Vernetzte Geräte im Alltag und deren Datenschutzrisiken
Screenshot youtube.comDie digitale Durchdringung unseres täglichen Lebens hat ein Ausmaß erreicht, das vor wenigen Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Während früher nur einzelne Rechner mit dem weltweiten Datennetz verbunden waren, kommunizieren heute unzählige Gegenstände des täglichen Bedarfs miteinander und mit entfernten Servern. Diese Entwicklung bringt enorme Bequemlichkeit mit sich, schafft jedoch gleichzeitig neue Verwundbarkeiten im Bereich des Datenschutzes. Viele Nutzer sind sich nicht bewusst, welche Informationen ihre vernetzten Geräte sammeln und weitergeben. Die ständige Überwachung des eigenen Verhaltens wird zur Normalität, ohne dass dies hinterfragt wird.
Die allgegenwärtige Vernetzung im privaten Bereich
Sprachgesteuerte Helfer, intelligente Fernsehgeräte, Wetterstationen, Brandmelder und Überwachungskameras integrieren sich nahtlos in das gewohnte Lebensumfeld. Diese Gegenstände fallen kaum noch auf, weil sie so selbstverständlich zum Alltag gehören. Genau darin liegt die große Gefahr verborgen. Je unauffälliger sich ein technisches Gerät präsentiert, desto sorgloser gehen die meisten Menschen damit um. Sie vertrauen darauf, dass diese Helfer nur ihrem Wohle dienen, ohne die datenschutzrechtlichen Konsequenzen zu bedenken. Die gesammelten Informationen fließen kontinuierlich in entfernte Rechenzentren.
Körpernahe Messgeräte und deren Funktionen
Auch am Körper getragene Messinstrumente zur Aufzeichnung von Bewegungsdaten gehören in diese Kategorie der vernetzten Geräte. Diese sind zwar eher als Datensammler erkennbar, doch man vergisst ihre Funktion schnell im Alltag. Gegen die Erfassung persönlicher Informationen kann man kaum etwas unternehmen, sonst würde der eigentliche Nutzen des Geräts infrage stehen. Schließlich sollen diese Instrumente ja die körperliche Leistungsfähigkeit beurteilen. Dazu müssen sie Daten wie die aktuelle Position, die Herzfrequenz und die Bewegungsgeschwindigkeit aufzeichnen. Die Produzenten bieten im Normalfall einen Dienst an, der aus den gesammelten Informationen Empfehlungen ableitet.
Der scheinbare Schutz durch Anonymisierung
Diese Empfehlungen können das beste Aufbautraining betreffen oder Tipps zum Stressabbau enthalten. All das kann durchaus nützlich sein. Außerdem versprechen die Anbieter ihren Kunden Anonymität nach außen. Wenn überhaupt, dann werden die gesammelten Daten nur anonymisiert verwendet und sind nicht für die Öffentlichkeit sichtbar. Diese Zusage suggeriert Sicherheit und schützt vor der Angst vor Datenmissbrauch. Viele Nutzer verlassen sich blind auf diese Garantien der Konzerne. Doch die Realität sieht oft anders aus als die Versprechungen in den Nutzungsbedingungen.
Das Beispiel eines Fitness-Anbieters und seine Folgen
Ein konkretes Beispiel eines weit verbreiteten Anbieters für Laufsport zeigt, dass die beschriebene Anonymität keinen Schutz vor der unerwünschten Veröffentlichung kritischer Daten bietet. Dieser Dienst ist speziell für Läufer konzipiert worden. Wer mit einem geeigneten Messgerät oder einem anderen Instrument läuft, das sich mit diesem Dienst verbinden kann, lässt seine Laufwege aufzeichnen. Viele Informationen wie Herzschlag, Höhenunterschiede und Geschwindigkeit der Strecke werden den aufgezeichneten Daten zugeordnet. Ohne explizite Zustimmung werden diese Informationen nicht mit anderen geteilt. Allerdings bietet der Anbieter eine sogenannte globale Übersichtskarte an.
Die Visualisierung von Bewegungsprofilen
Diese Karte zeigt grafisch und ohne Hinweis auf die beteiligten Personen, welche Strecken gelaufen werden. Je intensiver die Farbgebung, desto häufiger wird die entsprechende Strecke genutzt. Dies erscheint auf den ersten Blick unproblematisch. Das war auch die Auffassung des amerikanischen Militärs. Die Verantwortlichen fanden es im Jahr zweitausendsiebzehn sinnvoll, ihren Soldaten entsprechende Messgeräte zur Verfügung zu stellen. Im November war dann der Schrecken groß. Plötzlich erschienen im flachen Land, wo eigentlich keine Infrastruktur existierte, eingezeichnete Laufstrecken.
Die Enthüllung geheimer Militärbasen
Soldaten hatten ihre Messgeräte ganz normal genutzt und damit die Aufzeichnung beim Laufen in und um ihre teilweise geheimen Militärbasen eingeschaltet. Schon erschienen deren Positionen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, in der öffentlichen Übersichtskarte. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Mangel an Personenbezug nicht gleichbedeutend damit ist, dass Daten nicht kritisch sind. Selbst anonymisierte Informationen können bei entsprechender Auswertung sensible Geheimnisse preisgeben. Die Kombination scheinbar harmloser Datenpunkte ergibt ein gefährliches Gesamtbild.
Das wachsende Interesse der Versicherungen
Auch die am Körper getragenen Messgeräte erfassen höchst sensible Gesundheitsdaten. Nicht umsonst versuchen die Krankenversicherungen, ihre Mitglieder durch Beteiligung an den Anschaffungskosten dazu zu bringen, Daten aus diesen tragbaren Geräten zu teilen. Aus dem Bewegungsprofil, der Herzfrequenz und vielen anderen erhobenen Werten lassen sich Aussagen über den Gesundheitszustand ableiten. Diese Informationen könnten dazu dienen, die Konditionen für die Versicherten individuell anzupassen. Beitragsenkungen wären die Belohnung für besonders aktive Menschen, während Erhöhungen diejenigen träfen, die sich wenig bewegen.
Die bewusste Abwägung zwischen Nutzen und Gefahr
Hier ist es wichtig, ganz genau abzuwägen, was man selbst wirklich will. Wenn Empfehlungen aufgrund der eigenen Bewegungsprofile wichtig sind, dann spricht nichts dagegen, derartige Dienste zu nutzen. Wie bei allen anderen gesammelten Daten sollte man sich nur darüber bewusst sein, welches potenzielle Risiko man eingeht. Die Bequemlichkeit hat ihren Preis in Form von Privatsphäre. Im Zweifel meldet man sich einfach von dem Dienst ab. Die Entscheidung liegt immer beim einzelnen Nutzer.











