Die vielschichtige Natur einer historischen Umwälzung

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Eine umfassende Darstellung dieser Epoche muss zwingend die zahlreichen Widersprüche in den Mittelpunkt stellen. Möglicherweise gleicht diese historische Phase einem Mosaik, das trotz der Schönheit seiner einzelnen Bestandteile kein in sich geschlossenes Gesamtbild ergibt. Eine solche Betrachtung muss der Janusköpfigkeit dieser Bewegung gerecht werden. Auf der einen Seite war sie dem frühneuzeitlichen und partikularistischen Denken verpflichtet, das stark rückwärtsgewandt agierte. Auf der anderen Seite barg sie das Potenzial für einen zukunftsorientierten und folgenreichen Universalismus in sich.

Der Übergang in die moderne Industriegesellschaft

Historisch präzise lässt sich diese Bewegung in der Zeit des Übergangs zur industriellen Moderne verorten. Diese Einordnung hat weitreichende Folgen für jede Rezeption dieser Ereignisse, gerade wenn sie zum nationalen Gründungsmythos erhoben wurde. Vieles an der heutigen nordamerikanischen Gesellschaft ist ohne das Wissen um die vormodernen Ursprünge ihres politischen Systems nicht begreifbar. Insbesondere darf man niemals vergessen, wie fremd uns Menschen des 21. Jahrhunderts die Frühe Neuzeit ist. Die Akteure handelten teilweise aus völlig anderen Motiven, wobei der aristokratische Ehrbegriff und die Religion weiterhin eine zentrale Rolle spielten.

Die Bedeutung des historischen Kontextes

Aller Aufklärung und aller Skepsis der elitären Schichten zum Trotz, bedeuteten die damaligen Begriffe etwas völlig anderes als heutzutage. Dies mag als defizitär wahrgenommen werden, doch ein solcher Vorwurf wäre ein reiner Anachronismus. Menschen sind stets Kinder ihrer Zeit und wissen nicht, was aus ihrem Denken und Handeln in der Zukunft folgt. Es kann daher nicht ausreichen, sich dieser Bewegung nur von der Seite der britischen Werte und Ideen her zu nähern. Das bedeutet nicht, auf eine historisierende Diskussion dieser Konzepte zu verzichten.

Die Verknüpfung von Ideen und materiellen Interessen

Diese Ideen müssen nicht nur als zeitgebunden, sondern auch als streng kontextgebunden verstanden werden. Konzepte werden nicht schlagartig wertlos, wenn man sie mit Interessen, Ränkespielen sowie lokalen und zufälligen Konstellationen verknüpft. Solche Verknüpfungen entziehen sich oft jeder voreiligen Theoretisierung. Man bekommt jedoch einen sachgemäßeren und kritischeren Zugang, wenn man sich die Frage nach der Bedeutung des Schmuggels stellt. Ebenso muss die Sklaverei und die Bodenspekulation bei der Formulierung des damaligen Freiheitsverständnisses zwingend berücksichtigt werden.

Die globale Wirkung der Freiheitsideale

Damit verliert sich die Zeit- und Ortlosigkeit vorgeblich universaler Gedanken. Die von dieser Ära ausgehende semantische und soziokulturelle Dynamik wird auf diese Weise erst wirklich erkennbar. Erst in diesem Transformationsprozess entfalteten die Freiheitsideale eine transnationale und globale Wirkung. Die Revolution in Nordamerika war ursprünglich kein universalistisches Projekt. Sie setzte jedoch ein solches in Gang, das die Welt nachhaltig verändern sollte.

Der Beginn einer neuen historischen Ära

Gemeinhin lässt man die Epoche der nordamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung mit dem Siebenjährigen Krieg beginnen. Es gibt keine wirklich überzeugenden Gründe, von dieser etablierten Konvention abzurücken. Viel schwerer ist es jedoch, das Ende dieser revolutionären Ära exakt zu bestimmen. Der Friede von Paris im Jahr 1783 beendete zwar den Unabhängigkeitskrieg, war aber ansonsten ein eher randständiges Ereignis. Auf alle Fälle muss die Diskussion um die Verfassung von 1787 einbezogen werden.

Die institutionelle Verstetigung der Umwälzungen

Dieses Dokument verstetigte die revolutionären Errungenschaften auf institutioneller Ebene. Unter sozial- und kulturhistorischen Gesichtspunkten bieten sich jedoch weitere wichtige Ereignisse an. Ohne diese Ereignisse lässt sich die von der Bewegung entfaltete Dynamik nur schwerlich korrekt einordnen. Es sei an den Übergang zum allgemeinen Wahlrecht für alle freien weißen Männer in den Jahren ab 1810 erinnert. Ebenso wichtig sind die Neupositionierung gesellschaftlicher Eliten und der aufkommende marktwirtschaftliche Kapitalismus.

Die gesellschaftlichen Umbrüche der folgenden Jahrzehnte

Die Kommunikationsrevolution in den Jahren ab 1830 veränderte den öffentlichen Diskurs grundlegend. Hinzu kommt die Akzeptanz der Massendemokratie durch die oppositionellen Kräfte in derselben Dekade. Auch die zweite evangelikale Erweckungsbewegung und viele andere Ereignisse mehr deuten auf einen Epochenwechsel um das Jahr 1835 hin. Sehr radikal gedacht, könnte man das Zeitalter der Unabhängigkeitsbewegung bis zum bewaffneten Aufstand unter der Führung von Dorr im Jahr 1842 laufen lassen. In dessen Verlauf wurde die letzte königliche Charta aus dem Jahr 1663 außer Kraft gesetzt.

Das Ende der kolonialen Elitenherrschaft

Damit wurde die Herrschaft der alten kolonialen Eliten endgültig beendet. Ähnlich brach annähernd zeitgleich mit dem bewaffneten Pachtwiderstand im Jahr 1838 die Vormachtstellung der semifeudalen Schichten in New York zusammen. In der vorliegenden Ausarbeitung wird ein mittlerer Weg gewählt. Das Ende des Krieges von 1812, also des zweiten Unabhängigkeitskriegs mit Großbritannien, beschließt die revolutionäre Epoche. Auf weiterführende Ereignisse soll im jeweiligen sachlichen Zusammenhang nur knapp eingegangen werden.

Die sprachliche Einordnung der beteiligten Gruppen

Abschließend sind zwei Bemerkungen zur Wortwahl notwendig. Es wird darauf verzichtet, von den Rebellen als Amerikanern zu sprechen, da sie zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit der kolonialen Bevölkerung repräsentierten. Daher werden sie entweder als oppositionelle Kräfte, als Rebellen, Patrioten oder Aufständische bezeichnet. Ihre amerikanischen Gegenspieler laufen unter Königstreuen oder Loyalisten. Streng genommen handelte es sich bei ihnen überwiegend nicht um britische Konservative, sondern um gemäßigte Oppositionelle.

Die Bezeichnung der britischen Akteure

Die Briten können der Abwechslung halber auch als Engländer erscheinen. Dies ist besonders sinnvoll, zumal viele der Befehlshaber tatsächlich Engländer und nicht Waliser, Schotten oder Iren waren. Etwas schwerer ist es mit den Namen der britischen Aristokraten. Sie werden in der Regel mit ihrem Titularnamen aufgeführt. So finden sich Bezeichnungen wie Grafton anstelle von Fitzroy oder Newcastle anstelle von Pelham.

Die Besonderheiten bei der Namensgebung

Eine besondere Schwierigkeit stellt dabei allerdings Sir William Pitt der Ältere dar. Als Premierminister heißt er traditionell Pitt, ab dem Jahr 1766 wurde er dann aber zum Grafen von Chatham. Seine Parteigänger firmierten in der Folge als Anhänger von Chatham. Dieser Sprachgebrauch wird konsequent beibehalten, das heißt, Pitt und Chatham sind eine Person. Deren Gefolgsleute werden entsprechend als Chatham-Anhänger bezeichnet.

 

How to whitelist website on AdBlocker?

How to whitelist website on AdBlocker?

  1. 1 Click on the AdBlock Plus icon on the top right corner of your browser
  2. 2 Click on "Enabled on this site" from the AdBlock Plus option
  3. 3 Refresh the page and start browsing the site