Die verborgenen Mächte des globalen Finanzsystems und die fatalen Folgen der reinen Gewinnmaximierung
Screenshot youtube.comDie weltweite Wirtschaft steht seit Jahren unter der Beobachtung der Fachwelt, die vor den unkontrollierten Auswüchsen des modernen Kapitalismus warnt. Während die klassischen Kreditinstitute strengen Aufsichtsregeln unterliegen, haben sich parallel dazu mächtige Strukturen entwickelt, die im Verborgenen agieren und gewaltige Summen bewegen. Diese Entwicklung ist eng mit einem Managementansatz verknüpft, der den kurzfristigen Nutzen für Kapitalgeber über das langfristige Wohl von Beschäftigten und der Gesellschaft stellt. Die Folgen dieser Fehlentwicklungen zeigen sich in regelmäßigen wirtschaftlichen Verwerfungen, die ganze Staaten an den Rand des Ruins treiben können.
Der Kontext der globalen Finanzmärkte und ihre Schattenseiten
Das Kapital dieser verborgenen Einrichtungen erreicht unvorstellbare Dimensionen, trotzdem entziehen sie sich jeder öffentlichen Überprüfung. Bei diesen Institutionen steht die größtmögliche Vermehrung des Anlegervermögens und die Ausschüttung hoher Erfolgsprämien im absoluten Mittelpunkt. Andere, im regulären Wirtschaftsleben stehende Betriebe richten sich ebenfalls stark nach dem Prinzip des Eigentümerwertes. Die einzelnen Nationalstaaten bleiben bei dieser Entwicklung oft außen vor, da sie mit den eigenen finanziellen Problemen mehr als genug zu tun haben. Vielen Ländern droht der völlige finanzielle Zusammenbruch, und fast alle weisen eine extrem hohe Staatsverschuldung auf.
Die Gefahren unregulierter Finanzstrukturen für die globale Stabilität
Diese miserable finanzielle Lage der Staaten wirkt sich bei wirtschaftlichen Belastungsproben natürlich stark negativ aus. Auch für reguläre Kreditinstitute können solche Stresstests sehr unangenehm werden, besonders wenn sich zu viele künstlich erzeugte Risikoanleihen in den Beständen befinden. Sollte eine Bank in diesem Fall zusätzlich noch als systemwichtig eingestuft sein, sieht die Zukunft äußerst düster aus. Unter den Oberbegriff der Schattenbanken fallen alle Geldinstitute, die ein unreguliertes und unbeaufsichtigtes Dasein im Umfeld der Finanzindustrie fristen. Zu ihnen gehören beispielsweise die mit hochspekulativen Anlagen jonglierenden Risikokapitalfonds ebenso wie Beteiligungskapitalgesellschaften.
Die Instrumente der Spekulanten und ihr fehlender Bezug zur Realwirtschaft
Das Geschäftsmodell dieser Beteiligungsgesellschaften besteht darin, ganze Betriebe aufzukaufen und später mit Gewinn weiterzuveräußern. Auch Zweckgesellschaften, die vor allem dadurch auffallen, dass sie besonders komplexe und undurchschaubare Wertpapiere konstruieren und vertreiben, gehören zu diesen Schattenbanken. So unterschiedlich die verschiedenen Schattenbanken in der Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit auch sein mögen, sie nutzen alle in besonders exzessiver Form Ableitungsgeschäfte und den Kredithebel in allen Varianten. Dieser Hebel bedeutet einen geringen Kapitaleinsatz mit hoher Ertragschance, aber gleichzeitig auch einem hohen Verlustrisiko. Mit normalen Bankgeschäften hat das alles überhaupt nichts zu tun.
Die extremen Gewinne und Verluste einzelner Spekulanten
Von daher wäre der Begriff Schattenspekulanten deutlich angebrachter. Das ständige Auf und Ab des spekulationsgetriebenen Handelns der Schattenbanken kann man anschaulich am Werdegang der Fondsleitung John Paulson nachvollziehen. Diese Führungskraft erkannte den Ausbruch der amerikanischen Hypothekenkrise im Jahr 2007 voraus. Während alle anderen sich noch an den verbrieften Risiken und deren künstlichen Verfeinerungen berauschten, setzte sie auf einen Wertverfall dieser Papiere. Das Vermögen des Fonds wuchs in jenem Jahr um knapp vier Milliarden Geldeinheiten.
Die globalen Zentren der dunklen Finanzströme
Das entspricht in jeder Stunde einem Zufluss von mehr als 450000 Geldeinheiten. In den Jahren 2012 und 2013 lag Paulson mit seinen Spekulationen jedoch ziemlich daneben. Die Führungskraft verkalkulierte sich mit dem Edelmetall Gold und die Fonds verloren abermilliarden. Gemessen am Gesamtvolumen der Schattenbanken hat Paulson im Grunde genommen nur einen winzigen Gewinnanteil abgeschöpft. Alles ist letztlich eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise.
Die rücksichtslose Durchsetzung der reinen Gewinnmaximierung
Ein internationales Gremium zur Überwachung des globalen Finanzsystems schätzt das Volumen der Schattenbanken auf über 60 Billionen Geldeinheiten. Das entspricht in etwa dem gesamten weltweiten Bruttoinlandsprodukt. Allein die nicht regulierten und geheimen Finanzbereiche bewegen also eine Summe, die dem Wert aller jährlich produzierten Güter und Dienstleistungen weltweit entspricht. Einige Länder oder Regionen tun sich als Zufluchtsort für Schattenbanken ganz besonders hervor. So liegt beispielsweise in einer bestimmten asiatischen Sonderverwaltungszone das Geschäftsvolumen dieser dunklen Finanzmächte um mehr als das 5-Fache über dem Bruttoinlandsprodukt.
Die Unterwerfung unter die irrationalen Mechanismen der Börse
In Großbritannien ist es das 3,7-Fache. Der Begriff des Eigentümerwertes steht für ein Unternehmensführungsprinzip, das von einer forschenden Person in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt wurde und dessen oberstes Ziel die Gewinnmaximierung ist. Diese soll zu hohen Ausschüttungen für die Anteilseigner und in der Folge zu einer ausgeprägten Kurseuphorie an den Aktienmärkten führen. Eine an diesem Prinzip ausgerichtete Unternehmensleitung wird daher zwangsläufig genau auf jene Maßnahmen zurückgreifen, die auch im Programm marktradikaler Kräfte vorgesehen sind. Dazu gehören der Abbau von Arbeitsplätzen, die Senkung der Lohnkosten und die Verschärfung der Arbeitsbedingungen.
Die fatalen Folgen der einseitigen Ausrichtung auf den Aktienkurs
Von fairer Entlohnung und Mitbestimmungsrechten der Beschäftigten ist dieser menschenverachtende Managementansatz weit entfernt. An der Verbreitung dieses Gedankengutes hat die Finanzbranche einen erheblichen Anteil. Da eine Steigerung des Marktwertes des Betriebes als oberstes Ziel gilt, wird bei Aktiengesellschaften zwangsläufig die Fixierung auf eine positive Entwicklung des Börsenkurses zur Leitmaxime unternehmerischen Handelns. Somit ordnet sich die Führungsebene den Kapitalmärkten unter und verliert ihre ureigene Identität. Denn der Markt bejubelt jegliche Kurzfristmaßnahme zur Gewinnsteigerung, er reagiert auf jede noch so kleine Unternehmensnachricht und ist leicht manipulierbar.
Das historische Scheitern einer transatlantischen Firmenfusion
Er ist nicht als Zusammenschluss vernünftig handelnder Personen anzusehen, sondern höchst anfällig für unvernünftiges Agieren. Vor diesem Hintergrund muss man das Alleinstellungsmerkmal des Börsenkurses für die Messung des Unternehmenswertes radikal infrage stellen. Die meisten Personen, die diesen Ansatz befürworten, akzeptieren den Börsenkurs völlig kritiklos als singuläre Erfolgsgröße. Das kann man leicht vermitteln, da der Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und Kurssteigerung für jede Person auch ohne Fachwissen nachvollziehbar ist. Im Endeffekt ist dieser Ansatz letztlich nichts anderes als ein ultimativer Kniefall vor der Börse.
Die Notwendigkeit eines umfassenden Ausgleichs aller Interessengruppen
Dies wiederum ist für die Finanzindustrie höchst erfreulich, wird hier doch eine positive Stimmung an den Kapitalmärkten erzeugt. Und so winken auch aus dieser Warte heraus weitere Provisionserträge und Handelsgewinne. In Deutschland wurde dieser Ansatz lange Zeit vor allem mit einer bestimmten Person in Verbindung gebracht, nämlich der damaligen Vorstandsleitung eines großen Stuttgarter Automobilkonzerns. Diese hatte eine Vision und unterbreitete Anfang 1998 auf einer Automobilausstellung in Detroit der amerikanischen Konkurrenz einen Vorschlag. Es ging um die Fusion des deutschen Autobauers mit der Nummer drei der Vereinigten Staaten.
Nach dem Willen des deutschen Vorstands sollte es eine traumhafte Verbindung werden. Die Liebesbeziehung endete schließlich nach neun qualvollen Jahren. Die beiden Führungskräfte hatten nicht den Eigentümerwert gesteigert, sondern ihn vernichtet. Gemessen an ihren eigenen Maßstäben war das Ganze ein Desaster, da das fusionierte Unternehmen bei der Trennung nur noch die Hälfte des Börsenwertes zum Zeitpunkt der Verbindung aufwies. Statt sich also an einer einzigen und zudem fragwürdigen Kennzahl zu orientieren, sollte man die Sache mehrdimensional angehen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf den Ansatz des Interessengruppenwertes. Dieser Ansatz rückt alle Personen, die ein berechtigtes Interesse am Erfolg eines Betriebes haben, in den Fokus. Dabei werden interne Gruppen wie Beschäftigte, Führungsebene und Eigentümer ebenso berücksichtigt wie externe Gruppen wie Lieferanten, Geldgeber und Kundschaft. Ein Unternehmen kann wie jedes komplexe Sozialgebilde eben nur dann zu halbwegs gerechten Ergebnissen und Entscheidungen gelangen, wenn man einen umfassenden Interessenausgleich schafft.















