Die letzten Wochen im Mutterleib – Wie das ungeborene Kind seine Sinne schärft, an Gewicht zulegt und sich auf die Geburt vorbereitet

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Die Schwangerschaft ist ein Vorgang von erstaunlicher Präzision und Vollkommenheit, der sich über viele Monate hinweg im Verborgenen vollzieht und bei dem jeder einzelne Entwicklungsschritt des ungeborenen Kindes genau auf den anderen abgestimmt ist. Gerade in den letzten Wochen vor der Geburt geschieht noch einmal ungeheuer viel: Die Sinne des Kindes reifen heran, es legt an Gewicht zu, seine Persönlichkeit beginnt sich auszuformen, und es bereitet sich körperlich auf den großen Moment der Geburt vor. Für die werdenden Eltern sind diese Wochen oft von einer Mischung aus Vorfreude, Staunen und gelegentlicher Unsicherheit geprägt, denn der Körper der Mutter verändert sich spürbar, und die Frage, wie das Kind im Bauch liegt und ob alles seinen natürlichen Gang gehen wird, rückt immer stärker in den Vordergrund. Der folgende Text zeichnet die wichtigsten Entwicklungsschritte dieser letzten Schwangerschaftsphase nach und zeigt, mit welch bemerkenswerter Sorgfalt die Natur jeden einzelnen Aspekt des Heranreifens orchestrated hat, so dass das Kind am Ende bestens gerüstet das Licht der Welt erblicken kann.

Die vollkommene Ablaufplanung der Natur

Egal, wie chaotisch und anstrengend diese letzten Wochen der Schwangerschaft für die werdenden Eltern auch sein mögen, auf eines können sie sich stets verlassen: Die Natur hat eine vollkommene Ablaufplanung vorgesehen, bei der jeder Entwicklungsschritt genau zur richtigen Zeit geschieht. Alles ist so eingerichtet, dass sich das Kind im Mutterleib optimal entfaltet und kein Schritt zu früh oder zu spät erfolgt. Diese verlässliche Ordnung gibt den Eltern die Gewissheit, dass sie sich nicht um jeden einzelnen Vorgang sorgen müssen, denn der Körper der Mutter übernimmt die Steuerung weitgehend von selbst. Das Kind wächst heran, entwickelt seine Fähigkeiten und bereitet sich auf das Leben außerhalb des Mutterleibs vor, ohne dass die Eltern aktiv eingreifen müssten. Dieses stille, beständige Wunder der Entwicklung verdient es, mit Staunen und Dankbarkeit betrachtet zu werden, gerade dann, wenn die Tage beschwerlich und die Nächte unruhig werden.

Die Entwicklung der Sinne im Mutterleib

Bei dem ungeborenen Kind ist als Erstes der Tastsinn sehr weit entwickelt, was den großen Vorteil mit sich bringt, dass es schon früh seine kleine Welt in der Gebärmutter ertasten kann. Es spürt die Wände der Gebärmutter, die Nabelschnur und auch die sanften Berührungen, wenn die Mutter oder der Vater über den Bauch streicheln. Der nächste gut entwickelte Sinn ist der Geruchssinn, mit dem das Kind gleich nach der Geburt seine Mutter erkennen und ihre Brust finden kann, um die erste Nahrung aufzunehmen. Hören kann das Kind bereits seit einiger Zeit, und auch die dunkelrote Welt der Gebärmutter nimmt es in Ansätzen wahr. Der Sehsinn kommt allerdings erst nach der Geburt so richtig in Fahrt und ist in den ersten Lebenswochen noch stark eingeschränkt.

In den ersten Tagen auf der Welt kann das Neugeborene nur auf eine sehr kurze Entfernung scharf sehen, die praktischerweise genau dem Abstand entspricht, den das Gesicht der Mutter beim Stillen vom Gesicht des Kindes hat. So sieht es beim Saugen das Antlitz der Mutter einigermaßen deutlich und kann eine erste Bindung über den Blick aufbauen. Wenn man beobachtet, wie Erwachsene mit Neugeborenen umgehen, stellt man fest, dass sie gleichsam instinktiv all diese Gegebenheiten kennen. Sie streicheln den Bauch der Schwangeren, sprechen mit dem ungeborenen Kind und hören nach der Geburt oft ganz natürlich auf, starke Duftstoffe zu verwenden, weil sie sonst den empfindlichen Geruchssinn des Säuglings verwirren oder fehlleiten würden. Das Kind sucht den natürlichen Körpergeruch seiner Eltern und würde durch künstliche Düfte in seiner Orientierung gestört.

Und alle Erwachsenen beugen sich zu einem Säugling herunter, wenn sie mit ihm Kontakt aufnehmen, oder sie halten ihn sich sehr nah vor das Gesicht, näher, als sie es mit einem Kleinkind tun würden. Dieses Verhalten geschieht gleichsam instinktiv, als wüssten die Erwachsenen, dass das Neugeborene sie sonst nicht gut sehen kann. Diese natürlichen Reaktionen der Umgebung zeigen, wie tief das Wissen um die Bedürfnisse eines Neugeborenen in uns verankert ist, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Die Natur hat es so eingerichtet, dass Eltern und Kind in den ersten Tagen und Wochen auf intuitive Weise zueinanderfinden, ohne dass dafür besondere Anleitung nötig wäre.

Die Gewichtszunahme in den letzten Wochen

Das Kind im Bauch wächst in diesen und den nächsten Wochen nicht mehr vorrangig in die Länge, sondern setzt vor allem Fettgewebe an, das ihm nach der Geburt als Energiereserve dienen wird. Diese Zunahme kann bis zu einem guten Viertelkilogramm in der Woche betragen, was einer beachtlichen Menge entspricht und zeigt, wie intensiv der Körper des Kindes in dieser Phase mit dem Aufbau von Reserven beschäftigt ist. Für die werdende Mutter bedeutet dieses wachsende Gewicht eine zunehmende körperliche Belastung, die sich beim Treppensteigen, beim Bücken und beim Schlafen bemerkbar macht. Der werdende Vater kann in dieser Phase eine wichtige Unterstützung sein, indem er der Mutter im Alltag hilft und dafür sorgt, dass sie sich ausreichend ausruhen kann, damit das Kind noch die nötige Zeit im Bauch verbringen kann. Es ist eine Phase, in der die Eltern als Team zusammenwachsen und sich gemeinsam auf die Ankunft des Kindes vorbereiten.

Dabei sollten die Eltern allerdings nicht vergessen, dass die Gewichtszunahme des Kindes keine Einladung ist, selbst übermäßig zu schlemmen, denn die zusätzlichen Pfunde, die Mutter und Vater in dieser Zeit ansetzen, sind nach der Geburt deutlich schwerer wieder loszuwerden. Die Natur hat es so vorgesehen, dass das Kind seine Reserven aufbaut, während der Körper der Mutter die nötige Energie bereitstellt, ohne dass dafür eine übermäßige Nahrungsaufnahme nötig wäre. Eine ausgewogene Ernährung reicht in der Regel aus, um sowohl die Bedürfnisse des Kindes als auch die der Mutter zu decken. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine Schwangere für zwei essen müsse, und dieser Irrtum führt nicht selten zu einer unnötigen Gewichtszunahme, die das Wohlbefinden der Mutter beeinträchtigt.

Der Babyspeck als evolutionärer Vorteil

Der Mensch ist übrigens der einzige unter den Primaten, der sich diesen evolutionär gesehen kostspieligen Babyspeck leistet, und diese Besonderheit verdient eine nähere Betrachtung. Während die Jungtiere der Affen und Menschenaffen ganz dünn und schrumpelig zur Welt kommen, werden menschliche Neugeborene mit runden Pausbacken und dicken Beinchen geboren, die gleichsam signalisieren, dass sie in der Lage sind, einige Tage zu warten, bis die Milch der Mutter vollständig einschießt. Dieser Speck ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langen evolutionären Entwicklung, die dem menschlichen Nachwuchs einen entscheidenden Überlebensvorteil verschafft hat. Einige Forscher vermuten, dass der Babyspeck das starke Gehirnwachstum im ersten Lebensjahr unterstützen soll, denn das menschliche Gehirn verbraucht enorme Mengen an Energie und benötigt eine zuverlässige Reserve. Die große Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy hat eine andere These aufgestellt, die den Babyspeck in einen sozialen Zusammenhang stellt.

Nach ihrer Auffassung entscheidet eine Menschenmutter als einzige unter den Primatenmüttern bewusst nach der Geburt, ob sie dieses Kind aufziehen kann oder nicht, und die Säuglinge versuchen daher, so kräftig, gesund und vor allem so durchhaltefähig wie möglich auszusehen. Damit signalisieren sie der Mutter, dass sie problemlos die ersten Tage überbrücken können, bis die Milch vollständig fließt, und dass es sich lohnt, in ihre Aufzucht zu investieren. Jedes Menschenkind trägt gleichsam die stille Gewissheit in sich, dass es nur überleben kann, wenn jemand bereit ist, sich in den kommenden Jahren rund um die Uhr um es zu kümmern. Diese Abhängigkeit ist der Preis, den die Natur für die außergewöhnliche Entwicklungsfähigkeit des menschlichen Gehirns verlangt, und sie ist zugleich der Kitt, der die Bindung zwischen Eltern und Kind so stark und unauflöslich macht. Der Babyspeck ist somit nicht bloß eine physiologische Reserve, sondern ein stummes Versprechen des Kindes an seine Eltern, dass sich die Mühe der Aufzucht lohnen wird.

Die körperliche Reifung in der Spätphase der Schwangerschaft

In dieser Phase der Schwangerschaft vollziehen sich auch wichtige körperliche Entwicklungen, die für das spätere Leben des Kindes von Bedeutung sind. Wenn die Eltern ein Mädchen erwarten, bildet sich in diesen Wochen die Klitoris weiter aus und nimmt ihre endgültige Form an. Bei einem Jungen wandern etwa gegen Ende des achten Schwangerschaftsmonats die Hoden aus dem Bauchraum abwärts in den Hodensack, ein Vorgang, der in der Regel vor der Geburt abgeschlossen ist. Diese körperlichen Veränderungen geschehen still und unbemerkt im Inneren der Gebärmutter und zeigen, wie präzise die Natur auch die kleinsten Details der Entwicklung geplant hat. Die Eltern können diese Vorgänge nur erahnen, doch das Wissen darum kann helfen, die Komplexität des Wachstums im Mutterleib besser zu verstehen.

Der Platz wird enger und das Fruchtwasser erneuert sich

Ansonsten wird es langsam eng in der Gebärmutter, doch das Kind hat noch einige Zeit Platz, um sich in die richtige Geburtsposition zu drehen und seine Lage zu finden. Nur an die ausgedehnten Turnübungen der vorigen Wochen ist nicht mehr zu denken, denn der Raum für große Bewegungen wird zunehmend kleiner. Das Kind schwimmt jetzt in etwa einem knappen Liter Fruchtwasser, das der Körper der Mutter in bemerkenswerter Weise ungefähr alle drei Stunden vollständig erneuert. Diese ständige Erneuerung ist eine Meisterleistung des mütterlichen Organismus und zeigt, wie aufmerksam der Körper der Mutter für das Wohlergehen des Kindes sorgt. Die regelmäßige Erneuerung des Fruchtwassers ist auch deshalb notwendig, weil das Kind in dieser Phase bereits ganz ordentlich schluckt, trinkt und auch ausscheidet.

Ja, das Kind scheidet tatsächlich bereits im Mutterleib aus, und es ist dem mütterlichen Körper zu verdanken, dass die Gebärmutter immer mit frischem, sauberem Fruchtwasser versorgt wird und das Kind stets in einer hygienischen Umgebung schwimmt. Dieser Kreislauf aus Aufnahme und Ausscheidung ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf das Leben außerhalb des Mutterleibs, denn er trainiert die Nieren und den Verdauungstrakt des Kindes. Die Mutter bemerkt von all diesen Vorgängen in der Regel nichts, und doch vollbringen ihr Körper und der des Kindes Tag für Tag eine erstaunliche Leistung. Es ist ein stilles Zusammenspiel zweier Organismen, das in seiner Präzision und Eleganz immer wieder aufs Neue staunen lässt.

Die Ausformung der kindlichen Persönlichkeit

Das Kind bildet in dieser Phase immer mehr seine eigene Persönlichkeit aus, sowohl in körperlicher als auch in seelischer Hinsicht, und wird damit mehr und mehr zu einem individuellen Wesen. Durch die Fetteinlagerungen im Gesicht bilden sich seine individuellen Gesichtszüge stärker heraus, und es erhält jenes unverwechselbare Aussehen, das es ein Leben lang begleiten wird. Außerdem reifen im Gehirn die Zentren, die für die Persönlichkeit zuständig sind, und das Kind entwickelt schon eigene kleine Gewohnheiten, die sich nach der Geburt in seinen Schlaf- und Wachrhythmen zeigen werden. Manche Kinder sind bereits im Bauch ruhiger, andere aktiver, und diese Unterschiede sind keine Einbildung der Eltern, sondern Ausdruck einer sich formenden Individualität. Die Eltern dürfen sich darauf freuen, nach der Geburt ein Wesen kennenzulernen, das bereits eine eigene kleine Geschichte und eigene Vorlieben mitbringt.

Auch der Körper der Mutter bereitet sich in dieser Zeit auf die kommende Aufgabe vor, denn die Brüste stellen sich auf das Stillen ein und beginnen, sich für die Milchproduktion zu rüsten. Es können bereits die ersten Tropfen einer Vormilch sichtbar werden, die zeigt, dass der Körper der Mutter sich auf die Ernährung des Kindes nach der Geburt vorbereitet. Dieser Prozess geschieht ganz von selbst und erfordert kein Zutun der Mutter, denn die Hormone der Schwangerschaft steuern die Vorbereitung der Brustdrüsen mit großer Zuverlässigkeit. Die werdende Mutter kann diesen Veränderungen mit Gelassenheit begegnen und darauf vertrauen, dass ihr Körper weiß, was er tut.

Die Frage nach der kindlichen Lage vor der Geburt

Gegen Ende dieser Wochen kommt die spannende Frage auf, wie das Kind im Bauch liegt, und diese Frage beschäftigt die werdenden Eltern oft sehr. Das Kind kann sich immer noch drehen, und mal tastet man unter dem Rippenbogen der Mutter den Kopf, mal den Po, mal liegt es mit dem Rücken zur einen, mal zur anderen Seite. Aber im Laufe dieser Wochen wird es immer häufiger mit dem Kopf nach unten liegen, denn die Schwerkraft und die Form der Gebärmutter begünstigen diese Position. Ab dem neunten Monat bleiben drei Viertel aller Kinder in dieser sogenannten Schädellage liegen und bereiten sich auf den Weg durch den Geburtskanal vor. Zwei Wochen vor der Geburt sitzen nur noch vier bis fünf von jeweils hundert Neugeborenen mit dem Po voraus im Becken der Mutter, was als Beckenendlage bezeichnet wird.

Egal, ob das Kind in Schädellage oder in Beckenendlage liegt, ist eine natürliche Geburt grundsätzlich möglich, und die Eltern sollten sich nicht vorschnell verunsichern lassen, wenn das Kind noch nicht die gewünschte Position eingenommen hat. Die Hebammen und Ärzte kennen verschiedene Möglichkeiten, um das Kind in den letzten Wochen noch zur Drehung zu bewegen, und auch während der Geburt selbst kann sich die Lage noch verändern. Wichtig ist, dass die Eltern in engem Kontakt mit ihrer Hebamme oder ihrem Arzt bleiben und sich regelmäßig untersuchen lassen, um die Lage des Kindes im Blick zu behalten. Die Natur hat über Jahrtausende hinweg Mechanismen entwickelt, die eine sichere Geburt in den allermeisten Fällen gewährleisten, und dieses Vertrauen in den natürlichen Vorgang kann den Eltern in den letzten Wochen viel Gelassenheit schenken.

 

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