Der systematische Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch technologische Automatisierung

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Die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung markiert einen tiefgreifenden Wendepunkt in der Geschichte der Arbeitswelt, bei dem die traditionelle Wertschätzung menschlicher Arbeitskraft zunehmend durch technologische Automatisierung verdrängt wird. Während Unternehmen in ihren öffentlichen Leitbildern weiterhin beteuern, dass ihre Beschäftigten den wertvollsten Besitz darstellen, zeigt die operative Realität ein völlig anderes Bild. Die ursprüngliche Idee, intellektuelle Ressourcen wie Fachwissen, Urteilsvermögen und Erfahrung als zentrales Kapital zu fördern, weicht einer systematischen Ersetzung menschlicher Tätigkeiten durch vernetzte Maschinensysteme. Dieser Wandel betrifft nicht nur gering qualifizierte Arbeitskräfte, sondern bedroht mittlerweile auch hochspezialisierte Positionen in Verwaltung und Produktion.

Die Illusion des menschlichen Kapitals in modernen Unternehmen

In vielen Unternehmensleitbildern findet sich nach wie vor die blumige Floskel, dass die Belegschaft das größte Kapital eines Betriebes darstelle. Die ursprüngliche Idee hinter diesem Begriff war durchaus vernünftig und zielte darauf ab, die betriebswirtschaftliche Sichtweise von reinen Personalkosten hin zu einer sinnvollen Bewertung und Förderung intellektueller Ressourcen zu lenken. Wissen, Urteilsvermögen, Fachwissen, Erfahrung, die Beherrschung von Abläufen, handwerkliches Geschick und weitere Kompetenzen stecken ausschließlich in den Köpfen von Menschen. Ein Unternehmen mag noch so viele Dokumente oder Patente anhäufen, doch auf den Markt bringen kann dieses intellektuelle Kapital am Ende immer nur die menschliche Arbeitskraft. Maschinen mögen körperliche Kraft ersetzen, doch das menschliche Gehirn galt lange Zeit als exklusiv und unersetzbar.

Historische Vorläufer der mechanischen Ersetzung

Die Erfahrung, menschliche Muskeln durch mechanische Vorrichtungen zu unterstützen oder gar vollständig zu ersetzen, ist uralt. Bereits die Babylonier betrieben vermutlich frühe Formen von Windmühlen. Im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung erfanden die Griechen das Schöpfrad, und wenig später entwickelten die Römer die Hubkolbenpumpe. Als englische Bergarbeiter mit ihren Handpumpen der Wassereinbrüche in zunehmend tieferen Schächten nicht mehr Herr wurden, erfand Thomas Newcomen im Jahr 1712 die Dampfmaschine. Seit jenem Zeitpunkt war es das große Projekt der industriellen Revolution, zunächst alle Bauern zu Fabrikarbeitern zu machen, um ihnen anschließend Stück für Stück die Arbeit wieder wegzunehmen.

Der Aufstieg der programmierbaren Steuerungstechnik

Über einen langen Zeitraum hinweg haben größere und leistungsstärkere Maschinen lediglich ältere Vorrichtungen ersetzt, wurden jedoch immer von Menschen gesteuert. Erste Industrieroboter wurden in den 1950er-Jahren entwickelt und traten in den 1970er-Jahren ihren Siegeszug an. Zunächst eroberten sie die Automobilindustrie, bevor sie sich im gesamten produzierenden Gewerbe durchsetzten. Wo immer etwas bewegt, gestapelt oder verpackt werden muss, oder wo gesägt, gewalzt, gefräst, gestanzt, geschweißt, geschliffen oder lackiert wird, steuern immer öfter keine Menschen mehr die Maschinen, sondern die Maschinen steuern sich selbst. Dies bezeichnet man als programmierbare Steuerungstechnik, bei der nur noch wenige Experten den Anlagen sagen müssen, was zu tun ist, während den Rest die Technik selbst erledigt.

Der Niedergang gering qualifizierter Arbeitskräfte

Diese Entwicklung war vor allem eine schlechte Nachricht für Menschen ohne oder mit nur geringer beruflicher Qualifikation. Denn diese Arbeitskräfte hatten bislang die genormten Arbeiten entweder von Hand verrichtet oder einfache Maschinen bedient. Noch zu Beginn der 1980er-Jahre stellten Beschäftigte ohne Berufsausbildung im Schnitt einen Anteil von 33 Prozent der Belegschaft. In manchen Industriezweigen, etwa der Produktion von Kühlschränken oder Fernsehgeräten, waren es sogar bis zu 66 Prozent. Heute werden solche Produkte hierzulande nicht einmal mehr hergestellt, was den tiefgreifenden Strukturwandel verdeutlicht.

Statistische Verschiebungen bei den Qualifikationsanforderungen

Die aktuelle Entwicklung spiegeln einschlägige Statistiken deutlich wider. Gerade noch 12 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland verfügen heutzutage über keine anerkannte Berufsausbildung. Umgekehrt steigt die Quote der Personen mit akademischem Abschluss kontinuierlich an. Betrachtet man beispielsweise die Metall- und Elektroindustrie, so hatten im Jahr 2015 bereits 15,4 Prozent der Beschäftigten einen Hochschulabschluss. Die Elektroindustrie ist mit 23,2 Prozent sogar der absolute Spitzenreiter in dieser Hinsicht.

Die Ära der vernetzten und lernfähigen Produktion

Was sich derzeit unter dem Konzept der 4. industriellen Revolution abspielt, ist die logische Fortsetzung dieser historischen Entwicklung. Der Weg führt von der sich selbst steuernden Maschine hin zum vernetzten und sich weitgehend autonom steuernden Produktionsprozess. Verbesserte und zunehmend lernfähige Sensoren sowie sensiblere Mechanik machen es möglich, dass Anlagen nicht nur vordefinierte Prozesse eigenständig abarbeiten. Sie können darüber hinaus Daten und Informationen selbstständig sammeln und auswerten, wodurch die Maschine lernfähig wird. Sie ist sogar in der Lage, Normabweichungen und damit mögliche Fehler oder Störungen zu diagnostizieren und dann zu entscheiden, ob sie dementsprechend nachsteuern kann oder ob menschliches Eingreifen erforderlich ist.

Autonome Logistik und Lieferkettenmanagement

Ebenso werden Maschinen mit vor- und nachgeordneten Prozessen digital vernetzt, was zu einem völlig neuen Ablauf führt. Das Ergebnis sind Anlagen, die benötigte Materialien oder Vorprodukte eigenständig am Lager abrufen. Diese Systeme erkennen selbstständig, wann etwas nachbestellt werden muss. Sie melden sich dann aber nicht mehr beim menschlichen Einkauf, sondern kommunizieren direkt mit dem Lieferanten. Große Teile der Logistikkette am anderen Ende der Produktion, wie Warenlager, Verpackung und Auslieferung, werden entweder automatisch mit Informationen versorgt oder gleich vollständig von der Technik selbst organisiert.

Datengesteuerte Produktentwicklung und Individualisierung

Im Zuge dieser Entwicklung werden Produktionsanlagen so viele Daten sammeln, dass sie daraus aufbereitete, ausgewertete und verständlich visualisierte Informationen liefern können. Vereinfacht gesagt machen Maschinen den Menschen Vorschläge, womit sie sogar bis in die Produktentwicklung hineinregieren können. Am Ende wird es so sein, dass Zusammenstellungswerkzeuge im Internet keine bloßen Spielereien mehr sind, sondern feste Bestandteile der Fertigungsprozesse werden. Beispielsweise könnten Kunden dann aus vielen Ausstattungsvarianten ihr maßgeschneidertes Sofa oder Automobil zusammenstellen und direkt beim Hersteller in Auftrag geben. Nur noch in Zweifelsfällen würde sich ein menschlicher Berater bei den Kunden melden.

Massiver Stellenabbau in Produktion und Verwaltung

Es liegt auf der Hand, dass diese Veränderungen nicht nur eine Vielzahl von Arbeitsplätzen in der unmittelbaren Produktion pulverisieren werden. Sie werden kaum weniger Aufgaben in der Verwaltung und im Vertrieb überflüssig machen. Derzeit erscheinen beinahe im Wochentakt Studien darüber, wie viele Arbeitsplätze die digitale Vernetzung der Produktion vernichten wird. Wie viele es tatsächlich sein werden, lässt sich bisher nur vermuten, doch weniger als 25 Prozent wird es wohl kaum sein. Ein Stellenabbau im Umfang von 33 Prozent bis 50 Prozent scheint durchaus realistisch zu sein.

Das extreme Szenario in der Massenproduktion

In manchen Bereichen der Massenproduktion von Standardverbrauchsgütern, wie etwa Haushaltsgeräten, Haushaltswaren oder Mobiltelefonen, müssen sich unter Umständen bis zu 80 Prozent der Belegschaft im Personalbüro melden. Dies bedeutet, dass sie sich bei einem der verbliebenen Menschen in der Verwaltung bewerben müssen, die die digitale Automatisierung von Prozessen dort noch übrig gelassen hat. Alles dies sind keine guten Nachrichten für das verbliebene menschliche Kapital. Also auch nicht für die Beschäftigten von heute, die wirklich etwas wissen und können. Denn entgegen aller Beteuerungen haben Mitarbeiter für Unternehmen im digitalen Zeitalter längst nicht solche Bedeutung wie deren Computerprogramme.

Der globale Konsens des Managements über die Entbehrlichkeit des Menschen

Dies ist keine Parole von technikbegeisterten Experten aus dem kalifornischen Technologiezentrum, sondern entspricht der Meinung der Mehrheit der Geschäftsführer weltweit. Laut einer Umfrage einer Beratungsgesellschaft aus dem Anfang des Jahres 2017 unter 800 Spitzenmanagern internationaler Großunternehmen sind für knapp 64 Prozent der Führungskräfte Menschen in erster Linie ein Kostenfaktor und kein Vermögenswert. 67 Prozent vertreten die Meinung, dass Technologie zukünftig mehr Ertrag schaffen werde als menschliches Kapital. 44 Prozent gehen davon aus, dass Automatisierung und maschinelle Lernverfahren Menschen im Arbeitsleben der Zukunft zum großen Teil irrelevant werden lassen. Weitere 40 Prozent der Manager berichteten, seitens der Anteilseigner unter Druck zu stehen, Personal durch Maschinen zu ersetzen.

 

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