Opiumhandel und Machtpolitik im geheimen Krieg um Laos
Screenshot youtube.comDer geheime Krieg in Laos war nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern auch ein Kampf um politische Kontrolle, Geld und Einfluss. Die folgende Darstellung schildert, wie der laotische General Phoumi Nosavan nach dem Wegfall amerikanischer Finanzhilfen den Opiumhandel zur Einnahmequelle machte und wie sich dieser Handel mit den Interessen verschiedener Generäle und der amerikanischen Geheimdienste verflocht. Sie zeichnet zugleich nach, wie militärische Erfordernisse, die Versorgung verbündeter Kräfte und politische Rücksichtnahme den Drogenhandel begünstigt haben sollen.
Phoumi Nosavan steigt zur Schlüsselfigur auf
Als die linke Pathet-Lao-Bewegung 1958 bei den Wahlen überraschend erfolgreich war, kam eine neutralistische Regierung an die Macht. Die amerikanische Mission in Laos befürchtete, das Land könne sich dem kommunistischen Lager zuwenden. Der damalige Oberst Phoumi Nosavan war zu diesem Zeitpunkt ein ehrgeiziger, aber noch nicht führender Politiker. Die Darstellung beschreibt ihn als von der CIA geförderten Organisator der laotischen Rechten, der später einen großen Teil des Opiumhandels kontrollierte.
Die Vereinigten Staaten unterstützten demnach rasch den Aufbau einer rechtsgerichteten Koalition. Einige Wochen nach der Wahl stellte das US-Außenministerium seine finanzielle Hilfe vollständig ein und brachte die neutralistische Regierung so in eine schwere Haushaltskrise. Wenig mehr als 3 Monate nach der Wahl traten Ministerpräsident Souvanna Phouma und sein Kabinett zurück. Der neue Regierungschef Phoui Sananikone bekannte sich offen zum Antikommunismus.
Phoumi gehörte zu einer Gruppe junger, politisch ambitionierter Männer, die mit Unterstützung der CIA die Rechte organisieren sollten. Im Februar 1959 erhielt er einen Sitz im Kabinett und wurde einige Monate später zum General befördert. Mit einem persönlichen Verbindungsmann der CIA an seiner Seite plante er Staatsstreiche, beeinflusste Wahlen und half beim Aufbau einer geheimen Armee. Damit wurde er nach dieser Darstellung zu einem zentralen Akteur der amerikanischen Bemühungen, Laos auf einem antikommunistischen Kurs zu halten.
Der Bruch mit Washington und die Suche nach Geld
1961 änderten Präsident John F. Kennedy und seine Berater ihre Linie. Um eine bewaffnete Konfrontation mit der Sowjetunion um Laos zu vermeiden, setzten sie auf eine neutralistische Koalition. Phoumi sollte seine rechtsgerichtete Regierung in eine Dreiparteienkoalition überführen, lehnte dies aber trotz persönlicher Appelle Kennedys und eines stellvertretenden US-Außenministers ab. Daraufhin wurde sein Verbindungsmann der CIA aus dem Land gebracht, und im Februar 1962 strich das US-Außenministerium die monatlichen Zahlungen von 3 Millionen Dollar an Phoumis Regierung.
Phoumi wollte nicht zurücktreten und brauchte dringend neue Einnahmen für seine Regierung und seine Armee. Zwar hatte er schon zuvor Bestechungsgelder von korsischen und chinesischen Schmugglern angenommen, doch war er nach der Darstellung zunächst nur mittelbar am Opiumhandel beteiligt und erhielt lediglich einen kleinen Anteil der Gewinne. Die laotischen Händler konzentrierten sich vor allem auf Opium aus dem eigenen Land; größere Mengen birmanischer Ware gelangten nur in geringem Umfang über Laos auf die internationalen Märkte.
Phoumis Lösung bestand darin, die Regierung unmittelbar am Ein- und Ausfuhrgeschäft mit birmanischem Opium zu beteiligen. Die Darstellung verbindet diese Entscheidung mit dem späteren Aufstieg Nordwestlaos zu einem bedeutenden Zentrum der weltweiten Heroinherstellung. Phoumi überließ den Aufbau der Handelsverbindungen General Ouane Rattikone, dem Befehlshaber der Militärregion I und mächtigen Kriegsherrn im Nordwesten des Landes.
Ouane Rattikone organisiert den Handel
Anfang 1962 wurde Ouane zum Leiter der halboffiziellen laotischen Opiumverwaltung ernannt. Seine Aufgabe war es, den Import birmanischen Opiums in Gang zu bringen. Über einen Kommandeur der geheimen Armee in Ban Houei Sai nahm er Kontakt zu einem Shan-Rebellenführer im Goldenen Dreieck auf, der mit der CIA verbunden war. Einige Monate später organisierte dieser die ersten größeren Lieferungen über den Mekong nach Laos.
Die Darstellung beschreibt diese Karawanen als eine neue Entwicklung im laotischen Handel mit Opium. Ouane hielt den Aufbau der Verbindung für einen bedeutenden Erfolg. Für den Weitertransport der Ware nutzte sein Netzwerk nach seiner späteren Darstellung zivile Fluggesellschaften mit Dakota-Maschinen vom Typ C-47. Das Opium wurde in mehrere Schichten Kunststoff verpackt, über dem Golf von Thailand abgeworfen und auf Flößen zu kleinen Fischerbooten gebracht, die es in südvietnamesische Häfen transportierten.
Diese Lieferungen seien sehr einträglich gewesen. Für 1962 wird Phoumis durchschnittliches Einkommen aus dem Geschäft mit rund 35.000 Dollar im Monat angegeben. Der Betrag veranschaulicht, welche Bedeutung der Opiumhandel für seine Finanzen gewann, nachdem die amerikanischen Zahlungen eingestellt worden waren.
Politischer Rückzug und wirtschaftliche Zugeständnisse
Phoumis Regierung geriet trotz der neuen Einnahmen weiter unter Druck. Nach dem Ende der amerikanischen Hilfe ließ sie nach der Darstellung zusätzliches Geld drucken. Innerhalb von 6 Monaten sank die Devisendeckung der laotischen Währung um 30 Prozent, während die Verbraucherpreise in Vientiane um 20 Prozent stiegen. Phoumi reiste durch Asien, um Unterstützung bei antikommunistischen Regierungen zu suchen; helfen wollte ihm jedoch nur Südkorea.
Im Mai 1962 wurden Phoumis Truppen bei Nam Tha in Nordwestlaos schwer geschlagen. Daraufhin räumte er sein politisches Scheitern ein und stimmte einer neutralistischen Koalition zu, die erneut von Souvanna Phouma geführt wurde. Der Machtverlust hatte allerdings einen Preis. Als Ausgleich erhielt Phoumi die Kontrolle über das Finanzministerium und durfte einen großen Teil der Konsumwirtschaft Vientianes für sich beanspruchen.
Mit stillschweigender Zustimmung des Ministerpräsidenten baute Phoumi nach dieser Darstellung Monopole in verschiedenen Geschäftszweigen auf, von legalen Handelsbereichen bis hin zu gewinnbringenden Vergnügungsangeboten. In der Innenstadt von Vientiane ließ er ein großes Kasino einrichten. Seine Pläne, ähnliche Spielstätten in allen größeren laotischen Städten zu eröffnen, stießen jedoch auf Widerstand: Der König untersagte ein Kasino in Luang Prabang, und die Behörden in Thakhek wehrten sich gegen ein entsprechendes Vorhaben.
Besonders einträglich war laut Darstellung der Goldhandel. Das Finanzministerium verschaffte Phoumis Bank von Laos ein Einfuhrmonopol für Gold, das jährlich zwischen 300.000 und 500.000 Dollar eingebracht haben soll. Noch höhere Gewinne versprach der Opiumhandel. Phoumi ließ in Vientiane eine Opiumhöhle einrichten, die Platz für 150 Raucher bot, und versah sie nach außen mit der Bezeichnung Entgiftungsklinik.
Opiumexporte und Streit unter den Generälen
Ouane führte die Opiumverwaltung weiter und weitete das Geschäft aus. Jedes Jahr trafen größere Karawanen der Shan in Nordwestlaos ein; zwischen 1962 und 1964 verdreifachten sich nach der Darstellung die Erlöse aus den Ausfuhren nach Südvietnam. Ein Hauptbuch der Verwaltung, das Ouane noch Jahre später aufbewahrt haben soll, verzeichnete für November 1963 den Export von 1.146 Kilogramm Rohopium nach Südvietnam. Die Lieferung habe 97.410 Dollar eingebracht.
Phoumis Monopole verschärften zugleich die Spannungen innerhalb des rechten Lagers. Er hatte die ertragreichsten Teile der Wirtschaft Vientianes unter seine Kontrolle gebracht, wollte die Gewinne aber nicht mit anderen Generälen teilen. General Kouprasith Abhay, der die Militärregion Vientiane befehligte, betrachtete die Hauptstadt als sein eigenes wirtschaftliches Einflussgebiet. Auch Ouane war unzufrieden: Für die Leitung einer Opiumverwaltung, die jährlich mehr als 1 Million Dollar einbrachte, erhielt er nach eigener Erinnerung nur ein Monatsgehalt von 200 Dollar.
Phoumis Einverständnis mit der neutralistischen Regierung beschädigte zusätzlich seinen Rückhalt bei den entschiedensten Vertretern der Rechten. Kouprasith und Ouane gehörten zu den Generälen, die ihm zunehmend misstrauten. Der Staatsstreich vom 19. April 1964 richtete sich nach außen gegen die neutralistische Armee und die politische Stellung der Rechten, zielte laut Darstellung aber auch darauf, Phoumis wirtschaftliche Macht zu zerschlagen.
Der Staatsstreich von 1964 und Phoumis Gegenputsch
Um 4 Uhr morgens besetzten Truppen unter Kouprasiths Führung die Hauptstadt. Sie nahmen die meisten neutralistischen Offiziere fest und stellten den Ministerpräsidenten unter Hausarrest. Widerstand gab es kaum, und das Blutvergießen blieb gering. Die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung einstellen könnten, veranlasste Kouprasith und Ouane schließlich dazu, den Ministerpräsidenten aus dem Hausarrest zu entlassen. Phoumi konnten sie jedoch nicht vor dem Verlust seiner Ämter und Monopole bewahren.
Am 2. Mai trat Phoumi als Verteidigungsminister zurück. Am selben Tag entzog das Finanzministerium der Sogimex Company, einer seiner Firmen, die Einfuhrerlaubnis für alkoholische Getränke. Das Revolutionskomitee schloss das Kasino, und das Goldimportmonopol von Phoumis Bank wurde aufgehoben. Damit zerfiel ein wesentlicher Teil seines Finanzimperiums.
Am 2. Februar 1965 versuchte Phoumi nach der Darstellung, seine Macht durch einen Gegenputsch zurückzugewinnen. Verschiedene bewaffnete Gruppen durchzogen Vientiane, trugen Erkennungsbänder in unterschiedlichen Farben und feuerten mehrere Tage lang mit Artillerie und Maschinengewehren. Die Lage war derart unübersichtlich, dass Ouane und Kouprasith erst am 8. Februar auf einer Pressekonferenz ihren Sieg verkündeten und erklärten, der tatsächlich stattgefundene Staatsstreich sei ihrer gewesen. Phoumi gab schließlich auf und floh nach Thailand.
Die Sieger teilten die verbliebenen Teile seines wirtschaftlichen Einflusses unter sich auf. Kouprasith übernahm einen großen Teil von Phoumis Immobilien und Geschäften, darunter Bordelle und Opiumhöhlen. Ouane sicherte sich dagegen die Kontrolle über den Opiumhandel in Nordwestlaos.
Flugzeuge, Krieg und die Versorgung der Hmong
Mit Ouanes Aufstieg endete die Tätigkeit korsischer Charterfluggesellschaften im Opiumtransport. Er verweigerte ihnen die erforderlichen militärischen Transportgenehmigungen und versperrte ihnen damit den Zugang zu laotischen Flughäfen. Die Fluggesellschaften verschwanden aus dem Geschäft. Ouane hatte jedoch die Möglichkeiten der eigenen Lufttransportwege überschätzt, und der Ausschluss der Korsen löste nach dieser Darstellung eine Krise im laotischen Opiumhandel aus.
Der Zeitpunkt war ungünstig, weil die laotische Luftwaffe 1964 und 1965 stark beansprucht wurde. Die Bombardierung des Ho-Chi-Minh-Pfades hatte begonnen, laotische T-28-Kampfflugzeuge wurden für geheime Angriffe auf Nordvietnam eingesetzt, und die Kämpfe auf dem Tranninh-Plateau erforderten umfassende Luftunterstützung. Der Befehlshaber der Luftwaffe räumte diesen militärischen Aufgaben Vorrang ein und lehnte es ab, Flugzeuge für Ouanes Opiumtransporte nach Ban Houei Sai bereitzustellen.
Auch in den Hmong-Gebieten im Nordosten verschärfte der Krieg die Schwierigkeiten beim Transport. Nachdem Pathet-Lao-Rebellen 1964 das Tranninh-Plateau erobert hatten, blieb der Luftwaffe nur der Einsatz provisorischer Landebahnen aus festgestampfter Erde auf umliegenden Bergkämmen. Schwere C-47-Transportflugzeuge waren dort kaum zu gebrauchen, und leichte Aufklärungsmaschinen standen nur in geringer Zahl zur Verfügung.
Die Kämpfe hatten die Abhängigkeit der Hmong vom Mohnanbau verstärkt. Als der Lufttransport ausfiel, gerieten die Opiumbauern der Bergregionen in große wirtschaftliche Not. Zugleich stützte sich die CIA auf die Hmong, um die Pathet-Lao-Kräfte in den Bergen Nordostlaos zu bekämpfen. Bis 1965 hatte sie eine Hmong-Armee von 30.000 Soldaten aufgebaut, die unter anderem Radarstationen bewachte, die für die Bombardierungen Nordvietnams wichtig waren, und abgeschossene amerikanische Piloten rettete.
Air America und der Transport von Opium
Um die Transportkrise zu bewältigen, setzte die CIA nach der Darstellung Hubschrauber ihrer Fluggesellschaft Air America ein. Die Maschinen brachten Opium aus Bergdörfern nördlich und östlich des Tranninh-Plateaus zum Hauptquartier von General Vang Pao in Long Tien. Dieser Transportdienst habe mindestens bis Ende 1971 angedauert.
Dorfoberste der Hmong aus dem Gebiet des Tranninh-Plateaus berichteten demnach, dass Vang Paos Offiziere die Ernte von 1970 und 1971 aufkauften. Anschließend sei das Opium mit UH-1H-Hubschraubern von Air America nach Long Tien geflogen worden. Die Darstellung vermutet, dass die Ware für Heroinlabors in Long Tien oder Vientiane bestimmt war und schließlich auch US-Soldaten in Vietnam erreichte.
Die Haltung der amerikanischen Botschaft
Die US-Botschaft in Vientiane begegnete dem Opiumhandel nach dieser Schilderung mit wohlwollender Nachsicht. Als ein amerikanischer Journalist die Verwicklung laotischer Amtsträger in den Rauschgifthandel beanstandete, antwortete Botschafter McMurtrie Godley am 2. Dezember 1970 schriftlich. Er räumte ein, dass der Kauf von Opium in Südostasien vergleichsweise einfach sei, erklärte aber, die königlich-laotische Regierung nehme ihre Verantwortung zur Bekämpfung des internationalen Handels ernst.
Godley verwies außerdem auf Informationen, wonach Südostasien nur 5 Prozent der illegal nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten eingeführten Drogen produziere. Die amerikanische Regierung unternehme nach seiner Darstellung alle Anstrengungen, den Handel einzudämmen. Die vorliegende Darstellung hält dagegen, die verfügbaren Informationen hätten den Botschafter über das Ausmaß der Heroinherstellung in Laos und die Versorgung amerikanischer Soldaten in Vietnam aufklären müssen. Die Lage der Heroinlabors sei selbst für Mitarbeiter niedrigerer Ebenen der US-Verwaltung bekannt gewesen.
Geheimkrieg und politische Mitverantwortung
Für amerikanische Bürger, die in ihren Städten und Vororten mit dem Straßenhandel von Drogen konfrontiert waren, mochte es kaum vorstellbar sein, dass eine Behörde ihrer Regierung den internationalen Handel dulden würde. Die Darstellung meint jedoch, die Verstrickung von Air America und die Haltung der Botschaft ließen sich aus den militärischen Erfordernissen des Krieges in Nordlaos erklären. Vier aufeinanderfolgende US-Präsidenten hätten darauf verzichtet, reguläre amerikanische Kampftruppen nach Laos zu entsenden, und stattdessen die CIA mit dem Aufbau einer kampffähigen Hmong-Armee betraut.
Die amerikanische Mitwirkung am laotischen Opiumhandel wird damit als Folge politischer Entscheidungen im Rahmen des geheimen Krieges verstanden. Um die Hmong als militärische Verbündete einzusetzen und ihre Versorgung zu sichern, hätten die Vereinigten Staaten Strukturen gestützt oder geduldet, die auch dem Opiumtransport dienten. Die Darstellung führt die Verflechtung von Geheimdienst, Militär und Drogenhandel deshalb auf die strategischen Entscheidungen zurück, mit denen Washington den Krieg in Laos führte.













