Die Psychologie der Märkte und die Macht der Gerüchte

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Die Geschichte der Finanzmärkte ist eng mit der menschlichen Natur und ihren emotionalen Abhängigkeiten verbunden. In der frühen Neuzeit entwickelten findige Händler in den Niederlanden völlig neue Methoden, um mit Waren und Versprechungen zu handeln. Diese Epoche legte den Grundstein für ein Verhalten, das bis heute die wirtschaftlichen Entscheidungen der Menschen prägt. Wenn große Gewinne winken, verlieren die Massen oft ihren Sinn für die reale Bewertung von Dingen. Ein Blick auf diese vergangenen Ereignisse zeigt, wie schnell Vernunft durch kollektiven Taumel ersetzt wird.

Die Erfindung moderner Handelsinstrumente

Vor langer Zeit errichteten die niederländischen Händler einen zentralen Ort für den Austausch von Wertpapieren. Sie nutzten bereits damals vielfältige Werkzeuge, um auf Ereignisse in der fernen Zukunft zu wetten. Man konnte Kredite aufnehmen, um die eigenen Gewinne künstlich zu vergrößern. Ebenso wurden Verträge geschlossen, die den Kauf oder Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festen Preis sicherten. Fast jede erdenkliche Kombination möglicher zukünftiger Geschehnisse ließ sich in dieser blühenden Handelsstadt in klingende Münze umwandeln.

Der Rausch des leichten Geldes

Immer mehr Reichtum suchte sich diesen Ort als sichere Zuflucht und Schmelztiegel der Möglichkeiten. Dadurch sanken die Zinsen für Kredite, während die Preise für Grund und Boden stetig kletterten. Selbst Anteile an Unternehmen, die keinerlei Gewinne abwarfen, erlebten einen sprunghaften Wertzuwachs. Die Einheimischen nannten dieses seltsame Treiben einen Handel mit dem frischen Wind. Das Geld wurde unsichtbar, und weil dieser Lufthandel enorme Buchgewinne bescherte, wuchs der allgemeine Wohlstand. Die Bereitschaft der Menschen, hohe Risiken einzugehen, nahm dadurch immer weiter zu.

Die Ansteckung durch Erfolgsgeschichten

Innerhalb weniger Jahre stiegen die Anteile der großen überseeischen Handelskompanie stark an. Der allgemeine Stand der Wertpapiere kletterte von einem niedrigen Niveau auf ein viel höheres Ziel. Alle verfügbaren Märkte verzeichneten damals enorme Gewinne für die frühen Teilnehmer. Händler, die mit Häusern reich geworden waren, steckten ihre überschüssigen Münzen nun in diese Papiere. Oft werden die schlechtesten finanziellen Entscheidungen genau in den scheinbar besten Zeiten getroffen.

Die Macht der sozialen Ansteckung

Überschwang und Leichtsinn regierten den Alltag, und jeder neue Höchststand löste weiteren Klatsch aus. Geschichten von plötzlichem Reichtum bewegten immer mehr Menschen dazu, sich in diesem endlos steigenden Markt zu engagieren. Reich zu werden war nie einfacher, und wohlhabende Personen wollten ihren Erfolg unbedingt anderen erzählen. Solche Gerüchte sind kaum zu übertreffen, denn sie können sowohl harmlos als auch höchst gefährlich sein. Wir Menschen sind von Natur aus soziale Wesen, die stark auf die Meinungen ihrer Mitmenschen reagieren. Den Einfluss solcher Flüsterposten in der Wirtschaft unterschätzen wir bis heute völlig.

Die Ökonomie der Gerüchteküche

Wenn die Menge durch Gerüchte und die Angst, etwas zu verpassen, aufgehetzt wird, entstehen fatale Dynamiken. Der wirtschaftliche Zyklus ist nichts anderes als der kollektive Ausdruck unserer Natur, die ständig zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwankt. Wir werden gemeinsam leichtfertig, und wir werden gemeinsam deprimiert. Dieses gemeinsame Handeln ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis der Märkte. Man könnte dies als die Wirtschaft der Gerüchteküche bezeichnen, um zu erklären, wie Preise auf neue Informationen reagieren. Wir geben diese Informationen weiter und stecken andere mit unserer eigenen Stimmung an.

Der Irrglaube des rationalen Menschen

Die klassische Lehre geht davon aus, dass Menschen bei Geldentscheidungen völlig rational und frei von Emotionen handeln. Doch sind Sie jemals einer solchen völlig gefühllosen Person begegnet? Es ist töricht, den Menschen als fehlerfreies Wesen zu betrachten und dabei die Bedeutung unserer Stimmungen zu ignorieren. Finanzielle Muster wiederholen sich im Laufe der Geschichte in immer wiederkehrenden Zyklen aus Blüte und Krise. Das liegt vor allem daran, dass Geld ein zutiefst soziales Phänomen ist.

Die Spekulation als gesellschaftliches Ereignis

Die Spekulation ist die wohl sozialste Form des Geldumgangs. Sie bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie kennenlernen würden. Sie haben dann nichts gemeinsam außer dem einen Ziel, in kurzer Zeit viel Reichtum anzuhäufen. Wenn wir uns an schnellen Gewinnen begeistern, schwimmen wir lieber mit der Strömung als gegen sie. Die meisten von uns verhalten sich in solchen Phasen wie eine große, blindlings folgende Herde.

Das Versagen der klassischen Lehrbücher

In der Masse geraten die vermeintlich eisernen Gesetze der Wirtschaft völlig durcheinander. Die alte Lehre behauptet, dass die Nachfrage sinkt, wenn die Preise steigen. Doch wenn die Preise für bestimmte Werte klettern, fühlen sich deren Besitzer reich und sprechen darüber. Ein potenzieller Käufer gerät bei solchen steigenden Preisen in helle Panik. Er glaubt, der heutige Preis sei ein Schnäppchen, und kauft sofort, aus Angst vor weiteren Steigerungen.

Die Illusion des Gleichgewichts

Solche Preissteigerungen führen zu noch mehr Preissteigerungen und kurbeln die Nachfrage zusätzlich an. Eines der Grundgesetze der Wirtschaft erweist sich in der Realität letztlich als reines Hirngespinst. Ein weiteres Gesetz besagt, dass mit sich erhöhenden Preisen auch das Angebot steigt. Aber auf einem wachsenden Markt überlegt es sich eine potenzielle Person manchmal ganz anders. Sie denkt, bei kletternden Preisen wäre es verrückt, jetzt zu verkaufen, wo sie es doch erst nächstes Jahr tun könnte. Diese Beobachtung teilt sie mit ihren Freunden, und alle warten auf einen besseren Gewinn morgen.

Der Preis als emotionales Signal

Steigende Preise führen also nicht immer zu einem Anstieg des Angebots, sondern können es sogar schrumpfen lassen. Dadurch wird alles auf dem Weg vom großen Taumel zum bitteren Einbruch noch weiter in die Höhe getrieben. Die klassische Theorie lehrt uns, dass der Preis ein mechanisches Instrument für ein stabiles Gleichgewicht ist. Nur reine Theoretiker denken in solchen sterilen Modellen. In der echten Welt wirken kletternde Preise wie ein starkes Gefühl der Verführung. Sie zeigen uns den möglichen Gewinn auf dem Papier und locken uns in die Märkte.

Die wahre Natur der Bewertung

Dieses Verhalten verleitet uns dazu, auf die Zukunft zu setzen, was das genaue Gegenteil von Stabilität ist. Für die Gelehrten an den Universitäten ist der Preis nur eine kalte Zahl auf einem Blatt Papier. Für echte Menschen hingegen ist dieser Preis ein tiefes Gefühl und ein Maßstab für ihre eigenen Hoffnungen. Die Geschichte zeigt uns immer wieder, wie schnell diese Gefühle die Oberhand über die Vernunft gewinnen. Solange wir uns von diesen Gefühlen leiten lassen, werden die alten Muster der Gier und der Angst bestehen bleiben.

 

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