Die Doppelmoral der Meinungsmacher und das System der medialen Ausgrenzung

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Die Medienlandschaft unterliegt einem ständigen Wandel, der jedoch von starren Machtstrukturen und ungeschriebenen Gesetzen der Meinungsbildung geprägt ist. Wer die etablierten Nachrichtensender und großen Zeitungen betrachtet, erkennt schnell ein System der Belohnung und Bestrafung, das selten hinterfragt wird. Diese Mechanismen bestimmen, wer als seriöse Stimme gefeiert wird und wer als unerwünschter Außenseiter gebrandmarkt wird. Ein genauerer Blick auf diese Dynamiken offenbart die tiefen Widersprüche innerhalb der journalistischen Zunft.

Die Struktur der journalistischen Hierarchie

Man kann sich die gesamte Medienzunft wie eine Zitrone vorstellen, die einen dicken Bauch in der Mitte sowie knubbelige Spitzen an den Enden besitzt. Im dicken Bauch tummelt sich die große Masse der Berichterstatter, die sich nur unwesentlich von anderen Massen unterscheidet. Dort finden sich gerechte und ungerechte, gute und schlechte sowie talentierte und unfähige Menschen. Viel interessanter als dieser massige Bauch sind jedoch die beiden äußeren Spitzen der Zitrone. Noch faszinierender ist die Frage, wie sich die breite Masse zu diesen beiden extremen Polen verhält.

Die Ausgestoßenen am unteren Ende

Von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, buckelt die breite Masse der Berichterstatter nach oben und tritt gleichzeitig nach unten. Am unteren Ende der Zitrone finden wir die Ausgestoßenen, die Exkommunizierten und die Häretiker der Branche. In den Wochen vor Weihnachten im Jahr 2017 konnte man dieses Verhalten besonders deutlich beobachten. Damals drehten die etablierten Medien noch einmal so richtig auf und jagten gemeinsam mit weniger bekannten Anbietern einen bestimmten Moderator. Dieser Mann hatte nach einem Konflikt mit seinem Sender ein unabhängiges und durch Spenden finanziertes Internetangebot gegründet.

Die Diffamierung eines erfolgreichen Kritikers

Dieses Internetangebot ist inzwischen einer der meistgesehenen Videokanäle im deutschsprachigen Raum, obwohl der Gründer auf anspruchsvolle und explizit politische Inhalte setzt. Selbst arglosen Beobachtern musste auffallen, dass sich die rüden Vorwürfe gegen diesen Mann auf außerordentlich dünnem Eis bewegen. Es gibt keinen einzigen zweifelsfreien Beleg, der die brachiale Diffamierung und Stigmatisierung dieses Kollegen rechtfertigen könnte. Dennoch wird er vom Mainstream nicht als Kollege respektiert und gilt als nicht satisfaktionsfähig. Er steht jenseits des von den vermeintlichen Demokratiewächtern selbstherrlich definierten legitimen Diskursspektrums.

Die Angst vor dem Publikumserfolg

Dies wirft die Frage auf, warum sich die selbst ernannten Demokratiewächter immer wieder an dieser Unperson abarbeiten. Die naheliegende Antwort lautet, dass sie sich dieser Mühe unterziehen, weil der Kritiker einen großen Publikumserfolg hat. Diesen Erfolg können sich die etablierten Medienmacher schlichtweg nicht erklären. Dass ein Journalist ein großes Publikum erreicht, ist an sich nichts Ungewöhnliches und bringt im Gewerbe normalerweise Anerkennung ein. Solche Einzelfiguren gelten oft als die großen und untadeligen Autoritäten der Branche.

Der Vergleich mit einem medialen Giganten

Um zu verstehen, wie man zum glorifizierten Leitbild oder zum unbarmherzig Ausgestoßenen wird, muss man sich auf gewagte Vergleiche einlassen. Vergleichen wir also den stigmatisierten Kritiker mit einem der renommiertesten Journalisten dieser Welt, nämlich einem bekannten außenpolitischen Kolumnisten einer großen New Yorker Zeitung. Dieser Schreiberling ist nicht bloß ein Leitjournalist, sondern ein medialer Gigant, dessen Werke in viele Sprachen übersetzt werden. Würden die Kollegen, die über den Kritiker hergefallen sind, an diesen Giganten ähnlich strenge Maßstäbe anlegen, müssten sie sich ernste Fragen stellen.

Die Rechtfertigung eines völkerrechtswidrigen Krieges

Blicken wir zurück auf das Jahr 2003, als die USA und ihre Verbündeten ohne unmittelbare Bedrohung und durch ein Lügengespinst gerechtfertigt den Irak attackierten. Hat dieser gefeierte Kolumnist das Vorgehen seiner Landsleute damals als das bezeichnet, was es wirklich war? Im Gegenteil befand er in seiner Zeitung, dass dieser Krieg das wichtigste liberale Projekt eines Demokratieaufbaus seit dem Marshallplan sei. Er pries die US-Streitkräfte dafür, eine vernünftige und tolerante Regierung aufbauen zu wollen. Das dortige Geschehen bezeichnete er als eines der edelsten Vorhaben, das die USA jemals im Ausland betrieben hätten.

Das Leugnen der eigenen Schuld

Seit diesem verheerenden Feldzug sind 15 Jahre vergangen, in denen unzählige Menschen ihr Leben verloren haben. Journalisten wie dieser Kolumnist gestehen zwar hin und wieder Fehler ein, aber nie bekennen sie sich zu ihrer eigenen Mitschuld an diesen Tragödien. Hat unser allseits geschätzter Spitzenjournalist aus diesen verheerenden Konsequenzen irgendetwas dazugelernt? Stattdessen verbiss er sich in das amerikanische Dauerthema der angeblichen russischen Wahleinmischung. In einer Morgensendung tönte er, dass die Russen das Herz der US-Demokratie angegriffen hätten.

Die Dämonisierung geopolitischer Gegner

Aus seiner Sicht war dies ein empörender Vorgang, der ihm abermals superlativische Vergleiche entlockte. Er maß der Affäre die Dimension großer historischer Angriffe bei, die einst endlose Kriege gegen den Terror auslösten. Folgt man seinen überspannten Politfantasien, müssten die Konsequenzen aus dieser angeblichen Einmischung verheerend sein. Im April 2017 langte er abermals zu und forderte den Präsidenten in harschen Worten auf, den Kampf gegen die Terrormiliz in Syrien aufzugeben. Das US-Engagement nütze am Ende nur der syrischen Führung, den Russen und dem Iran.

Die Instrumentalisierung des Terrors

In Syrien müsse man die Terrororganisation gewähren lassen, damit sie voll und ganz zum Problem der anderen Seite werde. Man müsse es genauso machen wie Jahrzehnte zuvor in Afghanistan, als die USA die dortigen Kämpfer munitionierten, um die sowjetischen Okkupanten zur Ader zu lassen. Kurzfristig hat diese Strategie sogar funktioniert, über die längerfristigen Folgen schweigt sich der Kolumnist wohlweislich aus. Einer der führenden Journalisten dieser Welt plädiert also dafür, den Terror zu instrumentalisieren und den geopolitischen Zielen der USA dienstbar zu machen. Dass ein Meinungsführer sich derart offen zu dieser halsbrecherischen Strategie bekennt, verdient festgehalten zu werden.

Die Verklärung einer Diktatur

Dieser Journalist erweckt gerne den Eindruck, dass er immer und überall für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte eintrete. Dass dem keineswegs so ist, wurde am 23. November 2017 in besonders drastischer Weise offenbar. Da begann er einen umfangreichen Beitrag mit der Behauptung, der bedeutendste Reformprozess im heutigen Nahen Osten finde in Saudi-Arabien statt. Diese verblüffende Erkenntnis gewann er natürlich durch eine ausgedehnte Audienz beim Kronprinzen dieses Landes. Sein journalistisches Dankesschreiben an den gastfreundlichen Herrscher folgte einer alten Tradition seines Blattes.

Das Schweigen der empörten Kollegen

Das Blatt verklärt die saudische Königsfamilie schon seit 70 Jahren als Reformmotor und taucht eine der rücksichtslosesten Diktaturen dieser Welt in unvergleichlich mildes Licht. Dieser Artikel dürfte in den Archiven des saudischen Propagandaapparats inzwischen einen Ehrenplatz einnehmen. Doch wo blieb bei alledem der Aufschrei der journalistischen Kollegen, die sich jüngst ihr politisch korrektes Mütchen an dem Kritiker kühlten? Wo bleibt die Empörung über diese ungeheuerliche Diskrepanz und das Messen mit ungerechtem Maß? Fällt den Berichterstattern nicht auf, dass sie einer ideologisch bedingten Schizophrenie erliegen?

Der wahre Grund für die Ausgrenzung

Sie kreuzigen den einen Kollegen für nichts und wieder nichts, während sie den anderen in höchsten Ehren halten, obwohl er erkennbar Schuld auf sich geladen hat. Dass der Kritiker am unteren Ende und der Kriegsbefürworter am oberen Ende der Zitrone steht, hat letztlich nur einen einzigen Grund. Der Kritiker ist ein Friedensbewegter, während der Gigant ein unverbesserlicher Kriegstreiber ist. Der Kritiker schürt das Misstrauen gegen das System, während der Gigant das Systemvertrauen stärkt und Teil der Elite ist.

Der Schutz des Systems über alles

Dass der Kriegsbefürworter dabei bildlich gesprochen über Leichen geht, der Friedensbewegte hingegen nicht, spielt für die meisten Kollegen offensichtlich keine nennenswerte Rolle. Das System scheint für die etablierte Medienzunft allemal wichtiger zu sein als ein paar Menschenleben. Diese bittere Erkenntnis zeigt, wie tief die moralische Verwahrlosung in den etablierten Redaktionen bereits fortgeschritten ist. Wahre Aufklärung findet in diesen Strukturen längst nicht mehr statt.

 

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