Historische Schuld und ihre ungleiche Wirkung auf das deutsche Verhältnis zu Israel und Russland
Screenshot youtube.comDie deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts hat das Verhältnis der Bundesrepublik zu anderen Staaten tiefgreifend und dauerhaft geprägt. Während die Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden Europas zu einer besonderen Sensibilität gegenüber dem Staat Israel geführt hat, bleibt die ebenso verheerende Kriegführung gegen die Sowjetunion in ihrer Wirkung auf das deutsch-russische Verhältnis deutlich weniger bestimmend. Diese Asymmetrie wirft die Frage auf, wie historische Schuld die außenpolitischen Beziehungen Deutschlands unterschiedlich formt und ob die daraus abgeleitete Verantwortung in allen Richtungen gleichermaßen ernst genommen wird. Die folgende Betrachtung untersucht diese Ungleichbehandlung anhand historischer Stimmen, aktueller politischer Entwicklungen und persönlicher Reflexionen.
Ungleiche Maßstäbe bei der Bekämpfung von Vorurteilen
Jegliche Form des Antisemitismus wird in Deutschland aufmerksam registriert und entschieden bekämpft, was angesichts der historischen Verantwortung uneingeschränkt gerechtfertigt ist. Antirussismus hingegen wird häufig nicht einmal als eigenständiges Problem wahrgenommen, sondern gilt allenfalls als Kavaliersdelikt und ist in manchen Kreisen sogar gesellschaftlich willkommen. Während dezidierte Kritik am Staat Israel als problematisch und unerwünscht eingestuft wird, gilt deutliche Russlandkritik als unproblematisch und politisch erwünscht. Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung und Bewertung von Vorurteilen gegenüber zwei unterschiedlichen Gruppen verdient eine genauere Betrachtung. Sie verweist auf tiefere Strukturen im deutschen Umgang mit historischer Verantwortung.
Staatsräson und die Frage der Verhältnismäßigkeit
Die Erklärung, dass die Freundschaft und Solidarität mit Israel Teil der deutschen Staatsräson sei, erscheint aus einer kritischen Perspektive als problematisch. Analog dazu wäre eine gleichlautende Erklärung über das deutsche Verhältnis zu Russland ebenfalls als verfehlt anzusehen. Dennoch wäre es angemessen, wenn in der Beziehung zu Russland dieselbe Sensibilität, Empathie und Vorsicht walten würde, die das Verhältnis zu Israel bestimmt. Ein tief verwurzeltes Schuldgefühl gegenüber Russland müsste in eine keineswegs kritikfreie, aber doch reflektierte Form der Solidarität münden. Die historische Verantwortung Deutschlands beschränkt sich nicht auf eine einzige Richtung, auch wenn sie sich in unterschiedlicher Intensität manifestiert.
Hans Kohn und die frühen Erkenntnisse zum Palästinakonflikt
Der Nationalismusforscher Hans Kohn, geboren 1891 und verstorben 1971, gehört zu den bedeutendsten Gelehrten seines Fachs und verfasste grundlegende Werke zu den arabischen Nationalbewegungen. In seiner in den 1960er-Jahren erschienenen Autobiografie schilderte er, wie er und seine Frau sich 1925 entschieden, Europa zu verlassen und nach Jerusalem auszuwandern. Bereits in dieser frühen Phase der jüdisch-palästinensischen Auseinandersetzung erkannte Kohn die bis heute ungelöste Kernproblematik des Konflikts. Die durch die britische Erklärung vom November 1917 beflügelten Juden fanden in Palästina keine leere Wüste vor, kein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land. Seit 13 Jahrhunderten lebten dort Araber, die gerade in jener Zeit, kurz nach dem Ersten Weltkrieg und während des Zerfalls des Osmanischen Reiches, auf eine Erneuerung ihrer nationalen Kultur hofften.
Kohns Verständnis für die arabische Position
Obwohl Kohn der zionistischen Bewegung verbunden war, bereitete es ihm keine Schwierigkeiten, den arabischen Standpunkt angemessen, mit großem Verständnis und sogar mit Sympathie zu würdigen. Er konnte nachvollziehen, dass die zionistische Bewegung den Arabern als Komplizin des britischen Imperialismus erscheinen musste. Die Araber wiesen darauf hin, dass England durch seine Erklärung den Zionisten etwas versprochen habe, was England nicht gehöre. Die britischen Zusicherungen zum Schutz der arabischen Rechte betrachteten die Araber als völlig ungenügend angesichts der finanziellen, organisatorischen und propagandistischen Möglichkeiten, über die die Zionisten weltweit verfügten. Sie hielten es für unvermeidlich, dass die Armut viele Araber zwingen würde, ihr Land an die Juden zu verkaufen, sodass es trotz der englischen Zusicherungen zu einer Mehrheit der Juden und zur Bildung eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina kommen müsse.
Der Bruch mit dem Zionismus
Die arabischen Befürchtungen des Jahres 1930 fanden ihren Ausdruck in einer Anzahl von Revolten. Der Kampf der Araber für ihre Unabhängigkeit und ihre politischen Rechte wurde jedoch mit überlegener militärischer Gewalt unterdrückt. Dieses rigorose Vorgehen war ganz und gar nicht im Sinne Hans Kohns. Nach der Niederschlagung des arabischen Aufstands von 1929 vollzog er ernüchtert und enttäuscht den Bruch. Er verließ die zionistische Bewegung und kehrte zunächst vorläufig, 1933 dann endgültig mit seiner Frau nach Europa zurück.
Der schmerzhafte Abschied von einer Hoffnung
Dieser Entschluss fiel Kohn keineswegs leicht, denn er bedeutete den Verzicht auf eine Hoffnung, an deren Verwirklichung er fast 20 Jahre mitgearbeitet hatte. Die Weitsicht seiner frühen Einschätzung sollte sich in den folgenden Jahrzehnten auf tragische Weise bestätigen. Kohn erkannte bereits in den Anfängen des Konflikts, was bis heute ungelöst geblieben ist. Seine Fähigkeit, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen und ernst zu nehmen, machte ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in einer Zeit zunehmender Polarisierung. Sein Beispiel zeigt, dass kritische Loyalität und Empathie für die Gegenseite keine Widersprüche sein müssen.
Arno J. Mayer und die Warnung vor der Abhängigkeit
Der 1926 geborene Arno J. Mayer entstammt einer jüdischen Familie aus Luxemburg, die sich 1940 in einer mehrmonatigen, abenteuerlichen Flucht über Marseille, Algier und Casablanca in die Vereinigten Staaten rettete. Mayer und seine Familie standen politisch links. Im Jahr 1950, als in den Vereinigten Staaten die Verfolgung angeblicher Kommunisten Fahrt aufnahm und der Kalte Krieg in Korea heiß wurde, verbrachte er einen Sommer in Israel. Diese Reise war als eine Art Erholungsurlaub vom alles dominierenden Ost-West-Konflikt gedacht. Was ihn dorthin lockte, war die historische Verheißung und Möglichkeit eines zionistischen Staates, der von beiden Supermächten unabhängig sein sollte.
Begegnungen mit der israelischen Linken
Mayer arbeitete zwei Monate lang in einem Kibbuz des marxistischen Verbandes Hashomer Hatzair und unterhielt sich mit führenden Mitgliedern der linken Mapam-Partei. Er besuchte auch Martin Buber und Ernst Simon, die als erklärte Fürsprecher eines binationalen, demokratischen und säkularen israelisch-palästinensischen Staates galten. Ohne das Sicherheitsproblem Israels zu verharmlosen, bezogen Simon und die Vertreter des linksdemokratischen Marxismus Stellung gegen die kompromisslose Politik der ersten israelischen Regierungen gegenüber den israelischen Arabern und den arabischen Nachbarstaaten. Diese Politik, so ihre Überzeugung, konnte nur dazu führen, dass Israels Zukunft immer mehr von der Anlehnung an die Vereinigten Staaten abhängen würde. Bei seinem zweiten Israel-Besuch im Jahre 1954 erkannte Mayer, wie verblüffend weitsichtig diese früh geäußerten Befürchtungen gewesen waren.
Saul Friedländer und die Zäsur von 1967
Der 1932 in Prag geborene Saul Friedländer gehört zu den bedeutendsten Historikern des Völkermords an den Juden. Er stammt aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie und zählt selbst zu den Opfern der Verfolgung. Unter schwierigsten Umständen hat er im besetzten Frankreich überlebt, während seine Eltern ermordet wurden, vermutlich in Auschwitz. Zu den großen Themen des 2016 erschienenen zweiten Bandes seiner Autobiografie gehört sein zwiespältiges, von Nähe und Distanz geprägtes Verhältnis zum Staat Israel. Er betrachtet Israels großen Sieg im Sechstagekrieg von 1967 als die fundamentale, negative Zäsur in der Geschichte des Landes.
Die moralische Gefahr der Besatzung
Friedländer gab zu, dass es ihm im Nachhinein peinlich war, dass ausgerechnet er, der hätte wissen müssen, was eine Besatzung den Besetzten und den Besatzern antut, das Warnzeichen nicht gesehen habe. Das Einzige, was er früh genug wahrnahm, war die Gefahr eines moralischen Verfalls, die die Besatzung in der israelischen Gesellschaft auslösen könnte. Der Sechstagekrieg wurde zum entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Israels und markierte das Ende einer Ära sowie den Beginn einer verhängnisvollen Entwicklung. Die dem Krieg folgende rigide Besatzungspolitik und das Erstarken nationalistischer und fundamentalistischer Strömungen in der israelischen Politik machten aus Friedländer einen Oppositionellen. Er engagierte sich auch in der israelischen Friedensbewegung, was insofern ungewöhnlich war, als viele Überlebende des Völkermords einen harten Kurs gegenüber den Palästinensern unterstützen.
Die Lehre aus der Verfolgung
Friedländer vertrat eine Position, die derjenigen vieler anderer Überlebender diametral entgegenstand. Er argumentierte bei allen sich bietenden Gelegenheiten, dass die einzige Lehre, die man aus der Verfolgung und Vernichtung der Juden ziehen könne, ein bestimmter Imperativ sei. Dieser Imperativ laute, sich gegen Unrecht, gegen willkürliche Verfolgung und gegen die Weigerung zu erheben, das Menschsein und die Rechte der anderen anzuerkennen. Für Friedländer war die historische Erfahrung der Verfolgung kein Grund für Unnachgiebigkeit gegenüber anderen, sondern eine Verpflichtung zur Empathie. Diese Haltung macht ihn zu einer bemerkenswerten Stimme unter den Überlebenden. Seine Position zeigt, dass es keine zwingende Verbindung zwischen erlittenem Unrecht und der Bereitschaft gibt, selbst Unrecht zu üben.
Drei Stimmen, eine Botschaft
Die Betrachtungen dieser drei jüdischen Historiker werfen zu unterschiedlichen Zeiten, um 1930, um 1950 und nach 1967, einen Blick auf die Auseinandersetzungen in Palästina beziehungsweise Israel. Sie kommen zu sehr ähnlichen Urteilen und verbreiten wenig Hoffnung. Die seitherige historische Entwicklung hat ihre Einschätzungen und Befürchtungen nicht nur bestätigt, sondern übertroffen. Die Existenz des Staates Israel wird weniger von feindlichen Nachbarn bedroht als von den inneren Entwicklungen. Diese Erkenntnis wiegt schwer, weil sie die Verantwortung für die Zukunft des Landes in die Hände seiner eigenen Bürger und Politiker legt.
Der permanente Ausnahmezustand
Israel befindet sich seit seiner Gründung offiziell im Ausnahmezustand, immer wieder im Kriegszustand und permanent in Phasen zwischen Krieg und Frieden. Das Land verübt Kriegsverbrechen, verletzt Menschenrechte, missachtet Resolutionen der Vereinten Nationen und das Völkerrecht und unterdrückt sowie diskriminiert die palästinensische beziehungsweise arabische Bevölkerung. All dies erzeugt ein ernstes, bedrohliches Legitimitätsproblem. Israel entwickelt sich immer mehr zu einem Staat der Rassentrennung. Kritische Medien leiden unter der Militärzensur, und obwohl die israelische Zivilgesellschaft nach wie vor plural und vital ist, stehen Demokratie und Liberalität unter wachsendem Druck.
Die Frage nach der Gleichbehandlung
Man stelle sich vor, Israel wäre kein Verbündeter des Westens und kein Schützling der Vereinigten Staaten. Wie würde man sein Gebaren wohl hierzulande beurteilen? Diese Gedankenexperiment offenbart die Doppelstandards, die in der internationalen Politik angelegt sind. Die Frage ist nicht, ob Kritik an Israel berechtigt ist, sondern ob sie nach denselben Maßstäben geübt wird wie gegenüber anderen Staaten. Die Antwort fällt ernüchternd aus. Die geopolitische Zugehörigkeit eines Staates bestimmt maßgeblich, wie seine Verfehlungen bewertet werden.
Doppelmessung im Vergleich mit Russland
Im Hinblick auf den Antirussismus lässt sich festhalten, dass Israel ständig und nachweislich das tut, was man Russland lautstark und ohne handfeste Beweise vorwirft. Russland wird die Annexion der Krim vorgehalten, während Israel unbestreitbar Ostjerusalem und die syrischen Golanhöhen annektiert hat. Russland wird eine völkerrechtswidrige Einmischung im Osten der Ukraine vorgeworfen, während Israel eine vierstellige Zahl völkerrechtswidriger Luftangriffe gegen Stellungen in Syrien geflogen hat. Zuletzt hat Israel sogar den Absturz eines russischen Aufklärungsflugzeugs mit 15 Todesopfern verursacht. Russland wird vorgeworfen, es unterstütze rechtspopulistische Parteien in Europa, während Israels Affinität zu Rechtspopulisten vielfach belegt und obendrein wenig überraschend ist, besteht doch die aktuelle israelische Regierung ebenfalls aus rechtspopulistischen und rechtsnationalistischen Kräften.
Sanktionen mit zweierlei Maß
Russland wird wegen seiner angeblichen Missetaten vom Westen mit Sanktionen überzogen. Wer jedoch im Zusammenhang mit Israel das Wort Sanktionen oder auch nur den Abzug von Investitionen erwähnt, hat den Vorwurf des Antisemitismus zu gewärtigen. Diese Ungleichbehandlung ist einer der auffälligsten Doppelstandards in der gegenwärtigen internationalen Politik. Die Bereitschaft, ein Land für Handlungen zu bestrafen, die ein anderes Land ebenfalls begeht, hängt offenbar nicht von der Tat selbst ab, sondern von der geopolitischen Position des Täters. Diese Erkenntnis untergräbt die Glaubwürdigkeit des internationalen Rechts und der wertebasierten Außenpolitik.
Die unausgesprochene Frage der Einflussnahme
Seit Ende 2016 kennen die Medien der Vereinigten Staaten kaum ein anderes Thema als die angebliche russische Einmischung in inneramerikanische Angelegenheiten, insbesondere während der Präsidentschaftswahlen. Doch wie steht es mit der israelischen Einflussnahme auf die Politik der Vereinigten Staaten? Wer hatte in der Vergangenheit und wer hat gegenwärtig wohl den größeren Einfluss auf die amerikanische Innenpolitik, Russland oder Israel? Als ein Journalist diese Frage im Frühjahr 2017 einem langjährigen Mitarbeiter der Demokratischen Partei stellte, der in die Russland-Ermittlungen involviert war, kam die Antwort ohne Zögern. Die Antwort lautete, dass Israel natürlich den größeren Einfluss habe. Israel ist der Elefant im Raum, den jeder kennt, aber kaum jemand thematisiert.
Persönliche Befangenheit und historische Verantwortung
Auch wenn der Autor dieses Textes nicht zögert, die aktuelle israelische Politik deutlich zu kritisieren und partiell zu verurteilen, fällt ihm das alles andere als leicht. Die intensive Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, vor allem mit konkreten jüdischen Lebensgeschichten, macht es schwer, sich dem Thema unbefangen zu nähern. Die von Deutschen und im deutschen Namen verübten Verbrechen an den Juden stellen eine Belastung dar, die auch das Verhältnis zum heutigen Staat Israel nicht unberührt lässt. Regierungskritische, oppositionelle Israelis und Juden versichern zwar, dass für solche Befangenheit keinerlei Grund bestehe. Dennoch hat diese Befangenheit ihr Gutes, denn sie verhindert Leichtfertigkeit und erzwingt Nachdenklichkeit.
Nationalscham als moralischer Kompass
Die deutsch-jüdische Geschichte lässt denjenigen, der sich ernsthaft mit ihr beschäftigt, nicht los. Das Gefühl der Nationalscham und der Nationalschuld ist keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung für verantwortungsvolles Handeln. Wer die Verbrechen der Vergangenheit anerkennt, ohne daraus eine kritiklose Loyalität gegenüber dem heutigen Staat Israel abzuleiten, handelt im Geist der Aufklärung. Die historische Verantwortung besteht nicht darin, jede Politik einer Regierung zu unterstützen, die sich auf das Judentum beruft. Sie besteht vielmehr darin, die Lehren aus der Geschichte für alle menschlichen Beziehungen gelten zu lassen, auch und gerade dann, wenn es unbequem wird. Die deutsch-jüdische Geschichte darf nicht loslassen, und sie sollte es auch nicht.
Kritik und Solidarität als Ergänzung
So notwendig und legitim die Kritik an und der Protest gegen israelische Politik sind, damit allein kann es nicht sein Bewenden haben. Wie überall dürfen auch in Israel die Machteliten nicht mit der Bevölkerung des Landes verwechselt werden. Statt zu resignieren, muss immer wieder nach Möglichkeiten der Verständigung gesucht werden. Ein schwieriger, aber vielversprechender Weg besteht auch in diesem Konflikt darin, historische Kenntnisse und Zusammenhänge an jüngere Generationen zu vermitteln. Nur wer die Vergangenheit versteht, kann die Gegenwart einordnen und die Zukunft gestalten.
Ein vorbildliches Projekt der Verständigung
Im Jahr 2000 haben sich auf Initiative einer Friedensforschungseinrichtung im Nahen Osten palästinensische und israelische Lehrer zusammengefunden. Aus ihren gemeinsamen Diskussionsrunden ist ein kontrovers angelegtes Schulbuch entstanden, das die einzelnen Etappen des inzwischen 100-jährigen Konflikts aus der unterschiedlichen Sicht beider Parteien erzählt. So scharf die Perspektiven der Autoren auch oft kontrastieren, ihr übergreifendes Credo ist jederzeit präsent. Es braucht gleichermaßen mehr Menschen, die Israel verstehen, und mehr Menschen, die Palästina verstehen. Die historischen Erfahrungen, die Blickwinkel, die Wahrnehmungen, die Argumentationen, die Gefühle, die Ängste und Hoffnungen der jeweils anderen Seite müssen zunächst einmal zur Kenntnis genommen werden, wenn es gelingen soll, verhärtete Fronten aufzubrechen, dominante Erzählungen zu hinterfragen, vielleicht zu korrigieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.












