Die Verstrickung der südvietnamesischen Elite in den internationalen Rauschgifthandel

Der Konflikt in Südostasien während der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts schuf nicht nur ein politisches und militärisches Vakuum, sondern begünstigte auch das Entstehen eines massiven illegalen Handelsnetzwerkes. In dieser turbulenten Ära vermischten sich staatliche Strukturen mit organisierten kriminellen Syndikaten, wodurch der Rauschgifthandel zu einer einträglichen Einnahmequelle für hochrangige Funktionäre wurde. Die folgenden Ausführungen beleuchten die Verstrickungen der südvietnamesischen Führungsschicht in diesen lukrativen Markt und zeigen auf, wie militärische und zivile Macht zur Abschirmung illegaler Geschäfte missbraucht wurde.

Absatzmarkt für ausländische Soldaten

Durch den neu entstandenen Absatzmarkt für ausländische Soldaten und die gestiegene Nachfrage internationaler Drogensyndikate gewann der südvietnamesische Rauschgifthandel sprunghaft an Größe und Rentabilität. Diese Entwicklung bewegte eine Reihe kleinerer Gruppierungen dazu, ebenfalls in dieses einträgliche Geschäft einzusteigen. Zu Beginn des Jahrzehnts, das auf die Mitte des Jahrhunderts folgte, teilten sich offenbar drei bedeutende Gruppen diesen lukrativen Markt untereinander auf. Die erste Gruppe bestand aus Elementen der südvietnamesischen Luftstreitkräfte, insbesondere aus dem ersten Transportgeschwader. Die zweite Fraktion umfasste die zivile Bürokratie, also Polizei, Zoll und Hafenbehörde, die zunehmend unter die Kontrolle der Familie des Premierministers geriet.

Die Aufteilung des illegalen Marktes unter den Machteliten

Die dritte einflussreiche Gruppierung setzte sich aus Angehörigen der Armee, der Marine und des Unterhauses der Nationalversammlung zusammen, die allesamt hinter dem damaligen Präsidenten standen. Die gewaltigen finanziellen Summen, die in diesem Handel steckten, riefen unter diesen verfeindeten Lagern starke Animositäten und Rivalitäten hervor. Die Beteiligung am nationalen Drogenmarkt nahm dabei unterschiedliche Formen und Ausprägungen an. Gewöhnlich lief das Geschäft so ab, dass einflussreiche politische und militärische Führer des Landes als Berater und Beschützer der chinesischen Syndikate auftraten. Diese Syndikate übernahmen den Großhandel, die Veredelung, die Verpackung und einen Teil des Schmuggels.

Die Rolle der staatlichen Protektion und des Militärs

Die Bedeutung dieser staatlichen Protektion sollte keinesfalls unterschätzt werden, denn ohne diesen Schutz hätte der Heroinhandel nicht weiterbestehen können. Mächtige vietnamesische Militärs und Zivilbeamte waren darüber hinaus direkt am Rauschgiftschmuggel in das Land beteiligt. Das vietnamesische Militär verfügte im Gegensatz zu den chinesischen Händlern über eigene Flugzeuge, Lastkraftwagen und Schiffe. Die meisten Mitglieder der vietnamesischen Elite konnten weit einfacher Drogen durch den Zoll und an Grenzposten vorbeischmuggeln als ihre chinesischen Schützlinge. Von den drei großen Drogenringen in Südvietnam war das Transportgeschwader der Luftwaffe, das loyal zu einem bestimmten Luftwaffenvizemarschall stand, das professionellste.

Die direkten Geschäfte mit Laborbetreibern im Nachbarland

Obwohl dieser Vizemarschall und sein Apparat infolge einer großen militärischen Offensive gegen Ende des Jahrzehnts vor der Jahrtausendwende schwer angeschlagen waren, organisierte seine Fraktion weiterhin einen Großteil des Rauschgiftschmuggels zwischen Vietnam und Laos. Dies geschah durch die Luftwaffe und ihre festen Verbindungen zu laotischen Drogenhändlern. Nach mehr als zehn Jahren Erfahrung verfügte dieser Apparat über direkte Verbindungen zur laotischen Elite, mit denen die anderen beiden Fraktionen nicht konkurrieren konnten. Der Apparat war nicht auf Mittelsmänner angewiesen, um Heroin zu kaufen, sondern machte seine Geschäfte direkt mit einem Heroinlabor in der Region der laotischen Hauptstadt. Laut Berichten von Polizeiberatern war dieses Labor eines der aktivsten im Nachbarland und wurde von einem chinesischen Unternehmer geleitet.

Die Tarnung durch scheinbare Industrieunternehmen

Dieser Unternehmer fungierte als das entscheidende Verbindungsglied zwischen einem der größten laotischen Drogenhändler und dem Heroinring des vietnamesischen Transportgeschwaders. Aus der Perspektive des Drogenhandels war das wichtigste legale Unternehmen dieses Mannes ein Abfüllwerk für ein bekanntes Erfrischungsgetränk am Stadtrand der laotischen Hauptstadt. Der offizielle Leiter dieses Werks war der Sohn des dortigen Premierministers. Einige Jahre zuvor begannen der chinesische Unternehmer und zwei weitere Finanziers mit dem Bau dieser Anlage. Obwohl die Beteiligung des Premiersohns die Firma für großzügige Hilfe der amerikanischen Entwicklungshilfebehörde qualifizierte, hatte die Fabrik fünf Jahre nach den immer wieder unterbrochenen Bauarbeiten noch keine einzige Flasche des Getränks abgefüllt.

Der Schmuggel von Chemikalien für die Drogenproduktion

Das fertiggestellte Fabrikgebäude wirkte verlassen und aufgegeben, was die Konkurrenten des Getränkeherstellers einigermaßen verblüffte. Die Drogenfahndungsbehörde hatte jedoch die Antwort auf dieses Rätsel parat. Ihren Quellen zufolge benutzte der Unternehmer seine Getränkeunternehmung als Tarnung für den Kauf von Chemikalien, die für die Heroinverarbeitung unerlässlich waren. Dazu gehörten Stoffe wie Äther und Essigsäureanhydrid. Gleichzeitig diente das Unternehmen als Deckmantel für große Finanztransaktionen.

Die Organisation der Transportrouten

Sobald das Heroin hergestellt und in große Plastiktüten verpackt war, arrangierten andere erfahrene Mitglieder des militärischen Apparats den Transport nach Südvietnam. Die ältere Schwester des Vizemarschalls hatte einen Großteil des Handels von einem Hotel in einer laotischen Stadt aus geleitet, als ihr Bruder noch Premierminister war. Später gab sie ihre Position als Hotelbetreiberin auf und zog zurück in die südvietnamesische Hauptstadt. Quellen in der vietnamesischen Gemeinde des Nachbarlandes berichteten jedoch, dass sie und ihr Ehemann nach ihrer Rückkehr mindestens sechsmal im Monat zwischen den Städten hin und her reisten. Sie kaufte dann Heroin aus dem geheimen Labor und ließ es in Grenzstädte bringen, wo es in Transportflugzeuge der vietnamesischen Luftstreitkräfte verladen wurde.

Die Rolle ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter im Drogenhandel

Darüber hinaus glaubte die Drogenfahndung, dass ein ehemaliger Assistent eines hohen Geheimdienstchefs ebenfalls an diesen Operationen beteiligt gewesen sein könnte. Nachdem der Geheimdienstchef verwundet worden war, wurde dieser Assistent aus seiner Position als Direktor der Auslandsspionage gedrängt und ging ins Exil in eine Nachbarhauptstadt. Zwei Jahre lang hatte dieser geschickte Drahtzieher seine Geheimagenten benutzt, um ein Netz von Drogenkontakten in der Grenzregion der drei Länder zu knüpfen. Die Fahnder hatten Grund zu der Annahme, dass er diese Kontakte auch in späteren Jahren weiterhin nutzte. Auf dem großen Flughafen der südvietnamesischen Hauptstadt residierte der Vizemarschall in seinem klimatisierten Palast, umgeben nur von seinen treuesten Offizieren.

Die Loyalität der Luftwaffenoffiziere

Um einen Job in unmittelbarer Nähe des Vizepräsidentenpalastes zu bekommen, musste ein Offizier der vietnamesischen Luftstreitkräfte extrem loyal zu diesem Vizemarschall stehen. Einige Jahre später war ein bestimmter Oberst der Kommandeur des Flughafens und des Transportgeschwaders der Luftstreitkräfte. Dieser Oberst war der Schwager eines engen politischen Beraters des Vizemarschalls, der bei der großen militärischen Offensive ums Leben gekommen war. Er hatte unter dem Vizemarschall als Staffelkapitän gedient und blieb einer seiner treuesten Gefolgsleute. Ein Berater beschrieb ihn damals als den revolutionären Ränkeschmied innerhalb der Luftstreitkräfte.

Die Verstrickung hochrangiger Offiziere in den Schmuggel

Nach Beginn der militärischen Invasion in Kambodscha begannen Flugzeuge einer bestimmten Luftdivision einen Pendelverkehr mit Ausrüstung und Versorgungsgütern für die dortige Armee. Währenddessen unternahmen Kampfflugzeuge zur Außenverteidigung der kambodschanischen Hauptstadt nächtliche Feindflüge. Alle diese Maschinen sollten eigentlich leer zurückkehren, aber der Generaldirektor des vietnamesischen Zolls glaubte, dass sie häufig mit zollpflichtigen Waren, Gold und Rauschgift beladen waren. Der Generaldirektor kritisierte in einem Interview mit einer großen amerikanischen Tageszeitung besonders den Oberst als am wenigsten kooperativ bei seinen Bemühungen, die Kanäle zu stopfen. Er warf dem Oberst vor, die Wege, über die Heroin in das Land gelangte, nicht ausreichend zu kontrollieren.

Die systemischen Folgen der Korruption

Außerdem berichteten vietnamesische Polizeibeamte, dass dieser Offizier einigen der mächtigen Figuren der Unterwelt nahestand, die Hotels und Gaststätten in der Hauptstadt betrieben. Hinweise dieser Art führten viele informierte Beobachter zu dem Schluss, dass der Oberst eine zentrale Figur im vietnamesischen Rauschgifthandel war. Die enge Verflechtung von militärischer Logistik und illegalem Handel machte eine effektive Bekämpfung des Drogenkonsums nahezu unmöglich. Die staatlichen Strukturen dienten somit nicht dem Schutz der Bevölkerung, sondern der Bereicherung weniger Eliten. Der Drogenhandel blühte genau dort, wo die Kontrolle am strengsten sein sollte.

 

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