Die historischen Hintergründe des transatlantischen Menschenhandels
Screenshot youtube.comDie Erforschung der frühen Neuzeit offenbart tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen, die das Schicksal ganzer Kontinente für immer veränderten. Als europäische Mächte begannen, neue Gebiete jenseits des Ozeans zu erschließen, standen sie vor der gewaltigen Herausforderung, diese Regionen profitabel zu machen. Dies erforderte ein enormes Aufgebot an Arbeitskräften, was letztlich zu einer der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte führte. Die Entscheidung, welche Bevölkerungsgruppen für diese harte Zwangsarbeit herhalten mussten, wurde nicht zufällig getroffen. Sie war das Ergebnis komplexer wirtschaftlicher Zwänge, politischer Machtspiele und ideologischer Rechtfertigungen, die bis heute Gegenstand intensiver historischer Debatten sind.
Die Suche nach den Gründen für die Auswahl der Arbeitskräfte
Die anfänglich offiziell verzeichneten Transporte von versklavten Menschen aus Afrika datieren auf das Jahr 1519. Dies lässt vermuten, dass die ideologischen, logistischen und kommerziellen Grundlagen dieses Handels bereits 25 Jahre nach der frühen Reise des Christoph Kolumbus fest etabliert waren. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts erlebte dieser Handel in enger Verbindung mit der Ausweitung des Zuckerrohranbaus einen gewaltigen Aufschwung. In dieser Zeit wurden massenhaft Menschen nach Brasilien und auf die karibischen Inseln verschleppt. Auch in Virginia, wo eine Siedlung im frühen 17. Jahrhundert gegründet wurde, trafen wenige Jahre später die anfänglichen afrikanischen Gefangenen ein.
Die demografische Realität in den eroberten Gebieten
Es drängt sich die fundamentale Frage auf, warum man Männer und Frauen aus Afrika importierte. Waren die einheimischen Völker etwa zu widerspenstig, unfähig oder nutzlos, während die Neuankömmlinge gefügiger und arbeitsfähiger erschienen? Oder lag die Ursache in einem rassistischen Vorurteil, das den Status der Versklavung von vornherein mit einer dunklen Hautfarbe verknüpfte? Ein bekannter Philosoph der Aufklärung argumentierte, dass dieses Vorurteil eher eine Folge der Versklavung war und nicht deren Ursache. Seine These, dass die europäischen Völker nach der Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner die afrikanischen Völker versklaven mussten, weist jedoch eine logische Schwachstelle auf.
Die ökonomische Betrachtung der Arbeitskräfte
Historische Schätzungen gehen davon aus, dass in den von den Eroberern beherrschten Gebieten Mitte des 16. Jahrhunderts immer noch viele Menschen der Urbevölkerung lebten. Daher lässt sich die Verschleppung von zahlreichen Afrikanern über mehrere Jahrhunderte hinweg nicht allein mit der Auslöschung der Ureinwohner erklären. Einige Geschichtswissenschaftler schlugen vor, dass die Plantagen Arbeitskräfte benötigten und die von geistlichen Orden beschützten Indigenen einfach durch Afrikaner ersetzt wurden. Andere Forscher widersprechen dieser Sichtweise und betonen, dass es den Eroberern primär darum ging, ihre Kolonien zu retten, da in den Bergwerken und auf den Feldern akuter Mangel herrschte. Dies führt erneut zu der Frage, warum man sich nicht der zahlreichen vor Ort lebenden Menschen bediente.
Die Anpassungsfähigkeit und die bestehenden Sozialstrukturen
Ein bekannter Gesellschaftstheoretiker stellte sich ebenfalls die Frage nach der Herkunft der versklavten Arbeitskräfte. Er verglich die Ausbeutung europäischer Vertragsarbeiter mit der der Afrikaner und stellte fest, dass ein stockender Nachschub bei steigender Nachfrage unweigerlich zur Einführung der Versklavung führte. Die Erklärung, warum europäische Dienstleute durch Sklaven ersetzt wurden, erscheint relativ einfach. Doch die Frage, warum man sich ausgerechnet für Afrikaner und nicht für einheimische Sklaven entschied, bleibt komplex. Der Theoretiker erklärt dies damit, dass Ureinwohner zwar anfangs versklavt wurden, in der Gefangenschaft jedoch rasch starben oder sich als unfähig erwiesen, sich den harten Lebensbedingungen in den Verarbeitungsbetrieben anzupassen.
Die Kostenfrage zwischen Zwangsarbeit und Sklaverei
Selbst in südamerikanischen Bergwerken verwendete man die Ureinwohner anfänglich als Sklaven, ersetzte sie jedoch später durch afrikanische Gefangene, was als grundlegender Faktor für den Fortbestand der dortigen Siedlungen galt. In Gebieten, in denen diese Ersetzung stattfand, waren die einheimischen Völker oft Jäger und Sammler oder hatten noch keine klare Klassenstruktur in der Landwirtschaft entwickelt. Solche Gesellschaften konnten sich der disziplinierten Arbeit nicht anpassen und starben aus. Wo jedoch bereits redistributive Produktionsweisen und eine Klasseneinteilung existierten, produzierten die unteren Schichten bereits ein Mehrprodukt. Diese Gruppen konnten relativ erfolgreich dazu gezwungen werden, diese Produktion in abgeänderter Form zugunsten der neuen Herrscher fortzuführen.
Die Kritik an der ökonomischen Erklärung
Dies geschah besonders dann, wenn die früheren Herren kooperierten, was zur Entwicklung von Systemen wie der Schuldknechtschaft führte. Wenn einheimische Arbeitskräfte nur dort durch afrikanische Sklaven ersetzt wurden, wo sie keiner Zwangsarbeit unterworfen werden konnten, muss die Sklaverei als ein Notbehelf betrachtet werden. Dies lässt sich damit erklären, dass in der kommerziellen Produktion der Einsatz von Zwangsarbeitern weniger kostete als die Verwendung von Sklaven. Arbeitskräfte, die teilweise Löhne erhielten, verursachten geringere Kosten, da sie einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst auf Böden produzierten, die sich nicht im Besitz des Dienstherren befanden. Setzte man hingegen reine Sklavenarbeit ein, lagen die laufenden Kosten für diese Arbeitskräfte deutlich höher.
Die Entwicklung von Abwehrkräften und die Selektion
Der Theoretiker bietet also zwei Antworten an, um dieses historische Rätsel zu lösen. Erstens starben die Ureinwohner als Sklaven rasch oder waren für die harte Arbeit ungeeignet. Zweitens war es rentabler, bestehende Formen der Ausbeutung wie Tribute oder Schuldknechtschaft in bestimmten Gesellschaften umzuwidmen. Wenn jedoch zu wenige einheimische Arbeitskräfte verfügbar waren und ihre Ausbeutung durch andere Formen des Zwangs gewährleistet werden konnte, scheint die Frage zunächst gelöst. Man benötigte Arbeitskräfte, die fähig waren, sich den Bedingungen anzupassen, und die Sklaverei war die geeignete Form, um die Produktion zu organisieren, doch dieser Mechanismus ist als alleinige Erklärung nicht hinreichend.
Die Rolle der landwirtschaftlichen Kompetenzen
Es ist erwiesen, dass die Ureinwohner epidemiologisch nicht über die gleichen Abwehrmechanismen verfügten wie die Afrikaner, die über Erfahrungen mit Vieh als mikrobielle Träger verfügten. Der Menschenhandel wurde jedoch genau in dem Maße schwunghafter, in dem sich die Folgen dieses mikrobiellen Schocks abschwächten, da die Überlebenden eigene Abwehrkräfte entwickelten. Dies schließt aus, dass die Anfälligkeit für Krankheiten der alleinige Grund für die Versklavung von Afrikanern war. Folglich wird die Unfähigkeit der Einheimischen zur Anpassung als Hauptgrund angeführt. Doch in der neuen Welt gab es immer noch viele Menschen aus hochentwickelten Agrarzivilisationen, die keineswegs weniger angepasst waren.
Der politische und ideologische Widerstand
Das Argument, dass Sklavenarbeit auf den Plantagen eine besondere Begabung für landwirtschaftliche Arbeit erfordere, ist durchaus diskussionswürdig. Das einzig gültige Argument hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bestimmter Afrikaner könnte darin bestehen, dass der Transport über den Ozean eine natürliche Selektion bewirkte. Nur diejenigen Männer, Frauen und Kinder überlebten die Reise, die über eine robuste Gesundheit verfügten. Dieses Argument gilt jedoch nur für jene Ureinwohner, die nicht ihrerseits über weite Strecken verschleppt wurden. Es bleibt die offene Frage, warum man nicht Einheimische aus dem Landesinneren in die Plantagenregionen brachte, zumal viele Afrikaner ebenfalls aus dem Binnenland an die Küsten gebracht wurden.
Die ideologische Dimension der Arbeitsteilung
Betrachtet man die materiellen Interessen der Eroberer, bezeugen sämtliche Dokumente das genaue Gegenteil der Annahme, die Versklavung der Ureinwohner sei aus Kostengründen unterblieben. Es waren die theologisch-politischen Autoritäten, die die Versklavung von Einheimischen verboten, wobei sie auf den energischen Widerstand der Minen- und Plantagenbesitzer stießen. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war der gesamten Kolonialgesellschaft, mit Ausnahme der geistlichen Orden und einiger weniger Beamter, sehr daran gelegen, die Versklavung der Indigenen aufrechtzuerhalten. Ihre einträglichsten wirtschaftlichen Aktivitäten hingen lange Zeit davon ab, sodass ihnen die Aufhebung der Sklaverei als Infragestellung ihrer eigenen Existenz erschien. Neue Gesetze zum Schutz der Ureinwohner erregten daher den Zorn und den Widerstand der Eroberer, die uneingeschränkten Zugriff auf die Arbeitskräfte haben wollten.
Die abschließende Bewertung der historischen Fakten
Der Konflikt zwischen der Krone und den Eroberern bezüglich der Versklavung der Ureinwohner setzte sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts fort. Der Gesellschaftstheoretiker möchte sich offensichtlich lieber an eine strikt ökonomische Logik halten und die Sklaverei als reinen Notbehelf aufgrund von Kostenfaktoren erklären. Es ist jedoch auch eine andere Erklärung möglich, die ideologischer und nicht materieller Art ist. Wenn die Frage erst einmal in Begriffen der Fähigkeit gestellt wird, die Arbeitsbedingungen zu ertragen, sollte es keinen wesentlichen Unterschied zwischen der massenhaften Versklavung der einen oder der anderen Gruppe geben. Der entscheidende Unterschied bestand darin, dass die Ureinwohner von bestimmten einflussreichen Gruppen beschützt wurden, während dies für die Menschen aus Afrika nicht der Fall war.













