Long Pot: Geschichte – Opiumanbau und Krieg im Nordosten von Laos
Screenshot youtube.comIm Jahr 1971 bot der abgelegene Bezirk Long Pot einen seltenen Einblick in den Zusammenhang zwischen Opiumanbau, militärischer Kontrolle und dem geheimen Krieg in Laos. Das Gebiet lag nahe genug am Hauptquartier von General Vang Pao, um zu seinem Einflussbereich zu gehören, blieb aber eine Zeit lang von den schwersten Kämpfen verschont. Die Erfahrungen seiner Bewohner zeigen, wie Reislieferungen, militärischer Zwang und der Handel mit Opium ineinandergriffen. Als die Kämpfe näher rückten, gerieten die Lebensgrundlagen der Dörfer unter denselben Druck wie ihre politische Selbstständigkeit.
Ein abgelegener Bezirk in den Bergen
Long Pot lag rund 45 Kilometer nordwestlich von Long Tieng und etwa 60 Kilometer westlich des Tranninh-Plateaus. Von der Straße 13 aus wirkte der ungefähr 150 Quadratkilometer große Bezirk wie eine schwer zugängliche Bergwelt. Über dem Gebiet erhob sich der etwa 1.900 Meter hohe Phou Phachau, der während der Regenzeit von Mai bis Oktober häufig in Wolken lag. Von ihm und den umliegenden Gipfeln zogen sich steile Bergrücken hinab, die zahlreiche Täler und Hochmulden bildeten.
Früher war die Landschaft von Wald bedeckt gewesen. Über lange Zeit hatten die Bewohner jedoch Bäume gefällt und Flächen für den Ackerbau durch Brandrodung freigemacht. Auf vielen Bergrücken wuchs schließlich vor allem hohes, hartes Savannengras. Die steilen Hänge und die verstreuten Täler erschwerten den Verkehr, schufen aber zugleich Bedingungen für unterschiedliche Formen des Berglandbaus.
Dörfer und politische Stellung
Im Bezirk lagen 12 Dörfer, 7 Hmong-Siedlungen und 5 Dörfer der Lao Theung. Die Häuser scharten sich meist um Bergkämme und Kuppen über den Tälern. Das politische Zentrum war Long Pot, eine Hmong-Gemeinde mit ungefähr 300 Einwohnern und 47 Holzhäusern mit Lehmböden. Seine Bedeutung beruhte weniger auf seiner Größe als auf seinem hohen Alter und dem Einfluss seiner führenden Familien.
Das Dorf war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet worden und galt als älteste Hmong-Siedlung im Nordosten des Landes. Seine Führer verfügten daher über hergebrachte politische Autorität. Der höchste örtliche Amtsträger, Ger Su Yang, lebte in Long Pot. Während viele Hmong-Siedlungen nach 10 bis 20 Jahren verlegt werden mussten, um neue Mohnfelder anzulegen, gab es rund um Long Pot fruchtbare, kalkhaltige Hänge, auf denen 3 Generationen bleiben konnten.
Warum sich der Mohnanbau dort lohnte
Die Höhenlage eignete sich besonders für den Anbau von Schlafmohn. Long Pot lag knapp 1.300 Meter hoch; die umliegenden Bergrücken erreichten bis zu 1.650 Meter. Die in Südostasien verbreitete Mohnsorte aus Yunnan konnte noch in tieferen Lagen wachsen, gedieh aber am besten in einem gemäßigten Bergklima bis etwa 1.500 Meter Höhe. Auch die kalkhaltigen Böden rund um die Gipfel waren für den Mohn geeignet.
Trotz mehr als 10 Jahren Krieg war die Opiumproduktion des Dorfes nach Angaben seines Verwalters nicht zurückgegangen. Im August 1971 berichtete Ger Su Yang, dass die meisten Haushalte vor den Kämpfen jeweils ungefähr 15 Kilogramm Opium erzeugt hätten und diesen Umfang etwa 10 Jahre lang beibehielten. Die Reisproduktion hingegen sei stark gesunken. Die Bewohner konzentrierten sich also weiterhin auf eine verkäufliche Ernte, obwohl die örtliche Versorgung mit Grundnahrungsmitteln schlechter geworden war.
Reislieferungen und wirtschaftliche Abhängigkeit
Die regelmäßigen Reisabwürfe der Fluggesellschaft Air America gaben den Dorfbewohnern die Möglichkeit, ihre Arbeitskraft vor allem für den Mohnanbau einzusetzen. Offiziere aus Vang Paos Umfeld kauften das Opium zu einem guten Preis und boten damit einen verlässlichen Absatzweg. Für die Bauern war es daher wirtschaftlich naheliegend, möglichst viel Mohn anzubauen. Die militärische Versorgung und der Opiumhandel stützten einander: Der Reis sicherte die Ernährung, während der Mohn Geld einbrachte.
Vor dem Krieg hatten die Hmong Reis für den eigenen Bedarf und Mohn für den Verkauf angebaut. Die Anbauzeiten überschnitten sich jedoch, und die Felder mussten auf unterschiedlichem Gelände angelegt werden. Da jedes Dorf nur über begrenzte Arbeitskräfte verfügte und jährlich nur wenige neue Flächen roden konnte, mussten die Bauern abwägen, welcher Anbau den größeren Nutzen versprach. Bei hohen Opiumpreisen wurde mehr Mohn bestellt und Reis mit den Erlösen gekauft; bei niedrigen Preisen gewann der Reisanbau an Bedeutung.
Die Vorbereitung der Felder
Im Frühjahr schickte jeder Haushalt Kundschafter in den Wald, um geeignete Flächen für neue Felder zu finden. Weil die Bewohner von Long Pot vor allem Mohn anbauen wollten, suchten sie nach kalkhaltigem Boden in der Nähe von Gipfeln oder in hoch gelegenen Mulden. Für Trockenreis wären eher Felder in mittleren Hanglagen geeignet gewesen. Die Kundschafter prüften den Boden nach der überlieferten Schilderung sogar mit dem Geschmack, um festzustellen, ob er ausreichend alkalisch war.
Im März oder April begannen die Männer mit der Rodung. Mit Eisenäxten kappten sie nicht unbedingt die größten Stämme am Fuß, sondern fällten häufig die Baumkronen von schmalen, eingeschnittenen Holzstangen aus. Ein geübter Holzfäller konnte mehrere kleinere Kronen zugleich zu Fall bringen, wenn ein großer Baum beim Stürzen weitere mitriss. Das gefällte Holz blieb bis April oder Anfang Mai liegen und trocknete für die Brandrodung.
Brandrodung und Zwischenfrüchte
Wenn das Holz trocken genug war, versammelten sich die Dorfbewohner an den vorgesehenen Feldern. Junge Männer liefen den Hang hinab und zündeten das Holz an, während andere die Feldränder absicherten und dortige Reisighaufen entzündeten. Das Feuer beseitigte die gefällte Vegetation und hinterließ eine Schicht Asche, die Phosphat, Kalzium und Kalium enthielt. Für den Ackerbau war diese Asche zunächst ein wichtiger Nährstoffeintrag.
Der Mohn wurde erst im September ausgesät. Blieb das Land nach der Brandrodung bis dahin unbepflanzt, drohten Erosion und eine rasche Ausbreitung von Unkraut. Hochlandreis konnte erst im November geerntet werden, also nach der geplanten Mohnaussaat. Deshalb pflanzten die Bauern eine widerstandsfähige Getreideart, die im August oder Anfang September reif wurde und den Boden im Sommer bedeckte.
Das Getreide diente zugleich als Futter für Schweine, Bergponys, Hühner und Rinder. In der Regenzeit verwandelten die Tiere mit ihren Hufen die Wege von Long Pot häufig in tiefen Schlamm. Sobald die Ernte des Berggetreides eingebracht war, lockerten die Frauen den Boden mit schweren Hacken. Kurz vor der Mohnsaat wurde die Erde feiner bearbeitet und mit einem Besen aus Bambus geglättet.
Aussaat und Pflege des Mohns
Im November wurden die jungen Pflanzen ausgedünnt, sodass nur die kräftigsten in Abständen von etwa 15 Zentimetern stehen blieben. Zwischen den Mohnpflanzen säten oder pflanzten die Bauern Tabak, Bohnen, Spinat und weiteres Gemüse. Diese Pflanzen lieferten zusätzliche Nahrung und sollten dem Boden verschiedene Mineralstoffe zuführen. Ende Dezember wurde der Mohn erneut ausgedünnt.
Einige Wochen später ernteten die Frauen das Gemüse und jäteten das Feld, damit die Mohnpflanzen weiterwachsen konnten. Im Januar öffneten sich die roten und weißen Blüten. Die eigentliche Ernte begann, nachdem die Blütenblätter abgefallen waren und die Samenkapseln mit ihrem harzigen Inhalt sichtbar wurden. Weil die Aussaat zeitlich gestaffelt wurde, zog sich die Ernte häufig bis Ende Februar oder Anfang März hin.
Das Gewinnen des Rohopiums
Für die Ernte ritzten die Bauern die Samenkapseln an und zapften das austretende Harz ab. Ein Bauer hielt die Kapsel mit einer Hand fest und zog mit einem Messer mit 3 Klingen flache Schnitte in ihre Schale. Die Arbeit fand am kühlen späten Nachmittag statt. Über Nacht trat das Harz aus, sammelte sich an der Oberfläche und wurde am frühen Morgen abgeschabt, bevor die Sonne den Saft trocknete.
Eine Hmong-Frau löste das Harz mit einer biegsamen Klinge von der Kapsel und sammelte es in einer um den Hals getragenen Schale. Wenn sie ungefähr 1 Kilogramm beisammenhatte, wickelte sie die klebrige Masse in Bananenblätter und band das Bündel zusammen. Die Arbeit erforderte Sorgfalt und musste wiederholt werden, solange die Pflanzen Ertrag brachten. Am Ende der Erntezeit hatten die 47 Haushalte von Long Pot zusammen ungefähr 700 Kilogramm Rohopium eingebracht.
Vom Mohnfeld zum Heroin
Die Verarbeitung erhöhte den Verkaufswert des Ertrags erheblich. Bei einem angenommenen Morphingehalt von 10 Prozent konnten aus der Ernte von Long Pot rund 70 Kilogramm Morphin gewonnen werden. In Heroinlaboren der Region ließ sich dieses weiterverarbeiten. Die Darstellung schätzt, dass aus dem Ertrag des Dorfes schließlich ungefähr 70 Kilogramm besonders reines Heroin entstanden.
Die größten Gewinne fielen nicht bei den Bauern an. 1971 erhielten sie für 10 Kilogramm Rohopium ungefähr 400 bis 600 Dollar, obwohl Opium ihre wichtigste Einnahmequelle war. Aus 10 Kilogramm Rohopium ließ sich nach der beschriebenen Rechnung etwa 1 Kilogramm Morphinbase gewinnen, das im Goldenen Dreieck rund 500 Dollar wert sein konnte. Ein Kilogramm daraus hergestelltes Heroin wurde in Bangkok für etwa 2.000 bis 2.500 Dollar gehandelt.
Weiter entfernt stieg der Wert noch stärker. Ein Kurier konnte für die Übergabe eines Kilogramms Heroin an einen Großhändler in San Francisco, Miami oder New York zwischen 18.000 und 27.000 Dollar erhalten. Wenn das Heroin mit Chinin oder Milchzucker gestreckt und in 45.000 kleine Gelatinekapseln abgefüllt wurde, konnte es auf der Straße zu ungefähr 5 Dollar je Kapsel verkauft werden. So stand einem Bauernpreis von rund 500 Dollar ein möglicher Endverkaufswert von etwa 225.000 Dollar gegenüber.
Karawanen und militärische Händler
In den 1950er-Jahren verkauften die Bewohner Long Pots ihr Opium an chinesische Karawanen, die vom Tranninh-Plateau kamen. Diese Händler passierten den Bezirk während der Erntezeit regelmäßig. Auch nachdem Neutralisten und Pathet Lao 1960 und 1961 die Ebene besetzt hatten, kamen die Karawanen zunächst weiter, um Opium aus Long Pot und den umliegenden Dörfern zu kaufen.
Nach der Aussage Ger Su Yangs verschwanden sie erst nach der Ernte von 1964 und 1965, als schwere Kämpfe am westlichen Rand der Ebene einsetzten. An ihre Stelle traten bewaffnete Handelskarawanen aus dem Umfeld Vang Paos. Sie wurden von Feldwebeln oder Hauptleuten geführt und bestanden häufig aus etwa 6 berittenen Soldaten sowie einer Reihe von Bergponys, die mit Waren beladen waren. Während ihrer Aufenthalte nutzten die Soldaten das Haus des Bezirksverwalters als Stützpunkt.
Hmong-Bauern und Angehörige der Lao Theung aus Nachbardörfern brachten ihr Opium nach Long Pot und verhandelten dort mit den Offizieren. Die Soldaten wogen die Ware auf einer Balkenwaage und verbrannten eine kleine Probe, um ihre Qualität einzuschätzen. Die Bauern prüften ihrerseits Arzneien, Salz, Eisen, Silber, Taschenlampen, Stoff und Nähgarn, die als Tauschware angeboten wurden. Nach dem Feilschen wurde der Handel abgeschlossen.
Geld statt Tauschware
Früher hatten viele Hmong lieber Silber oder Waren als Bezahlung angenommen. Im Verlauf des Krieges machten die regelmäßigen Flüge von Air America zahlreiche Handelsgüter leichter verfügbar. Deshalb bevorzugten immer mehr Opiumbauern die laotische Währung. Die Bezahlung in Geld machte den Handel einfacher und erlaubte den Bauern, ihre Einkäufe selbst auszuwählen.
Die Vorlieben unterschieden sich regional. Bergvölker in Birma und Thailand bevorzugten weiterhin Tauschgüter oder Silber, darunter britisch-indische Rupien, Piaster aus Französisch-Indochina und Silberbarren. Vang Paos Hmong-Untertanen gehörten damit zu den Gruppen, die sich stärker an die Geldwirtschaft anpassten. Die Versorgung aus der Luft veränderte also nicht nur die Ernährung, sondern auch die Art des Handels.
Aufkauf durch Hmong-Soldaten
Um Opium aus den umliegenden Dörfern zu beschaffen, gingen Hmong-Soldaten auf kurzen Märschen über schmale Bergpfade nach Norden und Süden. Der Vorsteher des Lao-Theung-Dorfs Nam Suk, etwa 6 Kilometer nördlich von Long Pot, erinnerte sich, dass seine Bewohner 1967 oder 1968 begannen, ihre Ernte an diese Soldaten zu verkaufen. In jeder Erntezeit kamen 5 bis 8 Männer, bezahlten mit Papiergeld, verstauten das Opium in Rucksäcken und zogen weiter.
Zuvor hatten die Bauern ihre Ware an laotische oder chinesische Händler aus Vang Vieng verkauft. Die Hmong-Soldaten boten nach der Erinnerung des Dorfvorstehers ungefähr 20 Prozent mehr als Händler aus Vang Vieng oder Luang Prabang. Für die Lao-Theung war es daher vorteilhaft, mit ihnen Geschäfte zu machen. Die militärischen Verbindungen Vang Paos verschafften seinen Offizieren einen klaren Vorteil auf dem örtlichen Markt.
Die Offiziere zahlten bis zu 60 Dollar je Kilogramm, während Händler aus anderen Städten meist 40 bis 50 Dollar boten. Dadurch konnten Vang Paos Männer häufig innerhalb weniger Wochen den größten Teil des Opiums im Bezirk aufkaufen. Wenn ihre Bergponys die Lastgrenze erreicht hatten, verstauten sie die Ware in großen Bambuskisten und brachten sie nach Long Tieng, wo das Rohopium zu Morphinbase verarbeitet wurde. In jeder Erntezeit kehrten sie gewöhnlich 2- oder 3-mal zurück.
Hubschrauber ersetzen die Karawanen
Mit der Ernte von 1969 und 1970 änderte sich der Transport. Ger Su Yang berichtete 1971, dass Hauptleute und Majore aus Long Tieng nun in kleinen Gruppen mit amerikanischen Hubschraubern eintrafen. Sie blieben einige Tage, gingen in die umliegenden Dörfer und kauften dort Opium auf. Anschließend riefen sie über Funk einen Hubschrauber, der die Ware nach Long Tieng brachte.
Nach Aussage des Bezirksverwalters waren die Piloten Amerikaner, während die Offiziere, die das Opium kauften, Hmong waren. Der Vorsteher von Nam Ou, einem Lao-Theung-Dorf etwa 8 Kilometer nördlich von Long Pot, bestätigte den Ablauf. 1969 und 1970 seien Hmong-Offiziere mit Hubschraubern nach Tam Son gekommen und von dort zu Fuß in umliegende Dörfer gegangen, um Ernten aufzukaufen.
Die Haushalte von Nam Ou erzeugten jeweils nur etwa 2 oder 3 Kilogramm Opium. Die Käufer zogen deshalb weiter nach Nam Suk und Long Pot, wo größere Mengen verfügbar waren. Der Hubschrauber ersetzte die mühsamen Transporte über Bergpfade und ermöglichte einen schnelleren Abtransport. Damit wurde die militärische Luftfahrt noch unmittelbarer in den Opiumhandel eingebunden.
Das Bündnis mit Vang Pao belastet das Dorf
Die zunächst vorteilhafte Verbindung Long Pots mit Vang Pao und der CIA schwächte später die örtliche Wirtschaft und gefährdete das Überleben des Dorfes. Das Bündnis hatte 1961 begonnen, als Hmong-Offiziere Waffen und Geld anboten und zugleich mit Repressalien drohten, falls die Bewohner neutral blieben. Ger Su Yang missbilligte, dass Vang Pao die politische Stellung Touby Lyfoungs an sich gezogen hatte. Dennoch sah er sich offenbar gezwungen, Vang Pao die Unterstützung des Dorfes zuzusichern.
In den 1960er-Jahren entwickelte sich Long Pot zu einem der loyalsten Dörfer Vang Paos. Buell setzte viel persönliche Aufmerksamkeit daran, die Bewohner für das Bündnis zu gewinnen, und die amerikanische Entwicklungshilfe ließ im Dorf eine Schule errichten. Long Pot schickte ungefähr 20 Männer als Soldaten nach Long Tieng; die meisten von ihnen fielen im Kampf. Im Gegenzug erhielt das Dorf Reislieferungen, Geld und einen guten Preis für sein Opium.
Rekrutierung junger Männer
1970 erreichte der Krieg das Dorf unmittelbar. Long Tieng wurde bedroht, und Vang Paos Armee hatte kaum noch Reserven. Er verlangte deshalb, dass die Dörfer jeden verfügbaren Mann schickten, darunter auch 15-Jährige. Ger Su Yang kam der Forderung nach und ließ auf einem nahe gelegenen Berghang ein Ausbildungslager für 60 Rekruten einrichten.
Nach einer Grundausbildung und wochenlangem Schießtraining wurden die jungen Männer Ende des Jahres von Hubschraubern der Air America an die Front gebracht. Die Dorfführer entsandten sie nur widerwillig, denn Berichte über hohe Verluste hatten sich verbreitet. Als Offiziere aus Long Tieng im Januar 1971 erneut Rekruten verlangten, verweigerte Long Pot die Zusammenarbeit. Ger Su Yang erklärte später, er werde keine weiteren Männer aus dem Dorf in den Krieg schicken.
Danach wurden die Reisabwürfe für Long Pot eingestellt. Die Entscheidung verschärfte die Abhängigkeit des Dorfes von den militärischen Stellen: Wer sich den Rekrutierungsforderungen widersetzte, verlor zugleich einen wichtigen Teil seiner Versorgung. Die Bewohner mussten zwischen dem Schutz ihrer Söhne und dem Zugang zu Reis abwägen. Die Hilfe aus der Luft war damit auch ein Druckmittel.
Bombardierungen und Flucht
Mit Beginn der jährlichen Offensive von Pathet Lao und nordvietnamesischen Kräften im Januar 1971 tauchten verstärkt Patrouillen in der Gegend auf und nahmen Kontakt zur Bevölkerung auf. Amerikanische Stellen befürchteten, die Hmong und Lao Theung könnten zur Gegenseite überlaufen. Sie forderten die Einwohner auf, nach Süden zu ziehen, und stellten die Reisversorgung für jene ein, die blieben.
Zusätzliche Angst lösten die verstärkten amerikanischen und laotischen Luftangriffe östlich von Long Pot aus. Bewohner benachbarter Hmong-Dörfer verließen ihre Häuser und zogen in das südliche Auffanggebiet Tin Bong. Auch Familien aus Tam Son und Long Pot schlossen sich der Flucht an. Einige Hmong aus Sam Pu Kok gingen ebenfalls nach Süden, während mehrere Lao-Theung-Dörfer auf einen Bergrücken gegenüber Long Pot auswichen.
Ger Su Yang wollte in seinem angestammten Gebiet bleiben und versuchte, den Flüchtlingsstrom aufzuhalten. Viele Bewohner verließen im Januar dennoch ihre Häuser und versteckten sich bis März im nahen Wald. Die Entscheidung fiel zwischen den Risiken des Verbleibs und den Gefahren einer Flucht, während die Versorgung zugleich unsicher wurde. Der Bezirk war nun unmittelbar vom Luftkrieg und von den Kämpfen am Boden betroffen.
Die Angst vor den Luftangriffen
Amerikanische Vertreter erklärten, die Bergvölker seien vor allem vor einem Massaker durch die gegnerischen Truppen geflohen. Viele Einwohner von Long Pot nannten dagegen die wahllosen Luftangriffe als Hauptgrund für den Wegzug ihrer Nachbarn. Sie kannten die Zerstörung aus eigener Anschauung und wussten, was Bomben und Bordwaffen anrichten konnten. Ihre Furcht war eine Reaktion auf Erlebnisse, nicht auf Unkenntnis der Kriegsgefahr.
Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hörten die Bewohner nach der überlieferten Darstellung in kurzen Abständen die Bomberverbände auf dem Weg zum Tranninh-Plateau. Nachts überflogen AC-47-Flugzeuge das Gebiet und feuerten mit ihren Bordwaffen, wenn Infrarotsensoren Wärmequellen erfassten. Überlebende aus bombardierten Orten kamen durch Long Pot und berichteten von Luftangriffen und Beschuss. Die Berichte machten die Gefahr für die Bewohner unmittelbar und konkret.
Am 21. August 1971 erreichten 20 erschöpfte Flüchtlinge aus einem Lao-Theung-Dorf bei Muong Soui Long Pot. Im Juni hatten laotische T-28-Flugzeuge ihr Dorf bombardiert, während die Bewohner in den Wald flohen. Nachts suchten AC-47-Flugzeuge die Umgebung ihrer Gräben und Höhlen ab. Weil sie am Tag bombardiert und in der Nacht beschossen wurden, konnten die Flüchtlinge ihre Felder nur in den Stunden vor Tagesanbruch bestellen.
Schließlich verließen sie das Gebiet, weil sie den Hungertod fürchteten. Sie wanderten 11 Tage durch den Wald, bevor sie Long Pot erreichten. Während des Marsches wurden sie 2-mal von AC-47-Flugzeugen entdeckt und beschossen. Ihre Flucht zeigte, dass weder die Felder noch die Wälder einen verlässlichen Schutz vor den Angriffen boten.
Ein zerstörtes Umland
Als Ger Su Yang gefragt wurde, ob er mehr die Bomben oder die Pathet Lao fürchte, nannte er die Bombardierungen. Er schilderte zerstörte Dörfer, verbrannte Häuser und große Bombenkrater in der Ebene von Xieng Khouang. In den Bergen seien zudem Minen abgeworfen worden. Die Erzählung des Bezirksverwalters beschrieb eine Landschaft, in der ganze Siedlungen verschwunden und Bewohner getötet worden waren.
Bis dahin war die Opiumproduktion Long Pots noch nicht zusammengebrochen. Obwohl die Einwohner den Winter zuvor häufig im Wald verbracht hatten, gelang es den meisten Haushalten, ungefähr ihre übliche Menge von 15 Kilogramm zu ernten. Kämpfe bei Long Tieng verzögerten die Ankunft der Hubschrauber um Monate. Im Mai 1971 trafen die Hmong-Händler schließlich ein und zahlten wie erwartet ungefähr 60 Dollar je Kilogramm Rohopium.
Der Zusammenbruch der Ernte
Die Aussichten für die folgende Ernte waren bereits Ende August schlecht. Weil die Bewohner den vorangegangenen Winter im Wald verbracht hatten, konnten sie nur wenige neue Felder roden. Der Mohn musste daher auf ausgelaugten Böden wachsen. Die Bauern rechneten damit, höchstens etwa die Hälfte der vorherigen Ernte einzubringen.
Mit der weiteren Verschärfung des Krieges in den Jahren 1971 und 1972 sank die Opiumproduktion des Bezirks drastisch und kam schließlich zum Erliegen. Nach Angaben der amerikanischen Entwicklungshilfe zogen etwa 4.600 Bewohner der Bergvölker im Januar und Februar 1971 in das bereits dicht besiedelte Flüchtlingsgebiet Tin Bong. Einige der zurückbleibenden Dörfer der Lao Theung erzeugten überhaupt kein Opium mehr. Auch Long Pot verlor in den ersten Monaten des Jahres 1971 8 Haushalte.
Am 4. Januar 1972 griffen verbündete Kampfflugzeuge den Bezirk an. Der Angriff sollte offenbar die Offensive der Pathet Lao aufhalten. Die Flugzeuge warfen Napalm ab und zerstörten Long Pot sowie 3 benachbarte Dörfer der Lao Theung. Damit endeten nicht nur die örtliche Opiumproduktion und der Handel, sondern auch das Leben der Gemeinschaften an ihren bisherigen Wohnorten.
Das Ende von Vang Paos Armee
Die Flucht aus Long Pot war Teil des umfassenden Rückzugs der Hmong aus den Bergen rund um das Tranninh-Plateau. Bis 1973 drängten sich etwa 150.000 Hmong in einem ungefähr 75 Kilometer breiten Gebirgsstreifen zwischen Long Tieng und der Ebene von Vientiane. Vang Paos Armee schrumpfte durch die fortlaufenden Verluste von ungefähr 40.000 auf 10.000 Mann. Die CIA ließ schätzungsweise 20.000 thailändische Söldner einfliegen, um die Hmong-Kämpfer zu ersetzen, die nicht mehr kämpfen konnten oder wollten.
Angesichts eines drohenden Angriffs auf Vientiane unterzeichnete die königlich-laotische Regierung 1973 einen Waffenstillstand mit der Pathet Lao. Damit begann das Ende des geheimen Krieges. In den folgenden Monaten gab Air America mehr als 300 Landebahnen auf und überließ der laotischen Regierung einige Transportflugzeuge. Im Juni 1974 räumte die Gesellschaft auf Anweisung sämtliche Stützpunkte im Land.
Anfang 1975 rückten Pathet-Lao-Kämpfer auf Vang Paos Gebiet vor. Seine verbliebenen 6.000 Soldaten leisteten nur noch vereinzelten Widerstand. Anfang Mai durchbrachen kommunistische Truppen die Linien an der Hauptstraße nach Vientiane; ohne die Beweglichkeit und Feuerkraft der amerikanischen Luftunterstützung konnte Vang Paos Armee den Vormarsch nicht aufhalten. Seine amerikanischen Verbindungsoffiziere drängten ihn zur Flucht nach Thailand, der er schließlich zustimmte.
Evakuierung nach Thailand und in die Vereinigten Staaten
Am 14. Mai landeten von der CIA gecharterte Flugzeuge in Long Tieng, um Vang Pao und seine verbliebenen Truppen auszufliegen. Die Maschinen pendelten zu nahe gelegenen Stützpunkten in Thailand und mussten dabei dem Beschuss von umliegenden Bergrücken ausweichen. Auf der Startbahn drängten sich panische Hmong, die ebenfalls ausfliegen wollten. Die Besatzungen mussten sich beim Abflug durch die Menschenmenge bewegen.
Etwa 3.000 Hmong wurden über den Mekong nach Thailand gebracht. Anschließend flogen Vang Pao und sein CIA-Verbindungsmann Jerry Daniels in die Vereinigten Staaten. Sie ließen sich in Missoula im Bundesstaat Montana nieder. Dort kaufte Vang Pao nach der Darstellung für mehr als 500.000 Dollar eine Rinderfarm, einen Schweinebetrieb und 2 große Häuser.
Bis zum Ende des Jahres waren mehr als 30.000 Hmong nach Thailand geflohen. Diese erste Fluchtwelle wurde zum Auftakt eines länger anhaltenden Exodus, der bis 1979 auf ungefähr 3.000 Flüchtlinge im Monat anwuchs. Vang Pao beschrieb den Frieden schließlich als eine Zeit, die für die Betroffenen kaum weniger hart gewesen sei als der Krieg.












