Das Rätsel des Bewusstseins und die Natur des Geistes
Screenshot youtube.comDie Erforschung der menschlichen Natur und der tierischen Existenz wirft grundlegende Fragen über das innere Erleben auf. Lange Zeit wurden verschiedene Konzepte herangezogen, um die Besonderheit des Menschen gegenüber anderen Lebewesen oder künstlichen Wesen zu begründen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen biologischen Prozessen und subjektivem Empfinden oft auf verwirrende Weise. Eine genaue Betrachtung dieser Phänomene offenbart die Komplexität unseres inneren Erlebens.
Die Abgrenzung zwischen ewigem Geist und flüchtigem Erleben
Eine weit verbreitete Annahme zur Rechtfertigung der menschlichen Sonderstellung behauptet, nur der moderne Mensch besitze ein waches Bewusstsein. Dieses Bewusstsein ist jedoch keineswegs ein mystisches oder ewiges Gebilde. Es handelt sich auch nicht um ein physisches Organ, welches man wie das Auge oder das Denkorgan untersuchen könnte. Vielmehr bildet es einen ständigen Fluss aus subjektiven Eindrücken wie Leid, Glück, Zorn und Zuneigung.
Der ständige Wandel der inneren Wahrnehmungen
Diese flüchtigen Momente setzen sich aus verknüpften Sinneseindrücken, Gefühlen und Überlegungen zusammen, die kurz aufleuchten und sofort wieder verblassen. Ständig tauchen neue Eindrücke auf, entstehen für einen Herzschlag und vergehen wieder. Oft versucht man, diese Erlebnisse in feste Bereiche wie Sinneseindrücke oder Überlegungen einzuordnen. In der Realität sind diese Zustände jedoch untrennbar miteinander verschmolzen.
Die greifbare Wirklichkeit des subjektiven Erlebens
Während manche Konzepte einer ewigen Existenz bloße Erzählungen darstellen, ist dieser ständige Fluss die unmittelbare Wirklichkeit. Er ist das Sicherste, was wir kennen, und seine Existenz lässt sich nicht anzweifeln. Selbst wenn der Zweifel nagt und man sich fragt, ob innere Erlebnisse echt sind, erlebt man in diesem Moment genau diesen Zweifel. Das Bewusstsein ist somit der unumstößliche Kern unserer Existenz.
Die Merkmale von Empfindung und Begehren
Jedes subjektive Erlebnis weist zwei grundlegende Merkmale auf, nämlich das Fühlen und das Begehren. Künstliche Wesen oder Rechenmaschinen verfügen über kein Bewusstsein, da sie trotz ihrer Fähigkeiten nichts fühlen und nichts begehren. Ein Automat kann zwar messen, dass sein Energiespeicher leer ist, und sich an eine Stromquelle anschließen. Während dieses gesamten Vorgangs erlebt das Gerät jedoch absolut nichts.
Der Unterschied zwischen Mensch und Maschine
Ein menschliches Wesen dagegen verspürt bei Energiemangel Hunger und möchte dieses unangenehme Gefühl beenden. Aus diesem Grund gelten Menschen als fühlende Wesen, während Maschinen dies nicht sind. Daher ist es ein Verbrechen, Menschen bis zur völligen Erschöpfung arbeiten zu lassen. Bei Maschinen ist es moralisch völlig unbedenklich, sie laufen zu lassen, bis ihr Speicher leer ist.
Die Frage nach dem tierischen Empfinden
Dies wirft die Frage auf, ob auch Tiere über ein Bewusstsein und subjektive Erlebnisse verfügen. Die Naturwissenschaften gehen heute davon aus, dass alle Säugetiere, Vögel und manche Reptilien sowie Fische fühlen und Emotionen kennen. Viele Theorien besagen jedoch, dass diese Empfindungen bloße biochemische Rechenwerke sind. Da Maschinen ebenfalls Daten verarbeiten, ohne etwas zu fühlen, könnte dies auch für Tiere gelten.
Unbewusste Abläufe im tierischen und menschlichen Gehirn
Selbst bei Menschen verarbeiten zahlreiche Hirnbereiche Daten völlig unbewusst und lösen Handlungen aus. Vielleicht liegen hinter den Empfindungen, die wir Tieren zuschreiben, wie Hunger, Furcht oder Treue, nur unbewusste Abläufe. Diese Sichtweise wurde vor mehreren Jahrhunderten von einem Begründer der neuzeitlichen Philosophie vertreten. Er behauptete, nur der Mensch fühle, während alle anderen Tiere gefühllose Automaten seien.
Die grausame Praxis der frühen Forschung
Nach dieser Ansicht erlebt ein Tier bei Schmerz nichts, sondern zuckt bloß automatisch zusammen. In der frühen Neuzeit fand diese Lehre breite Zustimmung unter Forschern. Diese sezierten Tiere bei lebendigem Leib, ohne Betäubung und ohne Skrupel. Für sie war dies völlig normal, so wie man heute eine Maschine aufschraubt, um das Innenleben zu prüfen.
Die Notwendigkeit einer genauen Betrachtung
Auch in der heutigen Zeit vertreten manche Personen die Ansicht, Tiere hätten kein Bewusstsein. Um dies zu klären, muss man verstehen, wie das Bewusstsein funktioniert und welche Rolle es spielt. Diese Fragen sind sehr schwer, aber eine genaue Beleuchtung lohnt sich. Wir können die Bedeutung neuer Technologien nicht begreifen, wenn wir das Wesen des Bewusstseins nicht kennen.
Der Fokus auf das menschliche Bewusstsein
Deshalb lassen wir die Frage nach dem tierischen Erleben kurz beiseite und betrachten, was die Wissenschaft über das Bewusstsein allgemein weiß. Wir konzentrieren uns auf Beispiele aus der Untersuchung des menschlichen Erlebens, da dies greifbarer ist. Später können wir prüfen, ob diese Beobachtungen auch für unsere tierischen Verwandten gelten. Die Wissenschaft weiß jedoch erstaunlich wenig über die genaue Natur des Bewusstseins.
Die Grenzen des aktuellen Wissens
Die gängige Lehre besagt, Bewusstsein entstehe durch chemische Reaktionen im Gehirn und erfülle eine verarbeitende Funktion. Niemand kann jedoch genau erklären, wie biochemische Vorgänge das subjektive Gefühl von Zorn oder Zuneigung erzeugen. Vielleicht verfügen wir in einigen Jahrzehnten über eine stichhaltige Erklärung. Bislang fehlt uns jedoch jedes Verständnis für diesen Übergang vom Stofflichen zum Fühlenden.
Die Messbarkeit von Hirnaktivitäten
Mittels ausgeklügelter Bildgebungsverfahren haben Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen elektrischen Strömen und subjektiven Erfahrungen festgestellt. Allein durch die Beobachtung der Hirnaktivität wissen sie, ob jemand wach ist oder träumt. Sie können ein Bild kurz aufblitzen lassen und feststellen, ob die Person es bewusst wahrgenommen hat. Sogar einzelne Hirnzellen lassen sich mit ganz bestimmten Inhalten verknüpfen.
Spezifische Zellen für bestimmte Erinnerungen
Wissenschaftler entdeckten Zellen, die feuern, wenn man an einen berühmten Staatsmann oder eine Zeichentrickfigur denkt. Zeigt man der Person ein Bild dieser Figur, wird die entsprechende Zelle aktiv. Ebenso wissen sie, dass Zorn in einer bestimmten Hirnregion tobt. Legt sich dieser Sturm und eine andere Region feuert, erlebt die Person gerade Zuneigung.
Die Auslösung von Gefühlen durch Reize
Tatsächlich können Wissenschaftler Empfindungen wie Zorn oder Zuneigung auslösen, indem sie die richtigen Zellen elektrisch reizen. Doch wie entsteht aus der Bewegung kleinster Teilchen eine subjektive Vorstellung oder ein Gefühl? Die gängigste Erklärung verweist auf die hohe Komplexität des Gehirns mit unzähligen Nervenzellen. Wenn diese Zellen unzählige Signale hin und her schicken, entstehen subjektive Erfahrungen.
Die Entstehung von Komplexität aus Einfachheit
Das Senden eines elektrischen Reizes ist ein simpler Vorgang, doch aus der Interaktion aller Reize erwächst der Bewusstseinsstrom. Diese Dynamik lässt sich in vielen Bereichen beobachten. Ein einzelnes Fahrzeug zu bewegen ist einfach, aber wenn unzählige Fahrzeuge interagieren, entstehen Staus. Der Kauf einzelner Anteile ist unkompliziert, doch wenn unzählige Händler handeln, entstehen Wirtschaftskrisen.
Die Unzulänglichkeit der Komplexitätstheorie
Diese Erklärung erklärt jedoch nichts, sondern bestätigt nur, dass wir es mit einem schweren Problem zu tun haben. Sie liefert keine Erkenntnis darüber, wie elektrische Impulse ein völlig andersartiges Gefühl erzeugen. Der Vergleich mit Staus oder Krisen hinkt ebenfalls gewaltig. Ein Stau resultiert aus den Interaktionen zahlreicher Fahrzeuge, die sich gegenseitig beeinflussen.
Der Unterschied zwischen abstrakten und konkreten Zuständen
Erst wenn man die Bewegungen sämtlicher Fahrzeuge nachzeichnet, erhält man ein vollständiges Bild des Staus. Es wäre sinnlos zu fragen, wie all diese Bewegungen einen Stau erzeugen, da dieser nur ein abstrakter Begriff für eine Ballung ist. Zorn hingegen ist kein abstrakter Begriff für elektrische Impulse. Zorn ist eine äußerst konkrete Erfahrung, die Menschen schon lange vor der Kenntnis von Elektrizität kannten.
Das unerklärliche Gefühl der Wut
Wenn man sagt, man sei wütend, verweist man auf ein handfestes Gefühl. Die Beschreibung chemischer Reaktionen und elektrischer Impulse lässt die Frage offen, wie diese Ereignisse zusammen das konkrete Gefühl erzeugen. Viele Fahrzeuge erzeugen keinen Stau, der über der Stadt schwebt und sich eingekeilt fühlt. Der Verkauf unzähliger Aktien erzeugt keine Krise, die über der Börse grummelt.
Das fehlende Verständnis für den Ursprung
Unzählige Wassertropfen bilden eine Wolke, aber es entsteht kein Wolkenbewusstsein, das nach Regen verlangt. Wie also kommt es, dass unzählige elektrische Impulse im Gehirn einen Geist erzeugen, der sich wütend fühlt? In der jüngeren Vergangenheit haben wir davon keinerlei Vorstellung. Wenn diese Ausführungen verwirren, befindet man sich in guter Gesellschaft.
Die Eingeständnisse der Forschung
Selbst die besten Wissenschaftler sind weit davon entfernt, das Rätsel des Bewusstseins zu entschlüsseln. Das Wunderbare an der Forschung ist, dass sie alle möglichen Theorien ausprobieren kann. Am Ende müssen die Wissenschaftler jedoch schlicht und einfach eingestehen, dass sie nichts wissen. Das innere Erleben bleibt das größte Geheimnis der Natur.














