Die Maschen der Börsenbetrüger im unregulierten Freiverkehr
Screenshot youtube.comDer moderne Finanzmarkt bietet Anlegern zahlreiche Möglichkeiten, ihr Vermögen zu vermehren, doch lauernde Gefahren werden von unerfahrenen Personen oft unterschätzt. Kriminelle Energien nutzen ständig neue Methoden, um ahnungslose Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Besonders im unregulierten Bereich des Börsenhandels tummeln sich Betrüger, die mit ausgeklügelten Strategien arbeiten. Die folgenden Ausführungen beleuchten die Vorgehensweisen solcher Täter und zeigen auf, wie leicht sich Kurse manipulieren lassen und welche Schutzmechanismen fehlen.
Der unscheinbare Anruf aus dem Verborgenen
Wenn ein betroffener Bürger einen Telefonanruf mit unterdrückter Rufnummer erhält, hegt er zunächst keinerlei Verdacht. Viele Bekannte nutzen diese Einstellung aus reiner Bequemlichkeit. In diesem spezifischen Fall meldet sich jedoch eine völlig fremde Person. Die Stimme des Anrufers klingt jugendlich, sympathisch und äußerst dynamisch. Das Gesprächsthema soll eine angebliche Marktforschung im Bereich der Navigationsgeräte sein.
Die geschickte Gesprächsführung der Betrüger
Der Angerufene lässt sich von dieser freundlichen Art leicht einlullen. Der Anrufer erkundigt sich nach den Gewohnheiten des Bürgers bezüglich der Nutzung solcher Geräte. Das Opfer gibt bereitwillig Auskunft und beklagt sich über die technischen Macken seines Programms. Es wird von Fehlern berichtet, die bereits zu falschen Routenführungen geführt haben. Der sympathische Gesprächspartner hört geduldig zu und leitet dann zum eigentlichen Zweck des Telefonats über.
Die Köderfunktion falscher Versprechungen
Er fragt nach der Bekanntheit eines spezifischen Unternehmens aus der Technologiebranche. Das ahnungslose Opfer verneint die Kenntnis über diese Firma. Der Anrufer erklärt daraufhin, dass dieses vielversprechende Unternehmen ein völlig neues Funktionsmerkmal für Navigationsgeräte entwickelt habe. Dieses selbstlernende Programm würde die bisherigen Fehler zuverlässig vermeiden. Zudem wird dem Angerufenen suggeriert, dass die Aktien dieser Firma aktuell zum Schnäppchenpreis erhältlich seien.
Die Mechanismen der Kursmanipulation
Sobald sich diese Neuigkeit herumgesprochen habe, werde der Kurs massiv ansteigen. Solche Telefonaktionen gehören zu den vielen Tricks, die im unregulierten Freiverkehr angewendet werden. Firmen, die eigentlich wertlose Elektronikgeräte vertreiben, werden durch gezielte Anrufe zu scheinbaren Technikspezialisten hochgejubelt. Die Anrufer arbeiten dabei eng mit den Führungskräften der Firmen zusammen. Solche Anrufe sind eigentlich verboten, doch Betrüger tarnen ihre Aktionen oft als harmlose Umfragen.
Das Prinzip der künstlichen Kurssteigerung
Im vorliegenden Fall geht es darum, die Nachfrage nach einer wertlosen Aktie künstlich anzukurbeln. Wenn viele Angerufene auf diesen Trick hereinfallen und die Aktien ordern, geht die Rechnung der Täter auf. Die Hintermänner lösen ihre Positionen anschließend mit enormem Gewinn auf. Der Kurs der Aktie sinkt danach rapide ab. Charakteristisch für solche windigen Strategien sind stark gezackte Kursbewegungen bei den betroffenen Papieren.
Die Tücken des unregulierten Freiverkehrs
Börsenpreise lassen sich generell relativ leicht manipulieren, besonders wenn die Stückzahlen und Kurse niedrig sind. Der Freiverkehr ist ein Teilbereich des deutschen Börsenhandels, der keiner staatlichen Regulierung unterliegt. Transparenzanforderungen wie Ad-hoc-Mitteilungen oder Quartalsberichte existieren in diesem Segment nicht. Es gilt das neoliberale Motto des freien Kapitalverkehrs mit ungehindertem Zugang zu den Handelsplätzen. De facto wird dieser Teilmarkt zur Spielwiese für Betrüger, obwohl nicht alle dort notierten Firmen unter Generalverdacht stehen.
Der Handel mit leeren Firmenmänteln
Ein weiteres Erfolgsmodell für Anlagebetrüger ist der Handel mit leeren Firmenmänteln. Die Täter kaufen ein Unternehmen, das keine Geschäfte mehr betreibt, aber offiziell noch besteht. Der neuen Firma wird zunächst eine gute und vielversprechende Geschichte verpasst. Damit sich das Ganze richtig lohnt, muss eine hohe Anzahl an Aktien hergestellt werden. Nach deutschem Recht beträgt das Mindestkapital für eine Aktiengesellschaft 50000 Euro, wobei eine Aktie über einen Mindestnennbetrag von 1 Euro lauten muss.
Die Ausnutzung ausländischer Rechtsformen
Bei einer Gründung zum Mindestkapitalbetrag lassen sich somit nicht mehr als 50000 Aktien herausholen. Im Ausland sieht die Regelung oft anders aus, was sich die Betrüger zunutze machen. Dort können Aktien auf den Nennwert von 1 Rappen lauten. Aus 50000 Franken lassen sich auf diese Weise 5000000 Aktien basteln. Das Kapital muss zudem nicht ausschließlich als Geldeinlage in die neue Gesellschaft fließen.
Die problematische Börsenzulassung
Man kann auch Sacheinlagen leisten, zum Beispiel Autos, Computer oder Grundstücke. Im nächsten Schritt werden die Aktien an der Börse gelistet, beispielsweise am freien Markt in Frankfurt. Bei dieser Zulassungsform handelt es sich um die luftigste Variante überhaupt. Kein lästiger Zulassungsprospekt muss erstellt werden, und eine Haftung für unrichtige Angaben entfällt logischerweise. Die Aktien können nach der Zulassung zum Handel laufend ge- und verkauft werden.
Die Inszenierung eines erfolgreichen Unternehmens
Zunächst kaufen irgendwelche Hintermänner sich gegenseitig Aktienpakete ab. Dadurch pendelt sich der Kurs auf einem angemessenen Niveau ein, im Zweifel ist dies der Nennwert von 1 Euro. Zugleich wird kräftig Öffentlichkeitsarbeit betrieben, um das Unternehmen erfolgreich wirken zu lassen. Es wird behauptet, das Geschäft laufe toll an und es ergebe sich bald eine Kooperation mit einem renommierten Unternehmen. Auch vielversprechende Patente sollen sich in der Entwicklung befinden.
Das Ende des Spuks für die Kleinanleger
Solche Börsenblödsind sind marktschreierisch und letztendlich jedoch vage formuliert. Der Kurs wird systematisch hochgetrieben, und die Initiatoren des ganzen Brimboriums fahren Gewinne ein. Zwischenzeitliche Kurseinbrüche werden als Chance zum günstigen Einstiegspreis schöngeredet. Wenn der Schwindel auffliegt, haben die Kleinanleger ihr Geld verloren und die Initiatoren sind reich geworden. Es gibt erschreckend viele Menschen, die immer wieder auf solche billigen Maschen hereinfallen.

















