, sondern als Folge einer angeblichen Beeinflussung aus dem Westen. Die öffentliche Versammlung sollte den Betroffenen erziehen und zugleich ein warnendes Beispiel für die Dorfbewohner schaffen. Dieses Vorgehen entsprach dem politischen Anspruch, gesellschaftliche Erziehung an die Stelle offener Strafe zu setzen. Nachdem das MfS den gewünschten Erziehungseffekt als erreicht ansah, legte es den Vorgang Aufbau ab.

Ein Müllermeister gerät ins Visier

Mehr als 20 Jahre später eröffnete die Kreisdienststelle Hoyerswerda am 31. Januar 1989 eine Operative Personenkontrolle gegen den selbstständigen Müllermeister Stanisław Brězan. Er hatte öffentlich die Nationalitätenpolitik der SED kritisiert. In einem Beitrag in der Beilage der sorbischen Tageszeitung Nowa doba vom 22. Oktober 1988 hatte er seine Ansichten dargelegt; am 7. November richtete er ein Schreiben an das Ministerium für Volksbildung.

Brězan forderte organisatorische Selbstständigkeit für die Sorben und ein Gesetz, das den Gebrauch der sorbischen Sprache in Schulen, Kindergärten, Kinderkrippen und öffentlichen Einrichtungen der Lausitz sichern sollte. Außerdem verlangte er eine klare territoriale Abgrenzung des zweisprachigen sorbischen Gebiets. Das MfS wertete diese Forderungen als nationalistische Aktivitäten und als Angriff auf die staatliche Nationalitätenpolitik.

Seit 1953 konnten Bürger theoretisch Eingaben an staatliche Stellen richten. In der Praxis war jedoch ungewiss, ob die Behörden inhaltlich darauf eingingen; außerdem konnten Verfasser mit Repressionen rechnen. Die Zielsetzung der Überwachung Brězans sah ausdrücklich vor, seine Persönlichkeit und seinen familiären Umgangskreis auszuleuchten und weitere kritische Aktivitäten zu verhindern. Wie die Kontrolle endete, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, weil im Dezember 1989 beschlossen wurde, nicht mehr benötigte Unterlagen der früheren Bezirksverwaltung und ihrer Kreisdienststellen zu vernichten.

Die katholische Kirche als Überwachungsschwerpunkt

Die Sicherheitsorgane nahmen die katholischen Einrichtungen, zu denen die Sorben katholischen Glaubens gehörten, spätestens ab 1957 als besonderen Arbeitsbereich in den Blick. Eine Dienstanweisung forderte die Bezirks- und Kreisdienststellen auf, die katholische Kirche gezielter zu bearbeiten. Nicht jede Dienststelle konnte daraus eine umfassende Überwachung machen; häufig blieb es zunächst bei der Beobachtung öffentlicher Veranstaltungen.

Ab 1958 nutzten MfS-Dienststellen mit Hilfe zuverlässiger Postmitarbeiter technische Überwachung in privaten und dienstlichen kirchlichen Räumen. In Bautzen erstellte die Kreisdienststelle Ende 1958 eine Übersicht über die inoffiziellen Mitarbeiter und die laufenden Vorgänge zur katholischen Kirche. Der zuständige Mitarbeiter Werner Schramm führte zu diesem Zeitpunkt 14 inoffizielle Kontakte, bearbeitete 2 Operative Vorgänge und hatte 1958 6 neue Informanten geworben.

Unter den inoffiziellen Mitarbeitern waren sorbische Lehrer und ein Schriftsetzer. Nikolaus Bresan, der unter dem Decknamen Ernst geführt wurde, leistete nach Einschätzung des MfS besonders ergiebige Arbeit und wurde 1960 zum Geheimen Mitarbeiter befördert. Er sollte Informationen über die katholische Kirche, sorbische Nationalisten und katholische Lehrer beschaffen. Das MfS nutzte ihn auch, um Kontakte zu Geistlichen, Lehrern und sorbischen Redakteuren zu knüpfen.

Der katholische sorbische Akademikerkreis

Die katholische Akademikerseelsorge in der DDR hatte sich ab 1952 aus selbstorganisierten Gesprächskreisen junger Intellektueller entwickelt. In Bautzen gewann die sorbische Akademikerarbeit Anfang der 1960er-Jahre eine feste Form. Im Mai 1961 erhielt die Staatssicherheit Kenntnis von einer geplanten Zusammenkunft katholischer Akademiker im Kolpinghaus. Ein eingeladener Sorbe wollte nicht teilnehmen, weil er die Veranstaltung für gefährlich hielt.

Am 15. Mai 1965 berief Kaplan Cyrill Pech eine Versammlung sorbischer Intellektueller ein. 66 Personen nahmen teil, überwiegend Lehrer aus dem Kreis Kamenz. Unter Leitung des Jesuitenpaters Stanislaus Nauke entfaltete der Kreis weitere Aktivitäten und erwog, ein eigenes Sekretariat einzurichten. Die Kreisdienststelle Bautzen reagierte 1966 mit einem Vorlauf-Operativ, der 1969 in den Operativen Vorgang Akademiker umgewandelt wurde.

Die Staatssicherheit verdächtigte den Kreis, staatsfeindliche Gruppenbildung zu betreiben. Sie behauptete, bei den Treffen würden Vorträge gegen die Gesetze der DDR gehalten, katholische Erzieher politisch beeinflusst und nationale Anliegen in die kirchliche Arbeit eingebracht. Ein zuständiger MfS-Offizier schlug bereits 1969 sogenannte Zersetzungsmaßnahmen vor. Die operative Bearbeitung sollte durch eingeschleuste inoffizielle Mitarbeiter Belege für den Verdacht liefern.

Jahrelange Überwachung ohne Nachweis

Im Oktober 1971 erwog die Kreisdienststelle, den Vorgang einzustellen und Nauke gesondert zu kontrollieren. Die gesammelten Berichte belegten zwar die Treffen und religiöse Gespräche, reichten aber nach Einschätzung der Ermittler nicht aus, um eine staatsfeindliche Gruppenbildung nachzuweisen. Ein leitender Offizier der Bezirksverwaltung Dresden widersprach einer Ablage und verlangte, die Verdächtigen weiterhin intensiv und inoffiziell zu überwachen.

Erst am 15. September 1976 legte das MfS den langjährigen Vorgang ab. Als Begründung führte es an, der Kreis habe keine breite Grundlage gewonnen und seit ungefähr 2 Jahren nicht mehr getagt. Die Überwachung hatte zahlreiche Sorben erfasst, darunter Geistliche, Lehrer, Angehörige des Akademikerkreises und ihre Familien. Ihr gemeinsamer Nenner war, dass sie sich unabhängig von der SED-geführten Domowina um den Fortbestand sorbischer Sprache und Kultur sorgten.

Auch in den 1970er- und 1980er-Jahren beobachtete die Staatssicherheit katholische Gesprächskreise und Veranstaltungen. Sie betrachtete solche Treffen als Möglichkeit, bürgerliche Vorstellungen unter Intellektuellen zu verbreiten und das sozialistische Bewusstsein zu schwächen. Vorträge und Freizeitangebote wurden deshalb durch einzelne Informanten überwacht. Als die kirchliche Arbeit ab Mitte der 1970er-Jahre weniger politisch auftrat, nahm die Intensität der Kontrolle teilweise ab.

Kirchliche Anpassung und innerer Widerstand

In der zweiten Hälfte der DDR-Zeit folgte eine jüngere Generation sorbischer Geistlicher auf jene katholischen Priester, die sich nach dem Krieg deutlich gegen eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten gestellt hatten. Einige Vertreter der jüngeren Generation waren zu Gesprächen mit der Staatssicherheit bereit oder wurden als Informanten angeworben. Georg Herrmann, Pfarrer in Radibor und Dekan des Dekanats Kamenz, ließ sich 1974 auf Gespräche ein und wurde 1976 als inoffizieller Mitarbeiter verpflichtet.

Bis 1988 gewann das MfS mit Michael Bresan einen weiteren Informanten. Rudolf Kilank, Martin Lehmann und Martin Salowski wurden als Abschöpfkontakte genutzt, also als Personen, von denen sich Informationen gewinnen ließen. Die Partei- und Staatsführung betrachtete solche Geistlichen als hilfreich, um kritische Kräfte in der katholischen Kirche zurückzudrängen. Zugleich gab es weiterhin Priester, die sich dem politischen Anpassungsdruck nicht beugten.

Georg Walde, von 1974 bis 1977 Kaplan in Ralbitz und Crostwitz, fiel der Staatssicherheit durch seine Jugendseelsorge und seine öffentlichen Äußerungen auf. Die Behörden deuteten seine Haltung als westlich beeinflusst. Im Verlauf der Überwachung setzte das MfS mehr als 12 inoffizielle Mitarbeiter auf ihn an, darunter Sorben aus kirchlichen und gesellschaftlichen Kreisen. Waldes Engagement für Menschen, die vom Staat ausgegrenzt wurden, erregte auch unter politisch angepassten Katholiken Anstoß.

Überwachung von Walde und berufliche Versetzungen

1976 meldete ein inoffizieller Mitarbeiter, Walde habe bei einer Jugendveranstaltung für 2 inhaftierte Jugendliche beten lassen, denen ein versuchter illegaler Grenzübertritt vorgeworfen worden war. Außerdem ging der Kaplan von Haus zu Haus, um Eltern davon abzubringen, ihre Kinder zur Jugendweihe zu schicken. Als Walde 1977 aus dem Zuständigkeitsbereich der Kreisdienststelle Kamenz versetzt wurde, wanderte auch die operative Kontrolle zu anderen Dienststellen weiter.

1980 wollte das MfS die Personenkontrolle in einen Operativen Vorgang umwandeln. Die Behörde vermutete, Walde beschaffe sich über Kontakte in den Westen als staatsfeindlich bewertete Literatur und könne diese für verbotene politische Aktivitäten nutzen. Verwertbare Beweise fand die Staatssicherheit jedoch nicht. Eine geplante Übergabe der Akte an die Kreisdienststelle Freiberg scheiterte, weil diese die Bearbeitung ablehnte.

Walde wurde innerhalb des Bistums wiederholt versetzt, unter anderem nach Altenburg, Leipzig und Crimmitschau. Die Kirchenleitung führte mehrere Gespräche mit ihm, woraufhin das MfS annahm, von ihm seien keine öffentlich wirksamen politischen Äußerungen mehr zu erwarten. 1987 stellte Walde einen Ausreiseantrag und verließ die DDR in Richtung Österreich. Eine Anstellung als Priester in Westdeutschland blieb ihm wegen einer Vereinbarung zwischen den ost- und westdeutschen Bistümern zunächst verwehrt; später arbeitete er als Hochschulseelsorger in Klagenfurt.

Exilsorben unter Spionageverdacht

Sorben im westlichen Exil gerieten ins Visier der Staatssicherheit, wenn sie Briefe in die Lausitz schrieben, ihre alte Heimat besuchten oder in West-Berlin und Westdeutschland öffentlich über die Lage ihres Volkes berichteten. 1954 leitete die zuständige Abteilung der Bezirksverwaltung Dresden einen Überprüfungsvorgang gegen Paul Dudzik in West-Berlin und Paul Ziesche in Limburg ein. Das MfS verdächtigte Dudzik, für das Ostbüro der SPD tätig zu sein.

Als Begründung verwies die Staatssicherheit auf Dudziks frühere Kontakte zu Stephan Grzeskowiak, der inzwischen das Ostbüro leitete. Dudzik war 1945 als Kurier des sorbischen Nationalrats nach Prag und Berlin unterwegs gewesen. Das MfS sammelte außerdem Berichte über frühere Verbindungen Grzeskowiaks zu Georg Rentsch, Paul und Johann Ziesche, Paul Nedo und Jacob Scheibe. Aus früheren Kontakten leitete der Geheimdienst die Vermutung ab, die Betroffenen arbeiteten auch nach dem Krieg weiterhin zusammen.

Grzeskowiak, der später unter dem Namen Stephan G. Thomas auftrat, war Sozialdemokrat und hatte sich gegen die nationalsozialistische Herrschaft engagiert. Er hatte mit sorbischen Widerstandskämpfern zusammengearbeitet und nach dem Krieg im Ostbüro der SPD eine wichtige Stellung übernommen. Das Ostbüro kümmerte sich um Flüchtlinge und politische Gefangene, sammelte Informationen und veröffentlichte Berichte über die Verhältnisse in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR.

Das Ostbüro als Feindbild der SED

Die SED und die sowjetischen Besatzungsorgane suchten seit der Gründung des Ostbüros im Jahr 1946 nach dessen Vertrauensleuten in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR. Mitarbeiter westdeutscher Parteien, die gegen die kommunistische Diktatur arbeiteten, wurden pauschal der Spionage verdächtigt. Die Staatssicherheit projizierte frühere Verbindungen aus der Zeit des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in die Nachkriegszeit und nahm an, dieselben Personen stünden weiterhin in Kontakt.

Der Nachweis einer tatsächlichen Zusammenarbeit sorbischer Persönlichkeiten mit dem Ostbüro erwies sich jedoch als schwierig. Die Staatssicherheit entsandte deshalb inoffizielle Mitarbeiter nach West-Berlin und in die Bundesrepublik. Ernst Tschernik, der unter dem Decknamen Forscher geführt wurde, suchte Paul Dudzik in West-Berlin auf. Benno Scholze, bekannt als Rössel, besuchte Paul Ziesche, der inzwischen nach Wiesbaden gezogen war.

Auch aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld der Verdächtigten sammelte das MfS Informationen. Als der sorbische Jugendredakteur Paul Krahl 1954 in den Westen floh, meldeten sorbische Studenten, er halte sich beim Ostbüro in West-Berlin auf. Die Staatssicherheit setzte außerdem Mitglieder der Freien Deutschen Jugend ein, um herauszufinden, wer dort mitarbeitete. Auf diese Weise wurden Partei- und Massenorganisationen in die Informationsbeschaffung einbezogen.

Ermittlungen mit geringem Ergebnis

Die Überprüfungen gegen Paul Ziesche und weitere vermeintliche Mitarbeiter des Ostbüros liefen bis 1964, brachten aber wenig belastbare Erkenntnisse. 1958 berichtete ein inoffizieller Mitarbeiter, der Rundfunk im amerikanischen Sektor sende auch auf Sorbisch und Paul Krahl gestalte diese Sendungen gemeinsam mit Ziesche. Die Staatssicherheit deutete die Beiträge als nationalistische Propaganda gegen die DDR. Ein Beleg für eine Verbindung zu den verdächtigten Sorben in Bautzen oder Leipzig ergab sich daraus nicht.

Ein weiterer Informant stellte fest, Ziesche sympathisiere mit der SPD und habe 1956 von Bonn aus den Auftrag erhalten, an einem internationalen Treffen von Sozialdemokraten in Amsterdam teilzunehmen. Als Ziesche 1962 einen Besuch bei Verwandten in der Lausitz plante, fasste die Kreisdienststelle Bautzen ihre Erkenntnisse erneut zusammen. Sie konnte vor allem festhalten, dass die Familie Ziesche freundschaftliche Beziehungen zur Familie Grzeskowiak unterhielt.