Die touristische und historische Entwicklung des Spreewaldortes Burg
Screenshot youtube.comDer Spreewald gilt als eine der einzigartigsten Kulturlandschaften in Deutschland, die durch ein dichtes Netz aus Wasserläufen und ausgedehnte Waldgebiete geprägt ist. Innerhalb dieser besonderen Region hat sich der Ort Burg zu einem der bedeutendsten Zentren für Erholungssuchende und Kulturinteressierte entwickelt. Die Geschichte dieses Ortes reicht weit in die Vergangenheit zurück und spiegelt die wechselvollen Epochen der europäischen Besiedlungsgeschichte wider. Heute verbindet die Gemeinde traditionelle Handwerkskunst mit modernen Angeboten für Gesundheit und Freizeit.
Die geografische Gliederung der Gemeinde
Neben den bekannten Städten Lübben und Lübbenau bildet Burg das dritte große Touristenzentrum in dieser weitläufigen Niederungslandschaft. Die Gemeinde setzt sich aus den drei Ortsteilen Burg-Dorf, Burg-Kolonie und Burg-Kauper zusammen. Zusammen nehmen diese Siedlungsgebiete eine Fläche von rund 35 Quadratkilometern ein. Während der ursprüngliche Ortsteil mit seinen engen Gassen zum Bummeln einlädt, finden Besucher in den anderen beiden Bereichen vor allem Ruhe und schöne Fahrradstrecken.
Die Anfänge der Besiedlung auf dem Schlossberg
Die historische Keimzelle des Ortes befindet sich auf dem Schlossberg im ursprünglichen Dorf, wo heute der bekannte Bismarck-Turm steht. Bereits seit der Steinzeit siedelten Menschen auf dieser neun Meter hohen Erhebung. Arbeiter entdeckten dort im Jahr 1867 einen dreirädrigen Kultwagen, der heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellt ist. In der Eisenzeit erbauten germanische Stämme hier die größte Ringwallanlage der gesamten Region.
Slawische Burgen und polnische Festungsbauten
Später errichteten slawische Stämme an dieser strategisch günstigen Stelle eine eigene Burg. Um das Jahr 1000 ließ der polnische König Boleslaw Chrobry schließlich eine riesige Festung bauen. Von diesem gewaltigen Bauwerk wird vermutlich der heutige Name der Gemeinde abgeleitet. Die sumpfigen Flächen westlich vom heutigen Dorf waren jedoch lange Zeit kaum zugänglich und blieben weitgehend ungenutzt.
Die Besiedlung im 18. Jahrhundert
Erst im 18. Jahrhundert vergrößerte sich der Ort deutlich, als die preußischen Könige Friedrich Wilhelm und Friedrich hier neue Siedler ansiedelten. Diese Familien stammten aus dem benachbarten Sachsen, aus Böhmen, Schlesien, Österreich und Ungarn. Die Herrscher wollten das bisher ungenutzte Land kultivieren und siedelten daher Veteranen und ihre Angehörigen an. Trotz wertvoller Privilegien wie der Befreiung vom Kriegsdienst wanderten anfangs viele Siedler wieder ab, weil sich der Boden nicht für den klassischen Ackerbau eignete.
Weberei und der Anbau von Obstbäumen
Das Kleine Leineweberfließ erinnert noch heute daran, dass ab dem Jahr 1748 auch Weberfamilien in der Gemeinde angesiedelt wurden. Die Armee brauchte damals Uniformen und der König wollte keine Stoffe aus dem Ausland kaufen, sondern selbst produzieren. Ihm sind auch die vielen Streuobstwiesen in der Region zu verdanken. Per Edikt ordnete er im Jahr 1765 die Pflanzung von mindestens zehn Obstbäumen pro Gehöft an.
Die Entwicklung zum modernen Kurort
Die so geschaffene Kulturlandschaft bietet heute vor allem für Aktivtouristen Erholung pur. Zwar verbindet die in den 60er Jahren gebaute Ringchaussee die drei Ortsteile miteinander, aber am schönsten ist eine Erkundung per Rad oder Paddelboot. Der Ort hat sich in den letzten Jahrzehnten außerdem einen Namen als anerkannter Kurort gemacht. Für Entspannung von Körper und Geist sorgen die Spreewald-Therme mit mineralienreichem Solewasser, der Kurpark sowie mehrere Erholungshotels mit großem Badebereich.
Das touristische Zentrum am Kahnhafen
Zwischen Hauptstraße, Bahnhofstraße und dem alten Spreewaldbahnhof erstreckt sich das touristische Zentrum mit Kahnhafen, Gästeinformation und Heimatstube. Dort reihen sich zahlreiche kleine Läden und traditionelle Werkstätten aneinander. In der Hauptsaison und besonders an Wochenenden kann es hier ziemlich voll werden. Kahnfahrten werden nach Bedarf angeboten und sobald das Boot voll ist, geht die Reise auf dem Wasser los.
Kulturelle Einrichtungen und der Sagenpark
Der zweite Mittelpunkt befindet sich etwas nördlich am Schlossberg mit dem Bismarckturm, der Weidenburg und der Kräuterey. In der urigen Blockhütte direkt am Kahnhafen befindet sich die Heimatstube mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte und zum Leben vor Ort. Hinter der Stube werden an einem Stand Spreewaldgurken und weitere regionale Produkte angeboten. Auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern erstreckt sich der Kur- und Sagenpark an der Kurparkstraße.
Skulpturen, Spielplätze und historische Waggons
Skulpturen aus der lokalen Sagenwelt wie der Wassermann regen in diesem Park die Fantasie der Gäste an. Am Eingang befindet sich ein großer Abenteuerspielplatz für die jüngsten Besucher. Innerhalb des Parks erfreuen verschiedene Themengärten, Streuobstwiesen und ein Feuchtbiotop das Auge. Etwas versteckt liegt am Bahnhof der historische Spreewaldbahnhof, an den man sich heute noch gerne erinnert.
Die Geschichte der Schmalspurbahn
Bis zum Jahr 1970 fuhr im Spreewald noch die Schmalspurbahn zwischen Lübben und Cottbus. Hinter dem Bahnhof kann man eine Reihe von alten Waggons des bekannten Zuges bewundern und teilweise auch besteigen. Im Bahnhof selbst ist ein lauschiges Restaurant untergebracht, das zum Verweilen einlädt. Die Nostalgie zieht sich bis vor zur Bahnhofstraße, wo man durch die Alte Ladenstraße mit Reklame und Einrichtung aus der Mitte des letzten Jahrhunderts läuft.
Geschäftsviertel aus der Vergangenheit und der Bismarckturm
Zu diesem historischen Areal gehört außerdem ein Café mit eigener Kaffeerösterei, das alte Traditionen pflegt. Etwa einen Kilometer nördlich des Zentrums thront auf dem neun Meter hohen Schlossberg der imposante Bismarckturm. Türme dieser Art wurden nach dem Tod des Reichskanzlers im Jahr 1898 überall im Deutschen Reich errichtet. Auch dieser Turm war seit der Jahrhundertwende geplant, der Bau konnte jedoch erst während des Weltkrieges ab dem Jahr 1915 umgesetzt werden.
Die wechselvolle Nutzung des Turmes
Ursprünglich als Aussichtsturm gedacht, musste das elegante Bauwerk unter den Nationalsozialisten als Beobachtungsstation herhalten. Auch später in der DDR wurde der Turm militärisch genutzt und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Heute kann das 28 Meter hohe Bauwerk wieder bestiegen werden und bietet einen grandiosen Ausblick. Sehenswert ist unten die kunstvoll verzierte Nische mit der neu eingesetzten Büste des berühmten Reichskanzlers.

















