Der Weg zur Vergöttlichung der Menschheit

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Das Streben der Menschheit nach Glück und einem ewigen Leben ist im Kern der Versuch, sich auf die Stufe göttlicher Wesen zu erheben. Um Alter und Leid zu überwinden, muss die Menschheit zunächst die volle Kontrolle über die eigene biologische Grundlage erlangen. Sobald die Fähigkeit existiert, Schmerz und Tod auszuschalten, wird es möglich sein, den eigenen Organismus nach Belieben zu formen. Organe, Gefühle und geistige Fähigkeiten ließen sich dann beliebig manipulieren und neu erschaffen. Bislang beruhte wachsende Macht vor allem auf der Verbesserung äußerer Werkzeuge.

Die Verschmelzung von Fleisch und Maschine

In der Zukunft bedeutet Macht möglicherweise die direkte Weiterentwicklung des Körpers und des Geistes oder die vollständige Verschmelzung mit technischen Geräten. Die Erhebung zu einem göttlichen Wesen kann auf 3 verschiedenen Wegen geschehen. Der erste Pfad führt über die biologische Ingenieurskunst, die das volle Potenzial organischer Körper ausschöpfen will. Seit 4 Milliarden Jahren passt die natürliche Auslese diese Körper ständig an. Dieser Prozess verwandelte frühe Vorfahren in die heutige Menschengattung, die nun Raumschiffe und Computer baut.

Das Umschreiben des genetischen Codes

Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass dieser evolutionäre Prozess nun abgeschlossen ist. Relativ geringfügige Veränderungen bei den Genen, Hormonen und Nervenzellen reichten in der Vergangenheit aus, um gewaltige Entwicklungssprünge auszulösen. Die biologische Ingenieurskunst wird nicht geduldig auf die natürliche Auslese warten. Forschende werden den alten Körper nehmen und seinen genetischen Code bewusst umschreiben. Sie werden Gehirnströme neu ausrichten und völlig neue Gliedmaßen erschaffen.

Die Erschaffung neuer Wesen

Dadurch entstehen neue Wesen, die sich von der heutigen Menschheit genauso unterscheiden wie diese von ihren frühen Vorfahren. Der zweite Pfad geht noch weiter und verschmilzt den organischen Körper mit nicht-organischen Apparaten. Bionische Hände, künstliche Augen oder winzige Roboter im Blutkreislauf werden Probleme diagnostizieren und Schäden reparieren. Solche Mischwesen würden über Fähigkeiten verfügen, die weit über die jedes rein organischen Körpers hinausgehen. Ein organischer Körper benötigt zwingend den unmittelbaren Kontakt aller Teile, um zu funktionieren.

Die Überwindung räumlicher Grenzen

Ein kybernetisches Mischwesen könnte hingegen gleichzeitig an zahlreichen Orten existieren. Ein kybernetischer Arzt könnte Notoperationen auf 3 verschiedenen Kontinenten durchführen, ohne sein Büro zu verlassen. Er benötigt dafür lediglich eine schnelle Datenverbindung und mehrere bionische Extremitäten. Die Frage stellt sich, warum man sich auf 2 Augen und 2 Hände beschränken sollte. Ein Skalpell in der Hand wird überflüssig, wenn der Geist direkt mit dem Instrument verschmilzt.

Die Gedankensteuerung im Alltag

Diese Zukunftsvisionen sind längst keine wissenschaftliche Fiktion mehr, sondern gelebte Realität. Primaten haben bereits gelernt, bionische Gliedmaßen mittels Elektroden im Gehirn zu steuern. Gelähmte Personen bewegen allein kraft ihrer Gedanken Prothesen oder bedienen Computer. Mittels eines gedankenlesenden Helms lassen sich Elektrogeräte im Haus per Fernbedienung steuern. Dieser Helm liest die elektrischen Signale im Kopf, ohne dass Implantate nötig sind.

Die Implantation von Mikrochips

Man muss sich nur ein mentales Zeichen vorstellen, und das Licht geht an. Solche Steuerungsgeräte sind bereits für 400 Dollar im weltweiten Netz erhältlich. In Schweden ließen sich zahllose Beschäftigte eines Innovationszentrums Mikrochips in die Hände implantieren. Diese reiskorngroßen Chips speichern Sicherheitsinformationen und öffnen Türen per Handbewegung. Die Entwickler hoffen, dass man damit bald auch bezahlen kann.

Die Ablösung von der organischen Chemie

Die ständige Interaktion mit Technik wird durch solche Berührungen viel einfacher als durch Geheimnummern. Die Entwicklung kybernetischer Mischwesen ist jedoch noch relativ konservativ, da das organische Gehirn weiterhin als Kontrollzentrum dient. Ein gewagterer Ansatz löst sich völlig von organischen Körperteilen und erschafft vollkommen nicht-organische Lebewesen. Neuronale Netzwerke werden durch intelligente Software ersetzt. Das Leben drängt in die Weiten des nicht-organischen Bereichs hinaus und nimmt unvorstellbare Formen an.

Die Ausbreitung im Weltall

Unsere wildesten Träume sind schließlich noch immer das Produkt organischer Chemie. Der Ausbruch aus dem organischen Bereich könnte dazu führen, dass das Leben auch den Planeten Erde verlässt. 4 Milliarden Jahre lang blieb das Leben auf diesen winzigen Felsbrocken beschränkt. Die natürliche Auslese machte alle Organismen von den einzigartigen Bedingungen der Erde abhängig. Nicht einmal das widerstandsfähigste Bakterium kann auf dem Mars überleben.

Die Vorherrschaft der künstlichen Intelligenz

Einer nicht-organischen künstlichen Intelligenz wird es viel leichter fallen, fremde Planeten zu besiedeln. Die Ersetzung organischen Lebens durch anorganische Wesen könnte die Saat zu einem künftigen galaktischen Imperium legen. Wir wissen nicht, wohin uns diese Wege führen und wie unsere göttlichen Nachfahren aussehen werden. Die Zukunft vorherzusagen ist angesichts revolutionärer Biotechnologien eine enorme Herausforderung. Da man mit ihrer Hilfe Gedanken verändern kann, können wir die Implikationen kaum erahnen.

Das Ende der bekannten Menschheitsgeschichte

Jahrtausendelang war die Geschichte voller Umwälzungen, aber die Menschheit als solche blieb konstant. Die Tiefenstrukturen des menschlichen Geistes sind gleich geblieben, weshalb wir uns in antiken Tragödien wiederfinden. Sobald eine Technologie den menschlichen Verstand ummodelt, endet diese bekannte Geschichte. Es beginnt ein völlig neuer Prozess, den heutige Individuen nicht begreifen können. Prophezeiungen über die ferne Zukunft sind reine Zeitverschwendung, wenn sie die Umarbeitung des Verstandes ignorieren.

Die Unermesslichkeit der kommenden Veränderungen

Es gibt kluge Antworten darauf, was Menschen mit unserem jetzigen Verstand mit Biotechnologie anstellen würden. Es gibt jedoch keine Antworten darauf, was Wesen mit einem völlig anderen Verstand tun werden. Wesen wie wir werden die Technik nutzen, um ihren eigenen Verstand umzumodeln. Unser heutiger Verstand kann nicht begreifen, was als Nächstes geschehen wird. Die Einzelheiten liegen im Dunkeln, aber die allgemeine Richtung der Geschichte ist klar.

Das dritte große Projekt der Menschheit

Das dritte große Projekt im aktuellen Jahrhundert wird die Erlangung göttlicher Schöpfungs- und Zerstörungsmacht sein. Die Menschheit wird sich vom weisen Affen zu einer göttlichen Spezies erheben. Dieses Projekt enthält die anderen Vorhaben und wird von ihnen befeuert. Wir wünschen uns die Umgestaltung von Körper und Geist vor allem, um Alter und Tod zu entgehen. Wer kann schon sagen, was wir sonst noch mit dieser Fähigkeit anfangen werden.

Das Missverständnis von Göttlichkeit

Die neue Agenda besteht in Wahrheit nur aus einem einzigen Projekt mit vielen Verzweigungen: der Erlangung von Göttlichkeit. Wenn das exzentrisch klingt, liegt es am Missverständnis des Begriffs Göttlichkeit. Göttlichkeit ist keine vage metaphysische Eigenschaft und nicht mit Allmacht gleichzusetzen. Man sollte dabei an antike Götter denken, die ihre Eigenheiten und Schwächen behielten. Unsere Nachfahren werden in ganz anderen Dimensionen lieben, hassen und zerstören können.

Die Übernahme übernatürlicher Fähigkeiten

In der Vergangenheit sprach man Göttern bestimmte übermenschliche Fähigkeiten zu. Dazu gehörte das Formen von Lebewesen, die Steuerung des Wetters und die Telepathie. Vor allem aber die Fähigkeit, dem Tod zu entgehen und ewig zu leben. Die Menschen sind gerade eifrig dabei, all diese Eigenschaften zu erlangen. Bestimmte Fähigkeiten, die einst als göttlich galten, sind heute völlig alltäglich geworden.

Die moderne Kommunikation und Mobilität

Der Durchschnittsmensch bewegt sich und kommuniziert über weite Entfernungen viel leichter als antike Götter. Alte Mythen erzählen von Göttern, die Botschaften durch Tiere überbrachten, was oft scheiterte. Hätte man diese Botschaften über moderne Kurznachrichtendienste verbreitet, wären viele Missgeschicke vermeidbar gewesen. In antiken Agrargesellschaften interessierten sich Religionen oft nur für die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Alte Schriften versprachen Regen und reiche Ernten als Belohnung für frommes Verhalten.

Die moderne Landwirtschaft und Wasserversorgung

Die Wissenschaft kann das heute viel besser als die antiken Götter. Dank Kunstdünger und gentechnisch veränderter Pflanzen übertrifft die Produktion die kühnsten Erwartungen. Ausgedörrte Regionen müssen keine Angst mehr vor zürnenden Göttern und ausbleibendem Regen haben. Riesige Entsalzungsanlagen am Meer sichern heute die Trinkwasserversorgung. Bislang haben wir mit den Göttern konkurriert, indem wir immer bessere Werkzeuge schufen.

Die Banalisierung des Wunderbaren

In naher Zukunft könnten wir Wesen erschaffen, die antike Götter in ihren körperlichen Fähigkeiten übertreffen. Falls wir dahin kommen, wird Göttlichkeit so banal werden wie der virtuelle Raum. Es wird ein Wunder unter vielen sein, das uns als ganz selbstverständlich gilt. Wir können ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Menschen nach Göttlichkeit greifen werden. Selbst wenn sich ein Pfad als Sackgasse erweist, stehen uns andere Wege offen.

Die schrittweise Evolution ohne Apokalypse

Vielleicht ist das Erbgut zu kompliziert, aber dann entwickeln wir Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer. Es gibt keinen Grund zur Panik, denn der Aufstieg wird ein allmählicher historischer Prozess sein. Die heutige Menschheit wird nicht durch eine plötzliche Revolte der Maschinen ausgelöscht. Vielmehr wird sie sich Schritt für Schritt auf eine höhere Stufe befördern und mit Computern verschmelzen. Das wird nicht binnen eines Tages geschehen, sondern passiert bereits jetzt durch banale Handlungen.

Der schleichende Verlust der menschlichen Natur

Jeden Tag gestatten zahllose Menschen ihren Mobilgeräten wieder ein Stück mehr Kontrolle über ihr Leben. Oder sie probieren ein neueres und wirksameres Medikament gegen seelische Leiden aus. In ihrem Streben nach Gesundheit und Macht werden die Menschen ganz allmählich ihre Merkmale verändern. Zuerst wird ein Merkmal angepasst, dann noch eines und noch eines. Bis sie schließlich keine Menschen im heutigen Sinne mehr sind.

 

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