Die psychologische Auswertung von Kursverläufen an den Finanzmärkten
Screenshot youtube.comDie Beobachtung von Preisbewegungen an den Wertpapierbörsen offenbart faszinierende Einblicke in die kollektive Psychologie der Marktteilnehmer. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich kluge Köpfe damit, wie menschliche Emotionen und Entscheidungen sichtbare Spuren in den grafischen Darstellungen von Kursen hinterlassen. Dieses Wissen bildet das Fundament für die technische Kursauswertung, bei der es darum geht, wiederkehrende Muster zu erkennen und daraus ableitbare Erwartungen für die zukünftige Entwicklung abzuleiten. Wer die Mechanismen der Massenpsychologie versteht, vermag es, die nächsten Schritte der Kurse bis zu einem gewissen Grad vorherzusehen.
Die Wiederkehr bekannter Muster und die Rolle der Geduld
Erfahrungswerte zeigen deutlich, dass sich bestimmte grafische Formationen aufgrund der immer gleichen menschlichen Reaktionsweisen ständig wiederholen. Diese Wiederholungen lösen sich oft auf eine sehr ähnliche Art und Weise auf, was Vorhersagen mit einer Trefferquote von weit über 60 Prozent ermöglicht. Das Lesen solcher Kursbilder erfordert jedoch einiges an Übung und tieferes Verständnis. Ein Anfänger benötigt durchaus bis zu einem Jahr, um das nötige Gespür und das erforderliche Fachwissen für eine erfolgreiche Auswertung zu entwickeln. Dabei ist es von größter Wichtigkeit, keinerlei Emotionen in die eigenen Entscheidungen einfließen zu lassen.
Der Umgang mit Emotionen und die Bedeutung der Zeit
Wenn Gefühle die Oberhand gewinnen, neigen unerfahrene Personen dazu, Positionen viel zu früh aufzugeben, sobald der Kurs kurzzeitig in die falsche Richtung läuft. Oft stellt sich später heraus, dass die ursprüngliche Einschätzung des Musters völlig korrekt war und der Kurs exakt wie erwartet gedreht hat. Nur ist man dann bereits aus dem Markt gedrängt worden und verpasst den eigentlichen Gewinn. Man sollte der Auswertung daher genügend Zeit einräumen, Verlustbegrenzungs-Aufträge nicht zu eng setzen und stets einen kühlen Kopf bewahren. Für langfristig orientierte Anleger ist diese Methode zwar eher zweitrangig, doch selbst sie können aus längeren Zyklen hervorragende Einstiegszeitpunkte ableiten, um die eigene Rendite zu steigern.
Unterstützungen und Widerstände als psychologische Marken
Bestimmte Linien im Kursbild dienen als wichtige Signalgeber für mögliche Käufe oder Verkäufe. Theoretisch betrachtet stellen diese Marken ein Preisniveau dar, an dem sich die Kauf- und Verkaufsinteressen der Händler annähern. In einer Aufwärtsbewegung bedeutet dies, dass bei Erreichen eines bestimmten Niveaus die Kaufbereitschaft nachlässt und der Kurs zunächst umdreht. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Widerstandslinie, da die Verkaufsbereitschaft wieder die Oberhand gewinnt. Die Mehrheit der Marktteilnehmer ist der Ansicht, dass ein faires Preisniveau erreicht wurde, weshalb einige ihre Gewinne realisieren und im Plus verkaufen.
Die Beschleunigung nach dem Durchbrechen wichtiger Marken
Von den nun fallenden Kursen verschreckt, stoßen auch kurzfristig eingestiegene Personen ihre Bestände ab, wodurch sich der Kursverfall weiter beschleunigt. Solche Linien lassen jedoch auch erkennen, ob der Kurs in der Vergangenheit an einem ähnlichen Niveau bereits umdrehte oder kämpfte. Widerstandslinien bilden sich daher bevorzugt an alten Höchstständen. Im Umkehrschluss sind Unterstützungslinien Preisniveaus, an denen die Händler wieder Potenzial in dem Wertpapier erkennen. Diese Marken entstehen oft an alten Tiefstständen, an denen der Kurs schon einmal wieder ins Plus drehte.
Runde Zahlen und die Dynamik nach Ausbrüchen
Oft erinnern sich die Marktteilnehmer daran, dass von einem solchen Niveau schon einmal eine Aufwärtsbewegung startete oder sie dort das letzte Mal eingestiegen sind. Durch wieder steigende Kurse werden zusätzlich weitere Käufer angelockt. Zusätzlich haben runde Kurszahlen wie 20, 100 oder 350 das Potenzial, als psychologische Barrieren zu wirken. Ein Kurs kämpft viel eher mit der runden Hundert als mit einer krummen Zahl. Nach dem Durchbrechen solcher Widerstands- oder Unterstützungslinien kommt es häufig zu weiterem Potenzial, wodurch sich der Kursverlauf massiv beschleunigt.
Das symmetrische Dreieck als Zeichen der Konsolidierung
Beim Durchbruch der Unterstützungslinie geht es oft beschleunigt weiter abwärts, während das Durchbrechen einer Widerstandslinie Chancen auf neue Höchststände eröffnet. Das symmetrische Dreieck besteht aus zwei Entwicklungslinien, welche immer weiter zusammenlaufen und somit eine geometrische Form bilden. Dies kann vorkommen, wenn der Kurs einer Aktie eine längere Zeit angestiegen ist und dann in eine Seitwärtsbewegung übergeht. Dabei werden die Kursbewegungen immer kleiner und laufen somit immer weiter zusammen. Die nächsten Hochpunkte im Kursverlauf liegen dabei immer ein wenig unter dem vorherigen Hochpunkt.
Die Auflösung des Dreiecks und die Gefahr falscher Signale
Gleichzeitig liegen die neuen Tiefpunkte jedoch immer etwas höher als die vorherigen Tiefpunkte. Wenn man nun immer an den Endpunkten eine Linie zieht, bildet sich das Dreieck. Je länger oder umso größer das Dreieck wird, desto aussagekräftiger wird es und mit entsprechend mehr Kraft findet vermutlich der Ausbruch statt. Das Dreieck wird aufgelöst, sobald ein Hochpunkt wieder über dem vorherigen liegt oder der nächste Tiefpunkt unter dem vorherigen liegt. Der Ausbruch muss jedoch nicht am Ende, also an der Spitze des Dreiecks stattfinden.
Die Kursfahne als Bestätigung der übergeordneten Marktrichtung
Ein Ausbruch an der Spitze führt sogar öfter zu Fehlsignalen, bei denen der Kurs nur kurz ausbricht und dann wieder in die entgegengesetzte Richtung dreht. Die Kursfahne ist eine sehr vielversprechende Formation, die man als richtungsbestätigend bezeichnen kann. Sie bildet sich meistens nach starken Aufwärts- oder Abwärtsbewegungen, wobei sich der starke vorherige Anstieg als Fahnenmast darstellen lässt. Dieser starke vorherige Anstieg ist jedoch auch zwingend nötig für die Gültigkeit des Musters. Die Fahne selbst läuft dann ein wenig wackelig gegen die Marktrichtung, wobei die Kurse langsam nach oben und unten wackelnd zurückkehren.
Die Psychologie hinter den Kursfahnen
Zu diesen Formationen kommt es, wenn nach einem starken Anstieg die ersten Marktteilnehmer ihre Gewinne mitnehmen. Sobald der Kurs jedoch wieder nach oben ausbricht, kommt es meist zu einem weiteren Anstieg. Eine solche Fahne kann sich über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen erstrecken. Die Fahnen eignen sich also als Zeichen dafür, dass die Käufer nun erst einmal genug hatten, die langfristige Marktrichtung jedoch weiterhin aufwärtsgerichtet ist. Daher eignet sich ein Ausbruch aus dem Schwankungsbereich der Fahne sehr gut als Kaufpunkt.
Unterschiedliche Fahnen in steigenden und fallenden Märkten
Diese Form der Fahnen nennt man Optimistenfahnen, da sie in einem steigenden Markt vorkommen. Auf der anderen Seite gibt es auch Pessimistenfahnen, welche in fallenden Märkten auftreten. Dabei bilden sie sich nach starken Abverkäufen, wenn die Märkte wieder etwas nach oben drehen. Dies liegt daran, dass nach dem Abverkauf schon wieder einige Händler zu günstigen Preisen einsteigen. Oft reichen diese Käufe dann aber nicht aus, um den Kurs wieder nach oben zu drehen, weshalb der Markt etwas nach oben und wieder zurück wackelt.
Die Identifikation von Fahnen und die Vermeidung von Fallen
Sobald der Kurs nach unten aus der Fahne fällt, setzt sich der Verfall meistens noch einmal weiter fort. Bricht er nach oben aus, kann dies auf ein Ende der Abwärtsbewegung hindeuten. Fahnen lassen sich im Gegensatz zu anderen Formationen relativ einfach im Kursbild erkennen, wozu es gar nicht so viel Übung bedarf. Wenn man sich in einem Muster nicht ganz sicher ist, bleibt man lieber dem Markt fern, da neue Möglichkeiten bald darauf wieder erscheinen. Denn auch hier lauern teilweise Fallen für Optimisten, bei denen der Kurs zwar ausbricht, dann aber wieder in die Fahne fällt und das Kaufsignal zunichtemacht.
Steigende und fallende Dreiecke als Pausen im Markt
Ganz risikofrei geht es leider nie, sonst wären wir auch alle schon schwerreich. Im Gegensatz zu symmetrischen Dreiecken liegen hier die beiden Entwicklungslinien, welche die Dreiecke begrenzen, steigend oder fallend vor. Bei einem steigenden Dreieck zeigt dabei die obere Linie praktisch keinerlei Steigung auf und ist daher nahezu waagerecht. Dafür zeigt jedoch die untere Linie nach oben, weshalb die neuen Tiefs im Kursverlauf immer etwas höher als das vorhergegangene Tief liegen. Die neuen Hochs liegen jedoch auf dem gleichen Level wie die Hochs zuvor.
Die Signale der unterschiedlichen Dreiecksformen
Auch ein steigendes Dreieck ist dabei eine Formation, welche als Unterbrechung in einem Aufwärtsmarkt gesehen werden kann. Dabei schaffen es die Käufer nicht, neue Hochs zu generieren, die Verkäufer hingegen schaffen es aber auch nicht, den Kurs gen Süden laufen zu lassen. Sollte der Kurs nach oben aus dem Dreieck ausbrechen, setzt oft der nächste Aufwärtsschub ein, was man als Kaufsignal sehen kann. Hingegen ist ein fallendes Dreieck das genaue Gegenteil, bei dem die obere Linie einen Abfall ausbildet und die untere Linie nahezu horizontal verläuft. Das fallende Dreieck ist daher als Pause in einem Abwärtsmarkt zu sehen.
Der Umgang mit fallenden Dreiecken und den Entwicklungslinien
Hier schaffen es die Käufer nicht, neue Hochs zu generieren, die Verkäufer sind jedoch noch nicht stark genug, um den Markt weiter fallen zu lassen. Erkennt man also ein fallendes Dreieck im Kursverlauf, ist dies eher ein Signal, dem Markt fernzubleiben, es sei denn, die Pessimisten schaffen es nicht, den Kurs nach unten fallen zu lassen. Sollte der Kurs sogar ein höheres Hoch ausbilden, kann dies als Umkehrsignal gesehen werden. Eine Entwicklungslinie kann man in ein Kursbild einzeichnen, indem man die letzten Hochpunkte miteinander verbindet. Dabei bildet sich entweder eine steigende Tendenz oder eine fallende Tendenz der Kurse.
Die Aussagekraft der Berührungspunkte
Je mehr Punkte durch die Entwicklungslinie abgedeckt werden, desto aussagekräftiger ist die Tendenz. Die korrekte Interpretation dieser Linien erfordert jedoch ständige Übung und ein tiefes Verständnis für die psychologischen Abläufe an den Börsen. Wer diese Regeln beachtet, kann die eigenen Entscheidungen auf ein solides statistisches Fundament stellen.















