Die Illusion der Finanzmärkte und die Realität der Verteilung

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Die moderne Finanzwelt hüllt sich gerne in ein Gewand aus scheinbarer Komplexität und technischer Überlegenheit, um ihre wahren Mechanismen vor der breiten Öffentlichkeit zu verbergen. Wer die Sprache der Geldmärkte entschlüsselt, erkennt schnell, dass es sich oft um reine Inszenierungen handelt, die von der realen wirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Gleichzeitig offenbart ein genauer Blick auf die Verteilung des erwirtschafteten Wohlstands in unserer Gesellschaft tiefe strukturelle Ungerechtigkeiten, die durch politische Rahmenbedingungen systematisch zementiert werden.

Die scheinbare Magie eines seltenen Buchstabens

In der deutschen Sprache kommt der Buchstabe X nur äußerst selten vor und macht gerade einmal einen winzigen Bruchteil des gesamten Schriftbildes aus. Für die Finanzindustrie scheint dieser seltene Buchstabe jedoch eine geradezu magische Anziehungskraft zu besitzen, da er gezielt für die Namensgebung verschiedener Produkte verwendet wird. Ob es sich um elektronische Handelssysteme oder spezielle Indexfonds handelt, die Bezeichnungen stehen angeblich für Dynamik und Innovation. Die Branchenvertreter versuchen den Anlegern hier jedoch einen Bären aufzubinden, denn hinter den klangvollen Namen verbirgt sich oft nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Der Einfluss fremdsprachiger Variablen

Noch seltener als das X tritt in deutschen Texten der Buchstabe Y auf, was im starken Kontrast zur englischen Sprache steht. Dort begegnet man diesem Zeichen weitaus häufiger, weshalb in der Wirtschaftswissenschaft statt des deutschen Begriffes für das Volkseinkommen schlicht der einzelne Buchstabe Y verwendet wird. Diese Übernahme fremdsprachiger Variablen unterstreicht den starken angelsächsischen Einfluss auf die theoretische Betrachtung unserer Märkte. Es handelt sich um eine bewusste Abgrenzung, die den Anschein wissenschaftlicher Exaktheit erwecken soll.

Die historischen Wurzeln des Handelsplatzes

Die Ursprünge des modernen Wertpapierhandels reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als sich bedeutende Kaufleute in den Räumlichkeiten einer Familie im belgischen Brügge trafen. Der Name dieser Familie diente in der Folgezeit als allgemeine Bezeichnung für den Handelsplatz und fand in vielfältiger Form Eingang in die europäischen Sprachen. Dies war besonders passend, da der Familienname ursprünglich auf das mittelalterliche Wort für das Geldsäckchen zurückging. Aus diesem historischen Begriff entwickelten sich die heutigen Bezeichnungen in den verschiedenen Landessprachen für den Ort des finanziellen Umschlagplatzes.

Die Aura des vornehmen Parketts

Ursprünglich wurde der physische Ort des Handels auch als Parkett bezeichnet, was an die edlen Holzfußböden der Oberschicht erinnerte. Das einfache Volk musste sich damals mit schlichten Holzbohlen begnügen, weshalb der Handelsraum automatisch eine Aura des vornehm Gediegenen ausstrahlte. In diesen Räumlichkeiten trafen die Händler auf die Makler, und es ging oft sehr turbulent und lautstark zu. Die Akteure eilten über den Holzboden und riefen sich gegenseitig ihre Kauf- und Verkaufsangebote in einer Art Zurufhandel zu.

Der lautlose Handel durch Maschinen

Der heutige Wertpapierhandel findet völlig lautlos statt und besteht im Wesentlichen aus der automatischen Zusammenführung passender Kauf- und Verkaufsaufträge durch Rechner. Diese technische Verknüpfung der Geschäfte wird von emotionslosen Maschinen durchgeführt, was einen krassen Gegensatz zu den menschlichen Händlern der Vergangenheit bildet. Die Kakophonie der vergangenen Jahrhunderte wurde durch ein rein mathematisches und technisches Verfahren ersetzt. Das bekannteste Beispiel für diese Entwicklung ist das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt, das eine völlig ortsunabhängige Teilnahme ermöglicht.

Die Inszenierung für die Öffentlichkeit

Trotz der rein digitalen Abwicklung stehen die Rechner nicht in einem kahlen Betonraum, und es gibt quasi noch immer ein physisches Parkett. Wenn man von der Besuchergalerie in den Frankfurter Saal blickt, sieht man überraschenderweise Personen, die geschäftig hin und her eilen. Dieses Gerenne hat jedoch nichts mit der eigentlichen Kursbildung zu tun, sondern dient als reine Staffage für die Inszenierungen der Branche. Die anwesenden Spezialisten tauschen dort lediglich Informationen aus und erzeugen eine bestimmte Marktstimmung, um neue Geschäfte anzubahnen.

Das Parkett als reines Marketinginstrument

Die Finanzindustrie benötigt dieses sichtbare Informationsvehikel, damit sich potenzielle Anleger unter der abstrakten Materie überhaupt etwas Konkretes vorstellen können. Bankvertreter geben offen zu, dass sie eine anschauliche Darstellungsform brauchen, um das Prinzip des Wertpapierhandels für die Massen verständlich zu machen. Das historische Parkett hat sich somit zu einem reinen Marketinginstrument entwickelt, was die ursprünglichen Kaufleute im Grabe rotieren lassen würde. Das eigentliche Geld wird längst unsichtbar am Rechner verdient, weit weg von den Kameras der Fernsehsender.

Indizes als Werkzeug für Spekulationen

Ein Börsenindex bildet eigentlich nur die Wertentwicklung bestimmter Finanzinstrumente ab, übernimmt in der Praxis aber viel weitergehende Funktionen. Er dient als Vergleichsmaßstab und hat sich zu einem reinen Spekulationsinstrument entwickelt, auf dessen Steigerung oder Fall man wetten kann. Wenn ein solcher Index zum reinen Handelsobjekt wird, kann die Finanzindustrie damit enorme Umsätze und folglich höhere Provisionen generieren. Daher haben die Banken ein riesiges Interesse daran, möglichst viele dieser Kennzahlen als eigene Produkte anzubieten.

Die unendliche Vielfalt der Kennzahlen

Bei der Konstruktion dieser Kennzahlen gibt es nahezu unendliche Möglichkeiten, die weit über die bekannten Zusammenstellungen hinausgehen. Allein in Deutschland existieren über 1200 börsennotierte Aktiengesellschaften, aus denen man die unterschiedlichsten Gruppen bilden kann. Man könnte problemlos einen Branchenindex aus den 30 größten Stahlunternehmen oder einen Regionalindex aus den 40 größten bayrischen Firmen basteln. Die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten ist derart unfassbar hoch, dass man bei nur zehn zugrunde gelegten Firmen bereits 120 verschiedene Indizes erstellen könnte.

Die bunte Welt der indexorientierten Anlagen

Da die Erstellung so einfach ist, gibt es davon wie Sand am Meer, was sich gut an den Angeboten der großen Banken ablesen lässt. Die Internetplattformen für börsengehandelte Indexfonds geben einen Einblick in die bunte Spekulationswelt für anlegerorientierte Kunden. Diese Personen partizipieren über entsprechende Kennzahlen an der Entwicklung von Aktien-, Rohstoff- oder Geldmärkten und finden über alle Anlagekategorien hinweg mehr als 150 Möglichkeiten. Neben den klassischen Aktienindizes gibt es auch spezielle Rohstoffindizes, die Dutzende Waren aus den Bereichen Energie, Edelmetalle und sogar Lebendvieh enthalten.

Das gesamte Spektrum der Spekulationsmöglichkeiten

Wem diese Vielfalt noch nicht reicht, der kann auf weiteren Internetplattformen der Großbanken nach zusätzlichen Spekulationsmöglichkeiten fahnden. Dort wird das gesamte Spektrum moderner Anlagemöglichkeiten angeboten, was von klassischen Optionen über strukturierte Anleihen bis hin zu komplexen Hebelprodukten und Schuldverschreibungen reicht. Täglich gibt es mehrere hundert Neuemissionen, sodass im Durchschnitt über 80000 Produkte im Volumen von knapp 40 Milliarden Euro handelbar sind. Wohlgemerkt handelt es sich hier nur um das Spekulationsangebot einer einzigen Bank, was die schiere Masse des verfügbaren Kapitals erahnen lässt.

Die Abkopplung von der realen Wirtschaft

An dieser Stelle wird überdeutlich, dass die sogenannten Finanzinnovationen nichts mehr mit substanzorientiertem Investment zu tun haben. Es gibt keinerlei reale wirtschaftliche Implikationen mehr, die positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt oder die Gütermärkte hätten. Die Finanzwelt hat sich ein eigenes Universum geschaffen, in dem lediglich um die Verteilung bestehender Werte gerungen wird. Dieser Umstand zeigt, wie weit sich die theoretischen Modelle der Geldmärkte von der tatsächlichen menschlichen Arbeit entfernt haben.

Die Erfassung des gesamtwirtschaftlichen Einkommens

Die meisten Haushalte erwirtschaften ihre Einkünfte aus verschiedenen Quellen, die steuerlich exakt erfasst werden müssen. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, bei der es um die Erfassung der Situation für ein ganzes Land geht, werden diese Quellen etwas grober zusammengefasst. Man unterteilt dort die Größen in Arbeitnehmerentgelt sowie Unternehmens- und Vermögenseinkommen. In der Summe bilden beide das Volkseinkommen, welches in der Fachliteratur oft mit dem einzelnen Buchstaben Y abgekürzt wird.

Die Verteilung des Wohlstands im Jahr 2012

Für das Jahr 2012 wurde in Deutschland ein Volkseinkommen in Höhe von 2035 Milliarden Euro ermittelt, wobei auf die Unternehmens- und Vermögenseinkommen 657 Milliarden Euro entfielen. Dies entspricht einer Gewinnquote von 32 Prozent, während die Arbeitnehmerentgelte 1378 Milliarden Euro und damit 68 Prozent ausmachten. Die Lohnquote entwickelt sich dabei trendmäßig nach unten, da sie zu Beginn der 1980er Jahre mit 75 Prozent ihren Höchstwert erreichte. Im Jahr 2000 lag dieser Wert immerhin noch bei 72 Prozent, was den schleichenden Verlust an relativer wirtschaftlicher Macht der Arbeitenden belegt.

Der reale Kaufkraftverlust der Beschäftigten

Bei einer Betrachtung über zehn Jahre der deutschen Arbeitnehmerentgelte fällt auf, dass die Wachstumsraten recht bescheiden und gleichförmig verlaufen. Durchschnittlich ergab sich pro Jahr eine nominale Erhöhung um 1,28 Prozent, wobei Preissteigerungen in diesen Werten noch nicht herausgerechnet sind. Unter Berücksichtigung einer jährlichen Inflationsrate von durchschnittlich 1,65 Prozent mussten die Beschäftigten in diesem Zeitraum einen realen Kaufkraftverlust hinnehmen. Bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen sieht es hingegen ganz anders aus, da hier ein durchschnittlicher Zuwachs von 4,33 Prozent pro Jahr zu verzeichnen war.

Die starken Schwankungen der Kapitaleinkünfte

Im Gegensatz zu den starren Löhnen schwanken die einzelnen Steigerungsraten der Kapitaleinkünfte jedoch erheblich, was das Risiko und die Chance dieser Anlageform widerspiegelt. In den Jahren 2008 und 2009, also nach dem Ausbruch der 1. großen Finanzkrise, sanken diese Einkommen massiv um bis zu 13,5 Prozent. Dafür gab es allerdings auch herausragende Jahre mit enormen Zuwachsraten von über 13 Prozent, was die extreme Volatilität des Kapitals verdeutlicht. Blickt man speziell auf die Vermögenseinkommen privater Haushalte, ergibt sich ebenfalls ein über der durchschnittlichen Wachstumsrate der Löhne liegender Wert.

Der sozialpolitische Sprengstoff der Abgaben

Aus diesem Zahlenmaterial lassen sich bereits eindeutige Indizien für die Bevorzugung von Finanzanlagen gegenüber dem Faktor Arbeit ableiten. Noch klarer werden die Zusammenhänge, wenn wir zum verfügbaren Einkommen gelangen, welches sich nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben ergibt. In allen diesen drei Größen steckt gewaltiger sozialer Sprengstoff, der die gesellschaftliche Spaltung massiv vorantreibt. Der Staat greift bei der Versteuerung von Arbeitseinkommen deutlich stärker zu als bei Kapitaleinkünften, was zu einer massiven Schieflage führt.

Die ungerechte Last der Steuerzahlenden

Die magere Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge ist nur ein Teilaspekt, denn hinzu kommen unzählige Möglichkeiten zur legalen Steuervermeidung durch große Konzerne. Die Effekte dieser großanlegerfreundlichen Steuerpolitik werden durch Studien belegt, wonach Lohnempfänger etwa 68 Prozent des Volkseinkommens erwirtschaften. Ihr Beitrag zum Steueraufkommen ist mit knapp 80 Prozent jedoch überproportional hoch, während von den Unternehmenseinkommen lediglich etwa 20 Prozent an den Staat fließen. Dies zeigt deutlich, wie stark die politische Gestaltung die Vermögensverschiebung nach oben begünstigt.

Die systematische Belastung der Löhne

Auch bei den Sozialabgaben ist der Trend eindeutig, da das primäre Ziel der Regierung stets die Senkung der sogenannten Lohnnebenkosten ist. Die Akzentuierung auf eine unternehmerfreundliche Politik ist unübersehbar, indem die Last durch höhere Beitragsbelastungen systematisch den Lohnempfängern aufgebürdet wird. Dies beginnt mit den Zusatzbeiträgen in der Krankenversicherung und endet mit der sukzessiven Umstellung des Rentensystems auf eine private Vorsorge. Die Beschäftigten müssen somit nicht nur höhere Abgaben leisten, sondern tragen auch das volle Risiko der privaten Kapitalmärkte für ihr Alter.

Die fragwürdige Verteilung der Transferzahlungen

Jede Erhöhung des Kindergeldes wird von der Regierung gerne als soziale Wohltat gefeiert, doch die tatsächliche Einkommenswirkung ist höchst unterschiedlich. Bei der Einkommensteuer wird das gezahlte Kindergeld so verrechnet, dass bei hohen Einkommen eine zusätzliche Steuerersparnis durch die Kinderfreibeträge entsteht. Je wohlhabender eine Familie also ist, desto größer ist der über diese Prüfung anfallende Einkommenseffekt, während das Geld bei Bedürftigen nur das Existenzminimum sichert. Wohlhabende Familien benötigen diese Mittel nicht zur Bestreitung des Lebensunterhaltes und legen sie stattdessen gewinnbringend an.

Die Ideologisierung der Familienpolitik

Zu den Transferzahlungen gesellt sich seit einiger Zeit auch eine finanzielle Belohnung für Eltern, die ihr Kind nicht in einer Tagesstätte unterbringen. Aus ideologischer Verblendung heraus werden hier Milliardensummen verpulvert, die an anderer Stelle weitaus besser eingesetzt wären, um die echte Kinderbetreuung zu fördern. Man hat halt das traditionelle Bild von der Familie vor Augen, in dem ein Elternteil zu Hause bleibt und sich rührend um den Nachwuchs kümmert. Diese Herdprämie belohnt ein veraltetes Rollenverständnis, während bei Transferzahlungen für sozial Benachteiligte rigoros gespart wird.

Die extreme Schieflage der Verteilung

Stellt man die Verteilungsrechnung des Volkseinkommens und die Gleichung zur Ermittlung des verfügbaren Einkommens kritisch auf den Prüfstand, wird das Ausmaß der Ungerechtigkeit sichtbar. Im Endeffekt kommt dabei eine extreme Schieflage bei der Aufteilung des immer noch wachsenden wirtschaftlichen Kuchens heraus. Die politischen Rahmenbedingungen zementieren diese Ungleichheit, anstatt sie durch ein gerechtes Steuer- und Sozialsystem auszugleichen. Die Finanz- und Kapitaleigentümer profitieren auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, was den sozialen Zusammenhalt langfristig gefährdet.

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