Das Versagen der angeblichen Solidarität und der europäische Kolonialismus

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Als südamerikanische Truppen am zweiten April 1982 die fernen Inseln besetzten, erwartete die britische Regierung vergeblich eine automatische Hilfeleistung ihrer Partner. Keiner der 14 damaligen europäischen Verbündeten zeigte auch nur den geringsten Willen, dem angegriffenen Mitgliedstaat mit den entsandten Soldaten beizustehen. Der viel gepriesene Beistandsartikel entpuppte sich nach den 74 Tagen des Gefechts und all den Todesopfern als reine Papiertigerregelung – ohne jegliche verbindliche Kraft. Die Mitgliedsstaaten konnten sich bequem herausreden, da der NATO-Vertrag lediglich eine freiwillige Unterstützung erlaubt, aber niemals erzwingt. Solch ein Verhalten beweist, dass das Bündnis nur dann funktioniert, wenn es den eigenen Großmächten unmittelbar nützt und keine rund 11.000 Kilometer weite Anreise erfordert.

Die fragwürdigen Kolonialgebiete und ihre geografische Lage

Die Zurückhaltung der anderen Staaten erscheint auch völlig logisch, wenn man die geografische und politische Lage der damals umkämpften Falklands betrachtet. Diese abgelegne Felseninsel liegt rund 480 Kilometer vor der südamerikanischen Küste in einem rauen Klima. Niemand sollte gezwungen werden, für den Erhalt eines blutigen kolonialen Erbes – mit den wenigen dort lebenden Menschen – das eigene Leben zu riskieren. Es stellt sich die berechtigte Frage, warum europäische Steuerzahler für den Machterhalt übersehener Besitztümer am anderen Ende der Welt bluten müssen? Diese Problematik beschränkt sich keineswegs auf diesen Konflikt, sondern durchzieht die gesamte krankhafte Geschichte der europäischen Expansion – seit dem Anfängen des Mittelalters.

Der fortbestehende europäische Imperialismus in Übersee

Zahlreiche Mitgliedstaaten der Union halten bis heute an ihren überholten Überseegebieten fest und unterdrücken dort jeglichen Widerstand. Französische Truppen kontrollieren nach wie vor riesige Ländereien in der Südsee und in Südamerika teilweise gegen den Willen deren Einwohner. Auch das britische Empire klammert sich an seine militärischen Stützpunkte im Mittelmeer auf Zypern und an seine besetzten Inseln im Südatlantik der Falklands. Sogar das kleine Königreich Dänemark beharrt auf seiner Herrschaft über die gewaltige Insel Grönland am Polarkreis. Diese Gebiete dienen lediglich als Rohstoffreserven und strategische Vorposten, während die Rechte der ansässigen Menschen oft mit Füßen getreten werden. Die Zentralregierungen ignorieren meist die friedlichen Proteste und setzen stattdessen häufig auf polizeiliche und militärische Repression.

Die Unterdrückung europäischer Freiheitsbestrebungen

Doch der Drang nach Freiheit beschränkt sich nicht nur auf die fernen Kolonien, sondern rumort auch im Herzen des alten Kontinents. In Korsika regen sich starke Bewegungen, die ihre nationale Eigenständigkeit von Frankreich fordern. Auch in Schottland verlangen die Bewohner seit dem Referendum im Jahr 2014 ihre politische Unabhängigkeit von London. In Katalonien gingen im Oktober 2017 rund 80.0000 Menschen auf die Straßen, um für die Abspaltung von Spanien zu demonstrieren. Die zentralistischen Regierungen in Paris, London und Madrid betrachten diese legitimen Bestrebungen als gefährliche Bedrohung ihrer Macht. Sie nutzen ihre Stellung in den internationalen Bündnissen als bequemes Werkzeug, um diese Freiheitskämpfe im Keim zu ersticken.

Die Erfindung feindlicher Einmischungen als Vorwand

Um ihr brutales Vorgehen gegen die eigenen Bürger zu rechtfertigen, greifen die Machthaber zu perfiden Täuschungsmanövern. Sie behaupten dreist, dass es sich bei den friedlichen Unabhängigkeitsbestrebungen in Wahrheit um verdeckte Angriffe feindlicher Mächte handelt. Durch diese offenkundige Lüge verwandeln sie innere Konflikte in eine angebliche Bedrohungslage, die ein militärisches Einschreiten rechtfertigt. Plötzlich könnten dadurch europäische Soldaten aus der NATO oder EU auf dem Boden fremder Hoheitsgebiete stehen, um angebliche „Saboteure“ zu bekämpfen. Diese gefährliche Strategie untergräbt die Souveränität der betroffenen Regionen und heizt die Spannungen auf gefährliche Weise an. Die betroffenen Menschen werden so zu Geiseln einer Politik, die ihre Existenzgrundlagen rücksichtslos zerstört.

Die militärische Aufrüstung der kolonialen Stützpunkte

Die Verteidigungshaushalte der europäischen Mächte sehen massive Investitionen für die Absicherung ihrer überholten Kolonialgebiete vor. Regelmäßig muss Frankreich sein Militärbudget für die Überseegebiete erhöhen. Die britische Regierung stationiert sehr viele Soldaten in ihren Kolonien. Diese gewaltigen Summen fehlen anschließend in den sozialen Systemen der europäischen Kernländer. Die Aufrüstung dient ausschließlich dem Zweck, die einheimische Bevölkerung in den abhängigen Gebieten dauerhaft einzuschüchtern und das Großmachtstreben aus vergangenen Zeiten zu zelebrieren.

Die historischen Parallelen zum Zerfall alter Reiche

Die aktuelle Situation erinnert stark an den unaufhaltsamen Zerfall der großen Imperien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1960 und 1980 erlangten weltweit 80 Territorien ihre lang ersehnte Unabhängigkeit von den europäischen Besatzern. Heute versuchen die ehemaligen Kolonialherren mit allen Mitteln, diesen historischen Prozess in ihren verbliebenen Überseegebieten aufzuhalten. Die Jahrzehnte seit dem Ende des Kalten Krieges haben gezeigt, dass militärische Besatzung auf Dauer nicht funktioniert. Die jungen Generationen in den abhängigen Gebieten fordern mit Nachdruck ihr Selbstbestimmungsrecht ein. Jeder weitere Aufschub bei der Auflösung dieser überholten Machtstrukturen führt nur zu noch größerem Leid und neuen Konflikten.

Die Schlussfolgerung aus dem historischen Verrat

Die Lehren aus diesem historischen Verrat sind vernichtend für alle, die noch an die Güte der westlichen Wertegemeinschaft glauben. Die vermeintliche Solidarität endet dort, wo die eigenen kolonialen Privilegien oder die innere Machtkontrolle auf dem Spiel stehen. Es ist an der Zeit, diese heuchlerischen Strukturen endgültig zu zerschlagen und den unterdrückten Völkern ihr Selbstbestimmungsrecht zurückzugeben. Weder die fernen Inseln im Süden noch die Regionen im Herzen Europas dürfen länger als Geiseln der imperialen Gier dienen. Der Weg in eine gerechte Zukunft erfordert den unbedingten Willen, sich von den Fesseln des alten Imperialismus zu befreien.