Die Kunst der inneren Balance zwischen belastendem Druck und beflügelndem Schaffensrausch

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Die moderne Glücksforschung untersucht seit geraumer Zeit, wie Individuen ein erfülltes Leben führen können, ohne dabei an den Anforderungen des Alltags zu zerbrechen. In einer Welt, die ständige Leistung und Erreichbarkeit fordert, suchen viele Menschen nach Wegen, ihre persönliche Zufriedenheit zu steigern und gleichzeitig ihre Gesundheit zu schützen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den menschlichen Antriebskräften zeigt dabei deutlich, dass der Unterschied zwischen krankmachendem Druck und einem beflügelnden Tätigkeitsrausch entscheidend von der inneren Haltung und der Nutzung der eigenen Stärken abhängt.

Der schmale Grat zwischen anspornendem Druck und krankmachender Dauerbelastung

Von äußeren Umständen getrieben zu sein, stellt die eine Seite des menschlichen Erlebens dar. Eine vollkommen andere Erfahrung ist es hingegen, in einen Zustand der völligen Vertiefung und des natürlichen Schaffensrausches einzutauchen. Nicht jede Form der Anspannung ist automatisch schädlich für den Organismus. In angemessenen Dosen kann zeitweiser Druck durchaus motivieren und den eigenen Antrieb stärken. Artet diese Anspannung jedoch aus, nimmt Überhand und nistet sich als ständiger Begleiter im Alltag ein, kann sie ernsthaft erkranken lassen und negative Empfindungen zusätzlich anstacheln.

Die gesellschaftliche Verherrlichung der ständigen Erschöpfung

Dabei ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass wir in einer sehr schnelllebigen Gesellschaft leben, in der ständige Anspannung an der Tagesordnung zu stehen scheint. Manchmal kann man fast schon das Gefühl bekommen, dass ein stiller und heimlicher Wettbewerb zwischen Menschen stattfindet. Bei diesem fragwürdigen Wettstreit gewinnt scheinbar derjenige, der am wenigsten geschlafen hat, den größten Becher Heißgetränk benötigt, die dunkelsten Augenringe aufweist und den höchsten Erschöpfungspegel vorweisen kann. Alle wollen immer schneller, immer weiter und immer höher hinaus. Es ist absolut nichts Verwerfliches daran, Ziele zu haben und diese mit Tatkraft zu verfolgen.

Die Bedeutung der inneren Motivation für das eigene Wohlbefinden

Allerdings kommt es bei der Verfolgung von Vorhaben immer darauf an, um was für eine Art des Einsatzes es sich handelt. Der Einzelne muss sich stets fragen, wie die eigenen Ziele gesetzt wurden und was die wahre Motivation darstellt. Sich dauerhaft in einem Zustand der Erschöpfung zu befinden, macht auf lange Sicht unglücklich, unzufrieden und krank. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben diese schädlichen Auswirkungen inzwischen eindeutig bestätigt. Diese Forschungen haben dabei unter anderem herausgefunden, dass der Körper in einem Zustand der Dauerbelastung größere Mengen eines bestimmten Hormons ausschüttet.

Die körperlichen Folgen permanenter Anspannung

Bei diesem ausgeschütteten Botenstoff handelt es sich um ein Hormon, welches das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt und ihm somit massiv schadet. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die natürliche Immunabwehr ihrer eigentlichen Funktion nicht einwandfrei nachgehen kann. In der Folge wird der Organismus deutlich anfälliger für Krankheitserreger und schädliche Viren. Zudem fällt es unter permanenter Anspannung schwer, positive Empfindungen zuzulassen. Dies bringt natürlich die Stabilität des ersten Grundpfeilers der Glücksforschung, nämlich das Fundament der positiven Emotionen, erheblich in Gefahr.

Der Aufbau eines stabilen Fundaments für das persönliche Glück

Deshalb ist es wichtig, nicht nur an einem einzigen Aspekt, sondern an allen Grundpfeilern der Wissenschaft vom Wohlbefinden zu arbeiten. Der Mensch sollte sich intensiv mit diesen verschiedenen Fundamenten auseinandersetzen, um so ein stabiles Grundgerüst für das eigene Haus des Glücks zu errichten. Die Arbeit an den einzelnen Bereichen erfolgt dabei jedoch nicht von heute auf morgen und auch nicht an allen fünf Fundamenten gleichzeitig. Allerdings bauen viele Aspekte der verschiedenen Bereiche aufeinander auf. Je weiter der Einzelne auf seiner Reise der persönlichen Weiterentwicklung voranschreitet, wird er merken, dass sich die Fundamente nach und nach immer mehr festigen.

Die schrittweise Festigung der persönlichen Lebensgrundlagen

Durch diese schrittweise Festigung entsteht schließlich das stabile Konstrukt, das für ein erfülltes Dasein zwingend notwendig ist. Man sollte niemals den Anspruch an sich selbst stellen, auf fünf Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen. Ein solches Vorgehen führt nur zu negativem Druck, den man durch die Arbeit mit den Grundlagen der Glücksforschung eigentlich vermeiden möchte. Doch nun stellt sich die Frage, wie das mit dem persönlichen Einsatz funktioniert, wenn man den Faktor der schädlichen Anspannung aus der Gleichung nimmt. Echte Hingabe zu zeigen, bedeutet im Rahmen des zweiten Grundpfeilers, die eigenen Stärken zu erkennen und auszuleben.

Die Erkenntnis der eigenen Stärken und verborgenen Talente

Auch hier ist wieder die Vorarbeit des ersten Grundpfeilers wichtig, da viele Menschen bei der Frage nach ihren Stärken erst einmal lange überlegen müssen. Wenn sie hingegen nach ihren Schwächen gefragt werden, fallen ihnen direkt etliche Aspekte ein, die sie an sich selbst stören. Würden dem Einzelnen auf Anhieb fünf Stärken einfallen, wenn er sie jetzt aufzählen müsste? Oder würde es ihm leichter fallen, zehn Schwachstellen zu finden? Der Grund dafür, dass es uns oft leichter fällt, die Schwächen aufzuzählen, hat zwei Ursachen, die eng miteinander verknüpft sind.

Der gesellschaftliche Blick auf menschliche Unzulänglichkeiten

Schwächen werden in der Gesellschaft als sehr negativ angesehen. Wenngleich Unzulänglichkeiten auch positive Dinge mit sich bringen können, empfindet die Allgemeinheit sie als hinderlich, wodurch sie einen sehr schlechten Ruf haben. Wer eine negative Einstellung, düstere Gedanken und trübe Empfindungen hat, findet mit den negativ angesehenen Schwächen genau das richtige Futter. Deswegen fallen uns vor allem unsere augenscheinlich negativen Unzulänglichkeiten auf, wenn wir uns selbst betrachten. Bei der Erforschung des menschlichen Wohlbefindens spielt ein positives Selbstbild jedoch eine tragende Rolle.

Die positive Umdeutung vermeintlicher Unzulänglichkeiten

Mit einem positiven und liebevollen Blick auf uns selbst fällt uns nicht nur auf, dass sehr viele Stärken in uns stecken. Wir merken auch, dass unsere Schwächen zu uns gehören und auf ihre ganz eigene Art positive Merkmale mit sich bringen. Wer zum Beispiel schüchtern ist und diese Eigenschaft immer als negativ wahrgenommen hat, wird mit einer positiveren Einstellung feststellen, dass diese Zurückhaltung es erlaubt, besser zuzuhören. Gleichzeitig ermöglicht sie, die Umgebung genauer zu beobachten und subtile Details viel mehr mitzubekommen. Jede Medaille hat immer zwei Seiten, was bei der Betrachtung des eigenen Charakters stets bedacht werden sollte.

Der Weg in den Zustand der völligen Vertiefung

Die Hingabe des zweiten Grundpfeilers bedeutet nun, dass man die eigenen, zweifellos vorhandenen Stärken auslebt und nutzt, um Ziele zu erreichen. Mit dieser positiven Herangehensweise und der Anwendung der persönlichen Talente entsteht auf diese Weise ein beflügelnder Schaffensrausch. Die Aktivitäten, denen man nachgeht, fließen einfach so und alles scheint mit einer unglaublichen Leichtigkeit einherzugehen. Es kommt einem fast schon so vor, als würde sich alles von allein erledigen. Vielleicht kennt der Einzelne auch die guten Tage, an denen man gut gelaunt aufwacht.

Der Kontrast zwischen beflügelnden und belastenden Tagen

An solchen Tagen hat das Morgengetränk genau die richtige Stärke, das geröstete Brot die perfekte Bräunung und das Wetter ist einfach wunderbar. Man fängt an aufzuräumen, mistet dabei aus, erledigt den Einkauf und bereitet das Essen vor. Nebenbei macht man noch die ganzen Telefonate, die seit Wochen auf der Strecke geblieben sind. Alles fügt sich einfach von selbst und abends liegt man auf dem Sofa mit einem wunderbar angenehmen Gefühl, weil man so vieles am Tag geschafft hat. Das eigene Energieniveau lief an solchen Tagen auf Höchsttouren.

Die Überwindung der inneren Blockaden

An schlechten Tagen jedoch könnte allein das Lesen dieser Zeilen für die ein oder andere Schweißperle auf der Stirn sorgen. Doch wenn man die eigenen Stärken nutzt und sich in einem Schaffensrausch befindet, sorgen all diese Aktivitäten für gute Laune, Zufriedenheit und Wohlbefinden. Das bedeutet, dass man sich nicht überfordert fühlt und die Handlungen, denen man nachgeht, zutiefst erfüllen. Eine Überforderung und der beflügelnde Schaffensrausch schließen sich somit automatisch aus. Natürlich heißt das nicht, dass man ständig ein volles Aufgabenverzeichnis haben muss, um in diese Vertiefung zu kommen.

Die Fallstricke starrer Pflichtenkataloge

Im Gegenteil, ein überfüllter Pflichtenkatalog hindert eher daran, in den Schaffensrausch zu kommen. Der Blick auf all die Punkte auf der Aufgabenliste führt an schlechten Tagen oft dazu, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll, und sich negativer Druck ausbreitet. Dieser Tätigkeitsrausch etabliert sich von allein und man wird selbstständig Aktivitäten erledigen, die man möglicherweise gar nicht auf der Liste hatte. Man geht ihnen nach und erledigt sie, weil man Lust darauf hat. In diesem Zustand zu sein, bedeutet auch, sich im Hier und Jetzt zu befinden.

Die Kraft der bewussten Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks

Es gilt, sich auf den Moment zu konzentrieren und nicht in Gedanken schon wieder am nächsten Tag zu befinden. In diesem Zusammenhang ist auch der Aspekt der bewussten Wahrnehmung fundamental. Volle Terminkalender, Termindruck, Anspannung und zu hohe Erwartungen führen oft dazu, dass wir gar nicht mehr im Moment leben. Stattdessen stehen wir immer schon mit einem Fuß im Türrahmen und können den Raum der Gegenwart gar nicht richtig genießen. Die Gegenwart, also das Hier und Jetzt, zu genießen und zu leben, ist eine unglaublich fundamentale Voraussetzung für das persönliche Glück.

Die innere Quelle der wahren Lebensfreude

Wer im gegenwärtigen Augenblick lebt, braucht keine äußere Motivation, sondern findet den Antrieb in sich selbst. Externe Belohnungen sind ebenfalls unwichtig, denn man macht die Dinge einfach, weil sie Freude machen und es sich gut anfühlt. Es gibt diesbezüglich den sinngemäßen Ausdruck, dem Fluss des Lebens zu folgen. Dieser Spruch impliziert unter anderem auch, flexibel zu sein und mit den Gegebenheiten des Daseins mitzugehen. Greifen wir an dieser Stelle noch einmal das Beispiel des letzten Kuchenstücks beim Bäcker auf.

Die Akzeptanz unveränderlicher Gegebenheiten als Schlüssel zur Zufriedenheit

Gegen den Fluss zu gehen würde heißen, negativen Druck in sich zu produzieren und negative Emotionen zu spüren, weil man sich über eine Situation aufregt, an der man nichts ändern kann. Wenn man jedoch mit dem Fluss geht, akzeptiert man den Umstand, dass der Kunde vor einem das letzte Kuchenstück gekauft hat. Man probiert einfach eine neue Kuchensorte oder ein anderes Gebäck und lässt sich überraschen, wie es schmeckt. Diese Haltung der inneren Flexibilität bewahrt vor unnötiger Erschöpfung und öffnet den Weg zu einem dauerhaft erfüllten Dasein.