Die Rettung der Wirklichkeit: Warum wahrhaftiger Journalismus die Grundlage für den Frieden ist
Screenshot youtube.comIn einer Zeit, in der globale Spannungen zunehmen und gesellschaftliche Gräben tiefer werden, steht die öffentliche Kommunikation vor einer beispiellosen Bewährungsprobe. Die Art und Weise, wie über Konflikte, politische Entscheidungen und internationale Beziehungen berichtet wird, bestimmt maßgeblich das Klima des Zusammenlebens. Wenn die Grundlagen der gemeinsamen Wirklichkeit verloren gehen, droht der soziale und politische Frieden unwiederbringlich zu zerbrechen. Es bedarf daher einer erneuten Besinnung auf die ureigenen Aufgaben der Berichterstattung, um nicht nur als passiver Beobachter, sondern als aktiver Bewahrer der demokratischen Ordnung zu wirken.
Die globale Entfernung vom friedlichen Miteinander
In einer perfekten Welt wäre das politische Handeln untrennbar mit dem Streben nach Frieden verbunden. Die Mächtigen würden alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um sowohl die äußere als auch die innere Sicherheit zu gewährleisten. Den äußeren Frieden würden sie durch Diplomatie, die Achtung des Völkerrechts, Verlässlichkeit, internationale Zusammenarbeit und den Aufbau von Institutionen sichern. Hinzu kämen Maßnahmen zur Abrüstung, vertrauensbildende Schritte, der Austausch von Bürgern und Ideen sowie eine gerechte globale Entwicklung.
Die Wechselwirkung von innerer und äußerer Sicherheit
Den inneren Frieden würden sie durch maximale Freiheit, Toleranz, offene Debatten, demokratische Teilhabe sowie soziale und rechtliche Absicherung garantieren. Global betrachtet sind wir von solchen Zuständen im äußeren wie im inneren Gefüge weit entfernt und entfernen uns sogar immer weiter davon. Weil der äußere Frieden zunehmend gefährdet ist, leidet zwangsläufig auch der innere Frieden. Umgekehrt gilt gleichermaßen, dass ein bedrohter innerer Frieden den äußeren Frieden negativ beeinflusst.
Die trügerische Hoffnung in die etablierten Medien
Diese Wechselwirkung zeigt deutlich, wie fragil das Gleichgewicht der internationalen und nationalen Beziehungen geworden ist. Die Hoffnung, dass etablierte Medien einen wesentlichen Beitrag zum Schutz beider Friedensdimensionen leisten, erweist sich bei genauer Betrachtung als trügerisch. Ein Blick in die Mediengeschichte und insbesondere in die Historie der Kriegsberichterstattung bietet keinerlei Anlass zu echtem Optimismus. Vielmehr zeigt die historische Erfahrung das genaue Gegenteil: Im Zweifel agieren die Medien als Werkzeuge der Kriegstreiberei und nicht als Hüter des Friedens.
Die Suche nach einer neuen journalistischen Ethik
Es stellt sich die zwingende Frage, wie eine Berichterstattung beschaffen sein müsste, die tatsächlich einen Beitrag zum äußeren und inneren Frieden leistet. Alternativ formuliert muss man fragen, wie ein Journalismus aussehen sollte, der propagandistische Kriegstreiberei als solche entlarvt und unschädlich macht. Gleichzeitig muss geklärt werden, ob eine solche friedensorientierte Ausrichtung überhaupt wünschenswert ist oder ob sie das Gebot der Neutralität gefährdet. Soll der Journalismus den inneren und äußeren Frieden fördern, benötigt er zwingend einen absoluten Respekt vor den unumstößlichen Tatsachen.
Die Überwindung der einseitigen Betrachtungsweise
Er muss darüber hinaus dialogorientiert und aus vielfältigen Blickwinkeln gestaltet sein. Die meisten Menschen und auch die meisten Berichterstatter betrachten die Welt nur aus einem einzigen, begrenzten Blickwinkel. Eine wirklich vielfältige Berichterstattung gelingt nur wenigen Ausnahmetalenten, und auch diese erreichen dieses Stadium erst nach vielen Jahren der Berufs- und Welterfahrung. Einfacher wird die Umsetzung, wenn man nicht den einzelnen Berichterstatter, sondern ein großes Medienhaus oder das gesamte Mediensystem in den Fokus rückt.
Die strukturelle Verantwortung der Medienhäuser
Ein großes Medienhaus könnte durch die Vielzahl der Mitarbeiter konsequent vielfältige Blickwinkel in die Berichterstattung integrieren. Ein wahrhaft pluralistisch organisiertes System hätte die Möglichkeit, den gesellschaftlichen Dialog auf breitestmöglicher Basis zu organisieren. Es hätte die Chance, die Gesellschaft mit sich selbst ins Gespräch zu bringen und den Dialog zwischen unserer Gesellschaft und anderen Gesellschaften zu fördern. Hätten wir in den letzten 20 oder 30 Jahren diese Art von Journalismus gehabt, sähe es vermutlich nicht nur in diesem Land, sondern in der Welt etwas anders aus.
Die wahre Bedeutung journalistischer Objektivität
Manche Kritiker fragen, ob man den Medien mit solchen friedensorientierten Vorgaben nicht eine politische Mission aufbürdet und sie zu politischen Akteuren macht. Es wird oft bezweifelt, ob sich normative Ziele mit dem Ideal einer unvoreingenommenen Berichterstattung vereinbaren lassen. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass hier kein Widerspruch besteht. Bedeutende Journalisten haben ihr Berufsverständnis oft so definiert, dass sie neutral und objektiv berichten, aber immer auf der Seite der Opfer stehen.
Der Dienst am demokratischen Gemeinwesen
Dies klingt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist es aber nicht. Nicht die normativen Vorgaben gefährden die Objektivität, sondern das Fehlen von Objektivität gefährdet die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft. Um dies zu untermauern, lohnt sich der Blick auf die Gedanken eines bekannten politischen Denkers aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieser machte darauf aufmerksam, dass Herrschende im Laufe der Jahrhunderte gelernt haben, bestimmte Institutionen wie Universitäten oder die unabhängige Rechtsprechung zu tolerieren.
Die Autonomie der wahrheitsfindenden Institutionen
Diese Einrichtungen genießen eine relative Autonomie und sind den tagespolitischen Kämpfen entzogen. Dennoch erfüllen sie eine übergeordnete Funktion für das Gemeinwesen. Ähnliche Gedanken flossen in die Konzeption des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ein, dessen gesetzliche Grundlagen oft explizit dem Frieden dienen sollen. Politische Beobachter haben Journalisten kürzlich vorgeworfen, ihr Publikationsprivileg zu missbrauchen und selbst in die politische Steuerung einzugreifen.
Die Abgrenzung zum tagespolitischen Geschäft
Die Kernaufgabe der Berichterstatter bestehe jedoch darin, die Öffentlichkeit treuhänderisch zu informieren und damit dem demokratischen System zu dienen. Wer nichts anderes wolle als die Wahrheit sagen, stehe außerhalb des politischen Kampfes und verliere seine Glaubwürdigkeit, sobald er versuche, diese Position für tagespolitische Eingriffe zu nutzen. Man muss streng zwischen dem tagespolitischen Engagement und dem Dienst am Gemeinwesen unterscheiden. Der Denker aus dem letzten Jahrhundert befürwortete solche normativen Orientierungen und sah darin keinen Widerspruch zum Wahrheitsideal.
Der Konflikt zwischen Macht und Tatsachen
Doch was bedeutet Wahrheit in diesem Kontext, und gibt es überhaupt unumstößliche Fakten? Es gibt Vernunftwahrheiten aus der Mathematik oder den Naturwissenschaften, die früher oft mit der politischen oder religiösen Macht in Konflikt gerieten. Dieser Konflikt ist heute weitgehend ein historisches Phänomen. Viel virulenter ist hingegen der Konflikt zwischen der politischen Macht und den Tatsachenwahrheiten geworden.
Die Unumstößlichkeit der historischen Realität
Im Widerstreit mit den Machthabern geraten unumstößliche Fakten immer häufiger auf die Abschußliste. Was sind nun diese Tatsachenwahrheiten? Es ist unbestreitbar, dass historische Ereignisse unterschiedlich gedeutet werden können und dass Fakten in verschiedenen Kontexten stehen. Ein französischer Regierungschef antwortete einst auf die Frage, was zukünftige Geschichtsschreiber über eine strittige Kriegsschuldfrage denken werden, dass er dies nicht wisse.
Die Disziplinierung durch unumstößliche Gegebenheiten
Ein Punkt ist jedoch sicher: Sie werden nicht behaupten, dass ein friedliches Nachbarland in sein Land eingefallen sei. Wenn von Tatsachenwahrheiten die Rede ist, dann von solchen elementaren Gegebenheiten. Manchmal liegen sie offen zutage, manchmal müssen sie durch mühsame Recherche in Archiven und durch Zeugenaussagen etabliert werden. Aus der Existenz unbestreitbarer Tatsachen folgt keineswegs, dass diese Fakten bereits die richtige Meinung vorschreiben.
Die bedrohte Grundlage der Meinungsbildung
Über die Bewertung von Fakten darf und soll es Streit geben, aber dieser Streit muss sich an den Fakten orientieren. Die unumstößlichen Tatsachen disziplinieren die politischen Kontrahenten und markieren das Feld der legitimen Auseinandersetzung. Die historische Erfahrung zeigt jedoch, dass es kaum eine Zeit gab, die Tatsachenwahrheiten mit solchem Eifer bekämpft hat wie die moderne Gegenwart. In demokratischen Systemen breitet sich ein besonders wirksames Verfahren aus, bei dem Tatsachen nicht mehr die Grundlage von Meinungsbildungsprozessen sind.
Die Abwertung von Fakten zu bloßen Meinungen
Statt dass Fakten die Meinungen disziplinieren, werden Tatsachen zu bloßen Meinungen abgewertet. Im Gegenzug werden subjektive Ansichten zu unumstößlichen Tatsachen erklärt. Stellen wir uns eine fiktive Fernsehdiskussion über die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine vor. Ein Teilnehmer äußert große Zweifel daran, ob ein bestimmter Machtwechsel im Jahr 2014 legitim war.
Die Abwehr unliebsamer Tatsachen durch Empörung
Er verweist auf fehlende Repräsentation der Gesamtbevölkerung, massive Einmischung von außen und eine bewusst provozierte Gewalteskalation. Er zieht das Fazit, dass es sich aus seiner Sicht nicht um einen legitimen Machtwechsel, sondern um einen Umsturz handelte. Kaum hat der Teilnehmer seine Argumente dargelegt, ertönt die empörte Gegenrede eines anderen Gastes. Dieser behauptet, die geäußerten Zweifel hätten mit den Fakten rein gar nichts zu tun und seien reine Propaganda eines ausländischen Staates.
Die Zerstörung der faktischen Wirklichkeit
Er unterstellt dem Vorredner, er bete lediglich Lügen nach, die von den dortigen Machthabern verbreitet würden. An dieser Stelle setzt oft der Beifall eines Teils des Publikums ein, was der Gesprächsleitung die Gelegenheit gibt, die Diskussion schnell zu einem anderen Thema weiterzuleiten. Auf diese Weise werden Fakten in Meinungen aufgelöst oder mit Meinungen bekämpft. Unbequeme geschichtliche Tatbestände werden so behandelt, als seien sie keine Tatsachen, sondern Dinge, über die man beliebiger Meinung sein könne.
Die Macht der erfundenen Deutungsmuster
Was hier auf dem Spiele steht, ist die faktische Wirklichkeit selbst, und dies ist ein politisches Problem allerersten Ranges. Sobald eine Tatsachenwahrheit den Meinungen und Interessen im politischen Bereich entgegensteht, ist sie akut gefährdet. Der Gegensatz zur Tatsachenwahrheit ist die bewusste Unwahrheit oder Lüge. Schon der Versuch, die Trennungslinie zwischen Tatsachen und Meinungen zu verwischen, stellt eine Form der Lüge dar.
Die Bedrohung durch die eigene Berichterstattung
In einer Welt, in der man mit Tatsachen nach Belieben umspringt, ist die einfachste Tatsachenfeststellung bereits eine Gefährdung der Machthaber. Es geht bei solchen Auseinandersetzungen oft um mehr als nur eine einzelne, isolierbare Tatsachenwahrheit. Wenn moderne Lügen den Gesamtzusammenhang, in dem die Tatsachen erscheinen, umlügen, schaffen sie einen neuen Wirklichkeitszusammenhang. Nichts hindert diese erlogene Wirklichkeit daran, zu einem vollgültigen Ersatz der Tatsachenwahrheit zu werden.
Die wahren Zielobjekte der propagandistischen Abwehr
Dies ist eine frühe Beschreibung dessen, was man heute als großes erzählerisches Deutungsmuster bezeichnet. Ein solches Deutungsmuster bildet den großen Berichterstattungsrahmen, in den alle passenden Fakten eingepasst und alle entgegenstehenden Fakten ignoriert werden. Die eigentlichen Zielobjekte befinden sich nicht im Ausland, sondern auf dem eigenen Territorium. Es geht um Personen und Medien, die auf Tatsachenwahrheiten beharren und damit das vorgefertigte Bild stören.
Der Sturz in die Orientierungslosigkeit
Die moderne Geschichte ist voll von Beispielen, in denen die einfache Berichterstattung als gefährlicher empfunden wird als feindliche Propaganda. Im Kampf mit der politischen Macht sieht es für die Tatsachenwahrheit düster aus, denn sie ist im unmittelbaren Zusammenprall mit den bestehenden Mächten ohnmächtig. Gibt es Hoffnung? Eine gewisse Hoffnung könnte man aus dem Umstand ziehen, dass Tatsachenwahrheiten zwar stets gefährdet, aber auch hartnäckig sind.
Der Verlust der demokratischen Grundlagen
Sie sind letztlich nicht aus der Welt zu schaffen und haben eine Kraft eigener Art, da sie einfach da und nicht rückgängig zu machen sind. Die Macht kann die Tatsachenwahrheiten zwar erfolgreich bekämpfen, aber sie kann nichts Gleichwertiges an ihre Stelle setzen. Doch was ist das Ergebnis, wenn einerseits die Wahrheit durch Lüge und Totalfiktion ersetzt wird, andererseits aber nichts Gleichwertiges an ihre Stelle tritt? Das Resultat ist keineswegs, dass die Lüge nun als wahr akzeptiert und die Wahrheit als Lüge diffamiert wird.
Das Ende der gesellschaftlichen Orientierung
Vielmehr wird der menschliche Orientierungssinn im Bereich des Wirklichen vernichtet. Konsequentes Lügen ist im wahrsten Sinne des Wortes bodenlos und stürzt Menschen ins Bodenlose, ohne je imstande zu sein, einen anderen Boden zu errichten. Der Verlust des menschlichen Orientierungssinns und der Sturz ins Bodenlose wären gleichbedeutend mit dem Ende der Demokratie. Die Meinungsfreiheit ist eine Farce, wenn die Information über die Tatsachen nicht garantiert ist.
Das Verspielen des inneren und äußeren Friedens
Wer den Respekt vor Tatsachenwahrheiten verliert und untergräbt, der spielt mit dem inneren und äußeren Frieden. Letztlich wird er diesen Frieden unweigerlich verspielen und die Grundlagen unserer gesellschaftlichen Ordnung zerstören.
















