Die Natur des Geldes als Ausdruck sozialer Schuldverhältnisse

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Die ökonomische Theorie durchlief tiefgreifende Wandlungen, als das Verständnis von Geld sich von der reinen Warenlehre hin zur Betrachtung sozialer Beziehungen verschob. Lange Zeit dominierte die Annahme, dass Zahlungsmittel aus wertvollen Metallen bestehen müsse. Doch tiefgründige Analysen offenbaren, dass Geld im Kern nichts anderes darstellt als die Abbildung von Kredit und Schuld. Diese Erkenntnis revolutionierte das Verständnis von Wirtschaftskreisläufen und legte den Grundstein für das moderne Finanzwesen.

Die fundamentale Natur des wirtschaftlichen Austauschs

Jeder Kauf oder Verkauf stellt im Wesentlichen den Tausch von Waren gegen Kredit dar. Aus dieser Hauptthese ergibt sich die zwingende Schlussfolgerung, dass der Wert von Kredit oder Geld keinesfalls vom Wert bestimmter Metalle abhängt. Stattdessen basiert der Wert auf dem Recht, welches der Gläubiger auf Befriedigung für den gewährten Kredit erwirbt. Gleichzeitig existiert die Verpflichtung des Schuldners, die eigene Schuld zu begleichen. Umgekehrt besitzt der Schuldner das Recht, sich durch das Anbieten gleichwertiger Verbindlichkeiten von der eigenen Schuld zu befreien, wobei der Gläubiger folglich verpflichtet ist, diese Zahlung als Erfüllung des Kredits zu akzeptieren.

Die zentrale Verrechnung gegenseitiger Verpflichtungen

In der praktischen Anwendung ist es keinesfalls erforderlich, dass Schuldner Kredite exakt gegenüber jenen Personen erwerben, denen sie selbst etwas schulden. Alle Wirtschaftsteilnehmer agieren gleichzeitig als Käufer und Verkäufer, wodurch sie wechselseitig als Schuldner und Gläubiger fungieren. Durch die hocheffiziente Maschinerie der Banken, an welche die Wirtschaftssubjekte ihre Kredite verkaufen, werden diese Institute zu den zentralen Verrechnungsstellen des Handels. Dort werden die Schulden und Kredite der gesamten Gemeinschaft zentralisiert und gegeneinander aufgerechnet. In der Praxis kann daher jeder solide Kredit jede beliebige Schuld begleichen.

Die Entstehung von Schuldscheinen im alltäglichen Handel

Der Ursprung des Geldes als Schuldschein lässt sich auf reale Geschäfte zurückführen, bei denen die Leistungserbringung zeitversetzt erfolgt. Diese Verzögerung tritt auf, wenn Handelspartner erst später liefern können oder wenn die Geschäfte wertmäßig nicht zueinander passen. Besitzen Handelsparteien wertvolle Kuhfelle und möchten dafür Milch erwerben, sind die Felle zu wertvoll für direkten Tausch. Es bietet sich an, die Felle virtuell zu teilen und lediglich teilweisen Schuldschein an die Bauern zu übergeben. Da es sich bei dieser Abstraktionsebene bereits um Datenbankeinträge handelt, welche Preise in virtuellem Gut ausdrücken, ist diese technische Umsetzung problemlos möglich.

Das staatliche Zahlungsmittel als normierter Schuldanerkenntnis

Es existiert daher erheblicher Bedarf an derartigen Schuldscheinen, um den Tausch zwischen den Wirtschaftsteilnehmern zu vereinfachen. Hervorzuheben ist nun, dass die Schuldscheine immer das als Grundlage haben, was bereits in ihrer Bezeichnung steckt: das Schuldverhältnis. Staatlich angeordnetes Zahlungsmittel ist daher von seiner Natur her immer Schuldgeld, da Parteien in Vorleistung getreten sind und anderen reale Güter gegeben haben, bevor sie Gegenleistung dafür erhalten haben. Die Anerkennung dieser Vorleistung wird in dem Schuldschein ausgedrückt. Da staatliches Zwangsgeld nichts anderes als normierte Schuldscheine darstellt, entsteht es durch ständig neue Kreditverträge in arbeitsteiliger Wirtschaft, welche Ausdruck des gemeinsamen Wirtschaftens sind.

Die materielle Verkörperung abstrakter Schuldbeziehungen

Die Eigenschaft des Geldes als Schuldbeziehung ist keinesfalls auf staatliches Zwangsgeld beschränkt. Stellen wir uns für Momente Wirtschaft vor, in der es beschränkte Mengen spezieller Edelsteine gibt, welche wegen ihrer Eignung als materielle Datenbank dienen. Die Edelsteine werden immer dann von Person zu Person gegeben, wenn ausgedrückt werden soll, dass Leistung erfolgt ist, aber nicht sofort Gegenleistung erhalten wurde. Die Edelsteine sind somit nichts anderes als andere materielle Form von Schuldscheinen, welche sich auf physikalische Eigenschaften stützen, die sie als Schuldschein prädestinieren. Es bleiben Schuldanerkenntnisse, welche die inhärente Schuldbeziehung ausdrücken.

Die Erweiterung der Schuldbeziehung durch zukünftige Leistungen

Theoretisch schaffen Wirtschaftssubjekte Schuld, wenn sie Waren kaufen, und erwerben Kredit, wenn sie verkaufen. Doch diese Theorie wird in fortgeschrittenen Handelsgesellschaften praktisch modifiziert, indem erfolgreiche Händler Guthaben bei Banken ansammeln. Diese Akteure können dann kaufen, ohne neue Schulden zu schaffen, indem sie ihren Verkäufern Teile ihres angesammelten Kredits übertragen. Weil in der Literatur oft statt von Schuldbeziehung von Kredit gesprochen wird, entsteht häufige Verwechslung mit dem Bankkredit. Haben Wirtschaftssubjekte hingegen zu bestimmtem Zeitpunkt keine angesammelten Guthaben, können sie mit ihrer Bank vereinbaren, Kredit auf deren Konto zu leihen und diesen geliehenen Kredit an ihre Verkäufer weiterzugeben.

Die Schaffung von Geldmitteln durch zukünftige Gegenleistungen

Dies geschieht mit der Verpflichtung, der Bank den gleichen Betrag und Aufschlag zu überweisen, welchen sie später durch eigene Verkäufe erhalten. Es wird offensichtlich, dass Geld immer Schuldbeziehung ist, Wirtschaftssubjekte aber auf sekundärer Ebene Kredit auf Schuldgeld aufnehmen können. Diese vollkommen zutreffende Darstellung wurde lange Zeit übersehen. Durch dieses Verfahren können Geldmittel auf Vorrat entstehen, ohne dass der Geldentstehung vergangene Leistung gegenüberstehen muss. Stattdessen geht es nun auch um zukünftige Leistungen, welche die Grundlage für die sekundäre Ebene der Geldschöpfung bilden.

 

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