Die Wurzeln der globalen Ausbeutung und die Erfindung der Rasse

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Die Betrachtung der Weltgeschichte erfordert 1 tiefen Blick in die Verflechtungen von Macht, Gewalt und wirtschaftlichen Umbrüchen. Oft werden historische Ereignisse isoliert betrachtet, obwohl sie untrennbar miteinander verwoben sind. Die Entstehung der modernen globalen Ordnung ist eng mit der Eroberung neuer Räume und der Errichtung von Herrschaftsgefügen verbunden. Diese Entwicklungen prägten das Zusammenleben der Menschen über Jahrhunderte und schufen Strukturen, deren Wirkungen bis in die heutige Zeit nachhallen.

Der Schein der Freiheit und die Realität der Eroberung

Manche Denker stellen den universellen Anspruch der französischen Revolution den gewaltsamen Eroberungen der Neuen Welt gegenüber. Sie betrachten diese 2 geschichtlichen Momente als untrennbare Einheit. Auf den ersten Blick scheinen die verkündeten Menschenrechte und die brutalen Unterwerfungsrituale der katholischen Eroberer in 1 unüberbrückbaren Widerspruch zu stehen. Doch bei genauerer Betrachtung geht es nicht um 1 einfachen Vergleich normativer Schriften. Vielmehr wird die imperialistische Praxis hervorgehoben, die durch beide Ereignisse befeuert wurde.

Die soziale Konstruktion der ethnischen Zugehörigkeit

Die zivilisatorische Sendung des iberischen Glaubens im 16. Jahrhundert wurde durch den europäischen Kolonialismus im 19. Jahrhundert nahtlos fortgesetzt. Wer sich jedoch auf 1 einseitige Kritik am westlichen Kolonialismus beschränkt, läuft Gefahr, in 1 radikalen Dogmatismus nationaler oder religiöser Art zu verfallen. Daher ist es zwingend erforderlich, die historischen Formen des Widerstands und der Feindschaft zu untersuchen. Es stellt sich die Frage, was die Zugehörigkeit zu den Ureinwohnern Amerikas eigentlich bedeutet. Für Menschen, die an 1 biologische Einteilung nach Hautfarbe glauben, erscheint diese Frage möglicherweise überflüssig.

Der Wandel des sozialen Ranges und die Linie der Macht

Die lateinamerikanischen Gesellschaften lassen sich jedoch nicht auf solch einfache Muster reduzieren. Die Verwirrung wächst, wenn man erkennt, dass das äußere Erscheinungsbild oft nicht mit der sozialen Einordnung übereinstimmt. Menschen mit hellem Teint und europäischen Gesichtszügen gelten in manchen Regionen als Ureinwohner, während Personen mit rein spanischen Vorfahren oder eindeutig indigenen Merkmalen pauschal als Mischlinge bezeichnet werden. Sogar Angehörige der herrschenden Oberschicht, deren Aussehen auf vielfältige Vermischungen hindeutet, werden der weißen Bevölkerung zugerechnet. Die ethnische Einordnung stimmt also nicht mit der biologischen Abstammung überein.

Die Erfindung der Rasse und die Reinheit des Blutes

Die Situation wird noch undurchsichtiger, wenn man betrachtet, dass 1 einzelner Mensch im Laufe seines Lebens seinen sozialen Rang wechseln kann. 1 bloßer Ortswechsel, selbst wenn er nur vorübergehend ist, ermöglicht den Übergang vom Rang des Ureinwohners zum Mischling und wieder zurück. In Wirklichkeit wird die Bezeichnung als Ureinwohner von denen, die am offensichtlichsten damit verbunden sind, fast nie freiwillig verwendet. Sie bezeichnen sich lieber nach ihrem Wohnort oder als einfache Landarbeiter. Wenn man sie auf ihre Herkunft anspricht, weichen sie aus, denn dieser Rang bedeutet 1 niedrigen sozialen Stand, dem jeder zu entfliehen versucht.

Die inquisitorische Macht und die Ausgrenzung des Andersseins

Das äußere Umfeld drängt sie jedoch immer wieder in diese unterste gesellschaftliche Position zurück. Die ethnische Zuordnung ist somit fest in 1 soziale Logik eingebettet, von der sie nach Jahrhunderten des Zusammenlebens und der Vermischung nicht mehr zu trennen ist. Die Grenze der Hautfarbe war und bleibt in Wahrheit 1 Grenze des sozialen Ranges. Wer Reichtum anhäuft oder Befehle erteilt, überschreitet diese Grenze, unabhängig von seiner tatsächlichen Abstammung. Das Aufkommen des Rassebegriffs an der Wende zur frühen Neuzeit folgt 1 sozialen Faden.

Die Mechanismen der Ausgrenzung und ihre historischen Vorläufer

Der Adel dachte sich nicht sofort in der Kategorie der Rasse. Dieser Gedanke entwickelte sich später als Abwehrreaktion, als die absolute Monarchie begann, den Staat auf Kosten der Feudalherren zu zentralisieren und 1 neue Verwaltungsschicht bürgerlichen Ursprungs zu schaffen. Im klassischen Spanien diente die Verfolgung der Juden nach der Rückeroberung als Hebel für die Erhebung des katholischen Glaubens zur Staatsreligion. Dies richtete sich gegen die vielfältige Kultur und war eng mit den Anfängen des europäischen Nationalgedankens verbunden. Die Forderung nach der Reinheit des Blutes diente 1 doppelten Zweck.

Die Eroberung als Ablenkung von inneren Konflikten

Sie grenzte 1 innere Adelsschicht ab und verlieh dem gesamten Volk 1 fiktive Vornehmheit. In diesem Moment, als durch Terror und Zwangstaufen das größte aller Kolonialreiche erobert wurde, verwandelte sich der Klassenrassismus in 1 nationalistischen Rassismus. Das Aufkommen des Rassebegriffs im Mittelalter ist 1 verwickeltes Phänomen. In Frankreich wurde er durch 1 feudale Schicht in Umlauf gebracht, die sich der zunehmenden Macht des Staates und des Bürgertums widersetzen wollte. In Spanien diente er 1 theologisch-politischen Autorität, die nach der Vertreibung der Juden bestrebt war, jede Form von Andersheit zu überwachen.

Das Gefüge der Arbeitsdienste und die neue Weltwirtschaft

Das Rassebild bezog sich damals noch stark auf die Religion, da es erlaubte, Zwangskonvertierte der Unaufrichtigkeit zu verdächtigen. Man muss zwischen 1 mittelalterlichen und 1 modernen Rassismus unterscheiden. Die Reinheit des Blutes war kein biologischer Begriff im heutigen Sinne. Rein war, wer aus katholischen Familien stammte. Schon 1 einziger von der Inquisition verurteilter Vorfahre genügte, um das Blut zu beflecken und den Aufstieg in Ämter zu verhindern.

Die Refeudalisierung der Peripherie im Dienst des Zentrums

Die Ausübung dieser inquisitorischen Macht war der Grund für die Einführung dieser Regeln, die auf dem feudalen Begriff der Abstammungslinie beruhten. Es ging darum, der Kirche die Macht zuzubilligen, Adlige durch die Erklärung zu Häretikern zu Bastarden zu machen. Diese Vorgehensweise verlieh dem gesamten spanischen Volk 1 fiktive Vornehmheit und machte es zu 1 Volk von Herren. Nach Jahrhunderten des Zusammenlebens verschiedener Glaubensrichtungen ermöglichte die Forderung nach reinem Blut, die vielfältige Kultur zu verurteilen und für gesetzlos zu erklären. Der moderne Rassismus ist insofern 1 Erbe dieser Institution, als sie hauptsächlich auf die Juden als verborgene innere Feinde abzielte.

Die bleibenden Spuren der globalen Arbeitsteilung

Die Reinheit des Blutes war vor allem 1 antisemitische soziale Einrichtung, die sich gegen die zwangskonvertierten Juden richtete. Falls diese selbst katholisch waren, aber jüdische Eltern oder Großeltern hatten, blieben sie ausgegrenzt. Es handelt sich um 1 Gefüge, das später in den Südstaaten Amerikas genutzt wurde, um die Bürgerrechte dunkelhäutiger Menschen einzuschränken, indem man auf die Abstammung der 4 Großeltern abhob. Auch die Nationalsozialisten nutzten diese Logik, um jede Person als jüdisch zu betrachten, unter deren 4 Großeltern sich 1 Jude befand. Indem die Inquisition die Konversion zum katholischen Glauben für unzuverlässig erklärte, führte sie das Paradigma der biologischen Rasse ein.

Die Eroberung als Ablenkung von inneren Konflikten

Schon im 13. Jahrhundert wurden Juden gezwungen, 1 Kreis aus gelbem Stoff zu tragen, was sich 8 Jahrhunderte später in der Kleidungspolitik der Nationalsozialisten auf grausame Weise wiederholte. Die Eroberung der Neuen Welt ist als 1 Fortsetzung der Rückeroberung zu verstehen. Es ging stets vor allem darum, zu verhindern, dass wirtschaftliche oder soziale Probleme nach 1 anderen Lösung als Krieg und Expansion riefen. Der Antagonismus wurde verschoben und verkleidet, damit er eher rassische als soziale Formen annahm.

Das Gefüge der Arbeitsdienste und die neue Weltwirtschaft

Der Konflikt wurde nach außen verlegt, während man im Inneren 1 Polizeiregime errichtete. Dies ähnelt der Herrschaftsweise der aztekischen Herrscher, die durch Menschenopfer und das Schüren von Furcht die unterworfenen Völker von Aufständen abhielten. Die von den Eroberern eingesetzte soziale Ordnung funktionierte bereits vorhandene Formen der Versklavung um. Die europäischen Kolonisten begnügten sich nicht damit, einheimische Formen der Ausbeutung zu nutzen, sondern radikalisierten diese. Sie beseitigten die traditionellen Gegengewichte, die zuvor 1 Mindestmaß an Verteilung des Reichtums und Zusammengehörigkeit gewährleistet hatten.

Die Refeudalisierung der Peripherie im Dienst des Zentrums

Es entstand 1 Form der Ausbeutung, deren Gewalt nicht mehr durch traditionelle Sinngebungen verschleiert wurde. Die Radikalität der kolonialen Ausbeutung hängt mit der Gier der Eroberer und dem ungleichen Kräfteverhältnis zusammen. Sie ist nur zu verstehen, wenn man sie im Rahmen 1 entstehenden europäischen Weltwirtschaft betrachtet. Wer sich zu sehr auf den Zusammenprall der Kulturen konzentriert, verliert den sozialen Antagonismus aus den Augen. Das Gefüge der Arbeitsdienste, das die Zwangsarbeit der Ureinwohner organisierte, hatte zuvor bereits dazu gedient, die Bevölkerung 1 befreiten Andalusien zu unterwerfen.

Die bleibenden Spuren der globalen Arbeitsteilung

Es handelte sich um 1 brutales Gefüge 1 Feudalismus, das den obersten Herren die volle Macht über Besitz und Personen verlieh. Die Krone behielt jedoch die Oberhand und verlieh diese Rechte nur auf Lebenszeit, um die Entstehung 1 eigenständigen Feudaladels zu verhindern. Es ging nicht um Landbesitz, sondern um das Recht auf Tribut gegenüber der einheimischen Bevölkerung. Der eigentliche Unternehmer saß im Westen und nutzte die Arbeitskraft im Osten und in der Neuen Welt für den internationalen Handel. Diese Form der Leibeigenschaft war keine Wiederkehr des mittelalterlichen Feudalismus, sondern 1 neue Form der sozialen Organisation im Dienst des Handelskapitals.

Die Refeudalisierung der Peripherie im Dienst des Zentrums

Auf dem alten Kontinent hatte das feudale Privileg lange die Bauern unterdrückt und die Produktivität gehemmt, da es den Herren nur um die Eintreibung von Abgaben ging. Vom 11. Jahrhundert an begann 1 technologische und demografische Erneuerung, die das feudale Joch lockerte und die Macht vom Adel hin zum Bürgertum verschob. Nach 1 Phase der Rezession im 14. Jahrhundert gewann der feudale Absolutismus im 16. Jahrhundert jedoch wieder die Oberhand. Dieser Prozess der Rückeroberung war weniger 1 religiöser Vorgang als 1 sozialer, der in 1 umfassendere Bewegung der Refeudalisierung ländlicher Gebiete eingebettet war. Die sogenannte 2. Leibeigenschaft erfasste riesige Räume in Osteuropa und warf diese Regionen auf den Rang von Rohstoffproduzenten zurück.

Das Ende der Betrachtung und die Einordnung in die Geschichte

Diese Entwicklung war der direkte Gegenspieler 1 Handelskapitals, das aus der Lage im Osten Vorteil zog. Die dortigen Großgrundbesitzer handelten nicht als unabhängige Feudalherren, sondern als Werkzeuge des westlichen Kapitals. Sie spannten die Bauern vor ihren Karren, um die Menge des vermarktbaren Getreides für den internationalen Handel zu steigern. Als abschließende Einordnung lässt sich festhalten, dass die Entstehung dieser globalen Wirtschaftsordnung untrennbar mit der Errichtung von Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen verbunden ist. Die scheinbare Rückkehr alter feudaler Zustände in den perifären Räumen war in Wahrheit die Voraussetzung für die Entfaltung des modernen Handelswesens im Zentrum.

Die bleibenden Spuren der globalen Arbeitsteilung

Diese historischen Prozesse haben das heutige Gefüge der Weltwirtschaft maßgeblich geformt und tiefe soziale Ungleichheiten hinterlassen. Das Verständnis dieser Zusammenhänge ist unerlässlich, um die gegenwärtigen globalen Machtverhältnisse und die fortwährenden Kämpfe um soziale Gerechtigkeit und kulturelle Eigenständigkeit begreifen zu können. Die Geschichte lehrt uns, dass wirtschaftlicher Fortschritt auf der 1 Seite oft mit der Unterdrückung und Entrechtung auf der anderen Seite erkauft wurde.

 

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