Das Rätsel des inneren Erlebens und die Grenzen der Wissenschaft

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Die moderne Forschung steht vor einem der größten ungelösten Geheimnisse der Menschheit, welches den Kern unserer eigenen Existenz berührt. Während wir immer tiefer in die mechanischen Abläufe der Natur eindringen, entgleitet uns gerade das Offensichtlichste, nämlich das innere Erleben. Dieser Beitrag ordnet das Spannungsfeld zwischen biologischen Prozessen und persönlichem Empfinden ein und zeigt auf, warum unsere gewohnten Erklärungsmodelle an ihre Grenzen stoßen. Es geht um die Frage, ob das Bewusstsein nur ein zufälliges Nebenprodukt ist oder den eigentlichen Sinn des Lebens darstellt.

Der evolutionäre Sinn des Empfindens

Die Naturwissenschaft vermag bislang nicht zu erklären, wie eine bloße Ansammlung elektrischer Signale im Kopf zu einem persönlichen Erleben führt. Noch viel rätselhafter ist die Frage nach dem Überlebensvorteil, den ein solches Phänomen in der Stammesgeschichte geboten haben könnte. Körperteile wie die Füße entwickelten sich, um die Jagd zu ermöglichen und vor Raubtieren zu fliehen. Die Sinnesorgane dienten dazu, die Umgebung wahrzunehmen und Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Warum jedoch das innere Gefühl von Hunger oder Furcht entstanden sein soll, bleibt ein großes Mysterium.

Die biochemische Kette der Reaktionen

Früher nahmen Gelehrte an, dass das innere Erleben zwingend nötig sei, um das Überleben zu sichern, da die Furcht erst die Flucht auslöst. Heutige Erkenntnisse zeichnen jedoch ein weitaus detaillierteres Bild der körperlichen Abläufe. Bei der Sichtung eines Raubtiers wandern elektrische Impulse vom Auge in den Kopf und lösen dort eine Kettenreaktion aus. Diese Signale fluten den Leib mit Botenstoffen, beschleunigen den Herzschlag und setzen die Muskeln in Bewegung. Je genauer wir diese elektrischen Abläufe vermessen, desto überflüssiger erscheint das innere Erleben für den reinen Überlebensmechanismus.

Die scheinbare Überflüssigkeit des Geistes

Wenn eine lückenlose Kette elektrochemischer Reaktionen von der Wahrnehmung bis zur Flucht führt, stellt sich die Frage nach dem Zweck des Empfindens. Fallende Dominosteine benötigen kein inneres Erleben, um ihre Wirkung zu entfalten. Der weitaus größte Teil aller körperlichen Vorgänge läuft völlig ohne bewusstes Erleben ab. Es ist daher unverständlich, warum ausgerechnet in einem winzigen Restbereich Gefühle nötig sein sollten, um Drüsen oder Muskeln zu steuern. Man könnte einwenden, dass der Geist für Erinnerungen und Planungen zuständig ist, die über reine Reizverarbeitung hinausgehen.

Erinnerungen als reine Datenverarbeitung

Ein Mensch flieht nicht nur wegen des unmittelbaren Anblicks einer Gefahr, sondern auch wegen der Erinnerung an frühere Angriffe. Er entwirft im Kopf Szenarien, um neue Schutzmaßnahmen zu ersinnen und die Sippe zu warnen. Doch was sind diese Erinnerungen und Gedanken, wenn man sie biologisch betrachtet? Sie existieren in keinem übergeordneten immateriellen Raum, sondern bestehen ebenfalls aus einer Flut elektrischer Impulse. Selbst bei komplexen Planungen bleibt es bei einer Abfolge elektrochemischer Reaktionen, die am Ende in körperliche Handlungen münden.

Die Lücke in der Ursachenkette

Es gibt keinen einzigen messbaren Schritt, an dem das innere Erleben in die physikalische Abfolge der Nervenzellen eingreift. Kein winziges Teilchen bewegt sich wegen eines Gefühls, sondern ausschließlich wegen der Bewegung eines vorherigen Teilchens. Philosophen fragen daher, was im Erleben geschieht, das nicht bereits im neuronalen Netzwerk stattfindet. Wenn völlig neue Ideen entstehen, indem bisher getrennte Erinnerungen verschmelzen, muss dies an einem bestimmten Ort geschehen. Die Forschung spricht metaphorisch von einem umfassenden Arbeitsbereich, doch die physische Realität dieser Verschmelzung bleibt im Verborgenen.

Die Mathematik des inneren Erlebens

Die vorherrschende Lehre betrachtet Lebewesen als Rechenwerke, deren Abläufe sich in mathematische Formeln kleiden lassen. Wenn das innere Erleben eine echte Funktion hätte, müsste es sich als berechenbarer Schritt in einer solchen Rechenfolge darstellen lassen. Doch in der gesamten Mathematik existiert keine Formel, die ein subjektives Gefühl wie Furcht oder Freude beschreiben könnte. Unsere modernsten Rechner verarbeiten zahllose Datenmengen, ohne jemals Schmerz oder Liebe zu empfinden. Manche vermuten, das Bewusstsein entstehe durch die ständige Selbstbeobachtung des Systems, was zu einer endlosen Schleife führe.

Maschinen ohne inneres Erleben

Diese Theorie der Selbstbeobachtung hielt sich lange, wird aber durch die Entwicklung autonomer Fahrzeuge widerlegt. Solche Rechner führen in jeder Sekunde zahllose Berechnungen aus, um Hindernisse zu erkennen und sicher zu navigieren. Sie berücksichtigen ihr eigenes Verhalten und dessen Auswirkungen auf die Umgebung, ohne dabei jemals Furcht zu empfinden. Zahlreiche andere Programme analysieren ihr eigenes Tun, entwickeln aber keinerlei Bewusstsein oder Begehren. Wenn der Geist weder erklärbar ist noch eine klare Funktion erfüllt, liegt die Vermutung nahe, dass er ein überflüssiges Konzept ist.

Die Entsorgung überflüssiger Theorien

Die Wissenschaftsgeschichte kennt zahlreiche Ideen, die mangels Beweisen verworfen wurden, wie etwa das Weltall füllende Äther. Auch Naturphänomene wurden über unzählige Generationen hinweg auf das Wirken einer höheren Macht zurückgeführt, bis detailliertere Erklärungen fanden. Heute würde kein ernsthafter Forscher mehr behaupten, dass historische Siege oder wirtschaftliche Krisen durch göttlichen Willen gelenkt werden. Ähnlich erging es dem Begriff der Seele, die als Ursprung aller Entscheidungen galt, aber in der Biologie keinen Platz mehr hat. Folglich könnte auch das Bewusstsein als Illusion enden, da niemand Schmerz oder Liebe unter einem Mikroskop fand.

Die unbestreitbare Realität des Schmerzes

Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Geist und anderen verworfenen Konzepten wie der Seele oder dem Äther. Während die Existenz unsterblicher Seelen eine bloße Annahme bleibt, ist das Erleben von Schmerz eine unmittelbare und unbestreitbare Tatsache. Wer auf einen Nagel tritt, spürt mit absoluter Gewissheit den eigenen Schmerz, ganz gleich wie die biologische Erklärung lautet. Das Überleben nach dem Tod bleibt eine tröstliche Erzählung ohne direkten Beweis, doch das Fühlen im Hier und Jetzt ist real. Weil alle Forscher selbst subjektive Gefühle erleben, können sie die Existenz des Bewusstseins nicht einfach leugnen.

Die ethische Bedeutung des Empfindens

Einige Denker versuchen das Problem zu umgehen, indem sie die Relevanz des Bewusstseins bestreiten und alles auf Gehirnaktivitäten reduzieren. Doch das gesamte Gebäude unserer Moral und Politik beruht auf der Annahme, dass subjektives Erleben eine Rolle spielt. Das Unrecht von Gewalttaten lässt sich nicht allein durch das Beschreiben elektrischer Impulse im Kopf der Opfer erklären. Die moralische Verurteilung solcher Taten erfordert zwingend den Bezug auf das empfundene Leid der Betroffenen. Wer das innere Erleben für irrelevant erklärt, muss darlegen, warum Grausamkeit ohne das Leid der Opfer verwerflich sein soll.

Das Bewusstsein als nutzloses Nebenprodukt

Andere Forscher räumen ein, dass das Erleben real ist und moralischen Wert besitzt, sehen darin aber keinen biologischen Nutzen. Sie betrachten das Bewusstsein als ein nutzloses Nebenprodukt komplexer Rechenwerke, ähnlich dem Lärm eines Triebwerks. Nach dieser Ansicht sind Freude und Leid nichts weiter als eine Art geistige Abgaswolke, die bei der Datenverarbeitung entsteht. Diese Theorie impliziert, dass das gewaltige Leid unzähliger Geschöpfe über Äonen hinweg völlig sinnlos war. Es ist ein beklemmender Gedanke, dass dies derzeit die fortschrittlichste Erklärung der modernen Forschung darstellt.

Die Gefahr falscher Vergleiche

Möglicherweise betrachten die Naturwissenschaften das Problem aus einer völlig verzerrten Perspektive, weil sie Lebewesen mit der jeweiligen Leittechnologie vergleichen. Im vorletzten Jahrhundert wurde das Gehirn oft mit einer Dampfmaschine verglichen, in der sich Druck aufbaut und entladen werden muss. Solche mechanistischen Bilder prägten tiefgreifend das Verständnis der menschlichen Psyche und deren angebliche Triebe. Heute nutzen wir den Rechner als Vergleichsmodell und sehen den Geist als reine Datenverarbeitung. Doch da Rechner selbst nichts begehren und keinen Schmerz empfinden, taugen sie kaum zum Verständnis des lebendigen Erlebens.

Die Unsichtbarkeit fremden Erlebens

Es bleibt die beunruhigende Frage, ob künstliche Systeme jemals fühlen könnten und wie wir dies erkennen sollten. Bei Menschen gelingt es Forschern, bestimmte elektrische Muster als Zeichen für waches Erleben zu isolieren. Diese Muster helfen sogar dabei, bei schwerstkranken Personen festzustellen, ob sie noch bei Bewusstsein sind. Doch da künstliche Rechner aus völlig anderen Materialien bestehen, sind diese biologischen Kennzeichen dort nicht anwendbar. Wir stecken in einem Gedankengefängnis, denn wir können nicht einmal beweisen, dass andere Menschen überhaupt etwas empfinden.

Die Simulation der Wirklichkeit

Vielleicht bin ich das einzige fühlende Wesen im Universum, während alle anderen nur täuschend echte Nachbildungen sind. Die moderne Theorie erlaubt die Nachbildung einer vollständigen Welt, die von der echten nicht zu unterscheiden wäre. Da die Zahl möglicher Scheinwelten unendlich ist, die echte Welt aber nur einmal existiert, spricht die Wahrscheinlichkeit für ein Leben im Traum. Kein wissenschaftlicher Durchbruch konnte dieses uralte Rätsel der Fremdexistenz bislang lösen. Die einzige Hilfe bietet ein gesellschaftliches Prüfverfahren, das lediglich das äußere Verhalten misst.

Die Prüfung des äußeren Scheins

Ein berühmtes Prüfverfahren aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts fordert auf, zwischen einem Rechner und einem Menschen zu unterscheiden. Gelingt dies nicht, soll der Rechner so behandelt werden, als besäße er ein Bewusstsein, was jedoch nur eine soziale Übereinkunft ist. Der Erfinder dieses Tests war ein genialer Mathematiker, der in seiner Heimat wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt wurde. Er wusste aus bitterer Erfahrung, dass die wahre Identität keine Rolle spielt, sondern nur das, was die Gesellschaft für wahr hält. Seiner Ansicht nach wird es zukünftigen Maschinen genauso ergehen, da ihr inneres Erleben irrelevant ist, solange sie nur überzeugend agieren.

 

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