Von der Freiheit des Pflügers zur Fessel des Lohnarbeiters – Wie die Bedeutung der Arbeit sich wandelte und die Welt dabei ihre Gestalt verlor

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Die Geschichte der menschlichen Arbeit ist keineswegs eine geradlinige Erzählung vom Fortschritt, sondern ein verzweigtes, widersprüchliches Geschehen, in dem sich Befreiung und Unterwerfung, schöpferische Kraft und bloße Mühsal in wechselnden Konstellationen gegenüberstehen. Wer heute auf die weltwirtschaftlichen Verhältnisse blickt, in denen ganze Völker zu Anhängseln einer alles durchdringenden Verwertungsmaschine geworden sind, in der jede Lebensform in eine ausbeutbare Ressource verwandelt wird und in der die Arbeitskraft des Menschen als bloße Ware auf einem grenzenlosen Markt gehandelt wird, der steht vor der Frage, wie es zu dieser umfassenden Entfremdung kommen konnte. Die Antwort liegt nicht allein in den gegenwärtigen Zuständen, sondern in einer jahrhundertelangen Auseinandersetzung um den Sinn und die Gestalt der Arbeit, die ihren Ursprung in der antiken Sklavenhaltergesellschaft hat, im Mittelalter eine überraschende Wendung hin zur Freiheit und zur technischen Schöpferkraft erfuhr und in der Moderne eine verheerende Rückkehr zu jenen Formen der Knechtschaft erlebte, die man längst überwunden glaubte. Der folgende Text zeichnet diese Entwicklung nach und versucht, die tiefen Zusammenhänge zwischen der Bedeutung des Wortes für die Arbeit, der gesellschaftlichen Stellung des Arbeitenden und der technischen Entwicklung einer Epoche freizulegen.

Die Verwandlung durch Verschleppung und das Geheimnis der Beziehung

In seinem umfangreichen Nachdenken über die Inselwelt der Karibik hat der Denker Édouard Glissant eine wesentliche Unterscheidung herausgearbeitet, die für das Verständnis der kolonialen Erfahrung von zentraler Bedeutung ist. Er weist darauf hin, dass es einen grundlegenden Unterschied darstellt, ob ein Volk durch Exil oder Vertreibung an einen anderen Ort gelangt und dort in seiner bestehenden Gestalt weiterlebt, oder ob es durch den Sklavenhandel verschifft wird und sich am Ankunftsort in etwas gänzlich Neues verwandelt, in eine noch nie dagewesene Gegebenheit der Welt. Diese Verwandlung, so Glissant, birgt eines der am sorgfältigsten gehüteten Geheimnisse jener Beziehung in sich, die zwischen den Völkern und den Orten entsteht. Das Geheimnis dieser Beziehung bleibt zunächst im Verborgenen, während im grellen Licht des Tages die räuberische Ausbeutung der materiellen Reichtümer und die zwangsweise Ausbeutung der Arbeitskraft die sichtbare Oberfläche beherrschen.

Die koloniale Umgestaltung der gesamten Welt

Der französische Denker Serge Latouche hat das Wesen des Kolonialismus in einer umfassenden Beschreibung umrissen, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren hat. Ihm zufolge hat die Kolonialisierung die wirtschaftlichen Gefüge sämtlicher Erdteile bis in die entlegensten Winkel von Grund auf umgestaltet. Alle Völker wurden in den Mechanismus des Weltmarktes hineingezogen und zur Teilnahme an der internationalen Arbeitsteilung gezwungen. Europa veränderte durch die Erfordernisse des Marktes, durch die Gesetze des Wettbewerbs, durch offene Gewalt und durch die Errichtung von Verbindungsstrukturen die überlieferten Formen des Erzeugens und des Verbrauchens und schuf auf diese Weise einen einzigen, alles umfassenden Weltmarkt. Selbst die am weitesten abgelegenen Gemeinschaften wurden in diese Maschinerie eingegliedert.

Latouche betont darüber hinaus, dass sich die neu geschaffenen Gefüge von nun an gleichsam von selbst fortpflanzen, allein durch das Wirken des Trägheitsgesetzes und der Marktmechanismen, sodass die Beteiligten einem beinahe unausweichlichen Schicksal ausgeliefert sind. Die einzigen Veränderungen, die von diesem Zeitpunkt an noch möglich erscheinen, sind diejenigen, welche die Maschine selbst erzwingt. In dieser Logik hat die Vorsehung für alle Ewigkeit bestimmt, dass die Rolle der Antillen darin bestand, Zucker hervorzubringen. Diese Feststellung verdeutlicht, wie tiefgreifend die koloniale Ordnung die Bestimmung ganzer Völker auf eine einzige wirtschaftliche Funktion reduzierte und jede andere Möglichkeit des Daseins auslöschte.

Die Gleichförmigkeit der Territorien und die Verwandlung des Menschen in eine Ressource

In einer einleitenden Betrachtung zu einer Untersuchung über ein landwirtschaftliches Versuchsvorhaben in Kolumbien ist die Forscherin Anna Bednik noch einen entscheidenden Schritt weiter gegangen. Sie beschreibt, wie die weltweite Ausbreitung des Kapitalismus die Territorien gleichförmig macht, in sämtliche Lebensbereiche eindringt und dem menschlichen Geist das Nützlichkeitsdenken sowie die Logik der Beherrschung einimpft. Auf diese Weise werden nach und nach alle anderen Formen zerstört, in denen Menschen sich in die Welt einfügen konnten. Der Fortschritt dieser Ordnung verlangt immer mehr gewinnbringende Tätigkeiten, immer mehr Ungleichheiten, die diesen Gewinn ermöglichen, und immer mehr Rohstoffe, um den rasch wachsenden Anforderungen einer Menschheit zu entsprechen, die dabei ist, zu einem bloßen Anhängsel der Wirtschaftsmaschine zu werden und jede Daseinsweise in eine ausbeutbare Ressource zu verwandeln.

Das Sägewerk als Sinnbild der totalen Verwertung

Diese im Gange befindliche Verwandlung der Menschheit, von der Bednik spricht, ist bemerkenswerterweise bereits Jahrzehnte vor der großen Analyse Karl Polanyis in einem Roman des amerikanischen Schriftstellers William Faulkner aus dem Jahr der Weltwirtschaftskrise geschildert worden. In diesem Werk geht es um ein Sägewerk, in dem der Bruder einer Waise beschäftigt ist, die bald von einem flüchtigen Mann schwanger werden wird. Der Bruder arbeitet in der Sägemühle, und alle Männer des Ortes arbeiten in der Mühle oder für die Mühle, in der Kiefernholz gesägt wird. Die Mühle besteht seit sieben Jahren, und in weiteren sieben Jahren wird sie den gesamten Kiefernbestand im Umkreis vernichtet haben.

Dann werden ein Teil der Maschinen und die meisten der Männer, die sie bedienen und die dank der Mühle und für die Mühle an diesem Ort leben, auf Güterwagen verladen und fortgebracht werden. Ein Teil der Maschinen jedoch bleibt zurück, da man jederzeit neue auf Raten erwerben kann, und so ragen traurige, starrende, reglose Räder auf zutiefst verwunderliche Weise aus Haufen von Backsteinschutt und zottigem Unkraut empor. Ausgeweidete Dampfkessel recken ihre rostenden, rauchlosen Schlote mit sturer, verdutzter und verstörter Miene in die Luft, auf einem mit Baumstümpfen übersäten Gelände von tiefer, friedlicher Trostlosigkeit, ungepflügt und unbestellt, das unter dem langen ruhigen Herbstregen und der galoppierenden Wut der Frühlingstagundnachtgleiche langsam ins Rutschen gerät und die roten, bereits verstopften Schluchten hinabrutscht. Eines Tages wird das kleine Dorf, das selbst in seinen besten Zeiten keinen in den Verzeichnissen der Postbehörde eingetragenen Namen getragen hat, nicht einmal mehr von den verstreuten, von Hakenwürmern geplagten Erben in Erinnerung behalten werden, die die Gebäude niederreißen und das Holz in Küchenherden und winterlichen Feuerstellen verbrennen.

Die Verdichtung der Menschheitsgeschichte in einem einzigen Bild

Die Geschichte einer zu einem bloßen Anhängsel der Wirtschaftsmaschine gewordenen Menschheit findet sich in dieser Romanstelle auf bemerkenswerte Weise verdichtet. Die weißen Arbeiter sind derart eins mit dem Sägewerk, dass sie selbst zu einem Teil der Maschinen werden und beim Umzug auf Güterwagen verladen werden wie leblose Gegenstände. Währenddessen nimmt der andere Teil der Maschinen, der zurückbleibt, Züge einer wilden Kindheit an, mit reglosen Rädern, die auf verwunderliche Weise emporragen, und mit ausgeweideten Dampfkesseln, die ihre rostenden Schlote mit verstörter Miene in die Luft recken. Diese Bilder beschreiben eine in die Irre gehende Verfasstheit einer Menschheit, der es an Arbeit, an Funktion und an Gefüge mangelt, nachdem die Fabrik, die ihr Sinn verliehen hatte, verschwunden ist. Als Landschaft all dieses Geschehens bleibt einzig die ökologische Verwüstung der Welt zurück.

Die Unterwerfung unter den Warenwert und die Frage nach der Neuen Welt

Überall, so scheint es, neigt die Weltwirtschaft dazu, jede Daseinsweise in eine ausbeutbare Ressource zu verwandeln. In dieser Hinsicht kommt es nicht auf die Hautfarbe, die Volkszugehörigkeit, die Kultur oder die Religion des Menschen an, denn was allein zählt, ist seine Unterwerfung unter die Vernunft des Warenwerts, mit anderen Worten die Zähmung seiner Arbeitskraft. Angesichts dieser umfassenden Unterwerfung drängt sich die Frage auf, ob die Neue Welt schlimmer gewesen sein könnte als die Alte. Diesen Schluss müsste man jedenfalls ziehen, wenn man die Bedeutungsgeschichte des lateinischen Wortes für Arbeit vom Mittelalter bis in die Neuzeit verfolgt. Die Entwicklung dieses einen Wortes offenbart einen tiefgreifenden Wandel im Verständnis dessen, was menschliches Tätigsein bedeutet.

Die mittelalterliche Bedeutung des Wortes für Arbeit

Was das Mittelalter betrifft, so hat der französische Geschichtsforscher Jacques Le Goff dargelegt, dass die Wortfamilie des lateinischen Begriffs für Arbeit in einem wirtschaftlichen Sinne vom Ende des achten Jahrhunderts bis zum zwölften Jahrhundert eine genau umrissene Bedeutung besaß, in der fast immer die Vorstellung von Beschwerlichkeit und Mühsal mitschwang. Der Begriff bezeichnete entweder eine Vergrößerung der bebauten Fläche oder eine Hebung der Ernte. So unterschieden die sächsischen Gesetzessammlungen vom Ende des achten Jahrhunderts zwischen dem Erbgut, dem Ererbten, und dem durch Arbeit Dazuerworbenen. Der Begriff für Arbeit bezeichnete also die Tätigkeit des Urbarmachens sowie das, was auf diese Weise gewonnen wurde. In einem kirchlichen Regelwerk einer norwegischen Versammlung aus dem zwölften Jahrhundert wurde in einer Randbemerkung präzisiert, dass Arbeiten so viel bedeute wie neu urbar gemachter Boden.

Der Arbeiter war folglich nur derjenige, der dank seiner Wirtschaftskraft mehr erzeugen konnte als die anderen. Bereits im zehnten Jahrhundert ist in einer Urkunde aus dem burgundischen Raum von jenen Besseren die Rede, welche die Arbeiter darstellen, von einer Elite also, die durch ihre produktive Kraft herausragt. Davon leitet sich das französische Wort für den Pflüger ab, das seit dem zehnten Jahrhundert die höhere Schicht des Bauerntums bezeichnet, die mindestens ein Ochsengespann und das für die Bestellung des Bodens notwendige Arbeitsgerät besitzt. Le Goff legt auf diese Weise dar, wie das Wort für Arbeit im Mittelalter allmählich eine genau umrissene Bedeutung annahm, nämlich die Vergrößerung der bebauten Fläche.

Der rechtliche und soziale Rahmen des mittelalterlichen Arbeitens

Von dieser Bedeutung zeugen mittelalterliche Rechtskategorien, in denen das Erbgut das bezeichnet, was durch Erbschaft erworben wird, während der Arbeitsbegriff das meint, was durch eigene Mühe dazuerworben wird, das heißt durch Urbarmachung, durch Vergrößerung der bebauten Fläche oder durch Hebung der Ernte. Die neu erworbene und im Recht bestätigte Bedeutung des Wortes verweist auf die Stärkung einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Übung, die durch zwei Faktoren ermöglicht wurde. Zum einen waren es technische Fortschritte in Bezug auf die Arbeitsgeräte, zum anderen war es die Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft. Der Arbeiter ist dem Grundsatz nach ein unabhängiger freier Bauer, der sich bisweilen mit den Bürgern der Städte verbündet, da beide, insbesondere zwischen dem elften und dem dreizehnten Jahrhundert, gemeinsam an dem mitwirkten, was ein bedeutender französischer Geschichtsforscher einen großen Strom menschlicher und wirtschaftlicher Fruchtbarkeit genannt hat.

Anders ausgedrückt tritt jenseits der praktischen technischen Schärfe der Rechtskategorien folgende Vorstellung hervor: Während das Erbgut, der Erwerb durch Erbschaft, auf bewahrende, dem Grundsatz nach feudale gesellschaftliche Kräfte verweist, verweist der Arbeitsbegriff auf fortschrittliche gesellschaftliche Kräfte, auf dem Lande wie in der Stadt, die an der Kultivierung des Bodens arbeiten und auf technischen und gesellschaftlichen Fortschritt hinwirken. Diese Unterscheidung ist von tiefgreifender Bedeutung, denn sie zeigt, dass die mittelalterliche Arbeit nicht bloße Mühsal war, sondern ein schöpferischer Akt der Weltgestaltung, der mit sozialer Emanzipation untrennbar verbunden war.

Die Herabsenkung der Gesellschaft zum Beiwerk des Wirtschaftssystems

Wenn wir nun die Jahrhunderte durcheilen und uns einer zentralen Passage aus dem Hauptwerk Karl Polanyis widmen, so stoßen wir auf eine Beschreibung der Zerstörung von Lebensformen, die der Notwendigkeit eines Marktsystems geschuldet war. Polanyi legt dar, dass in einem solchen System Gewinne nur dann gesichert sind, wenn die Selbstregelung durch eng miteinander verflochtene, wetteifernde Märkte abgesichert ist. Da die Entwicklung des Fabrikwesens als Teil eines Kauf- und Verkaufssystems organisiert worden war, mussten Arbeitskraft, Boden und Geld ebenfalls in Waren umgewandelt werden, um die Herstellung in Gang zu halten. Sie konnten selbstverständlich nicht wirklich in Waren umgewandelt werden, da sie in Wirklichkeit nicht für den Verkauf auf dem Markt erzeugt wurden. Aber die Fiktion, dass sie zu diesem Zweck erzeugt würden, wurde zum Ordnungsgrundsatz der gesamten Gesellschaft.

Einer der drei Faktoren ragt dabei besonders hervor: Die Arbeitskraft ist der Fachausdruck für Menschen, soweit sie nicht Arbeitgeber, sondern Arbeitnehmer sind. Daraus folgt, dass sich von diesem Zeitpunkt an die Organisation der Arbeit den Entwicklungen des Marktsystems anpassen musste. Da aber die Organisation der Arbeit bloß eine andere Bezeichnung für die Lebensform des einfachen Volkes ist, bedeutet dies, dass die Entwicklung des Marktsystems von einer Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung selbst begleitet sein musste. Im Zuge dieser Entwicklung war die menschliche Gesellschaft zu einem Beiwerk des Wirtschaftssystems herabgesunken. Mit dem Aufkommen einer auf der Allmacht des Marktes gründenden Weltwirtschaft verweist der Arbeitsbegriff nicht mehr auf Wertschöpfung, auf technischen und gesellschaftlichen Fortschritt, sondern auf die Tatsache, Arbeitnehmer zu sein, das heißt seine Arbeitskraft zu verkaufen, im Unterschied zu dem, der Arbeitgeber ist und Arbeitskraft kauft.

Die Fiktion der Entlohnung und der Sieg der sklavenhalterischen Kräfte

Mit anderen Worten bringt der Arbeitsbegriff in der Moderne nicht mehr die Vergrößerung der bebauten Fläche zum Ausdruck, er verweist also nicht mehr auf die Vorstellung eines In-Form-Bringens, auf einen schöpferischen Akt im Bereich der Landwirtschaft, des Handwerks oder des Geistes. Stattdessen verweist er auf die Fiktion der Entlohnung, die insofern eine Fiktion ist, als sie das, was auf einer Ausbeutung der Arbeitskraft des anderen durch den Eigentümer der Herstellungsmittel beruht, in der Gestalt eines Warentauschs darstellt. Wenn wir also die sowohl sprachgeschichtliche als auch geschichtliche Annahme aufstellen, dass das Wort für Arbeit die Bühne bildet für einen ursprünglichen Gegensatz zwischen einer schöpferischen und in gesellschaftlicher Hinsicht fortschrittlichen Bedeutung, die in Richtung des Herstellens geht, und einer in gesellschaftlicher Hinsicht bewahrenden Bedeutung, die Mühe, ja Leiden, wenn nicht gar Qual mitklingen lässt und in Richtung des Arbeitstiers, anders ausgedrückt des Sklaven geht, dann führt uns die Bedeutungsentwicklung dieses Begriffs zu einem erschütternden Schluss.

Die Neue Welt ist in Wirklichkeit schlimmer als die Alte Welt, denn sie besiegelt den Sieg der nihilistischen und sklavenhalterischen gesellschaftlichen Kräfte, die die Arbeit in dem Maße zu einem Fluch werden ließen, in dem sie durch Unterdrückung des anderen sich selbst von der Arbeit befreiten. Diese Kräfte siegten über die fortschrittlichen gesellschaftlichen Kräfte, die im Gegensatz dazu die Arbeit zu befreien versuchten, indem sie das feudale Halseisen zerbrachen und brachliegendes Land urbar machten. Das Wort alt wäre hier in einem genau umrissenen Sinne zu verstehen, der ausschließlich jene Epoche des technischen Fortschritts bezeichnet, der im mittelalterlichen Abendland mit einem gesellschaftlichen Fortschritt verbunden war.

Die zwei Modernen und ihre Verschränkung

Nun ist die Alte Welt aber zunächst die der Menschen des Altertums, das heißt der Griechen und Römer. Als Gegensatz zur auf Sklaverei beruhenden antiken Gesellschaft gäbe es also zwei Modernen, die sowohl aufeinanderfolgten als auch miteinander verschränkt waren. Zunächst wäre da die Moderne der Bauern, Handwerker und Stadtbürger im mittelalterlichen Abendland, die die Herstellung, die Austauschbeziehungen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Techniken und die Denkweisen von der Feudalmacht zu befreien versuchten. Und dann wäre da die Moderne der Eigentümer von Manufakturen und bald schon Fabriken, die das Wort für Arbeit auf seine entfremdende Bedeutung zurückführten, auf die eines Arbeitstiers. Die Zünfte, denen die Arbeitgeber angehörten, verfügten über eigene Vollzugsbeamte und Gefängnisse, die widerspenstige Arbeiter zur Vernunft bringen sollten, und in den Gruben von Newcastle waren die Arbeiter bis ins achtzehnte Jahrhundert noch mit Halseisen angekettet.

Diese modernen Sklavenhalter Westeuropas sind also Waffenbrüder jener Feudalherren, die in Osteuropa während der zweiten Leibeigenschaft die ländlichen Gebiete zu refeudalisieren versuchten. Ihre Manufakturen sind in der Tat eine Fortsetzung, wenn nicht eine Verwandlung der Feudalherrschaft aus karolingischer Zeit, solange man mit Feudalherrschaft jene gesellschaftliche Ordnung beschreiben kann, bei der ein Eigentümer über das Einziehen des Zehnten hinaus über seine Schutzbefohlenen auch das Recht des Arbeitgebers ausübt. Im Vergleich zu diesem mit einem Bedeutungswandel des Arbeitsbegriffs verbundenen modernen Gegensatz stellt sich nun die Frage, wie es um die Alte Welt der Griechen und Römer bestellt war.

Die Sklaverei als Ausschluss der Arbeit aus dem Menschlichen

Die Denkerin Hannah Arendt hat in ihrem Hauptwerk über die tätige menschliche Existenz dargelegt, dass im Altertum die Einrichtung der Sklaverei nicht wie später ein Mittel war, sich billige Arbeit zu verschaffen oder Menschen zwecks Gewinn auszubeuten. Vielmehr handelte es sich um den bewussten Versuch, das Arbeiten von den Bedingungen auszuschließen, unter denen Menschen das Leben gegeben ist. Was dem menschlichen Leben mit anderen Formen tierischen Lebens gemeinsam ist, galt als nicht-menschlich. In einer parodistischen Umkehrung eines bekannten Ausspruchs des russischen Schriftstellers Dostojewski könnte man in Bezug auf die Sklaverei folgern: Wenn Arbeit absurd ist, das heißt wenn sie keiner menschlichen Notwendigkeit entspricht, dann ist alles erlaubt.

In der griechischen Stadt finden wir neben dem Arbeitstier, dem Sklaven, aber auch den herstellenden Menschen, den unabhängigen Handwerker. Noch verwickelter wird die gesamte Lage dadurch, dass der Status des Sklaven im antiken Rom zwar in den meisten Fällen dem eines Arbeitstiers entsprach, aber eben nicht unbedingt und nicht immer, da ein Sklave Baumeister sein und seinerseits Bauarbeiter anleiten konnte, die ihrerseits Freie waren. Ein bedeutender Forscher der antiken Sklaverei schließt daraus, dass die Sklaven keine gesellschaftliche Klasse bildeten. Dieses Problem soll hier jedoch beiseitegelassen werden, um stattdessen eine Beobachtung Arendts in Bezug auf das Handwerk im antiken Griechenland zu unterstreichen.

Die Trennung von Wissen und Tun im herstellenden Tätigsein

Arendt stellt fest, dass die Trennung von Wissen und Tun im Gebiet des Handelns, dessen Gültigkeit und Sinnhaftigkeit sich in nichts auflöst, sobald man das Denken aus dem Handeln ganz und gar entfernt, unangemessen ist. Für die Analyse der herstellenden Tätigkeiten jedoch drängt sich eine solche Trennung einleuchtend und unvermeidlich auf, da deren Prozesse offenbar in zwei ganz voneinander geschiedene Teile zerfallen. Erst muss das Vorbild oder die Gestalt, also die Idee des herzustellenden Dinges, wahrgenommen und erkannt worden sein, damit dann die Mittel bereitgestellt werden können, um das Wahrgenommene zu verwirklichen. Platon, der das Schlüsselwort seiner Philosophie, die Idee, Erfahrungen im Bereich des Herstellens entlehnte, musste diese Trennung als Erster bemerkt haben. Karl Marx hat in seinem Hauptwerk zwar nicht auf den handwerklich-herstellenden Ursprung des Wortes Idee bei Platon verwiesen, gleichwohl aber die Beobachtung gemacht, dass der schlechteste Baumeister sich vor der besten Biene dadurch auszeichnet, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut.

Bekannt ist auch der Spruch, der dem französischen Dramatiker Racine zugeschrieben wird und sinngemäß besagt, dass seine Tragödie fertig sei und er sie nur noch aufzuschreiben brauche. Es könnte jedoch sein, dass diese scharfe und geordnete Unterscheidung zwischen dem Wahrnehmen des Vorbilds oder der Gestalt und der Verwirklichung eher eine Folge der Idealisierung des griechischen Wortes für Gestalt einerseits und einer auf der Aufteilung zwischen Befehlen und Ausführen beruhenden gesellschaftlichen Organisation der Arbeit andererseits ist, als dass sie auf der gelebten Erfahrung handwerklich-herstellender oder, allgemeiner formuliert, schöpferischer Arbeit gründet.

Die dialektische Beziehung zwischen Idee und Materie

Denn in diesem Prozess, die materielle Greifbarkeit, wie auch die sprachliche Undurchsichtigkeit in Form zu bringen, ist die Beziehung zwischen der Idee, dem Vorbild oder der Gestalt dessen, was angestrebt wird, und der verwirklichenden Ausführung eine dialektische Beziehung. Die Materie unterweist die Form ebenso wie die Form die Materie unterweist. Das in dieser Hinsicht vorbildliche Beispiel ist, neben der Kunst, das Brot, dessen Beschaffenheit ein Gedanke ist. Denn das Brot vollendet oder erfüllt die Form des Getreides, und daher ist es etwa im Talmud ein Gedanke der Erschaffung der Welt, einer Welt, deren wesentliche Unvollendetheit nach menschlicher Mühe verlangt, nicht weil man sich schmerzhaft abmühen soll, sondern weil es angebracht ist, daran mitzuwirken, die Welt zu verändern, damit sie gastfreundlich und vernünftig sei.

Eine Welt, die eher wie ein Brot sein soll als wie ein Stein, oder eher wie ein Antlitz als wie ein Maul. Die prophetische Verheißung, dass der Wolf beim Lamme wohnen und der Panther beim Böckchen lagern werde, dass Kalb und junger Löwe und Mastkalb beisammen sein werden und ein kleiner Junge sie leiten wird, drückt genau diese Hoffnung auf eine verwandelte, durch menschliche Arbeit vollendete Welt aus. In dieser Vorstellung ist die Arbeit kein Fluch und keine Strafe, sondern eine Mitwirkung an der Vervollkommnung des Unvollendeten, ein schöpferischer Beitrag zur Gestaltung einer bewohnbaren Erde.

Die Demokratie und die Weigerung der Bürger, für andere zu arbeiten

Der Frage, warum die Arbeit aus der Sphäre der edlen und vernünftigen Tätigkeiten ausgeschlossen wird, wollte auch der Erforscher der antiken Sklaverei Moses Finley auf den Grund gehen. Seine These zum Aufkommen der Sklaverei im antiken Griechenland lautet, kurz zusammengefasst, wie folgt: Da die Volksherrschaft die Gleichheit und die Freiheit der Bürger eingeführt hatte, weigerten sich Letztere folgerichtig, für andere zu arbeiten. Die Arbeit sowie insbesondere das Pflügen wurde an Sklaven unter der Aufsicht eines Herrn übertragen. Der Bedeutungswandel des Wortes für Arbeit von seiner mittelalterlichen zu seiner modernen Bedeutung, das heißt der Übergang vom herstellenden Menschen zum Ware-Werden der Arbeitskraft beim Arbeitstier, würde also genau jener Neuordnung entsprechen, der sich die griechischen Bürger verweigerten: der widerspruchsfreien Verflechtung von politischer Gleichheit und Freiheit einerseits und wirtschaftlicher Knechtschaft andererseits.

Geschichtlich betrachtet hatte diese Weigerung jedoch die Einrichtung der Sklaverei zur Folge, das heißt die Ergreifung und Gefangennahme von Arbeitskräften, deren Status genau darin bestand, kein gleichberechtigter griechischer Bürger zu sein. Wenn wir uns nur an diese beiden Pole halten, einerseits die griechische Antike, die die Gleichheit und Freiheit der Bürger hütete, wenn auch um den Preis der Versklavung von Fremden oder Beisassen, sowie andererseits die kapitalistische Moderne, in welcher die entfremdete und die freie Arbeit im Rahmen der Lohnbeziehung einander angeglichen werden, dann scheint der fortschrittliche Weg im Mittelalter anzusiedeln zu sein. Für die kapitalistische Moderne zählt jener Widerspruch, bei dem es für die Griechen um die politische Bedeutung der Freiheit und Gleichheit der Bürger geht, nicht mehr.

Der große Strom menschlicher und wirtschaftlicher Fruchtbarkeit

Im Mittelalter trat jener große Strom menschlicher und wirtschaftlicher Fruchtbarkeit in Erscheinung, und der Begriff der mühsamen Arbeit erhielt eine neue Bedeutung: Arbeit als Urbarmachung und ihr Ergebnis, als Vergrößerung der bebauten Fläche. Diese Bedeutung gilt für die Handarbeit wie für die geistige Arbeit, für den Bauern auf dem Lande wie für den Handwerker in der Stadt, für den Pflüger wie für den Baumeister. Eine solche Bedeutung des Wortes für Arbeit ist also mit einem gesellschaftlichen Fortschritt verbunden, da der betreffende Bauer frei und unabhängig ist. Er wird zum Pflüger und hat nun Zugang zur höheren Schicht des Bauerntums, die mindestens ein Ochsengespann und das für die Bestellung des Bodens notwendige Arbeitsgerät besitzt.

Wenn man einen Augenblick lang von der Vielschichtigkeit des infrage stehenden geschichtlichen Vorgangs, seinen gesellschaftlichen Spaltungen und ökologischen Enttäuschungen absieht, wird der Bauer in dem Maße zu einem Urbarmacher, in dem er die Ländereien verlässt, über welche der Feudalherr seine Macht zur Verknechtung ausübt. Soziale Befreiung und landwirtschaftliche, handwerkliche und technische Schöpferkraft stünden also in einem wesentlichen Zusammenhang. Das wäre die wichtigste Lehre aus diesem großen Strom menschlicher und wirtschaftlicher Fruchtbarkeit, der nach dem Jahrtausend aufkam, gewissermaßen seine Frohe Botschaft oder auch sein Segen für die Arbeit, die so zu einem Werk des Menschen wurde und nicht der Arbeit eines Maultiers glich.

Das schöpferische Gebot des mittelalterlichen Pflügers

Oder um es noch anders auszudrücken: Der mittelalterliche Pflüger, ein freier Bauer, knüpfte an die im Altertum gebräuchliche Bedeutung des lateinischen Wortes für Herrschaft und Anordnung an. Dieser Begriff, der in der römischen Denkweise lebendig ist, so weit man ihn zeitlich zurückverfolgen kann, bezeichnet eine ebenso schöpferische wie ordnende, über das Gewöhnliche hinausreichende Kraft, die in der Lage ist, auf die Wirklichkeit einzuwirken und sie einem Willen gehorchen zu lassen. Auf diese Weise übt der Herr über ein Feld, der sein Land der Brache entreißt und für eine Ernte sorgt, oder der die überflüssigen Triebe eines Weinstocks abschneidet und nur die Ranken behält, auf denen sich Trauben bilden werden, seine schöpferische Anordnung aus. Wenn dabei Zwang im Spiel ist, dann ist er schöpferisch und kein Selbstzweck. Diese Anordnung ist niemals willkürliche Tyrannei.

Während der landwirtschaftliche, handwerkliche und technische Fortschritt mit sozialer Selbstbestimmung verbunden ist, entspricht die Herrschaft, die über die Arbeit ausgeübt wird, in einem sehr genauen Sinne einer willkürlichen Tyrannei, ganz im Unterschied zur schöpferischen Anordnung, die der Bauer, der Handwerker und der Baumeister ausüben, wenn sie zum Beispiel eine Mühle bauen. Eine solche Mühle zeugt von dieser ebenso schöpferischen wie ordnenden Kraft und ist der monumentale Ausdruck eines im wesentlichen Sinne technischen und gesellschaftlichen Fortschritts. Die alltägliche Bereitung des Mehls war eine der schwersten Fronarbeiten, die auf dem antiken Leben lasteten, in etwa vergleichbar mit dem Zerstampfen der Hirse in den afrikanischen Gesellschaften südlich der Wüste.

Die Wassermühle als Befreiung von der Sklavenarbeit

Es gab zwar bereits die von Tieren angetriebene Mühle, doch war sie nicht wirklich allgemein im Gebrauch. Mit der Wassermühle wurde nun eine Möglichkeit in die Tat umgesetzt, die der griechische Denker Aristoteles nur als unerfüllbaren Wunsch hatte formulieren können. Aristoteles hatte sich vorgestellt, dass wenn jedes Werkzeug auf Geheiß oder mit eigener Voraussicht seine Aufgabe erledigen könnte, wie man es von den Standbildern des Daidalos und den Dreifüßen des Hephaistos berichtet, die sich von selbst zur Versammlung der Götter einfinden, wenn so die Weberschiffchen von allein die Webfäden durcheilten und die Schlagplättchen die Saiten spielten, dann bräuchten die Meister keine Gehilfen und die Herren keine Sklaven. Die allgemeine Verbreitung der Mühlenwirtschaft im industriellen Maßstab wird ein entscheidender Faktor gewesen sein, vielleicht schon für den Niedergang der Sklaverei, die gleichwohl niemals vollständig aus dem Christentum verschwinden wird und daher ihr schreckliches Wiederaufleben nach der Entdeckung Amerikas erfuhr.

Sicher aber war die Mühle ein entscheidender Faktor für die Befreiung der Frau, die auf diese Weise von einer der mühsamsten Verrichtungen befreit wurde, die ihr die Struktur der männlich beherrschten indoeuropäischen Gesellschaften auferlegt hatte. Hat es zwischen dem antiken schöpferischen Gebot des römischen Bauern und dem des mittelalterlichen Pflügers eine einfache und reine Fortsetzung gegeben oder lässt sich eine strukturelle Entwicklung ausmachen, vielleicht sogar ein Bruch? Anders gefragt: Wann sind denn die Mühlen aufgetaucht? Der Technikgeschichtsforscher Jean Gimpel führt an, dass als Erster der griechische Erdkundige Strabon im ersten Jahrhundert vor der Zeitenwende eine Wassermühle erwähnt, und fügt hinzu, dass der von den Römern verwendete Mechanismus in der Industrialisierung des mittelalterlichen Europa eine entscheidende Rolle spielen sollte.

Die industrielle Revolution des Mittelalters

Der Geschichtsforscher wagt in der Tat das Wort Industrialisierung, da die Beherrschung der Wasserkraft zwischen dem elften und dem dreizehnten Jahrhundert einen regelrechten Sprung nach vorn darstellte. Obwohl auch nach dem Zerfall des Römischen Reiches die Sklaverei keineswegs abgeschafft worden war, nahm dennoch die Zahl der Sklaven allmählich ab. Umgekehrt wurde die Nutzung der Wasserkraft deutlich ausgeweitet. Gimpel bringt ein mit Zahlen unterlegtes Beispiel für diese Ausweitung: Auf dem Gebiet des heutigen Verwaltungsbezirks Aube sind für das elfte Jahrhundert vierzehn, für das zwölfte sechzig und für das dreizehnte Jahrhundert mehr als zweihundert Mühlen bezeugt. Wenn wir Gimpel folgen, hat sich die Zahl der Mühlen also in dem Maße vervielfacht, in dem die Sklaverei abnahm.

Besonders stark nimmt die Zahl der Mühlen zwischen dem elften und dem dreizehnten Jahrhundert zu, zur Zeit des großen Stroms menschlicher und wirtschaftlicher Fruchtbarkeit. Einige Jahre nachdem Gimpels Untersuchung erschienen war, hat ein anderer französischer Geschichtsforscher, Maurice Daumas, die These einer industriellen Revolution im Mittelalter zwischen dem elften und dem dreizehnten Jahrhundert jedoch infrage gestellt, da sie ihm zufolge nicht ausreichend belegt sei und daher kaum auf Tatsachen beruhe. Die endgültige Eroberung der Wasserkraft vollzog sich zweifellos ab dem frühen Mittelalter und ist für das neunte Jahrhundert zumindest bestätigt. Überreich belegt ist sie jedoch erst ab Mitte des zwölften Jahrhunderts.

Die Frage der Überlieferung und die lange Entwicklung der Mühlentechnik

In den Jahrhunderten davor wird der gesamte Bereich der Technik mit Schweigen übergangen, und einige Forscher kamen daher zu der Ansicht, dass die zweite Hälfte des Mittelalters von einer umfassenden technischen Umwälzung geprägt gewesen sei. Dem war aber nicht so, denn nachdem über einen langen Zeitraum hinweg nur dürftige Informationen vorliegen, weist ein Verzeichnis wie das im Jahr der Eroberung Englands durch Wilhelm auf dessen Befehl erstellte Grundbuch mehr als fünftausend Wassermühlen auf, die es zu diesem Zeitpunkt in England gab. Dieselbe Menge ließe sich sicherlich auch auf dem Festland finden. Es ist undenkbar, dass eine solche Ausstattung in einem kurzen Zeitraum aus einem plötzlichen wirtschaftlichen und demographischen Antrieb heraus von selbst geschaffen wurde. Sie war großenteils das Werk vorangehender Jahrhunderte.

Sind mangelnde schriftliche Unterlagen oder ist ein Mangel an gebauten Mühlen der Grund dafür, dass vor dem elften Jahrhundert kaum von ihnen die Rede ist? Daumas beantwortet diese Frage mit dem Hinweis, dass man nicht denken dürfe, eine solche Ausstattung sei in einem kurzen Zeitraum von selbst geschaffen worden. Die Unterlagen, über die Gimpel verfügt, belegen jedenfalls, dass es im Aube im elften Jahrhundert vierzehn und im dreizehnten Jahrhundert zweihundert Wassermühlen gab. Im Hinblick auf die Windmühlen erläutert Gimpel, dass während das Wasser stets in dieselbe Richtung fließt, der Wind jedoch aus allen Richtungen zu blasen pflegt. Die Baumeister lösten dieses Problem auf bemerkenswerte Weise, indem Windräder und Mahlwerk zusammen frei beweglich auf einer Achse angebracht wurden.

Die abendländische Erfindung der drehbaren Windmühle

Diese drehbaren Mühlen mit senkrecht angeordnetem Windrad scheinen die ausschließliche Erfindung des Abendlandes zu sein, denn sie hatten mit den schon im siebten Jahrhundert in Afghanistan und auf den Hochebenen Persiens nachzuweisenden Windmühlen nichts gemeinsam. Deren Flügel waren waagrecht angeordnet, da in jenen Gebieten der Wind immer aus der gleichen Richtung kommt. Von der Zeit um das Jahr der Geburt Christi und darüber hinaus werden die Quellenhinweise auf Windmühlen immer zahlreicher. Rund um das flandrische Ypern gab es im dreizehnten Jahrhundert bereits an die hundertzwanzig Windmühlen, und gleichzeitig begann man auch in den Niederlanden, die Windenergie zu nutzen. Erneut stellt sich die Frage der Überlieferung: Hat der technische Erfindungsgeist also im zwölften Jahrhundert einen Sprung nach vorn gemacht, oder muss man eine längere Entwicklung annehmen und davon ausgehen, dass die fragliche Bewegung im neunten Jahrhundert, ja sogar Ende des siebten Jahrhunderts einsetzte, als in den sächsischen Gesetzessammlungen zwischen Erbgut und Arbeit unterschieden wurde?

Wie dem auch sei, wenn es etwas gibt, worin die beiden Geschichtsforscher übereinstimmen, dann eben jenen Punkt, um den es hier geht, nämlich darin, dass die endgültige Eroberung der Wasserkraft, wenn sie nicht unmittelbar mit dem Niedergang der Sklaverei verbunden war, so doch zumindest zeitgleich mit ihm stattfand. Jean Gimpel stellt zwischen dem elften und dem dreizehnten Jahrhundert deutlich einen starken Strom an technologischer Schöpferkraft in der Landwirtschaft, im Hüttenwesen, in der Metallverarbeitung sowie in der Baukunst fest, die es rechtfertige, von einer industriellen Revolution des Mittelalters zu sprechen. Die erste industrielle Revolution fand demnach im Mittelalter statt, und im elften, zwölften und dreizehnten Jahrhundert entstand die Technik, auf die sich die industrielle Revolution des achtzehnten Jahrhunderts stützte.

Die Vorherrschaft der Maschine über die Handarbeit

Die Erkenntnisse der Zeit der Wiederentdeckung des Altertums dagegen haben die Ausbreitung der englischen Industrie im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert nur bedingt beeinflusst. Europa hat im Mittelalter mehr als jede andere Kultur den Einsatz von Maschinen vorangetrieben, und diese Tatsache ist eine entscheidende Ursache für die Vorherrschaft des Westens gegenüber der übrigen Welt. Die Antike hat wohl Maschinen gekannt, hat sich ihrer jedoch nur begrenzt bedient, und Räderwerke wurden vornehmlich zum Antrieb von Spielzeug und von selbsttätigen Figuren verwendet. Die Handarbeit, vordem oftmals von Sklaven ausgeführt, wurde im Mittelalter durch Maschinenarbeit ersetzt. Daumas bestreitet nicht, dass es im Mittelalter wenn auch keine industrielle Revolution so doch zumindest eine endgültige Eroberung der Wasserkraft gegeben habe, doch siedelt er sie in einer viel längeren Zeitspanne an, mindestens seit dem neunten Jahrhundert.

Der italienische Geschichtsforscher Aldo Schiavone vertritt diesbezüglich folgende These: Wie auch immer man den technologischen und gesellschaftlichen Bruch zwischen dem Ende des Altertums und der industriellen und kapitalistischen Moderne zeitlich verorten mag, es handelt sich um einen Kulturwandel. Gegenüber einer insbesondere technikwissenschaftlichen Moderne hätte die griechisch-römische Antike ihm zufolge auf einem zutiefst ländlichen Konservativismus beruht. So tritt der ausschließlich ländliche Charakter der antiken Welt hervor, in einem viel tieferen Sinne, als man üblicherweise annimmt. Von der Geschichte ausgeschlossen, war das technische Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft in einem unbeweglichen Gleichgewicht verschlossen, ohne jede Möglichkeit zu Veränderungen.

Die statische Welt der Antike und die verweigerte Technik

Man konnte die verborgenen Kräfte der Natur dabei unterstützen, Nahrung für die Menschen hervorzubringen, aber mehr nicht. Wenn aber die Natur das Wirkungsfeld von verborgenen Eigenschaften, Mächten und Beziehungen war, war es nutzlos und gefährlich, die Schwelle mithilfe von Techniken gewaltsam zu überschreiten. Diese Geheimnisse wurden durch Betrachtung entschlüsselt und nicht mithilfe der Naturlehre oder der Mechanik wie ein Rätsel gelöst. In einem Punkt scheinen die Geschichtsforscher also weitgehend übereinzustimmen: Die Antike hat wohl Maschinen gekannt, hat sich ihrer jedoch nur begrenzt bedient, und Räderwerke wurden vornehmlich zum Antrieb von Spielzeug und von selbsttätigen Figuren verwendet. Zu den Kinderspielen der griechischen und römischen Baumeister ist natürlich auch der Krieg zu zählen.

Es bestand jedoch eine klar abgegrenzte Scheidelinie zwischen der Welt der Spielzeuge, der selbsttätigen Figuren oder der tödlichen Maschinen und der Welt der Arbeit. Das im klassischen Griechenland blühende Ersinnen von Kriegsmaschinen hatte keinerlei Einfluss auf die Entwicklung des Maschineneinsatzes für Tätigkeiten im bürgerlichen Bereich. Abgesehen von Spielzeug und Krieg stellte sich die griechische Lage also so dar, dass das technische Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft in einem unbeweglichen Gleichgewicht verschlossen war, ohne jede Möglichkeit zu Veränderungen. Bemerkenswert ist jedoch, wie sehr Schiavones Sicht der griechischen Kultur dem ähnelt, was der Geschichtsforscher Pierre Chaunu über die Hochkultur der Maya schreibt.

Die Analogie zwischen der griechischen und der Maya-Kultur

Chaunu beschreibt, dass die Kultur der Maya von der technischen Ebene abgeschnitten und rein betrachtend gewesen sei. Das betrachtende Geschick derer, die Sonnenfinsternisse berechneten, steht im Gegensatz zur technischen Unerfahrenheit der Baumeister, die den Gewölbebogen nicht kannten. In Bezug auf den Bogen erklärt der Gesellschaftsforscher Max Weber, dass es den Spitzbogen als Verzierungsmittel auch anderwärts, im Altertum und in Asien, gegeben habe und dass angeblich auch das Spitzbogen-Kreuzgewölbe im Morgenland nicht unbekannt gewesen sei. Aber die vernunftgemäße Verwendung des gotischen Gewölbes als Mittel der Schubverteilung und der Überwölbung beliebig geformter Räume und vor allem als bautechnischer Grundsatz großer Monumentalbauten und Grundlage eines die Bildhauerei und Malerei einbeziehenden Stils, wie sie das Mittelalter schuf, fehle anderweitig.

Im Fall des antiken Griechenlands braucht man sich nur das betrachtende Geschick der Geometer in Erinnerung zu rufen, im Gegensatz zum technischen Unvermögen der Baumeister, die weder die Windmühle noch die Uhr noch das Kumt-Geschirr kannten, und die Ähnlichkeit scheint sich zu bestätigen. Verglichen mit der industriellen, landwirtschaftlichen, künstlerischen und bautechnischen Umwälzung des Mittelalters erscheinen sowohl die Hochkultur der Maya als auch die klassische griechische Kultur unterentwickelt. Nicht der Mais kann also für das technische Unvermögen der Maya verantwortlich gemacht werden, da sich die Griechen, die Getreide anbauten, auch kaum besser zu helfen wussten. Was aber war dann ausschlaggebend?

Die kognitive Asymmetrie und die Abwertung der Herstellung

In Bezug auf das griechisch-römische Beispiel schreibt Aldo Schiavone, dass die technische Ausformung strukturell durch eine kognitive Asymmetrie entwertet wurde, die sich mit der Zeit zu einer anthropologischen Grundkonstante entwickelte. Man fasste den Erkenntnisakt als Schau oder Betrachtung auf, während das Bemühen um Aneignung und Umwandlung der Natur, die Technik, die Zusammenarbeit in der Herstellung, die Handarbeit, mit anderen Worten das Hervorbringen, gesellschaftlich und geistig schließlich nur dem niedrigsten Teil der Gemeinschaft überlassen werden konnte, in unmittelbarer Verbindung mit der Ausbeutung der Sklaven. Wenn wir diese unterschiedlichen Fäden miteinander verbinden, stoßen wir auf folgendes Problem: Wenn der griechische Gestaltbegriff im handwerklichen Tun des griechischen Bürgers wurzelt, eines freien und unabhängigen Herstellers, der wie der mittelalterliche Pflüger seine Arbeitswerkzeuge selbst besitzt, wie ist dann zu erklären, dass Windmühlen, Uhren, Kumt-Geschirre, kurz eine technische Entwicklung, die sich nicht scheut, die Frage der Naturkräfte mithilfe der Naturlehre und der Mechanik oder schlicht mithilfe einer eroberungsfreudigen praktischen Vernunft zu lösen, ausschließlich in der gesellschaftlichen und geistigen Welt ebenjenes mittelalterlichen Pflügers aufkommen?

Geschichtsforscher, die eine Verbindung zwischen der technischen Entwicklung und dem Niedergang der Sklaverei feststellen, schließen daraus auf eine gesellschaftliche Frage: Hat in der antiken Gesellschaft die Sklaverei die technische Entwicklung verhindert, während in der mittelalterlichen Gesellschaft der technische Fortschritt die Sklaven befreit hat? So glaubte Jean Gimpel beobachten zu können, dass die Handarbeit, vordem oftmals von Sklaven ausgeführt, im Mittelalter durch Maschinenarbeit ersetzt wurde. Wogegen Fernand Braudel einwendet, dass es viel zu einfach und einseitig materialistisch sei, den Ausgangspunkt für die allmähliche Abschaffung der Versklavung des Menschen in der Ablösung des Brustplatt- oder Sielengeschirrs im neunten Jahrhundert durch das die Zugkraft der Pferde steigernde Kumt-Geschirr zu sehen, eine grobe Vereinfachung, die auch Marc Bloch kritisierte.

Die Frage nach dem Ursprung der technischen Blockade

Wie auch immer es um die verwickelten geschichtlichen Beziehungen zwischen technischem Fortschritt und Niedergang der Sklaverei bestellt sein mag, das Problem besteht darin, dass Hannah Arendts Formel, wonach im Altertum die Einrichtung der Sklaverei der bewusste Versuch war, das Arbeiten von den Bedingungen auszuschließen, unter denen Menschen das Leben gegeben ist, nur wenig Sinn ergibt in Bezug auf den griechischen Handwerker, der jeden Tag von früh bis spät arbeitet. Was vom bürgerlichen Leben ausgeschlossen wird, ist also die Arbeit des Arbeitstiers, die Maultierarbeit des Sklaven, nicht die des Handwerkers, des herstellenden Menschen. Warum war der griechische Handwerker kein Erneuerer wie der Bauer, der Künstler oder der Baumeister im Mittelalter? Lag das darin begründet, dass er Sklaven besaß?

Schiavone schreibt, dass der Übergang von der Naturerkenntnis zur Veränderung der Natur blockiert war, ja dass sich sogar ein Abgrund auftat, ein Abgrund, der vom Fehlen einer Verbindung zwischen Erkenntnis und umwandelnder Herstellung herrührt. Woher rührt aber dann dieses Fehlen einer Verbindung? Am Ende seiner Untersuchung kommt der italienische Geschichtsforscher zu dem Schluss, dass es nicht die Existenz der Sklaverei war, die dem antiken Maschineneinsatz die Flügel gestutzt hat. Die Sklaverei habe zwar auf bestimmende Weise dazu beigetragen, das System auf Stillstand auszurichten und jede andere Lösung auszuschließen, doch sei sie weniger der geschichtliche Ursprung der Blockade als vielmehr ihre gesellschaftliche Folge.

Der Verlust des Prestiges der handwerklichen Arbeit

So merkt der Geschichtsforscher an, dass der Mythos des Prometheus und Platons Bild des handwerklich schaffenden Gottes Zeichen sind, die auf Schichten des Denkens und gesellschaftlicher Erfahrungen verweisen, wo Fähigkeiten und Errungenschaften noch ein ganz anderes Ansehen genossen. Dieses Ansehen sei anschließend verloren gegangen und der Verachtung gewichen. Zwischen diesen beiden Augenblicken kam es also zur Blockade. Schiavone schließt daraus, dass sie zur Zeit der klassischen Antike anzusiedeln sei, als der neue Mensch aufkam, der ein Bürger der Volksherrschaft und ein Schüler der Idee war. Dieser neue Mensch bedeutet Politik, Waffen, staatsbürgerliches Leben, dichterische oder metaphysische Verwandlung der Welt, Selbstanalyse der verschiedenen Formen der Vernunft des Denkens.

Der Rest, die Wirklichkeit des Stoffes und der Herstellung, die mechanische und werkzeugliche Sicht der Natur, wahrgenommen durch die erinnerungstechnische Welle einer antiken Knechtschaft, verwandelte sich in das Gedächtnis einer nunmehr überwundenen Unterwerfung unter die Stofflichkeit der Erde und des Körpers. Für die Freiheit war es grundlegend, die Techniken der Geselligkeit in der Stadt zu beherrschen: die Schrift und ihre Regeln, die Musik und die Dichtung, die Redekunst, die Selbsterkenntnis, Reisen zu und Eroberung von neuen Räumen, die Waffenübung als erste Tugend zunächst des Adels und später jedes guten Staatsbürgers, während die Arbeit auf den Feldern höchstens eine Gewähr für die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Bürger darstellte.

Der Aristokratismus der Idee und die Verarmung der Technik

Schiavone legt nahe, dass in dem Maße, in dem sich der Aristokratismus der Idee, eine betrachtende und nicht umwandelnde Übung aufdrängte, die technische Beziehung verarmte und die Sklaverei gedieh. Der Altertumsforscher Marcel Détienne behauptet übrigens, dass die griechischen Begründer der Volksherrschaft ursprünglich einer besonderen gesellschaftlichen Gruppe angehörten, die auf die Kriegerfunktion spezialisiert war. In dieser habe sich über vielfache Wandlungen hinweg die Gleichheit der Bürger entwickelt. Diese gesellschaftliche Gruppe besteht aus Menschen, die auf die Kriegerfunktion spezialisiert sind und deren Sonderstatus sich von der mykenischen Zeit bis in die Zeit der Hopliten-Reform hinein zu verlängern scheint, die das Ende des Kriegers als Einzelindividuum und die Ausweitung seiner Vorrechte auf den Bürger der Stadt bedeutet.

Könnte man von daher nun die Annahme aufstellen, dass das Kriegshandwerk betrachtend, tätige Arbeit hingegen umwandelnd ist? Der Altertumsforscher Luc Brisson hebt in dieser Hinsicht eine Entwicklung hervor, die sich über fünf Jahrhunderte erstreckt, ausgehend von Platons Timaios, der unsere Welt zum Ergebnis der Arbeit eines Handwerkers und Künstlers machte. Es handelt sich also um eine Bewegung, die der von Schiavone beschriebenen ähnlich ist, auch wenn sie bei beiden Denkern auf unterschiedliche Weise ins Gewebe der Geschichte verwoben ist. Nach Schiavone geht die Blockade zwischen Erkenntnis und Veränderung der Natur, zwischen Erkenntnis und umwandelnder Herstellung auf die Zeit Platons zurück, die Zeit des griechischen Idealismus und des neuen Menschen, des Bürgers der Volksherrschaft.

Die metaphysische Verunreinigung des Stofflichen und die soziale Ausbeutung

Daraus ergibt sich eine Wertordnung, die die Stofflichkeit der Erde und des Körpers immer hartnäckiger in einen Bereich verweist, der in metaphysischer Hinsicht unrein ist, ein Bereich der Mischung, des Nichtunterschiedenen, und der in gesellschaftlicher Hinsicht ausgebeutet wird, den Bereich des Sklaven. Diese Analyse stößt jedoch auf folgende Schwierigkeit: Wenn der griechische Aristokratismus, dessen Weltanschauung für die Kluft zwischen einer metaphysischen Erkenntnis und einer umwandelnden Herstellung bestimmend war, kaum mehr Macht und Einfluss gehabt haben dürfte als der Aristokratismus der Feudalherren im Mittelalter, warum sind dann die griechischen Handwerker, die Bürger und keine Sklaven waren, wenngleich sie von den Idealisten verachtet wurden, nicht wie die Pflüger, Handwerker und Baumeister des Mittelalters imstande gewesen, die Erkenntnis mit der umwandelnden Herstellung zu verbinden? Warum ist ihnen dies, wenn wir der augenscheinlichen Einmütigkeit der Geschichtsforscher in dieser Hinsicht Glauben schenken, zumindest nicht in vergleichbarem Maße gelungen?

Die Antwort könnte in der buchstäblichen Bedeutung zu finden sein: Der mittelalterliche Pflüger war damals das Arbeitstier, ein Sklave oder Knecht, der von einem Feudalherrn ausgebeutet wurde, und der Bedeutungswandel seines Namens, wobei der Arbeitsbegriff von nun an dem Erbgut entgegengesetzt ist, wäre ein Hinweis auf einen geschichtlichen Vorgang, in dem er sich von der willkürlichen Tyrannei eines Herrn befreit hat. In genau diesem Befreiungsvorgang bestünde nun der Kulturwandel, von dem Schiavone spricht. Mit anderen Worten: Die Bedeutung des griechischen Wortes für Gestalt oder Idee wäre im Falle des griechischen oder römischen Handwerkers von der Frage der Befreiung von der Arbeit abgekoppelt, während sie im Falle des mittelalterlichen Pflügers, Handwerkers oder Baumeisters eng mit ihr verbunden wäre.

Die Befreiung als Bedingung der technischen Schöpferkraft

Das wäre der Grund für das technische Unvermögen der Ersteren im Unterschied zur technologischen und gesellschaftlichen Umwälzung der Letzteren. In diesem Lichte betrachtet könnte man also sagen: Nicht die mannigfaltige einheimische Übung wirkt nur unter der Bedingung der Idee befreiend, sondern die Idee konnte, geschichtlich gesehen, nur unter der Bedingung einer mannigfaltigen einheimischen Übung zu etwas Befreiendem werden, indem sie die Vergrößerung der bebauten Fläche mit gesellschaftlichen Errungenschaften, mit Befreiung verband. Genau daraus hätte Marx in seiner elften These über Feuerbach seine Lehre gezogen: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden gedeutet, es kommt aber darauf an, sie zu verändern. In dieser letzten Wendung verdichtet sich die gesamte hier nachgezeichnete Geschichte: Die Idee bleibt ohnmächtig, solange sie nicht in die Hände derer gelangt, die den Boden pflügen, die Mühlen bauen und die Welt durch ihre tägliche Arbeit umgestalten.