Die Zukunft der Daten und der Schutz der Privatsphäre

Wenn Menschen über die morgigen Tage und die kommende Epoche nachdenken, entstehen im Kopf oft verschwommene Gemälde aus dunklen Befürchtungen und leisen Hoffnungen. Blickt man jedoch später auf vergangene Jahrzehnte zurück, staunt man häufig darüber, wie unkomfortabel und primitiv die damalige Welt war. Die technischen Entwicklungen haben seitdem großartige Fortschritte gemacht und den Alltag grundlegend verändert. Vernetzte Haushaltsgeräte und der aus der Ferne steuerbare Wohnraum waren vor zahlreichen Jahren noch reine Zukunftsliteratur. Heute können sich viele Anwender jegliches Dasein ohne diese praktischen Funktionen gar nicht mehr vorstellen. Der technische Fortschritt schreitet unaufhaltsam voran und bringt sowohl enorme Erleichterungen als auch neue Herausforderungen mit sich.

Die düstere Vision einer totalen Überwachung

Schon vor zahlreichen Jahrzehnten entwarfen Schriftsteller das Bild der Zukunft, die von totaler Kontrolle und lückenloser Überwachung geprägt ist. Die totale Beherrschung durch Informationen und die Machthaber, die diese Daten besitzen, bildet dabei den zentralen Kern dieser Schreckensszenarien. Betrachtet man die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre, erscheint die Prognose für die kommende Zeit potenziell sehr düster. Daten haben sich zur neuen Währung entwickelt, und Informationen werden gezielt eingesetzt, um die Meinung der Massen zu bilden. Falschmeldungen sind in aller Munde, und die Verunsicherung der Bevölkerung nimmt in gleichem Maße zu wie die Bereitschaft, für vermeintliche Bequemlichkeiten die Hoheit über die eigenen Informationen aufzugeben. Diese Entwicklung zeigt deutlich, wie schnell gesellschaftliche Freiheiten im Tausch gegen scheinbare Sicherheit verloren gehen können.

Die Steuerung des öffentlichen Lebens durch Bewertungssysteme

Abhängig von den Netzseiten und Diskussionsforen, die man besucht, werden die Zukunftsvisionen immer bedrückender und alptraumhafter. Das öffentliche Leben könnte beispielsweise mittels des flächendeckenden gesellschaftlichen Bewertungssystems gesteuert werden, wie es in fernen asiatischen Staaten bereits im Einsatz ist. Alle möglichen Quellen werden dann herangezogen, um das Verhalten jeder einzelnen Person zu bewerten. Die finanzielle Zuverlässigkeit, das Strafregister, die täglichen Einkäufe und die Äußerungen in den sozialen Netzwerken fließen in die einzige Bewertung ein. All dies wird beurteilt und führt zu dem mathematischen Wert, der das gesamte Leben bestimmt. Solche lückenlosen Erfassungen des menschlichen Verhaltens würden die individuelle Freiheit auf das bisher unbekannte Minimum reduzieren.

Die Auswirkungen der ständigen Bewertung auf den Alltag

Je systemfreundlicher und angepasster jede Person ist, desto höher fällt dieser Wert aus. Und je höher dieser Punktwert ist, desto mehr Vorteile genießt man im täglichen Leben. Warenlieferungen kommen deutlich schneller an, man bekommt leichter bessere Arbeitsstellen oder bessere Wohnungen zugewiesen. Die freie Meinungsäußerung wird in solchen Systemen zu dem bloßen Papiertiger und verliert ihren Status als grundlegende Lebensauffassung vollständig. Möglicherweise tragen wir in der Zukunft alle kleine Körpereinpflanzungen in unserer Haut, die uns eindeutig identifizieren. Diese ständige körperliche Überwachung würde jeden Schritt und jeden Kauf lückenlos dokumentieren und auswerten.

Die Abschaffung klassischer Schlüssel und Ausweise

Durch diese winzigen Hautkennzeichnungen brauchen wir keine physischen Schlüssel oder Zugangskarten mehr. Auch Reisepässe oder Krankenkassenkarten werden überflüssig, da all diese Funktionen von dem kleinen Plättchen unter der Haut übernommen werden. Da diese Kennzeichnung jede Person eindeutig identifiziert und alle Vorlieben sowie Käufe kennt, bekommt man in jedem Laden genau auf sich abgestimmte Werbung angezeigt. Es wäre völlig sinnlos, Werbezeit für Dinge zu verschwenden, die nach der Analyse der persönlichen Daten gar nicht interessieren dürften. Die ständige Präsenz dieser Technik verändert das Konsumverhalten und die Privatsphäre grundlegend. Wer sich diesem System entziehen möchte, würde automatisch vom gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.

Der europäische Schutzschild gegen Datenmissbrauch

Wenn man bei solchen Gedanken schlechte Laune bekommt, ist es sinnvoll, gründlich kritisch zu hinterfragen, wie realistisch diese Schreckensszenarien in unserer Heimat wirklich sind. Wir Europäer genießen umfassenden Schutz durch die strenge Datenschutzgesetzgebung in Form der europäischen Grundverordnung. Der häufige Einwand, dass diese Regeln bei Unternehmen außerhalb Europas wenig Wert hätten, springt viel zu kurz. Der räumliche Geltungsbereich greift nämlich noch weiter und schützt auch Verarbeitungen personenbezogener Daten, die im Rahmen von Tätigkeiten von Niederlassungen in der Union stattfinden. Selbst dann, wenn die eigentliche Datenverarbeitung außerhalb der Union durchgeführt wird, greift der schützende Rechtsrahmen. Diese weitreichenden Gesetze stellen sicher, dass ausländische Konzerne sich an die hiesigen strengen Regeln halten müssen.

Die hohen Strafen und die rechtliche Sicherheit

Durch die extreme Höhe der Bußgelder, die bei Verstößen gegen das Datenschutzrecht verhängt werden können, sind immense Hürden für Datenhändler gesetzt. Die oben beschriebene Konsolidierung von Informationen, um einfach alles über jede Person in Erfahrung zu bringen, ist rechtlich in unseren Gefilden einfach nicht zulässig. Die immer wieder durch die Presse gehenden Datenschutzskandale zeigen eindrucksvoll, dass schwarze Schafe schnell identifiziert und hart bestraft werden. Aus rechtlicher Sicht sieht die Zukunft also deutlich weniger düster aus, als viele Schwarzseher und Pessimisten vermuten. Neue technologische Herausforderungen werden von den Gesetzgebern stets mit angepassten Regelwerken beantwortet, um den Bürgern sichere Lebensumfelder zu garantieren. Der Schutz der persönlichen Daten bleibt somit das zentrale Anliegen der europäischen Rechtsgemeinschaft.

 

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