Die historische Transformation von Gewalt und die Ökonomisierung der Herrschaft

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Die historische Entwicklung der menschlichen Gesellschaften ist von einem ständigen Wandel der Machtstrukturen geprägt, wobei die Art und Weise, wie Konflikte ausgetragen und Ressourcen angeeignet werden, tiefgreifenden Transformationen unterliegt. Im Zentrum dieser Betrachtung steht die Frage, inwieweit militärische Gewalt durch ökonomische Mechanismen ersetzt oder lediglich in eine zivilisiertere Form gekleidet wurde. Die philosophische und politische Debatte darüber, ob der moderne Handel die kriegerische Eroberung tatsächlich überwunden hat oder ob er nur eine andere Facette derselben imperialen Logik darstellt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte. Diese Analyse beleuchtet die Spannungen zwischen liberalen Idealen der friedlichen Konkurrenz und der historischen Realität gewaltsamer Unterwerfung.

Die liberale Verwandlung von Krieg in Wettbewerb

Ausgehend von der Prämisse, dass Frieden zwischen reichen Nationen und einzelnen Individuen nur unter bestimmten Voraussetzungen erreichbar ist, entwickelte das liberale Denken die Schlussfolgerung, militärische Feindseligkeiten in ökonomische Konkurrenz umzuwandeln. Die Funktionen des Staates sollten demnach auf eine einzige Kernaufgabe beschränkt werden, nämlich die Sicherheit von Gütern und Menschen zu gewährleisten, was im Wesentlichen der Aufgabe der Polizei entspricht. Der Markt und das Recht, die sich zunächst auf nationaler Ebene und später auf transnationaler Ebene etablierten, sollten es ermöglichen, die natürlichen Eroberungsgelüste zu regulieren und ihnen eine zivilisierte Form zu geben. Diese theoretische Verschiebung wurde von bestimmten politischen Theoretikern als ein fundamentaler Niedergang des eigentlichen Begriffs des Politischen analysiert.

Die Auflösung des Politischen durch Ethik und Ökonomie

Es ist stets zu beachten, dass sich diese liberalen Konzepte in einer typischen Weise zwischen ethischen Geisteshaltungen und ökonomischen Geschäftsinteressen bewegen. Von diesen beiden polaren Seiten her versuchen sie, das Politische als eine Sphäre der erobernden Gewalt vollständig zu vernichten. Dabei dient der Begriff des privatrechtlichen Staates als Hebel, während das Privateigentum das Zentrum bildet, von dem Ethik und Ökonomie nur als gegensätzliche Ausstrahlungen ausgehen. Ethisches Pathos und ökonomisch-realistische Sachlichkeit verbinden sich in jeder typisch liberalen Äußerung und verleihen jedem politischen Begriff ein völlig verändertes Gesicht. So wird der politische Begriff des Kampfes im liberalen Denken auf der wirtschaftlichen Seite zur Konkurrenz und auf der geistigen Seite zur Diskussion.

Die Dynamik ewiger Konkurrenz statt klarer Zustände

An die Stelle einer klaren Unterscheidung der beiden verschiedenen Zustände von Krieg und Frieden tritt im liberalen Weltbild die Dynamik einer ewigen Konkurrenz und einer ewigen Diskussion. All diese theoretischen Auflösungen zielen mit großer Sicherheit darauf ab, den Staat und die Politik teils einer individualistischen und daher privatrechtlichen Moral zu unterwerfen. Gleichzeitig sollen sie ökonomischen Kategorien untergeordnet und ihres spezifischen politischen Sinnes beraubt werden. Dennoch zeugten historische Großereignisse wie das Unternehmen Barbarossa nicht nur von einer gewaltsamen Wiederkehr des Politischen als Sphäre der erobernden Gewalt. Sie offenbarten gleichzeitig eine tief verwurzelte ökonomisch-realistische Sachlichkeit, die den liberalen Ansprüchen widersprach.

Die historische Bühne der Eroberung und Befriedung

Was den liberalen Flügel der Geschichte betrifft, so bildete die Herrschaft des Marktes und des Rechts die Bühne für ein gewaltiges Unternehmen der Eroberung und anschließenden Befriedung. Dies betraf nicht nur die als barbarisch angesehenen Völker der bekannten Welt von Germanien bis zum Indus und nach Judäa. Es umfasste gleichermaßen die gesamte amerindianische, afrikanische und asiatische Menschheit, die in diesen Prozess einbezogen wurde. Die militärische Überlegenheit des westlichen Rationalismus und seine eiserne Hand waren derart stark ausgeprägt, dass man sich zeitweise fragte, ob die Körper dieser mächtigen Eroberer überhaupt der natürlichen Verwesung unterlägen. Von den antiken römischen Legionen bis zu den modernen Konquistadoren könnte die Überlegenheit des Westens durch ein und dieselbe Mentalität der Eroberung charakterisiert werden.

Der anthropologische Jagdinstinkt und seine Kritiker

Die letzte anthropologische Triebfeder dieser Eroberungszüge wurde von einigen Forschern dahingehend beschrieben, dass diese Akteure trotz aller politischen und gesellschaftlichen Kultur einen hinreichend starken Jagdinstinkt bewahrt hätten. Dieser Instinkt befähigte sie dazu, über ihre Mitmenschen wie über Beutetiere herzufallen und ihre Opfer mit einer Missachtung des Lebens zu töten, die man sonst nur bei wild lebenden Tierarten findet. Andere Anthropologen bestreiten jedoch die Wohlbegründetheit der vom ethologischen Determinismus inspirierten These, wonach der Krieg lediglich die Folge eines Aggressionstriebs tierischen Ursprungs sei. Sie bemerken, dass eine solche Sichtweise im Vergleich zu der Analyse, die den Krieg als eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln begreift, einen schlimmen theoretischen Rückschritt darstelle.

Der ökonomische Unterbau von Gewalt und Herrschaft

Bekanntlich wurde bereits in der Vergangenheit der Einwand erhoben, dass Gewalt von einem ökonomischen Unterbau abhängt und nicht von einer archetypischen Beziehung, zu der irgendeine isolierte Robinsonade den Schlüssel liefern könnte. Ein Jahrhundert später wurde dieser Einwand dahingehend fortgeführt, dass die meisten Thesen über die Sklaverei von den Verhältnissen zwischen Herr und Knecht ausgehen, ausgedrückt in Termini des Eigentums. Ihnen zufolge ist dieses Verhältnis primär und ausreichend, um die Gesamtheit des Sklavenphänomens zu umschreiben. Doch um die Sklaverei als System oder eventuell als Produktionsweise zu begreifen, muss es eine Kontinuität der Sklavenverhältnisse geben. Diese Verhältnisse müssen sich organisch und institutionell reproduzieren, derart, dass sie die soziopolitische Sklavenorganisation bewahren und soziale Gruppen in einem spezifischen und unablässig erneuerten Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnis miteinander in Beziehung setzen.

Die systematische Organisation des Menschenfangs

Somit würden die Expeditionen oder Razzien zum gewaltsamen Einfangen von Arbeitskräften von ihrem Prinzip her nicht auf einem Aggressionstrieb beruhen, auch nicht auf einem erobernden Rationalismus. Stattdessen basieren sie auf einem spezifischen gesellschaftlichen Verhältnis, das anschließend den rationalen Horizont der Mittel und Zwecke der Politik absteckt. Die historische Analyse hat gezeigt, dass das Herr-Knecht-Verhältnis das Nebenprodukt eines Verhältnisses ist, das sich im Rahmen des globalen ökonomischen Raums der Sklaverei herstellt. Es handelt sich um eine Beziehung zwischen sklavenhaltenden Gesellschaften und menschenproduzierenden Gesellschaften. Diese Beziehung stellt sich überdies mittels einer komplexen Gesamtheit von Apparaten her, die geschaffen wurden, um diesen Raum ökonomisch zu organisieren, einschließlich eines Militär- und Handelsapparates, der den Fang und den Transfer der Menschen von den einen zu den anderen gewährleistet.

Die nackte Gewalt zwischen ungleichen Gesellschaften

Der Anthropologe räumt jedoch sogleich ein, dass zwischen den Sklavenhaltergesellschaften und jenen Gesellschaften, denen die versklavten Arbeitskräfte entzogen wurden, kein formelles Verhältnis besteht. Es existiert keine andere Beziehung als die nackte Gewalt, die eine der Parteien aufzwingt, ohne dass je der Krieg erklärt oder Frieden geschlossen würde. Dies lässt sich mit dem naturphilosophischen Vergleich zusammenfassen, dass große Fische von Natur bestimmt sind, die kleineren zu fressen, und sich daher mit dem höchsten natürlichen Recht des Wassers bemächtigen. Man könnte sich die Herrschaft des antiken Roms über die barbarischen Völker in einer ähnlichen Weise vorstellen. Zumindest lautet die Ansicht mancher Historiker, dass die materiellen Bedingungen, die es am Ende der Republik einer begrenzten Gruppe von Menschen gestatteten, die römische Freiheit zu genießen, unter anderem dadurch geschaffen wurden, dass innerhalb von zehn Jahren vielleicht eine Million Gallier massakriert und eine weitere Million versklavt wurde.

Der Übergang von militärischem Imperialismus zur Handelsjurisdiktion

Dies könnte insgesamt ein Fünftel der damaligen Bevölkerung Nordeuropas betroffen haben, was die brutale Effizienz dieser Expansion verdeutlicht. Mit dem Aufkommen einer Weltwirtschaft zwischen dem fünfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert, als Nachfolgerin der Herrschaft eines Weltreichs, vollzog sich ein zivilisatorischer Umbruch. Dieser wurde insbesondere am Sieg der holländischen Kaufleute über die imperialen Ambitionen Spaniens erkennbar. Es stellt sich die Frage, ob damit die Jurisdiktion des Warenhandels den militärischen Imperialismus entthront hat, indem auf die letztendlich instinktive, egoistische und bornierte Herrschaft der Plünderung eine Herrschaft liberaler Zivilisiertheit folgte. Genau das behaupten einige Kommentatoren, die darlegen, dass bestimmte moderne Großmächte, weit davon entfernt, imperialistische und räuberische Ambitionen zu verfolgen, bemüht sind, die zivilisatorischen Errungenschaften einer auf den Warenhandel und die freie Arbeit konzentrierten Weltwirtschaft zu bewahren.

Die Rolle der modernen Großmächte als Weltpolizisten

Als Beweis für diese These wird häufig die Außenpolitik im Mittleren Osten angeführt, wobei eingeräumt wird, dass Militärinterventionen am Persischen Golf ganz offensichtlich nicht vom Altruismus motiviert waren. Dennoch werden sie wiederum in die Perspektive einer Weltwirtschaft eingefügt, die die Nachfolge der Herrschaft der Weltreiche angetreten habe. Die betreffenden Mächte möchten ihre eigene Versorgungssicherheit garantieren und ihren Einfluss gegenüber den Exportnationen sichern, worin sie sich in nichts von anderen globalen Akteuren unterscheiden. Dennoch gibt es einen wichtigen Unterschied, da die verwendeten Methoden zur Sicherung des Einflusses und der Versorgung nicht nur den Abschluss von politischen Allianzen oder Handelsbündnissen umfassen. Sie beinhalten auch die Entfaltung ziemlich massiver Gewalt, um diejenigen abzuschrecken, die in Verfolgung ihrer eigenen Machtträume den Öl- und Gashandel zu unterbrechen oder zu stören suchen.

Die Stabilisierung der globalen Energiemärkte

Diese Dimension der Energiepolitik, die mit dem, was andere Mächte tun, nicht zu vergleichen ist, kommt angeblich allen Staaten auf dem Planeten zugute. Sie garantiert den Verbrauchern ihre Versorgung und den Produzenten die erfolgreiche Auslieferung ihres Produkts. In einem Punkt haben die Kritiker dieser Großmächte also Recht, denn dieses Land ist ein Akteur, der sich von allen anderen Akteuren auf den Öl- und Gasmärkten unterscheidet. Dies liegt jedoch nicht daran, dass es von Geiz und Raubsucht getrieben wäre, auch nicht daran, dass die Energieversorgung für die Außenpolitik eine wichtige Rolle spielt, was für alle Länder der Welt gilt. Die Besonderheit besteht vielmehr darin, dass es der einzige Weltpolizist der Öl- und Gasversorgung ist, dessen Existenz die Risiken aller anderen in diesen Markt einbezogenen Länder verringert.

Die Parallelen zwischen antiker und moderner Hegemonie

Lässt sich dasselbe aber nicht auch von Rom sagen, das eine ähnliche Funktion erfüllte? Die Pax Romana etablierte eine befriedete und durch das Recht geordnete Handelsordnung, um die Bedingungen eines universellen Wohlstands zu gewährleisten. Die Sache ist, wie es scheint, archäologisch gut untermauert, denn der militärische Imperialismus des antiken römischen Gemeinwesens sicherte einen materiellen und kulturellen Wohlstand. Dieser kam nicht nur den römischen Bürgern, sondern auch den barbarischen Völkern zugute. Dieser Wohlstand war nach dem Bilde des Wohlstands im Kapitalismus außergewöhnlich, verglichen nicht nur mit der archaischen Vergangenheit, sondern auch mit der mittelalterlichen Zukunft.

Der historische Bruch zur kapitalistischen Weltwirtschaft

Die römische Herrschaft und vor allem der römische Frieden brachten ein Niveau an alltäglichen Annehmlichkeiten und Fortschrittlichkeit in den Westen, das vorher und auch nachher viele Jahrhunderte lang nicht zu beobachten war. Dennoch besteht zwischen der Herrschaft Roms in der Antike und der relativen Hegemonie Nordamerikas ein großer Unterschied, der im Grunde einem richtiggehenden historischen Bruch gleichkommt. Dieser Bruch wird zwischen dem fünfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert angesiedelt. Denn was Europa entwickeln sollte und was es heute noch aufrechterhält, war eine völlig neue Form der Überschussaneignung, eine kapitalistische Weltwirtschaft. Sie basierte nicht mehr auf der direkten Aneignung des landwirtschaftlichen Überschusses in der Form von Tributen wie bei Weltreichen oder feudalen Renten wie im System des europäischen Feudalismus.

Der Aufstieg des Weltmarktmechanismus

Was sich stattdessen entwickelte, war eine auf effizientere und erweiterte Produktivität gegründete Aneignung des Überschusses, zunächst in der Landwirtschaft und später in der Industrie. Dies geschah mittels eines Weltmarktmechanismus mit der artifiziellen, das heißt nichtmarktwirtschaftlichen, Unterstützung von Staatsapparaten. Keiner dieser Staatsapparate kontrollierte den Weltmarkt in seiner Gesamtheit, was eine grundlegende Neuerung darstellte. Dieser Weltmarktmechanismus hat sich nunmehr genügend Ruhm erworben, damit die Völker der Welt seine Herrschaft akzeptieren. Die Amsterdamer Kaufleute hatten dies begriffen, als verschiedene Monarchen vergeblich versuchten, die Souveränität des westlichen Heiligen Römischen Reichs wiederherzustellen.

Das Ende der theologisch-politischen Weltkontrolle

Als die visionäre Strategie der protestantischen Kaufleute es Amsterdam ermöglichte, an der Wende vom sechzehnten zum siebzehnten Jahrhundert zu einem der wichtigsten Häfen Europas und zum Finanzzentrum des Kontinents zu werden, wussten sie im Übrigen, dass keine theologisch-politische Macht mehr in der Lage sein würde, den Weltmarkt in seiner Gesamtheit zu kontrollieren. Ein anonymer ökonomischer Mechanismus trat endgültig an die Stelle des antiken Glanzes der Stadt Rom und später des mittelalterlichen Königtums. Deren Glorienschein lebte nur noch in Form eines Phantasmas fort. Bezüglich dieses Phantasmas vermeldete ein brasilianischer Anthropologe in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, dass seine dunkle Kehrseite mit dem hebräischen Monotheismus zu tun habe. Er sah in einem bestimmten Jahr des fünfzehnten Jahrhunderts einen doppelten Wendepunkt.

Wirtschaftliche Vorbedingungen und historische Stereotype

Dieser Wendepunkt war zum einen die Vorbedingung für den Aufstieg einer europäischen Weltwirtschaft. Zum anderen war er die Vorbedingung für das Aufkommen der hartnäckigen, gleichsam strukturellen Überzeugung, dass jüdische Händler die Schalthebel des Welthandels in Händen hielten. Im Grunde war das jüdische Problem in Portugal immer nur ein wirtschaftliches, hervorgerufen durch einen aufreizenden und mächtigen Mechanismus, der ständig an der Mehrheit des Volkes saugte. Dies geschah aber nicht nur zum Wohl der israelitischen Minderheit, sondern ebenso zugunsten der gewaltigen plutokratischen Interessen der Könige, der großen Herren und der geistlichen Orden. Durch einen quasi biologischen Spezialisierungsprozess wurden diese Händler überall zu großen Technikern des Wuchers.

Das Erbe der Vertreibung und der Eroberung

Ihnen wurde ein Profil eines Raubvogels zugeschrieben, mit Gesten des Packens und Festhaltens, mit Händen in Form von Krallen, die unfähig seien zu säen und zu schaffen, und nur fähig, zusammenzuraffen. So haben geschichtliche Gegebenheiten diese Gruppen geformt, wie es in den historischen Analysen heißt. Eine ähnliche Überzeugung hatte das Edikt zur Vertreibung dieser Bevölkerungsgruppe veranlasst. Dies geschah einige Monate, bevor sich die Konquistadoren anschickten, wie Raubtiere über die Neue Welt herzufallen, getrieben von derselben zugeschriebenen Unfähigkeit zu schaffen und dem alleinigen Drang zusammenzuraffen.

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