Sicherheitsrisiken im vernetzten Haushalt: Der ungeschützte Raum der intelligenten Geräte
Screenshot youtube.comDie zunehmende Vernetzung unseres Alltags hat zu einer rasanten Verbreitung intelligenter Geräte geführt, die nahezu jeden Lebensbereich durchdringen. Vom Kühlschrank bis zur Heizungssteuerung, von der Überwachungskamera bis zum Staubsauger – immer mehr Gegenstände sind mit dem Internet verbunden und tauschen Daten aus. Diese Entwicklung verspricht zwar Komfort und Effizienz, schafft jedoch gleichzeitig einen riesigen, kaum kontrollierbaren Raum, der erhebliche Sicherheitsrisiken birgt. Die meisten Nutzer sind sich der Gefahren nicht bewusst, die von diesen scheinbar harmlosen Geräten ausgehen können.
Die unüberschaubare Vielfalt vernetzter Geräte
Das Internet der Dinge ist zwar kein Neuland mehr, stellt jedoch einen weitestgehend unüberwachten Bereich dar. Allein die enorme Menge der Geräte, die heute bereits eine Internetverbindung besitzen, macht die meisten zu speziellen Nischenanwendungen. Entweder dient die Internetanbindung lediglich als Zusatzfunktion, die eher dem Imagefaktor zuträglich ist, oder es existieren aufgrund der geringen Stückzahl nicht viele Exemplare eines bestimmten Modells. Diese Situation birgt stets ein erhebliches Risiko, da Sicherheitslücken bei solchen vernetzten Geräten immer wieder auftreten und ausgenutzt werden können.
Gekaperte Überwachungskameras als Einfallstor
Ein anschauliches Beispiel hierfür sind Internetprotokoll-Kameras, die in zahlreichen Häusern, Gärten, Ferienanlagen und öffentlichen Bereichen zum Einsatz kommen. Diese Geräte erfassen nicht nur reine Bildinformationen, sondern versuchen unter anderem auch, Objekte zu identifizieren, Gesichter zu erkennen und vieles mehr. Für das Jahr zweitausendeinundzwanzig wird der Einsatz von fünfundvierzig Milliarden solcher Kameras vorhergesagt. Viele davon sind sehr kostengünstig, stammen allerdings aus nicht unbedingt vertrauenswürdigen Quellen.
Missbrauch für Angriffe im Netz
Ganz unabhängig davon, dass das Videomaterial, das diese Geräte erzeugen, schützenswerte Informationen enthält, sind Webkameras auch bevorzugt gekaperte Instrumente, mit denen man Attacken im Internet durchführen kann. Wer eine Webkamera oder ein anderes vernetztes Gerät unter seiner Kontrolle hat, kann es für verteilte Überlastungsangriffe auf Internetseiten einsetzen. Spätestens seit dem Roboternetz namens Mirai, das ungefähr sechshunderttausend solcher Kameras übernommen und für Attacken auf Rechner genutzt hat, ist die Gefahr solcher Geräte bekannt.
Die Funktionsweise von Überlastungsangriffen
Eine verteilte Dienstverweigerungs-Attacke nutzt eine riesige Anzahl an Geräten, um gleichzeitig Anfragen an einen Rechner oder eine Internetseite zu schicken. Diese Seite bricht dann unter der schieren Menge der Anfragen zusammen und ist nicht mehr erreichbar. Wurde Ihr Gerät gekapert, dann ist eine der Adressen, die zum Zusammenbruch der Internetseite oder des Rechners geführt haben, die Ihre. Dies kann schwerwiegende Konsequenzen haben und Sie unter Umständen in rechtliche Schwierigkeiten bringen.
Schadsoftware befällt Speichergeräte
Nicht nur Webkameras sind von solchen Sicherheitsverletzungen betroffen. Ende des Jahres zweitausendneunzehn erhielten diverse Kunden eines großen Telekommunikationsanbieters eine elektronische Post und einen Brief. Darin wurden sie über eine Schadsoftware in einem ihrer Geräte informiert. Die sogenannte QSnatch-Schadsoftware hatte ganz speziell Netzwerkfestplatten eines bestimmten Herstellers befallen, die dann von einem Roboternetz übernommen wurden und für Überlastungsangriffe eingesetzt werden sollten. Dies zeigt, dass praktisch jedes vernetzte Gerät potenziell gefährdet ist.
Schutzmaßnahmen durch regelmäßige Aktualisierungen
Wie können Sie sich davor schützen, dass eines Ihrer Geräte unbefugt zugegriffen wird? Das ist leider schwierig und nur begrenzt möglich. Beachten Sie aber zumindest Folgendes: Bei allen vernetzten Geräten gilt – wie bei allen anderen verbundenen Instrumenten – ein oberstes Gebot: Aktualisierungen, Aktualisierungen, Aktualisierungen. Stellen Sie sicher, dass alle Ihre Geräte regelmäßig mit den aktuellen Updates der Gerätesoftware versehen werden. Vernünftige Hersteller sorgen dafür, dass erkannte Sicherheitslücken zügig geschlossen werden.
Die Bedeutung der Herstellerwahl
Auch dies bietet keine absolute Sicherheit, ist aber zumindest ein Schritt zu mehr Schutz. Wie gut Sie auf diese Weise geschützt werden, hängt auch vom Hersteller ab. Wie in so vielen Bereichen unseres Lebens gilt auch hier: Wer billig kauft, kauft doppelt – oder, im Zusammenhang mit vernetzten Geräten, zahlt gegebenenfalls mit seinen Daten. Dabei geht es nicht darum, sämtliche Produzenten kostengünstiger Geräte pauschal zu verurteilen. Doch wenn Sie eine preiswerte Kamera aus Massenfertigung erwerben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie regelmäßig Aktualisierungen erhalten, deutlich geringer, als wenn es sich um ein Markenprodukt handelt.
Probleme bei günstigen Massenprodukten
Dies liegt vor allem daran, dass bei den preiswerten Geräten oft Bauteile verwendet werden, die gerade günstig verfügbar sind. Dadurch unterscheidet sich die Gerätesoftware von Gerät zu Gerät in vielen Fällen erheblich. Da ist das Bereitstellen von Aktualisierungen schwierig und für den Hersteller wenig rentabel. Sie sollten daher beim Kauf neuer vernetzter Geräte stets abwägen, ob die Ersparnis beim Kaufpreis das erhöhte Sicherheitsrisiko rechtfertigt.
Kritische Schwachstelle: Standardpasswörter
Neben technischen Mängeln ist eines der Haupteinfallstore bei vernetzten Geräten die Nachlässigkeit der Benutzer. Die meisten Geräte schützen den Zugang zur Konfigurationsoberfläche und den Sensoren und Daten durch Benutzernamen und Passwort. Diese stehen in den Handbüchern und sind damit für jeden Interessierten einsehbar. Sie sind auch nicht speziell oder kompliziert. Viele Geräte verwenden „admin“ als Benutzernamen und „admin“ oder „einszweidrei“ als Passwort.
Die Dringlichkeit der Passwortänderung
Ändern Sie das Passwort sofort! Wenn Sie sich in der Freude an einem neuen technischen Spielzeug dazu hinreißen lassen, diese Zugangsdaten erst einmal unverändert zu lassen und die Funktionen des Geräts zu testen, dann ist es ab diesem Zeitpunkt quasi für jeden zugänglich, der es aus dem Internet erreichen kann. Und was Sie einmal als vorläufige Lösung akzeptiert haben, hält erfahrungsgemäß ewig. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Zugangsdaten später noch einmal ändern, wird von Stunde zu Stunde geringer.
Auswahl sicherer Zugangscodes
Darum gilt: Ändern Sie als Erstes das Passwort und wählen Sie eines, das nicht leicht zu erraten ist. Ein sicheres Passwort sollte aus einer Kombination von Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen und mindestens zwölf Zeichen lang sein. Vermeiden Sie persönliche Informationen wie Geburtstage oder Namen, die leicht zu erraten sind. Nutzen Sie idealerweise für jedes Gerät ein unterschiedliches Passwort, um im Falle eines kompromittierten Geräts nicht alle anderen ebenfalls zu gefährden.
Überwachungssysteme für das Heimnetzwerk
Verschiedene Hersteller bieten Geräte an, die Ihr Netzwerk überwachen und nach Auffälligkeiten suchen. Das soll helfen, Geräte zu identifizieren, die von einer Schadsoftware infiziert sind und damit vielleicht Ihre Daten an Fremde weiterleiten. Ein solches Überwachungsgerät ist zum Beispiel eine bestimmte Sicherheitsbox. Was in der Theorie gut klingt, ist in der Praxis ein zweischneidiges Schwert: Damit dieser vermeintliche Schutz funktionieren kann, müssen Sie der Box vollumfänglichen Zugriff auf den Datenverkehr im Netzwerk erlauben.
Vertrauen in Drittanbieter
Wie bei einem virtuellen privaten Netzwerk müssen Sie darauf vertrauen, dass der Anbieter die Daten nicht für eigene Zwecke nutzt. Doch selbst wenn der Anbieter vertrauenswürdig ist, können Sie sich auf diesen Schutz weit weniger verlassen als auf den Virenscanner Ihres Rechners. Denn die Identifikation eines Schädlings und das Erkennen des daraus resultierenden Datenabflusses ist sehr schwierig.
Das Dilemma der Alarmeinstellungen
Entweder stellen Sie die Schwellwerte für einen Alarm sehr hoch ein, um möglichst viele potenzielle Bedrohungen zu erkennen. Dann werden Sie immer wieder sogenannte Fehlalarme erleben, bei denen Geräte fälschlicherweise als Bedrohung eingestuft werden. Oder Sie setzen die Schwelle so niedrig, dass Sie möglichst wenig gestört werden. Dann riskieren Sie, dass Sie von Eindringlingen oder Fehlfunktionen nichts mitbekommen. Dieser Zielkonflikt macht deutlich, dass technische Überwachungslösungen allein nicht ausreichen.
Die Notwendigkeit aktiver Nutzerbeteiligung
Der wirksamste Schutz vor unbefugtem Zugriff auf Ihre vernetzten Geräte bleibt Ihre eigene Wachsamkeit und Sorgfalt. Regelmäßige Aktualisierungen, sorgfältig gewählte Passwörter und eine bewusste Auswahl der Geräte beim Kauf sind die Grundpfeiler der Sicherheit im vernetzten Haushalt. Verlassen Sie sich nicht blind auf technische Hilfsmittel oder die Versprechen der Hersteller. Informieren Sie sich über die Sicherheitsfeatures der Geräte, bevor Sie diese anschaffen, und bleiben Sie skeptisch gegenüber allzu günstigen Angeboten unbekannter Hersteller.














