Der Weg in den Unabhängigkeitskrieg und die Radikalisierung der Kolonien

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Die Ereignisse der Jahre 1774 und 1775 markieren den entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der nordamerikanischen Kolonien, der den unvermeidbaren Bruch mit dem britischen Mutterland einleitete. Durch eine Reihe als unerträglich empfundener Gesetzgebungsakte sah sich die Bevölkerung in ihren Grundrechten massiv beschnitten, was eine Welle der Empörung und organisatorischen Vernetzung auslöste. Die britische Krone reagierte mit Härte und Missverständnissen, während sich in den Kolonien eine breite Front aus gemäßigten und radikalen Kräften formierte, die schließlich in den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen mündete.

Die kollektive Bestrafung der Bürgerschaft

Die ersten beiden Gesetzgebungsmaßnahmen besaßen einen rein lokalen Bezug, während die anderen beiden für sämtliche Kolonien galten. Das erste Gesetz verhängte eine Totalsperre über den Hafen von Boston, solange die Stadt der Ostindischen Kompanie keine Entschädigung für die verlorenen Teeladungen geleistet hatte. Zahlungen von dritter Seite wurden dabei strikt abgelehnt.

Die Entrechtung des legislativen Systems

Diese Maßnahme machte alle Einwohner der Stadt für das Geschehen während des Tee-Protests verantwortlich, was im frühneuzeitlichen Kontext jedoch nichts Ungewöhnliches darstellte. Städte galten als Korporationen, die in ihrer Gesamtheit für Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Aus verfassungsrechtlicher Sicht war das zweite Gesetz weitaus problematischer, da es faktisch das gesamte legislative System der Kolonie entrechtete.

Der Schutz britischer Amtsträger und die Einquartierung

Die lokalen Versammlungen durften fortan nur noch einmal im Jahr tagen und sich strikt auf lokale Probleme beschränken. Die gesamte Kolonie wurde der Londoner Regierung und dem Westminster-Parlament unterstellt. Dies stellte einen schweren Anschlag auf die Rechte und Privilegien freier Briten dar, zu denen die Repräsentation durch lokale gewählte Organe zählte. Aus diesem Grund rief das Gesetz in sämtlichen Kolonien heftige Proteste hervor.

Die Angst vor absolutistischer Tyrannei

Demgegenüber waren der dritte und der vierte Akt deutlich weniger umstritten. Der dritte garantierte britischen Amtsträgern und Soldaten einen Prozess in Großbritannien, was von vielen Kolonisten als fragwürdig angesehen wurde. Der vierte befasste sich neuerlich mit dem Problem der Einquartierung der abgezogenen Regimenter. Das neue Gesetz machte es möglich, ohne vorherige Zustimmung Privateigentum zu beschlagnahmen, sofern es nicht genutzt wurde.

Die territoriale Neugliederung und religiöse Zugeständnisse

Eine solche Regelung mochte ärgerlich sein, war aber bei Weitem nicht so provokant wie die ersten beiden Gesetze. Schon diese vier Gesetze waren kaum dazu angetan, die Emotionen in Nordamerika abzukühlen. Sie trugen im Gegenteil dazu bei, diese ordentlich anzuheizen, da sich die schlimmsten Ängste vor absolutistischer Tyrannei zu bestätigen schienen.

Der pragmatische Umgang mit den Frankokanadiern

Erst das Québec-Gesetz setzte dem Ganzen die Krone auf und erforderte einen Rückblick auf die Konflikte der 1750er und 1760er Jahre. Damals hatten die britischen Militärbehörden in Nova Scotia die dort lebenden Frankokanadier deportiert oder umgebracht, wenn sie den Eid auf den britischen König verweigerten. Dahinter steckte eine klar assimilatorische Position, nach der das britische Weltreich in Sprache, Kultur und Religion britisch sein musste. Für französische Katholiken war darin ursprünglich kein Platz vorgesehen.

Die Wiederherstellung französischer Privilegien

Diese Position wurde nach der Eroberung Frankokanadas mit seinen 75000 Einwohnern in wachsendem Maße fragwürdig und unpraktikabel. Man konnte mit den Frankokanadiern nicht ebenso umgehen wie mit den Acadiens, weshalb Lord Amherst dort eine unerwartet maßvolle Militärherrschaft einrichtete. Diese ließ praktisch sämtliche Institutionen der Franzosen unangetastet, darunter das feudale System und die katholische Kirche. Die Frankokanadier dankten es mit dem Verzicht auf Widerstand.

Die Ausdehnung des Kolonialgebiets

Im Frühsommer 1774 wurde diese unsichere Lage auf einen Schlag geändert, indem man insbesondere den Großgrundbesitzern und der katholischen Kirche erhebliche Zugeständnisse machte. Erstmals und vorerst einzig im britischen Reich wurde eine ordentliche katholische Hierarchie eingerichtet, der man das Recht zugestand, den Kirchenzehnten zu erheben. Das feudale System wurde bestätigt, und die Grundbesitzer waren damit nahezu die einzigen Katholiken im britischen Reich, die ohne Probleme öffentliche Ämter bekleiden durften. Auf eine koloniale Versammlung verzichtete man indes vollständig.

Der Zorn der Bodenspekulanten und Siedler

In einem zweiten Schritt wurde das französische Zivilrecht wiederhergestellt, was die Großgrundbesitzer begünstigte und den einfachen Bewohnern ihre eben erst gewonnenen Rechte als freie Engländer gleich wieder entzog. Allein das Strafrecht blieb den Normen des gemeinen Rechts unterworfen, was den Frankokanadiern jedoch nicht das Jurysystem einbrachte. Der dritte Teil des Gesetzes glich dann einem Donnerschlag, denn er regelte die territoriale Neugliederung der Kolonie. Diese umfasste nun über das alte Neufrankreich hinaus die gesamte Indianerreserve, die 1763 dem Zugriff der südlichen Kolonisten entzogen worden war.

Die Angst vor dem französischen Katholizismus

Nachdem die Grenze von 1763 durch spätere Verträge obsolet geworden war und sich die großen Grundstücksgesellschaften schon auf die Aufteilung des Gebietes vorbereitet hatten, wurde es durch dieses Gesetz einfach einer anderen Kolonie übertragen. Womit die Landrechte aus den königlichen Chartas des 17. Jahrhunderts schlagartig erloschen. Wieder hatten Regierung und Parlament den Expansionssehnsüchten der amerikanischen Kolonisten einen Riegel vorgeschoben. Man kann sich die verheerende Wirkung dieses Gesetzes auf die Patriotenbewegung südlich Kanadas heute kaum mehr vorstellen.

Der traditionelle Antikatholizismus der Angelsachsen

Selbstverständlich tobten alle Bodenspekulanten und jene, die als Siedler ihr Glück im Westen hatten versuchen wollen, was aber nur einen Teil der Empörung ausmachte. Viel schlimmer waren zwei andere Aspekte des Gesetzes, die einerseits eine weitere Ausbreitung des feudalen Absolutismus zu signalisieren schienen. Andererseits schuf es eine gleichberechtigte, reguläre, französische und katholische Hierarchie. Dies konnte aus Sicht der Kolonisten nichts anderes bedeuten als den Wunsch der britischen Regierung, den französisch-katholischen Absolutismus auf dem Boden des Reiches zu implantieren.

Die apokalyptischen Ängste der Bevölkerung

In dieser gespannten Situation wirkten sich der traditionelle Antikatholizismus der Angelsachsen und ein hysterisches, verschwörungstheoretisches Weltbild gleichermaßen kontraproduktiv aus. Niemand in der britischen Regierung dachte auch nur im Ansatz daran, eine katholisch-absolutistische Monarchie einzurichten. Bei der Mehrheit amerikanischer Whigs kam das Gesetz aber ganz anders an, da sie den König umringt von einer fanatischen Horde katholischer Adeliger sahen. Diese würden alles tun, um die britischen Traditionen von Freiheit und Protestantismus zu vernichten.

Die Wiederaufnahme alter Gedenktage

In weiten Teilen der evangelikalen Unterschichten bestätigte dieses Gesetz allemal die schlimmsten apokalyptischen Ängste. Wenn Rom die Macht auf britischem Territorium an sich riss, dann war das Ende nah. Und selbst in den Eliten waren diese Ängste nicht unbekannt, wie die Aussage eines sklavenhaltenden Großgrundbesitzers aus South Carolina zeigte. Amerika sei angesichts dieses Gesetzes die letzte Bastion der Menschheit im Kampf der Freiheit gegen die verschwörerischen Anschläge der Tyrannei.

Die Instrumentalisierung von Ängsten

Im Jahr 1774 wurde folgerichtig zum ersten Mal seit Jahrzehnten in den Kolonien wieder der Guy-Fawkes-Tag im Gedenken an die katholische Pulververschwörung aus dem Jahr 1605 begangen. Dieser an Fanatismus grenzende Antikatholizismus vieler Kolonisten erklärt zusätzlich, warum es den Amerikanern während der ganzen Krise nie einfiel, sich für die unterdrückten Iren zu engagieren. Denen ging es verfassungsrechtlich deutlich schlechter als den Bewohnern der nordamerikanischen Kolonien.

Die reale politische Wirksamkeit von Geheimbünden

Sicher wurden der Antikatholizismus und die Angst um die Rechte freier Engländer auch instrumentalisiert, um zu mobilisieren und um tiefer liegende ökonomische Interessen zu bemänteln. Dennoch entsprangen die Verschwörungstheorien nicht bloß einem rationalen Kalkül. In einer Welt ohne wissenschaftliche Gesellschaftsanalyse kam Verschwörungen eine unmittelbare Realität zu.

Die politische Grammatik der Kolonisten

Die Guy-Fawkes-Verschwörung und die Zirkel um die jakobitischen Thronprätendenten waren reale Verschwörungen mit eminenter politischer Wirksamkeit. Auch die Aufklärer verbreiteten Verschwörungstheorien, um zu erklären, was in ihren Augen irrational und obskurantistisch war. Mit Paranoia oder gar einer typisch angelsächsischen Verschwörungsangst hatten die Ängste der Kolonisten nichts zu tun. In der Französischen Revolution und ihrer Vorgeschichte waren Verschwörungstheorien kaum weniger bedeutsam als in Nordamerika und Großbritannien.

Die moderne Funktion von Verschwörungsmodellen

Selbst die Freiheitsgruppen waren im Kern eine Verschwörung. Einzig die von den amerikanischen Whigs propagierte katholisch-absolutistische Verschwörung im Westminster-Parlament existierte nicht. Allerdings gaben die Verschwörungstheorien den Kolonisten spätestens seit 1763 eine politische Grammatik an die Hand. Vor deren Hintergrund konnte jeder Schritt der britischen Regierung apokalyptisch gedeutet werden.

Die Angst vor einer anglikanischen Staatskirche

Neuere Forschungen haben den genuin modernen Charakter von Verschwörungstheorien herausgearbeitet, indem sie auf die wichtige Funktion innerweltlicher, streng säkularer Kausalitäten hinwiesen. Verschwörungstheorien waren demnach konzeptionelle Instrumente, soziale und politische Sachverhalte einordnen zu können, ohne auf Gott oder dämonische Einflüsse zurückgreifen zu müssen. Eigene Handlungsoptionen der Masse waren im verschwörungstheoretischen Denken allerdings nicht vorgesehen, da sie stets davon ausgingen, historische Ereignisse würden von kleinen, elitären Zirkeln gemacht. Die verschwörungstheoretischen Erklärungsmuster waren alles in allem nicht vom aufgeklärten 18. Jahrhundert erfunden worden.

Die Forderung nach Trennung von Staat und Kirche

Mit dem Antikatholizismus gingen antianglikanische Ängste einher, da die Anhänger der Assimilationsidee darauf gesetzt hatten, die Kolonien allmählich zu anglikanisieren. Für viele Baptisten, Presbyterianer und evangelikale Erweckte war das eine Horrorvorstellung. Mehrere Kolonien verfügten über eine etablierte anglikanische Staatskirche, die den Zehnten eintrieb und zwangsweise von allen Einwohnern finanziert wurde. Dies war den Nonkonformisten und den deistischen Freigeistern ein Dorn im Auge.

Die Einberufung des Kontinentalkongresses

In vielen Kolonien zählte die Trennung von Staat und Kirche zu den ersten gesetzlichen Maßnahmen, wovon man im Jahr 1774 noch weit entfernt war. Trotzdem war dieses Gesetz neben dem Tee-Gesetz des Jahres 1773 der wohl entscheidende Auslöser für die Amerikanische Revolution. Erneut zeigt sich der zutiefst vormoderne Charakter dieser Revolution, in der Aufklärung und Religion, Vernunft und Emotion sowie Freiheitsstreben und Toleranzideale Hand in Hand gingen. Nach den Schlägen der Regierung North lag der Ball im Spielfeld der amerikanischen Whigs.

Das Schweigen der karibischen Kolonien

Diese nahmen ihn auf, ohne das Ende der Gesetzesserie abzuwarten, und beschränkten sich vorerst auf Antworten im Rahmen der Legalität. Ausgehend von Rhode Island und Massachusetts wurde ein Kontinentalkongress der Kolonien nach Philadelphia einberufen, um über die neue Situation zu beraten. Ab Juni kam es zu Wahlen, die zeigten, über wie wenig Macht die königlichen Gouverneure noch verfügten. In fast allen Kolonien versuchten sie, den Versammlungen die Wahlen zu verbieten oder sie zumindest zu behindern.

Die Flut der politischen Streitschriften

In Massachusetts führte dies nur dazu, dass die Versammlung nach Concord auswich und dort die Wahlen der Delegierten durchführte. Ein letztes Mal kamen offene Sympathiekundgebungen von den westindischen Inselkolonien, wobei die Assembly von Jamaika eine Solidaritätsadresse an den König sandte. Je weiter der Konflikt voranschritt, umso stiller wurden jedoch die karibischen Plantagenkolonien. Sie mussten mit der Gefahr von Sklavenaufständen und französisch-spanischen Invasionen rechnen, was ihre Leidenschaft für die Sache der Festlandskolonien merklich abkühlen ließ.

Der gescheiterte Vorschlag einer Union

Neben den Wahlen beschränkten sich die Kolonisten auf eine Fülle von Streitschriften, in denen die alten Klagen gegen das Westminster-Parlament und die Tory-Regierung aufgegriffen und verschärft wurden. Weiterhin jedoch vermieden die Whig-Eliten es, von Unabhängigkeit zu reden. Sie setzten auf ihre Kontakte zur britischen Opposition, während die Mehrheit in Westminster auf Seiten des Premierministers stand. Die Tonlage wurde hitziger, aber die Methoden blieben gleich.

Der überkoloniale Boykott britischer Waren

Von Seiten der moderaten Patrioten kam der aus den 1760er Jahren stammende Vorschlag, man solle eine Art Union des Kontinentalkongresses und des Westminster-Parlaments durchführen. Als die Delegierten des ersten Kontinentalkongresses im September 1774 zusammentraten, wurde dieser Vorschlag auf die Tagesordnung gesetzt, aber rasch verworfen. Weiterhin überwog die Furcht, in einem Unionsparlament überstimmt zu werden. Noch während die Delegiertenwahlen liefen, rollte die nächste Boykottwelle über die Kolonien.

Die Unbeweglichkeit der gemäßigten Kräfte

In feierlichen Schwüren bekannten sich viele Einwohner dazu, von nun an bis zum Ende des Konflikts keinerlei britische Waren mehr zu konsumieren. Der Kontinentalkongress griff diese Aktionen auf und schloss sich mit einem überkolonialen Importverbot für britische Waren an. Zusätzlich schickte man eine weitere Petition mit Klagen und Beschwerden nach London. Wie im Jahr 1765 lautete der programmatische Wahlspruch, dass es keine Besteuerung ohne Repräsentation geben dürfe.

Das tugendrepublikanische Programm des Kongresses

Schließlich wurde dem Parlament vorgeworfen, der Unmoral und der Korruption verfallen zu sein, was nichts Neues unter der Sonne darstellte. Diese Unbeweglichkeit der moderaten Whigs begann den radikaleren Kräften mehr und mehr auf die Nerven zu gehen. Sie sehnten sich nach klaren Fronten und Zielsetzungen, ohne jedoch vorläufig das Wort Unabhängigkeit in den Mund zu nehmen. Für die Unabhängigkeit gab es in der Bevölkerung weiterhin, allem Ärger zum Trotz, keine Mehrheit.

Der Widerstand der breiten Massen

Die Loyalität zum Königshaus blieb für fast alle Amerikaner identitätsstiftend, da sie sich weiterhin als Briten sahen, die britische Werte verteidigten. Der Kontinentalkongress beschränkte sich gleichwohl nicht auf den Konflikt mit Großbritannien, sondern verstand sich als interkoloniales Repräsentationsorgan. Gleichzeitig blieben die Delegierten elitären Werthaltungen und Ordnungsvorstellungen verhaftet. Dies erklärt, warum der Kongress fast nebenbei aus tugendrepublikanischem und evangelikalem Geist heraus Glücksspiel, Wetten und andere unsittliche Treiben verbot.

Der Druck auf die königlichen Richter

Ein derartig umfangreiches sozialdisziplinatorisches Programm scheiterte aber an der anhaltenden und weiterhin wachsenden Widerständigkeit der breiten Massen. Diese ließen sich ihren Lebensstil nicht vorschreiben und teilten zwar die Opposition gegen die unerträglichen Gesetze, fühlten sich ansonsten jedoch frei. Die Auflösung der sozialen Hierarchien war im vollen Gange. Im Unterschied zur Stempelsteuerkrise kam es folgerichtig außerhalb des Kongresses zu deutlich radikaleren Vorfällen.

Die Angst der Eliten vor einer sozialen Revolution

Im Verlauf des Sommers 1774 zwangen bewaffnete Gruppen sowohl in den größeren Städten vornehmlich Neuenglands als auch auf dem flachen Land Richter dazu, ihrem Amt zu entsagen. In weiten Teilen der Kolonien wurden die Korrespondenzgesellschaften und die Freiheitsgruppen zu den eigentlichen Garanten der öffentlichen Ordnung. Formen extralegaler Volksgewalt griffen um sich. In Massachusetts formten die Freiheitsgruppen ein Sicherheitskomitee, das die Befehlsgewalt über die lokalen Milizen an sich zog.

Die Einbindung der Unterklassenradikalen

Dieser Schritt richtete sich gleichermaßen gegen die Briten und gegen die Zerrüttung der öffentlichen Sicherheit. Inmitten der beginnenden Ablösung der britischen Herrschaft wurden die neuenglischen Eliten weiterhin von der Angst vor einer sozialen Revolution umgetrieben. Die amerikanischen Whigs gingen noch einen Schritt weiter und formten in sämtlichen Kolonien sogenannte Assoziationskomitees. In diesen hatten einerseits die alten Eliten führende Positionen inne, die aber andererseits sozial wesentlich breiter aufgestellt waren.

Der Angriff auf das britische Fort

In einem geschickten Schachzug wurden die Anführer der Unterklassenradikalen in die neuen Komitees eingebunden, wodurch das revolutionäre Potential nunmehr zur Gänze ausgeschöpft und zumindest partiell kontrolliert werden konnte. Die Assoziationskomitees dienten als Ordnungsorgane und übten faktisch die Herrschaft in weiten Teilen der Kolonien aus. Mit graduellen Unterschieden zwischen Neuengland und den Mittelatlantikkolonien beschränkte sich der Einflussbereich der Krone im Herbst 1774 im Wesentlichen auf das nähere Umfeld der Garnisonen. Als der Winter kam, griffen in New Hampshire erstmals Milizen einen britischen Stützpunkt an.

Die Kompromissvorschläge der britischen Opposition

Die überraschende Attacke führte ohne viel Blutvergießen zum Erfolg, und den Whigs gelang es, sich Waffen und Munition zu verschaffen. Unter den gegebenen Umständen blieben die Zwangsgesetze reine Makulatur, und es war überhaupt nicht daran zu denken, sie vor Ort umzusetzen. Da inzwischen die Milizen mehrerer Kolonien damit begannen, regelmäßig zu exerzieren, wurde ein bewaffneter Konflikt beständig wahrscheinlicher. Die britische Reaktion auf dieses Geschehen folgte etwas verzögert, eine Folge der transatlantischen Nachrichtenverbindungen.

Die Weigerung des Westminster-Parlaments

Vorerst waren die gemäßigten britischen Oppositionellen am Zug, die im Januar und März 1775 dem Parlament jeweils Kompromissvorschläge vorlegten. Diese liefen im Kern auf einen Widerruf des Tee-Gesetzes hinaus, wobei man das Recht der Kolonisten auf eigene Steuerbeschlüsse betonte. Gleichzeitig beharrte man aber auf der Vollmacht des Westminster-Parlaments, imperiale Steuern zu erheben. Selbst die radikalere Opposition lehnte eine Selbstentmachtung des britischen Parlaments ab.

Der Befehl zur Gewaltanwendung

In der Praxis wollte man zu dem längst überholten Requsionssystem des Jahres 1754 zurückkehren. Diese Ambivalenz zwischen der Theorie und einer pragmatischen Praxis war die eine Schwäche derjenigen, die sich für die amerikanischen Whigs einsetzten. Die andere lag im Fehlen einer Mehrheit in Parlament und Öffentlichkeit. Britische Steuerzahler zeigten kein großes Verständnis für die Sorgen der Amerikaner, weshalb das Westminster-Parlament im Februar 1775 die Kronkolonie Massachusetts im Zustand des Aufruhrs erklärte.

Die prekäre Lage des General Gage

Der für die amerikanischen Kolonien zuständige Minister gab dem General Gage die schriftliche Weisung, nun endlich der Gewalt ein Ende zu bereiten. Unterdessen raffte sich der Premierminister zu einem weiteren Kompromissangebot an den Kontinentalkongress auf, das das Parlament schließlich billigte. Man werde auf sämtliche Steuern außer auf die Zölle verzichten, wenn die Kolonien sich selbst besteuern würden. Es ist unklar, wie ernst dieses Angebot gemeint war, da der Premierminister die amerikanische Öffentlichkeit wohl eher auf den kommenden Krieg vorbereiten wollte.

Der Druck aus London und von den Loyalisten

Während das Parlament tagte, kam es in Neuengland immer wieder zu Zusammenstößen zwischen britischen Militärs und Amerikanern. Bislang hatten die britischen Offiziere es vermieden, den Konflikt eskalieren zu lassen, was primär dem Temperament von Gage zu verdanken war. Gage wusste allerdings auch, wie schwach und unhaltbar seine Situation war, da Massachusetts bereits weitgehend verloren war. Ihm blieb nur eine Konsequenz, weshalb er dringend um 20000 weitere Soldaten ersuchte, was jedoch abgeschlagen wurde.

Das militärische Ziel in Concord

Zunehmend wurde die Lage prekärer, da der Minister von London aus drängte, die Kolonie endlich wieder in den Griff zu bekommen. Die eigenen Offiziere sowie die lokalen Loyalisten drängten ihn zum Zuschlagen, damit nicht alles vollkommen in Aufruhr gerate. Der Minister ging sogar so weit, die illegale Versammlung in Concord einfach verhaften zu lassen, da er glaubte, dann wäre in Nordamerika alles wieder im Lot. General Gage teilte diesen Optimismus nicht und ihm fehlte die Euphorie seiner jüngeren Offiziere.

Der Marsch der britischen Soldaten

Nichtstun war indes keine Option, daher wählte Gage im April 1775 ein militärisches Ziel, nämlich die bei Concord und Lexington gelegenen Waffen- und Munitionsdepots der Kolonialmiliz. War diese erst ihrer Ausrüstung beraubt, konnte notfalls auch ohne weitere Truppen die Verhaftung der Abgeordneten angegangen werden. Bei dem Unternehmen half ihm eine Organisation von Spionen, die mehrheitlich aus Tavernenbesitzern bestand. Diese bildeten gewissermaßen das Gegengewicht zu dem Agentennetz in Boston und Umgebung.

Die nächtliche Warnung der Reiter

Dies alles zeigt, wie wenig das Bild vom einheitlich revolutionären Massachusetts der historischen Wirklichkeit entsprach, da die Loyalisten ihre Sache mit derselben Leidenschaft verfochten. Auf Befehl von General Gage marschierten am 18. April 1775 rund 800 bis 900 britische Soldaten in Richtung Concord und Lexington. Sie zogen nach einer geheimen nächtlichen Landungsoperation bevorzugt über Loyalisten-Landbesitz, um einen überraschenden Schlag durchzuführen. Neben den Waffenlagern waren Samuel Adams und John Hancock ihre Ziele, die man verhaften lassen wollte.

Die Mythenbildung um Paul Revere

Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt bereits zu spät, da in der Nacht zum 19. April zwei Reiter Boston im Galopp verlassen hatten. Sie waren über das Agentennetz von dem Plan informiert worden und ritten nun quer durch das Land, um die Kolonialmilizen vor den heranrückenden Briten zu warnen. Die Soldaten marschierten schnurstracks in ihr Verderben, da sie weiterhin von einem Überraschungscoup ausgingen. Der nächtliche Ritt wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem für die amerikanische nationale Identität grundlegenden Ereignis stilisiert.

Das erste Gefecht bei Lexington

Dabei wurden die anderen Beteiligten schlichtweg aus der dramatisierten Geschichte herausgeschrieben und alles auf den einsamen Helden verkürzt. Allein das Gerücht, die Ehefrau des Generals habe den entscheidenden Hinweis gegeben, hat sich ohne Beweis in der Volksmythologie halten können. Außerdem war im Grunde gar nicht der bekannte Reiter der Mann, der das Geschehen entschied, da er überhaupt nicht bis zum Hauptziel Concord kam. Statt seiner war es der junge Arzt Samuel Prescott, der von dem Vormarsch der Briten in Kenntnis gesetzt worden war.

Der Rückzug der britischen Truppen

Als der Morgen graute, erreichten die britischen Einheiten Lexington, wo Hancock und Adams bereits abgezogen waren. Etwa 70 Milizionäre erwarteten die Rotröcke und zogen es angesichts der erdrückenden Übermacht vor, hinter einem steinernen Wall in Deckung zu gehen. Daraufhin verloren die britischen Offiziere offenbar die Kontrolle, denn die Soldaten begannen, ohne Befehl wie wild um sich zu feuern. Wie viele Milizionäre dabei starben, blieb unbekannt, während in Concord Alarm gegeben worden war.

Das Ende der ersten militärischen Auseinandersetzung

Die Milizen rückten aus allen umgebenden Dörfern und Kleinstädten an, sodass die Whig-Rebellen über eine ansehnliche Anzahl von entschlossenen Kämpfern verfügten. Die britischen Truppen zogen an Lexington vorbei und in drei Marschkolonnen auf Concord zu, wo sie begannen, Munition und Waffen zu zerstören. Daraufhin rückten nördlich der Stadt rund 3600 Milizionäre auf die Briten vor, was zu einem ersten Feuergefecht führte. In Panik lösten sich die Reihen der regulären Soldaten auf, und die Engländer hatten rund 200 Tote und Verwundete zu beklagen.

Die Überbringung der Siegesnachricht

Einem britischen Offizier gelang es zwar, die gelichteten Reihen wieder halbwegs in eine Formation zu bringen und den Rückzug anzutreten. In dessen Verlauf liefen die Soldaten jedoch andauernd in neue Hinterhalte, sodass der neue Befehlshaber sofort einen Boten zu Gage sandte. Der General sandte eine weitere Truppe aus, um die eingekesselten Einheiten herauszuhauen, was nur unter großen Opfern gelang. In einem mehrtägigen Marsch kämpften sich die Briten nun zurück nach Boston, wo sie sich unter dem Schutz der Schiffsartillerie verschanzten.

Der blutige Rückmarsch nach Boston

Die Gesamtverluste der Engländer und ihrer loyalistischen Verbündeten betrugen 273 Tote und Verwundete. Noch in derselben Nacht durchbrach ein amerikanischer Segler den Blockadering um die Stadt und setzte Segel gen Osten. Es waren amerikanische Whigs, die die erstaunte britische Bevölkerung über den ersten Sieg der kolonialen Milizen über reguläre königliche Truppen informierten.