Die Mechanismen der Geldentwertung und die Rolle der zentralen Geldausgabe
Screenshot youtube.comDie Betrachtung moderner Wirtschaftssysteme offenbart tiefe Zusammenhänge zwischen staatlicher Verschuldung, der Ausgabe von Zahlungsmitteln und der Kaufkraft der Bürger. Wenn Regierungen ihre Ausgaben durch die Schöpfung neuen Geldes finanzieren, hat dies weitreichende Folgen für den Wohlstand der Bevölkerung. Die historischen und theoretischen Grundlagen dieser Prozesse zeigen, wie schnell das Vertrauen in eine Währung schwinden kann.
Die Illusion der Kapazitätsgrenzen und die Flucht in Sachwerte
Oft wird in wirtschaftswissenschaftlichen Debatten die Vermutung geäußert, dass eine Geldentwertung erst dann einsetzt, wenn die reale Wirtschaft ihre maximalen Produktionsmöglichkeiten erreicht. Erst wenn durch zusätzliche Schulden diese Grenze überschritten werde, käme es zu steigenden Preisen für Güter des täglichen Bedarfs. Diese Annahme ist jedoch grundlegend falsch und verkennt die Funktionsweise der Finanzmärkte.
Die Reaktion der Marktteilnehmer auf schwindendes Vertrauen
Der Kapitalmarkt bildet einen eigenen Kosmos, in dem es vielfältige andere Wertspeicher gibt als das vorherrschende gesetzliche Zahlungsmittel. Sobald die ersten Teilnehmer bemerken, dass dem umlaufenden Geld weniger reale Werte gegenüberstehen als der Nennbetrag vorgibt, weichen sie auf alternative Vermögenswerte aus. Sie müssen nicht warten, bis die Preise für Waren des täglichen Bedarfs sichtbar ansteigen, sondern richten ihren Blick auf die Bilanzen der Geldausgabestellen.
Die Flucht in ausländische Währungen und Sachwerte
Die Marktteilnehmer warten auch nicht, bis sie reale Waren kaufen wollen und dann an Engpässe stoßen. Stattdessen bringen sie ihre Reichtümer sofort in Sicherheit, sobald das Eigenkapital der zentralen Institution verschwindet oder zu verschwinden droht. Dieses Ausweichen erfolgt durch den Erwerb entsprechender Werte gegen das an Tauschwert verlierende Geld.
Der Griff nach Devisen, Edelmetallen und Unternehmensanteilen
Die Sparer greifen dabei zu ausländischen Währungen, um ihr Vermögen zu schützen. Ebenso flüchten sie in reale Werte wie Unternehmensanteile oder Grundbesitz. Auch alternative Wertspeicher wie Edelmetalle oder digitale Einheiten erfahren in solchen Phasen massive Zuflüsse.
Die vorzeitige Entwertung durch steigende Vermögenspreise
Während die Teuerung auf dem Gütermarkt also tatsächlich verzögert kommen kann, äußert sich ein Währungsverfall wesentlich schneller in einem Preisverfall gegenüber den genannten anderen Werten. Anders ausgedrückt zeigt sich dies in einem massiven Preisanstieg dieser alternativen Anlagen. An dieser Entwicklung bemerkt man deshalb frühzeitig den schleichenden Verfall der Währung.
Der Trugschluss der einfachen Schuldenstreichung
Eine weitere naive Vorstellung besteht darin, man könne Schulden, die die zentrale Geldausgabestelle aufgekauft hat, einfach streichen. Viele glauben fälschlicherweise, diese Verbindlichkeiten seien mit aus dem Nichts geschöpftem Geld finanziert worden. Auch diese Annahme ist falsch, und die wirtschaftliche Logik erfordert ein tieferes Verständnis.
Die Notwendigkeit des realen Werteverzichts
Die Vernunft gebietet, dass es irgendwen geben muss, der auf reale Werte verzichtet, wenn Schulden erlassen werden. Schulden stehen immer für den Sachverhalt, dass jemand in Vorleistung getreten ist und auf reale Güter verzichtet hat. Es ist keine Frage, ob diese Personen existieren, sondern lediglich, wer genau das ist.
Die Enteignung der Gläubiger durch staatliche Eingriffe
Denn irgendwer muss diesen Schulden ja gegenüberstehen und glauben, er habe einen Anspruch auf Begleichung der Forderungen. Wenn die Schulden gestrichen werden, wird dieser Gläubiger zwangsweise enteignet. Wer also wird enteignet, wenn Kredite oder Staatsschulden gestrichen werden, die auf der Bilanz der zentralen Institution stehen?
Der Zugriff auf das Eigenkapital der Geldausgabestelle
Buchhalterisch wird die Aktivseite verkürzt, denn die Staatsschulden sind ja ein Anspruch der zentralen Institution an den Fiskus. Wir wissen, was diesen Vermögenswerten gegenübersteht, nämlich das Eigenkapital der Institution und das umlaufende Geld auf der Passivseite. Werden die Staatsschulden gestrichen, geht dies zunächst zulasten des Eigenkapitals.
Die Konfiskation der Sicherheitsreserven
Der Staat konfisziert auf diesem Weg das Eigenkapital der zentralen Institution. Dieses Kapital ist eigentlich vorgesehen, um die Werthaltigkeit des umlaufenden Geldes sicherzustellen. Solange noch Eigenkapital vorhanden ist, können die Vermögenswerte schwanken, ohne dass es besondere Auswirkungen auf die Kaufkraft hat.
Die schleichende Entwertung des Bargeldes
Das Eigenkapital fungiert hier als Puffer für mögliche Verluste. Sobald das Eigenkapital aufgebraucht ist, geht jede weitere Verminderung der Aktiva zulasten des umlaufenden Geldes. Damit wissen wir, wer die gestrichenen Schulden bezahlt, nämlich all diejenigen, die nominale Geldinhaber sind.
Die stillschweigende Enteignung der Bürger
Zu diesen Betroffenen gehören Angestellte, Beamte und Rentner, die Anspruch auf feste Geldströme haben. Deren Geld wird entwertet und sie werden teilenteignet, ohne die Ursache dafür zu erkennen. Das zeigt sich zuerst im Außenwert des Geldes gegenüber fremden Währungen und anderen Wertspeichern.
Die historischen Lehren aus der großen Geldentwertung
Später zeigt sich der Kaufkraftverlust in steigenden Preisen für Güter des täglichen Bedarfs. Historische Beispiele zeigen, wie schnell solche Mechanismen wirken. Die Währung war damals weiter abgestürzt, bis unvorstellbare Summen für eine einzige ausländische Währungseinheit bezahlt werden mussten.
Die Rückkehr zur Deckung durch reale Werte
Ab einem bestimmten Novembertag pendelte sich der Kurs jedoch bei einem festen Wechselkurs ein und blieb dort stehen. Der entscheidende Grund dafür war, dass am gleichen Tag ein weiterer Schritt vollzogen wurde. Die zentrale Institution hielt die Notenpresse an und diskontierte keine Schatzwechsel der Regierung mehr.
Die Beendigung der direkten Staatsfinanzierung
Sie nahm also keine Staatsschulden mehr auf ihre Bücher, um im Gegenzug den entsprechenden Betrag auszugeben. Nun durfte neues Geld nur ausgegeben werden, wenn im Austausch dafür Handelswechsel hinterlegt wurden. Das Geld musste also durch einen realen Wert gedeckt sein, so wie es vor dem Krieg üblich gewesen war.
Die sofortige Stabilisierung durch harte Regeln
Schon wenige Tage nach diesem Schritt war der weitere Verfall der Währung gestoppt. Es verbleibt die Frage, wozu man überhaupt eine zentrale Institution braucht, wenn die Prüfung auf Werthaltigkeit doch von den Privatbanken vorgenommen wird. Nur diese sind incentiviert, die Prüfung korrekt vorzunehmen und Risiken zu bewerten.
Die prozyklische Natur der Geschäftsbanken
Dafür gibt es mehrere wesentliche Gründe, denn Geschäftsbanken neigen zu einem Verhalten, das den Gesamtmarkt destabilisiert. In Hochkonjunkturphasen vergeben sie Kredite einfach, weil sie mit regulärer Rückzahlung rechnen. Zudem steigen in solchen Zeiten die Preise für Vermögenswerte, sodass vermeintlich gute Sicherheiten vorhanden sind.
Die Verstärkung von Aufschwung und Abschwung
Durch die lockere Kreditvergabe wächst die Wirtschaft tatsächlich, wodurch immer mehr Investitionsprojekte angezogen und finanziert werden. Durch die Möglichkeit zu billigem Geld entsteht ein gewaltiger Aufschwung. Dies allerdings zieht immer unrentablere Geschäfte an, die nur durch das viele Geld am Leben erhalten werden.
Die Gefahr der Liquiditätsklemme
Sobald die expansive Phase endet, werden die Banken restriktiver in der Kreditvergabe und bewerten die Sicherheiten pessimistischer. Dies verstärkt nun den Abschwung, weil sie in ohnehin wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch noch die Kreditvergabe erschweren. Dies ist aus bankenindividueller Sicht vernünftig, nicht aber aus gesamtheitlicher Sicht heraus.
Die Angst der Sparer und der Ansturm auf die Banken
Auf diese Weise kann es besonders in einem Abschwung zu Liquiditätsengpässen bei einzelnen Banken kommen, indem die Kunden ihre Einlagen zurückfordern. Weil die Werte einer Bank in der Regel in längerfristigen Projekten gebunden sind, kann dies zu einer kurzfristigen Klemme führen. Das heißt, obwohl die Bank nicht überschuldet ist, kann sie kurzfristig zahlungsunfähig werden.
Die selbstverstärkende Panik der Märkte
Allein die Möglichkeit für diesen Zustand kann einen Ansturm der Kunden verursachen. Die Sparer ziehen ihre Einlagen nur deshalb ab, weil sie befürchten, die anderen Kunden könnten es ebenfalls tun. Die zentrale Institution hat die Aufgabe, das Überschießen in beide Richtungen abzumildern.
Die ausgleichende Rolle der zentralen Geldausgabe
Sie soll im Aufschwung bremsend wirken und im Abschwung belebend agieren. Auch soll sie die Banken gesamtwirtschaftlich beaufsichtigen, weil sie einen Gesamtüberblick hat und nicht nur die lokale Sicht einer einzelnen Bank. Sollte es dennoch zu einer Krise kommen, ist die Aufgabe der Institution, als Kreditgeber der letzten Instanz einzuspringen.
Die Bereitstellung von Notliquidität
Sie stellt die Liquidität bereit, die kurzfristig notwendig ist, um den sich selbst verstärkenden Effekt eines Kundenansturms zu verhindern. In einem solchen Fall kann die Institution von ihrer Fähigkeit Gebrauch machen, Geld in beliebiger Menge zu emittieren. Sofern das Motiv der Nichtbanken in einem solchen Fall nicht ist, das Geld zu verausgaben, sondern zu bevorraten, ist diese Vorgehensweise kaum preisniveausteigernd.
Die Übernahme fauler Kredite und die Erosion der Bilanz
Dies ist auch der Weg, auf dem schlechte Bankbilanzen zur zentralen Institution hochaggregiert werden können. Angenommen, eine Geschäftsbank vergibt einen Kredit an einen Schuldner mit zu geringer Leistungsfähigkeit zur Rückzahlung. Denn schwindet deren Eigenkapital, droht der Bank der Kollaps.
Der Konflikt zwischen Hilfe und Moral Hazard
Die zentrale Institution könnte nun die schlechten Kredite direkt oder indirekt gegen neu geschaffenes Geld übernehmen. Eigentlich will sie das nicht tun, um das System nicht zu korrumpieren. Andererseits kann sie diesen Fall aber nur sehr schwer von einer Geschäftsbank unterscheiden, die völlig unverschuldet in Schwierigkeiten gekommen ist.
Der Anreiz zur kurzfristigen Rettung
Die zentrale Institution hat daher immer einen Anreiz, kurzfristig zu helfen, auch wenn dadurch das Gesamtsystem erodiert. Sie verschlechtert dadurch Schritt für Schritt ihre eigene Bilanz. Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass eine zentrale Institution nicht staatlich organisiert sein muss.
Die private Organisation des Reservesystems
Es wäre ebenso möglich, dass sich die Geschäftsbanken zu einem Reservesystem zusammenschließen, das die Aufgaben der zentralen Ausgabe übernimmt. Genau das ist in den Vereinigten Staaten passiert, und das dortige System wurde von den Banken selbst als privates Netzwerk gegründet. Allerdings nimmt ein solches System eine besondere Rolle ein, sodass schnell Rufe laut werden, die Aufgaben sollten staatlich übernommen werden.
Die Gefahr der staatlichen Vereinnahmung
Das ist einerseits verständlich, denn eine zentrale Institution kann über den Fortbestand einer gesamten Realwirtschaft entscheiden. Andererseits verleitet die Kontrolle über die Institution dazu, sie für direkte Staatsfinanzierung zu missbrauchen. Derartige Bestrebungen finden derzeit wieder statt, indem sie sich als moderne Geldtheorie tarnen.
















